Kraut und Braunfäule

Ein regenreicher Sommer versetzt erfahrene Hobbygärtner in Alarmzustand. Sie wissen um das botanische Damoklesschwert, das nun über ihren liebevoll gepflegten Tomaten und Kartoffeln schwebt. Die Pilzkrankheit Phytophthora infestans breitet sich angesichts feucht-warmer Witterungsbedingungen explosionsartig aus. Das Unheil nimmt an Kartoffelpflanzen seinen Anfang und findet innerhalb kurzer Zeit einen Weg zu den Tomaten. Informierte Freizeitgärtner bedienen sich bereits im Vorfeld vorbeugender Maßnahmen, um einer extensiven Ausbreitung entgegenzuwirken. Erfahren Sie im Folgenden alle Details, wie Sie Krautfäule und Braunfäule an Tomaten und Kartoffeln bekämpfen und sich die Freude an der Hobbygärtnerei erhalten.

Biologie des Phytophthora infestans

Bei dem Erreger der Kraut- und Braunfäule handelt es sich um einen Eipilz. Dieser hat sich spezialisiert auf den Befall von Nachtschattengewächsen, insbesondere Kartoffeln und Tomaten. Eher selten wählt er Auberginen oder Paprika als Wirtspflanzen aus. Da die Sporen bis heute empfindliche Ertragsausfälle verursachen, beschäftigen sich Heerscharen von Wissenschaftlern und Gärtnern mit dem Problem, sodass mittlerweile ein umfangreicher Erfahrungsschatz zusammengetragen wurde zur effektiven Bekämpfung. Wenngleich im Hausgarten das Spektrum an Fungiziden stark begrenzt ist, haben sich auf Seiten gesundheits- und umweltbewusster Methoden eine ganze Reihe wirksamer Vorgehensweisen herauskristallisiert, von denen Hobbygärtner profitieren. Ohne in wissenschaftliche Spitzfindigkeiten abzugleiten, sind die folgenden Details durchaus von Bedeutung für eine erfolgreiche Vorbeugung und Bekämpfung:

  • Der Krautfäule-Pilz überwintert in infizierten Kartoffelknollen und angehäuften Ernterückständen
  • Aktivität wird ausgelöst durch Temperaturen von 15-23 Grad Celsius und Feuchtigkeit
  • Ab einer anhaltenden Blattfeuchtigkeit über mehr als 10 Stunden setzt die Ausbreitung ein
  • Zentraler Weg der Verbreitung erfolgt mittels Wind und Gießwasser
  • Befall der Wirtspflanzen erfolgt sowohl über verletztes, als auch über intaktes Gewebe
  • Zeitraum der Entwicklung einer Sporen-Generation beträgt 3-4 Tage
  • Ein ausgereifter Pilz überdauert Trockenphasen über mehrere Wochen in Wirtspflanzen

Was den Braunfäule-Pilz so gefährlich macht, ist seine Fähigkeit, sich mittels Mutation flexibel an jedwede Bekämpfungsmethode anzupassen. Es findet somit ein permanenter Wettlauf statt zwischen Mensch und Erreger. Ein eindeutiger Sieger zeichnet sich bislang nicht ab.

Schadbild an Kartoffeln

KartoffelnIst der Juni gekennzeichnet durch eine feucht-warme Witterung, entstehen auf den Blättern graugrüne Flecken, die sich in der Folge braun färben und auf die Stängel übergreifen. Zugleich beginnt das Laub damit, sich einzurollen. Werfen Sie nun einen Blick auf die Blattunterseiten, erkennen Sie dort einen grau-weißen Schimmelrasen. Nun dauert es nicht mehr lange, bis der Pilz die Knollen erreicht. Eingesunkene Stellen entstehen, unter denen sich das Fruchtfleisch rot-braun färbt. Schneiden Sie eine Kartoffel auf, offenbart sich Ihnen die ganze Katastrophe in Form von Fäulnis bis in die Knollenmitte. Bei Kartoffeln im Erntelager gesellen sich häufig noch Weichfäule-Bakterien hinzu. Daraus folgt, dass nicht nur Vorratskartoffeln, sondern auch das Saatgut von der Krautfäule bzw. Braunfäule befallen sein können. Von hier aus unternimmt die Pilzinfektion im nächsten Jahr einen erneuten Angriff.

