Radicchio anbauen

Eine Augenweide im Beet und auf dem Teller, nussiges Aroma und reich an Vitamin C – so hat mediterraner Radicchio die Herzen der Hobbygärtner erobert. Dank innovativer Züchtungen ist ein Anbau nördlich der Alpen kein Wunschtraum mehr. Die Rede ist von den Palla-Rosso-Sorten, die sich mit dunkelroten, festen Köpfen eindrucksvoll in Szene setzen. Als knackige Salatbeigabe oder appetitliches Gemüse, bringt Radicchio den kulinarischen Zauber Italiens auf den Tisch. Stöbern Sie hier in einer Selektion bewährter Sorten. Erkunden Sie anhand einer Anleitung zur Aussaat und Pflege des Salats, wie die Kultivierung erfolgreich verläuft.

Steckbrief

  • Familie der Korbblütler (Asteraceae)
  • Unterart der Gattung Wegwarten (Cichorium)
  • Bezeichnung der Art: Radicchio (Cichorium intybus)
  • Beheimatet im Mittelmeerraum, Eurasien und Nordafrika
  • Einjährige oder ausdauernde krautige Pflanze mit tief reichender Pfahlwurzel
  • Bildet dunkelrote, feste Salatköpfe mit weißen Blattrippen und grünen Außenblättern
  • Reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Bitterstoffen
  • Ausgesuchte Sorten mit Temperaturminimum von – 5 Grad Celsius
  • Trivialnamen: Fleischkraut, Salat-Zichorie, Wurzel-Zichorie

Empfehlenswerte Sorten

radicchio SortenDie folgende Auslese stellt Ihnen Sorten vor, die explizit für das mitteleuropäische Klima gezüchtet wurden und sich im privaten Nutzgarten bewährt haben.

  • Rosso di Chioggia – Die wohl populärste Radicchio-Sorte außerhalb Italiens, dank robuster Konstitution und ausgezeichneter Anpassung an unsere Klimaverhältnisse. Die weinroten Blätter sind durchzogen von weißen Rippen. Die festen Köpfe bleiben nach der Ernte für mehrere Wochen im Kühlschrank knackfrisch. Geeignet für die Sommer- und Herbstaussaat
  • Palla Rossa – Die Premium-Sorte punktet mit festen, violetten Köpfen und weißen Rippen. Umhüllt wird der Salat von grünen Blättern, wie bei den meisten Radicchio-Sorten. Erst im Herbst nimmt die späte Züchtung ihre unübersehbare Färbung an, wenn die Nächte kälter werden. Geeignet für die Sommer- und Herbstaussaat.
  • Roter von Verona – Sehr robuste, kompakte, mittelspäte Sorte. Die dunkelroten, herzförmigen Blätter bereichern jeden Sommersalat mit Farbe und einzigartigem Nuss-Aroma. Geeignet für die Sommersaat
  • Rossa di Trevisio – Historische Radicchio-Sorte aus dem 16. Jahrhundert. Die Salatköpfe bilden lange, spitze, rot-grüne Blätter aus. Eine der frostverträglichsten Züchtungen überhaupt, mit dem Potenzial der Überwinterung im Beet. Geeignet für die Aussaat von April bis August
  • Variegata di Castelfranco – Traumhaft schöner Radicchio mit hellgrünen bis cremefarbenen, rot gesprenkelten Salatköpfen. Seinem anmutigen Habitus verdankt der Hybride den Beinamen Orchideen-Salat. Die lockere Anordnung erinnert an einen Kopfsalat mit kräftigen Blättern. Fernerhin besticht die Sorte mit einem ungewöhnlich milden Aroma, ohne den typischen bitteren Nachgeschmack. Das Temperaturminimum liegt bei 0 Grad Celsius. Geeignet für die Aussaat von Mitte Juni bis Mitte August
  • Indigo – Alt bewährte Sorte mit dunkelrotem Kopf, umhüllt von grünen Blättern. Dieser Radicchio zeichnet sich aus durch ein zügiges und kräftiges Wachstum. Indigo ist überdies unempfindlich gegen das gefürchtete Schossen und bildet keine braunen Blattränder aus. Geeignet für die Sommersaat
  • Variegata Precoce Romea – Ein malerischer Blickfang mit rot-weißen Blättern und weißen Rippen. Die Sorte begeistert mit einem harmonisch abgerundeten Geschmack, ohne dass das typische bittere Aroma dominiert. Überdies nimmt dieser Radicchio nur eine kurze Wachstumsphase von 6-8 Wochen in Anspruch. Geeignet für die Aussaat von Juni bis August
  • Variegata Precoce di Luisa – Die Sorte trumpft auf mit Blättern, wie gemalt. Die hellgrüne und weiße Grundfarbe ist mit karminroten Flecken überzogen. Nach einer kurzen Kulturzeit von 70 Tagen ernten Sie handliche Salatköpfe mit einem Gewicht von rund 250 Gramm. Der süßliche Geschmack verleitet sogar Salat-resistente Kinder, munter zuzugreifen. Geeignet für die Aussaat von Juni bis August

