Preiselbeeren

Die Preiselbeere ist in Deutschland außerdem unter den Namen Kroonsbeere, Moosbeere und Riffelbeere bekannt. Der immergrüne, winterharte Zwergstrauch mit einer Wuchshöhe zwischen 10 cm und 40 cm ist im Ziergarten beliebt als Unterpflanzung von hoch wachsenden Gehölzen. Neben der schönen Blüte des kleinen Strauches, sind es vor allem die kleinen, roten, leicht säuerlichen Früchte, die dazu beitragen, dass der Preiselbeer-Strauch ein gern gesehener Gast im Hobbygarten ist.

Preiselbeeren im Beet pflanzen

Bestmöglicher Zeitpunkt, die Preiselbeeren zu pflanzen, ist der Herbst, vorzugsweise im September oder Oktober. Wer nicht vor dem Winter pflanzen möchte, setzt die jungen Pflanzen alternativ im zeitigen Frühjahr in den Boden, wenn der Frost herausgezogen ist.

  • Die ideale Lage ist sonnig oder liegt im Halbschatten.
  • Bodenqualität ist feucht, humos und leicht sauer.
  • Preiselbeeren vertragen keine kalkhaltige Pflanzerde.
  • PH-Wert liegt zwischen 5 und 6.
  • Schweren Boden mit Rindenhumus oder Sand-Kies-Gemisch auflockern.
  • Zu hohen pH-Wert durch Beigabe von Torf oder Moorbeeterde senken.
  • Pflanzerde mit Kompost oder Hornspänen anreichern.
  • Das Pflanzloch ist zweimal größer als der Wurzelballen.
  • Eine Drainage aus Kies oder Tonscherben beugt Staunässe vor.
  • Der Pflanzabstand beträgt 35 cm bis 40 cm.
  • Anbau in Reihen erleichtert die Ernte.
  • Nachbarschaft zu Rhododendron fördert Ernteertrag.
  • Nicht zu knapp angießen.

Erfahrene Gartenfreunde pflanzen die jungen Preiselbeeren etwas tiefer als bisher, um die verstärkte Bildung neuer Triebe anzuregen. Da der niedrige pH-Wert eine Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Anbau der Kroonsbeere ist, wird dieser zuvor mithilfe eines Test-Sets ermittelt, das im Gartencenter erhältlich ist.

Pflanzen im Kübel und Blumenkasten

Dank des dekorativen Habitus der Preiselbeere, entscheiden sich immer mehr Gartenfreunde zu einer Kultivierung im Kübel und Blumenkasten. Als Substrat eignet sich in diesem Fall eine Mischung aus Rhododendron-Erde, Kompost und Sand. Wer mag, fügt noch einige Handvoll Hornspäne hinzu. Da Preisebeer-Sträucher keine Staunässe vertragen, erhält das Pflanzgefäß über dem Ablaufloch für überschüssiges Wasser noch eine Drainage aus Kies, Perlite oder zerstoßenen Tonscherben. Obgleich Preiselbeeren winterhart sind, besteht im Pflanzgefäß die Gefahr, dass bei starkem Frost der Wurzelballen darin durchfriert. Daher ist ein Winterschutz angeraten, indem der Kübel auf einen Holz- oder Styroporblock gestellt und mit schützender Folie umwickelt wird. Eine Schicht aus Stroh oder Reisig verhindert ein Durchfrieren von oben. Sobald sich die Temperaturen konstant um 0° Celsius bewegen, kann der Winterschutz entfernt werden.