Vorbeugende Maßnahmen
Von der Kraut- und Braunfäule geht einzig eine Gefahr aus, wenn der Sommer bestimmt ist durch häufige Regenfälle. Da eine dauerhaft trockene Witterung in den hiesigen Breiten eher die Ausnahme ist, sollte bereits im Vorfeld des Kartoffel-Anbaus an prophylaktische Maßnahmen gedacht werden, um die Pilzinfektion im Ernstfall zumindest unter Kontrolle zu behalten.

  • Nachweislich anfällige Sorten meiden, zugunsten resistenter Sorten, wie Christa oder Nicola
  • Das Kartoffelbeet weit entfernt anlegen vom Tomatenbeet
  • Einen großzügig bemessenen Pflanzabstand wählen für möglichst luftige Bedingungen
  • Die Saatreihen ausrichten nach der Hauptwindrichtung von West nach Ost
  • Erntekartoffeln, die als Saatgut dienen sollen, für 1 Woche in der Sonne immunisieren
  • Saatknollen vor dem Pflanzen eine Viertelstunde in Schachtelhalmbrühe legen
  • Das Beet und die Kartoffelpflanzen wöchentlich mit Urgesteinsmehl einstäuben
  • Den Boden regelmäßig mulchen, um Spritzwasser zu vermeiden
  • Die Pflanzen stärken mit Rhabarbertee, Schachtelhalmtee oder Brennnesselsud
  • Kartoffeln in Mischkultur anbauen mit Sellerie, Hanf oder Bohnen
  • Stärkungspräparate verabreichen, wie Lebermoosextrakt oder Ulmasud B
  • Statt Stickstoff-betonten Dünger zu verwenden, besser mit Beinwelljauche düngen

Verlief der Kartoffelanbau reibungslos, lässt ein erfahrener Hobbygärtner im Rahmen der Ernte trotzdem nicht nach in der Aufmerksamkeit. Im Hinblick auf die nächste Saison dienen die folgenden Verhaltensweisen ebenfalls der Vorbeugung gegen Phytophthora infestans:

  • Zuerst das Kartoffelkraut ausreißen und vernichten
  • Die Ernte prinzipiell bei warmem, trockenem Wetter durchführen
  • Geerntete Kartoffeln vor der Einlagerung keinesfalls waschen

KartoffelnHerrscht während der Erntezeit trockenes, warmes Wetter, belassen Sie die Kartoffeln noch für ca. 3 Wochen im Beet. Diese Zeit dauert es, bis sich eine Pilzinfektion auch äußerlich zeigt in Form einer gräulichen Schale mit Dellen. So bietet sich Ihnen die Gelegenheit, noch rechtzeitig befallene Knollen auszusortieren.

Bekämpfung
Offenbaren sich die beschriebenen Schadbilder, besteht unmittelbarer Handlungsbedarf, um die Kartoffelernte noch zu retten. Gute Chancen bestehen, wenn Sie die Symptome auf den Blättern frühzeitig erkennen und ein Übergreifen auf die Knollen verhindern können. Die folgenden Präparate sind derzeit für den Einsatz im Kleingarten zugelassen:

  • Atempo-Kupfer-Pilzfrei
  • Bayer Garten Gemüse Pilzfrei
  • Cueva Pilzfrei
  • Fungisan Gemüse-Pilzfrei
  • Gemüse-Pilzfrei Polyram
  • Gemüse-Pilzfrei Saprol

Die Präparate basieren auf unterschiedlichen Wirkstoffen, die als gemeinsames Ziel den Ausbruch der Krankheit verhindern sollen. Die Pilzsporen werden auch bei schlechtem Wetter beseitigt, weil sie sich gerade dann innerhalb von Stunden vermehren. Diese Auflistung stellt nur eine Momentaufnahme dar. Die Datenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit veröffentlicht regelmäßig eine aktuelle Liste aller Präparate, die für den Hausgarten zugelassen sind.