Aussaat

Um Radicchio aus Samen heranzuziehen, haben Sie die Wahl zwischen der Vorkultur hinter Glas und der Direktaussaat im Beet. Vorgezogene Pflanzen starten mit einem vitalen Wachstumsvorsprung in die Saison, was in einer früheren Ernte resultiert. Dabei gilt es, verschiedene Aspekte zu beachten, damit es später im Beet nicht zum Schossen kommt. Die Direktaussaat mündet zwar in einer späteren Ernte, ist indes mit weniger Unwägbarkeiten behaftet. Alle wichtigen Details erläutern wir im Folgenden:

Vorkultur

RadicchioIm April öffnet sich das Zeitfenster für die Aussaat hinter Glas. Es ist von Vorteil, wenn Sie als Saatgefäß kleine Torftöpfe wählen. Da Radicchio bereits als Jungpflanze eine tief reichende Pfahlwurzel entwickelt, ist bereits das Pikieren und Umtopfen äußerst heikel. Torftöpfe können später mitsamt dem Sämling ausgepflanzt werden, sodass die Wurzel unbehelligt bleibt. Ansonsten ist eine Auspflanzung spätestens nach 4 Wochen erforderlich. Unter folgenden Rahmenbedingungen gelingt die Aussaat:

  • Die Samen 6 Stunden einweichen in Kamillentee oder Wasser
  • Dünn aussäen auf nährstoffarmem Substrat
  • Die Lichtkeimer nur andrücken oder maximal 0,5 cm mit Sand oder Vermiculite übersieben
  • Anfeuchten mit feiner Brause oder von unten gießen

Für die Keimung ist eine konstante Temperatur zwischen 16 und 20 Grad Celsius. Kommt es zu Schwankungen über oder unter diese Werte, neigt die Pflanze im Beet zum Schossen. Platzieren Sie die Saatgefäße daher in einem beheizbaren Zimmergewächshaus, um die Wärme besser kontrollieren zu können. Halten Sie das Substrat konstant leicht feucht und lüften das Minigewächshaus täglich für einige Minuten. Ausgepflanzt werden die jungen Radicchio ab Mitte Mai im Abstand von 30 x 30 cm.

Direktaussaat

Die gewählte Sorte definiert den genauen Zeitpunkt für die Direktaussaat. Warten Sie zumindest bis Mitte Mai, damit die untere Temperaturgrenze von 16 Grad Celsius nicht unterschritten wird.

  • Am sonnigen Standort in humos-lockerer, tiefgründiger Gartenerde ein feinkrümeliges Saatbeet anlegen
  • Die Samen im Abstand von 25 x 25 oder 30 x 30 cm aussäen
  • Nur ganz dünn mit Sand übersieben, etwas andrücken und überbrausen

Zum Schutz vor gefräßigen Schädlingen, pickenden Vögeln und Witterungseinflüssen, stülpen Sie eine transparente Haube oder einen Folientunnel über das Saatbeet.

Tipp: Für eine lang andauernde Erntezeit und maximale Erntesicherheit empfiehlt sich die Aussaat im zeitlichen Versatz von 2 Wochen bis Ende Juli.

Pflege des Salats

Maßgeblichen Einfluss auf eine reiche Ernte prachtvoller Salatköpfe haben die Wahl des Standortes sowie eine ausgewogener Wasser- und Nährstoffhaushalt. Alle relevanten Kriterien werden im Folgenden näher beleuchtet.

Standort
Radicchio favorisiert einen sonnigen, warmen und geschützten Standort. Wählen Sie eine luftumspülte Lage, damit die Blätter nach einem Regenguss rasch abtrocknen und sich bei feucht-warmer Witterung keine Fäulnis bildet. An den Boden stellt der mediterrane Salat bescheidene Ansprüche. Normale, frische bis mäßig trockene Gartenerde erfüllt in der Regel die Anforderungen. Idealerweise humos, locker und tiefgründig genug ist für die lange Pfahlwurzel.

Gießen
Immer dann, wenn die Erde 1-2 cm tief angetrocknet ist, gießen Sie Ihren Radicchio mäßig. Eine kurze Fingerprobe gibt näheren Aufschluss über den tatsächlichen Wasserbedarf. Geben Sie das Wasser unmittelbar auf die Wurzelscheibe. Vermeiden Sie eine Überkopf-Beregnung der Pflanze.

Düngen
Radicchio im BeetUnter den Nutzpflanzen des Gartens zählt Radicchio zu den Mittelzehrern. Den moderaten Nährstoffbedarf decken Sie mit organischem Dünger. Bestens geeignet sind 60 bis 80 Gramm Hornmehl oder 3 Liter Kompost je Quadratmeter. Setzen Sie den Salat nicht der geballten Nährstoffladung eines mineralischen Düngers aus. Einerseits gelangen über diesen Weg chemische Inhaltsstoffe in Ihre Nahrung; andererseits reagiert Salat-Zichorie auf eine Überdüngung mit faulenden Köpfen.