Pflege-Anleitung

PreiselbeerenIn den ersten beiden Jahren tragen die Preiselbeer-Sträucher noch keine Früchte. Die erste Ernte wird in der Regel im dritten Jahr ab September durchgeführt. Ab dann ist sogar jedes Jahr eine zweimalige Ernte möglich, und zwar im Juni/Juli und im Oktober. Damit die Beerenernte stets ertragreich ausfällt, sollten die folgenden Tipps und Ratschläge zur Pflege beherzigt werden:

  • Stets mit Regenwasser gießen.
  • Alternativ abgekochtes Leitungswasser benutzen.
  • Staunässe vermeiden.
  • Ein Mal jährlich mit Kompost und Hornmehl düngen.
  • Keinen chlorhaltigen Dünger verwenden.
  • Regelmäßiges Unkrautjäten ist unverzichtbar.
  • Keinen Unkrautvernichter verwenden.
  • Mulchen mit Sägespänen, Rasenschnitt oder Tannennadeln.
  • Bei Bedarf nach der Blüte leicht stutzen.
  • Altes Holz jedes Jahr herausschneiden.
  • Vor dem Winter durchdringend wässern.
  • Winterschutz ist nicht erforderlich.

Das Auslichten nach der Blüte dient dazu, dass die Sonne alle Teile des Strauches erreichen kann, damit die Preiselbeeren rot und saftig werden. Ein umfangreicher Rückschnitt des Zwerg-Strauches ist nur im Falle der Vergreisung ratsam. Da Preiselbeeren bis -20° Celsius winterhart sind, kann auf einen Winterschutz verzichtet werden. Lediglich wenn die Temperaturen unter diese Marke fallen, werden sie mit Stroh oder Reisig abgedeckt.

Vermehren

Möchte der Gartenfreund seine Preiselbeer-Sträucher vermehren, stehen verschiedene Methoden zur Auswahl:

Absenker
Ein kräftiger Trieb wird zum Boden hinabgesenkt und dort in einer zuvor mit dem Spaten gezogenen Rinne mit Erde leicht bedeckt. Damit der Absenker nicht wieder in die Höhe schnellt, wird er mit Steinen beschwert oder mit Krampen (U-förmige Nägel) fixiert. Die Bewurzelung wird forciert, indem der Trieb an mehreren Stellen mit einem scharfen Messer oder einer Rasierklinge leicht angeritzt wird. Die Triebspitze muss am Ende noch aus der Erde herausschauen. Wie bei der Pflanzung, ist auch für die Vermehrung durch Absenker der Herbst die beste Zeit für die Maßnahme. Erfahrungsgemäß hat sich bis zum nächsten Frühjahr am Trieb ein so kräftiges Wurzelsystem gebildet, dass er von der Mutterpflanze getrennt werden kann.

Stecklinge
PreiselbeerenEine weitere, recht erfolgversprechende Methode der Vermehrung erfolgt mithilfe von Stecklingen. Im Verlauf des Sommers, während der Wachstumsphase, werden vom Preiselbeer-Strauch mehrere, kräftige, nicht blühende Triebe abgeschnitten mit einer Länge von 10 cm bis 15 cm. Die untere Hälfte der Triebe wird von sämtlichen Blättern befreit. Eine alte Gärtnerweisheit besagt, dass ‚gestohlene‘ Stecklinge am besten wurzeln. Die Ursache dafür liegt wohl eher darin, dass die stibitzen Triebe zumeist eine Zeitlang in der Jackentasche transportiert werden, wodurch die Schnittstellen antrocknen. Daher legen erfahrene Gartenfreunde die Triebe für etwa 2 Stunden in den Schatten, bevor sie mit der Vermehrung fortfahren. Die Stecklinge werden in kleine Töpfchen mit Anzuchterde gesteckt und an einem warmen Ort aufbewahrt, wo das Substrat permanent leicht feucht gehalten wird. Bis September oder Oktober haben sie ein so stabiles Wurzelsystem entwickelt, dass sie in ihrem endgültigen Standort eingepflanzt werden können.