Tipp: Selbst wenn Sie ein Präparat entdeckt haben, das Ihre Kartoffeln schützt, sollten Sie die Mittel wiederholt wechseln. Phytophthora infestans ist listig und hinterhältig. Der Pilz passt sich dem Wirkstoff an und entwickelt eine Resistenz, wenn er ihm nur lange genug ausgesetzt wird.

Schadbild an Tomaten

TomatenpflanzenEin klassisches Symptom für die Kraut- und Braunfäule im Anfangsstadium sind die verschwommen begrenzten, braunfarbenen Stellen auf Stängeln und Blättern. Hält das feuchte Wetter länger an, entwickelt sich auf den Blattunterseiten ein weißlicher Pilzbelag. Nun schreitet die Infektion rasend schnell fort, indem das Laub schwarz wird und welkt. Die Triebe weichen auf und knicken ab. Auf den Früchten zeigen sich glasige, hellbraune Flecken. Die Schale platzt auf und die Tomaten fallen zu Boden. Kleine Früchte bleiben an der Pflanze hängen und verwandeln sich in Mumien. Derweil setzt sich die Sporenvermehrung weiter fort, was den Befallsdruck erhöht.

Vorbeugende Maßnahmen
Hobbygärtner, die Kartoffeln in ihrem Garten anbauen, beziehen ihre Tomatenpflanzen in das prophylaktische Prozedere stets mit ein. Die Pilzsporen überwintern zwar nicht in infizierten Tomaten, sondern einzig in Kartoffeln. Bei einem Ausbruch der Krankheit dauert es trotzdem nur wenige Stunden, bis sie den Weg zum Tomatenbeet gefunden haben. Im Gegensatz zu Kartoffeln, haben sich bislang keine wirklich resistenten Tomatensorten hervorgetan. Spätestens nach 2 Wochen werden selbst die robustesten Sorten von der Kraut- und Braunfäule heimgesucht, sofern sie im Garten tobt. Kleinfrüchtige Tomatensorten haben immerhin noch die Chance, so lange durchzuhalten, bis sich trockenes Wetter einstellt und die Pilze sich zurückziehen. Vollkommen wehrlos sind Sie trotzdem nicht:

  • Tomaten grundsätzlich in sonnigen, luftigen Lagen pflanzen
  • Gut ist eine Mischkultur mit Knoblauch, Zwiebeln, Ringelblumen oder Kresse
  • Idealerweise eintriebig züchten, frühzeitig und regelmäßig ausgeizen
  • Berühren die unteren Blätter den Boden, werden sie entfernt
  • Prinzipiell unter einem Regendach (Tomatenhaus) bzw. im Gewächshaus kultivieren
  • Gartengeräte grundsätzlich vor, während und nach der Arbeit desinfizieren
  • Stützstäbe von Pflanzenresten wiederholt mit heißem Sodawasser reinigen
  • Eine Mulchschicht aus Gras oder Stroh zwischen den Pflanzreihen verhinderten Spritzwasser

Tipp: Meiden Sie den Anbau von Buschtomaten. Aufgrund ihres dichten Habitus trocknen sie viel zu langsam ab und ergeben somit ein dankbares Opfer für Phytophthora infestans. Zumindest sollten diese Tomaten in weiter Entfernung von Stabtomaten platziert sein.

Im Rahmen der täglichen Pflegearbeiten nehmen geübte Hobbygärtner ebenfalls Einfluss auf die Abwehr der Kraut- und Braunfäule. So gießen sie ihre Tomaten stets in den frühen Morgenstunden und niemals über Blätter und Blüten. Erweist es sich als notwendig, das Laub und die Triebe mit einem Präparat einzusprühen, erfolgt dies ebenfalls gleich nach Sonnenaufgang. Die Feuchtigkeit hat anschließend lange genug Zeit, um einzutrocknen. Nach einem Regenguss biegen sich die Blattspitzen mitunter nach oben. Schneiden Sie diese dann kurzerhand ab, damit das Wasser besser abläuft. Die folgenden biologischen Stärkungsmittel haben sich bewährt:

  • Schachtelhalmbrühe
  • Knoblauchschalentee
  • Moosextrakt, Lebermoosextrakt
  • Rhabarberblätter-Tee
  • Zwiebelschalen-Tee

Für welches natürliche Stärkungsmittel Sie sich auch entscheiden; fügen Sie stets noch ein wenig Baldrianblüten-Lösung hinzu und bringen es stets nur ganz dünn auf die Tomatenpflanze aus.