Tipp: Konsequentes Hacken und Unkrautjäten ist während der gesamten Anbauzeit oberste Gärtnerpflicht. Entfernen Sie alle 2-3 Tage emporschießende Beikräuter, da diese den Radicchio innerhalb kurzer Zeit überwuchern und im Boden die Nährstoffe entziehen.

Überwintern

In milden Lagen gedeihen spezielle Wintersorten, wie Rossa de Treviso, bis in den Dezember hinein im Beet und versorgen die Küche mit knack-frischem Salat. Ein Schutz aus Vlies, Stroh oder Reisig hält Frost und Dauernässe auf Abstand. Gut geeignet ist ein Folientunnel, der ein geeignetes Mikroklima erzeugt, sofern regelmäßig gelüftet wird.

Krankheiten und Schädlinge

An Radicchio werden Sie nur selten über Krankheiten und Schädlinge zu klagen haben. Richtig gepflegt am adäquaten Standort, erweist sich die Salatpflanze als weitgehend resistent. Vor den folgenden gesundheitlichen Problemen ist Salat-Zichorie dennoch nicht gefeit:

Kranzfäule
Es handelt sich um eine physiologische Störung, die auf Versäumnissen in der Pflege basiert. Auf den Blättern entwickeln sich braune Flecken, die sich zu einem Kranz verbräunen. Im weiteren Verlauf nimmt das gesamte Blatt eine braune Farbe an und stirbt ab. Fatalerweise äußert sich diese Krankheit im Herbst an bis dahin gut entwickelten Köpfen. Wesentliche Ursache ist eine zu hohe Stickstoffdüngung, woraufhin Kalzium im Boden festgelegt wird und nicht mehr aufgenommen werden kann. Vermeiden Sie daher die Gabe von mineralischen Volldüngern und verabreichen ausschließlich organische Materialien, wie Kompost und Hornspäne.

Blattläuse
RadicchioDie im Garten allgegenwärtigen Blattläuse verschonen Radicchio nicht. Breiten sich die winzigen, schwarzen, braunen, weißen oder grünen Schädlinge auf den Blättern aus, hat sich ein Hausmittel für die Bekämpfung im frühen Stadium ausgezeichnet bewährt. In 1 Liter Wasser geben Sie je 1 Esslöffel reine Schmierseife und Spiritus. Eingefüllt in eine Sprühflasche, behandeln Sie die befallene Pflanze auf den Ober- und Unterseiten der Blätter, bis die Läuse verschwunden sind. Um den Bekämpfungserfolg richtig zu beurteilen, achten Sie zudem auf Ameisen. Diese sind versessen auf den Honigtau, den Blattläuse als Abfallprodukt ausscheiden. Solange sich Ameisen rund um einen Salat-Zichorie tummeln, sind noch Restbestände von Blattläusen vorhanden. Als effektive Vorbeugung breiten Sie ein feines Insektennetz über dem Beet aus.

Wühlmäuse
Die fleischigen Pfahlwurzeln eines Radicchio sind für Wühlmäuse eine begehrte Delikatesse. Wird den Nagern kein Paroli geboten, machen sie keinen Halt vor Blättern und ganzen Salatköpfen. Um diesem Schaden vorzubeugen, werden in gefährdeten Beeten die Jungpflanzen in einem geräumigen Wühlmauskorb in die Erde gesetzt. Dabei handelt es sich um ein engmaschiges Drahtgeflecht, das zuerst im Boden versenkt wird, bevor Salat-Zichorie gepflanzt oder ausgesät wird.

Häufig gestellte Fragen

Welche Mischkultur ist für Radicchio zu empfehlen?

Der mediterrane Salat gedeiht ausgezeichnet in Gesellschaft von Bohnen, Gurken, Kohl, Spinat, Porree, Erbsen, Tomaten, Schnittlauch oder Zwiebeln. Vergesellschaftet mit Ringelblumen, bleiben Schädlinge auf Distanz. Vermeiden Sie hingegen eine unmittelbare Nachbarschaft zu Petersilie, Sellerie, Endivien und Radieschen.

Warum faulen meine Radicchioköpfe mitten in der Saison?

Es sind in erster Linie drei Auslöser, die verantwortlich sind für faulende Radicchio-Salatköpfe. Hält eine feucht-warme Witterung über längere Zeit an, bleibt den Blättern nicht genug Zeit zum Trocknen. Wählen Sie daher vorzugsweise einen luftumspülten Standort. Darüber hinaus gilt der Salat als Mittelzehrer. Auf eine Überdosierung von Dünger reagiert die Pflanze mit Fäulnis. Nicht zuletzt zeichnet Staunässe für dieses Schadbild verantwortlich. Gießen Sie erst dann, wenn die Erdoberfläche angetrocknet ist.