Ausgeizen zählt zu den unverzichtbaren Pflegearbeiten an Tomaten. Da hierbei Verletzungen am Gewebe entstehen, erhöht sich die Gefahr einer Infektion durch die Pilzsporen des Phytophthora infestans. Umsichtige Hobbygärtner behandeln die Pflanze anschließend mit einem Zwiebelschalenextrakt. Hierzu übergießen Sie 20 Gramm Zwiebelschalen mit 1 Liter Wasser und lassen die Mischung einige Tage stehen. Es entsteht eine dünnflüssige, braune Tinktur, mit der Sie die Tomatenpflanze einpinseln. Die Behandlung hemmt nicht nur die Pilzsporen, sondern hält zugleich Schädlinge fern.

kranke TomatenpflanzenÜbrigens steht in jedem Bundesland ein Pflanzenschutzwarndienst der Landwirtschaftskammer bereit. Hier erhalten Sie aktuelle Warnhinweise bezüglich der Infektionsgefahr durch die Kraut- und Braunfäule.

Bekämpfung
Wenn es Ihren Garten trifft, ist das kein Grund, sogleich in Panik zu verfallen. Entfernen Sie als Sofortmaßnahme sämtliche erkennbar befallenen Pflanzenteile und entsorgen diese im Hausmüll. Das gilt ebenso für Früchte, die auf den Boden gefallen sind. Sofern Sie sich insbesondere bei der Tomatenkultur nicht mit der Anwendung industrieller Fungizide anfreunden können, macht ein neues Mittel unter Bio-Gärtnern von sich Reden. Da es sich noch in der Beurteilungsphase befindet, führt die Datenbank für Pflanzenschutzmittel das Präparat noch nicht auf. Es darf indes bereits erworben und angewendet werden: Myco-Sin von Biofa. Es handelt sich um ein Mittel auf der Basis von Schwefelsaurer Tonerde, das auch bereits schwach befallene Pflanzen soweit stärkt, dass die Pilzattacke abgewehrt werden kann. Zur Verstärkung kann Myco-Sin mit weiteren natürlichen Mitteln, wie Moosextrakt oder Schachtelhalmtee gemischt werden. An fundierten Erfahrungsberichten fehlt es bislang noch.

Alternativ wählen Sie unter den zugelassenen Fungiziden, um eine weitere Ausbreitung zu unterbinden. Derzeit bietet der Handel folgende Präparate an:
Compo Ortiva Spezial Pilzfrei

  • Cueva Tomaten Pilzfrei
  • Detia Pflanzen-Pilzfrei
  • Infinito

Bitte beachten Sie, dass diese Mittel chemischen Ursprungs sind und somit keinesfalls vollkommen unbedenklich für Mensch und Umwelt. Halten Sie sich bei der Anwendung streng an die Anweisungen des Herstellers.

Fazit

Erfahrene Hobbygärtner lassen sich vom Schreckgespenst der Kraut- und Braunfäule nicht beeindrucken. Wer sich vertraut macht mit den zahlreichen Methoden der Vorbeugung und Bekämpfung von Phytophthora infestans an Tomaten und Kartoffeln, weiß sich durchaus zu wehren. Bereits die Wahl des Saatgutes und der Anbaufläche zählen zu den prophylaktischen Maßnahmen. Diese setzen sich fort in einer gezielten Pflege, die eine drohende Gefahr dieser hartnäckigen Pilzinfektion stets im Auge behält. Solange sich der Sommer als heiter und trocken erweist, besteht ohnehin kein Grund zur Beunruhigung. Setzt schlechtes Wetter ein, ist es beruhigend, wenn alle Vorsichtsmaßnahmen ergriffen wurden. Tritt der Ernstfall doch noch ein, stehen als letzter Ausweg verschiedene Fungizide zur Verfügung.