Für die Vermehrung durch Samen sind in der Natur die Vögel zuständig, weil sie die Beeren fressen. Die eigenhändige Vermehrung durch Ernte der Samen und Aussaat, wird von Hobbygärtnern in der Regel nicht vorgenommen. Da es sich bei Preiselbeeren um Kaltkeimer handelt, ist die Aussaat im Vergleich zu den vegetativen Methoden sehr aufwändig:

Aussaat
Kaltkeimer-Pflanzen, wie die Preiselbeere, benötigen Feuchtigkeit und einen Kältereiz für die Keimung. Die Samen können im Handel erworben oder selbst aus den Früchten entnommen werden. Während der ersten 4 Wochen werden sie in Anzuchterde etwas angedrückt und permanent leicht feucht gehalten bei einer Temperatur zwischen 18° und 22° Celsius. In dieser Phase weicht die harte Samenschale auf, als grundsätzliche Voraussetzung für die spätere Keimung. Danach folgen 6 bis 8 Wochen bei -4° Celsius bis maximal +4° Celsius. Diese Zeit können die Samen in einem Frühbeet, auf dem Balkon oder im Kühlschrank verbringen, jedoch keinesfalls in der Tiefkühltruhe. Von Vorteil ist es, wenn die Samen in dieser Zeit von Schnee bedeckt sind, denn sie benötigen auch in dieser Periode ausreichend Feuchtigkeit. Nachdem sie den Kältereiz erhalten haben, werden die Preiselbeer-Samen schrittweise wieder an höhere Temperaturen gewöhnt. Verlief bisher alles richtig, setzt nun die Keimung ein und die Pflänzchen werden pikiert, sobald sich die ersten beiden Blättchen zeigen.

Cranberry ist nicht die englische Bezeichnung für Preiselbeere

Übereifrige Leute aus der Werbebranche sorgten vor einigen Jahren für Verwirrung, indem sie die Große Moosbeere (Vaccinium macrocarpon) – im Englischen Cranberry – als Kulturpreiselbeere bezeichneten. Die Große Moosbeere und die Preiselbeere sind zwar botanisch weitläufig verwandt, stellen jedoch zwei unterschiedliche Arten dar:

  • Cranberry ist ein kriechender Strauch mit bis zu 1 m langen Ausläufern.
  • Er wächst im Moorgebieten, vorzugsweise in der Nähe von Gewässern.
  • Preiselbeer-Sträucher wachsen auch in sandig-steiniger Lehmerde.
  • Die Früchte sind mindestens dreimal so groß, wie Preiselbeeren.
  • Das Fruchtfleisch von Cranberrys ist weiß, das von Preiselbeeren rot.
  • Cranberrys wachsen nur auf sehr sauren Böden mit dem pH-Wert 3 bis 5.
  • Die Große Moosbeere benötigt deutlich mehr Wasser, als die Preiselbeere.
  • Sie verträgt sogar kurzzeitig Staunässe.
  • Der Geschmack frischer Cranberrys ist gewöhnungsbedürftig, weil sauer und bitter.

Aufgrund der kriechenden Wuchsform ist die Cranberry-Pflanze gut geeignet als dekorativer Bodendecker, im Gegensatz zum straffen, aufrechten Habitus der Preiselbeere.

Krankheiten und Schädlinge

PreiselbeerenDer Preiselbeer-Strauch ist anfällig für den Befall von Nacktbasidien. Dabei handelt es sich um eine Pilz-Gattung mit 26 in Europa vorkommenden Arten. Eine dieser Arten hat sich auf Preiselbeeren spezialisiert mit dem Namen Gemeine Preiselbeer-Nacktbasidie (Exobasidium vaccinii). Bei einer Infektion verfärben sich die vorher sattgrünen Laubblätter leuchtend rot. Im weiteren Verlauf bilden sich verdickte rosa Gallen auf der Blattunterseite. Wirksame Bekämpfungsmethoden wurden bisher nicht entdeckt. Da sich die Pilze durch ihre Sporen verbreiten, sind erkrankte Pflanzen sogleich restlos zu entfernen.

Gegenüber weiteren Krankheiten oder Schädlingen hat sich der Preiselbeer-Strauch bisher als recht widerstandsfähig erwiesen.

Beliebte Sorten

Preiselbeere ‚Koralle‘ (Vaccinium vitis-idaea ‚Koralle‘)

  • Wuchshöhe bis 30 cm
  • Wuchsbreite 40 cm bis 80 cm
  • schöne, reinweiße Blüten
  • Blütezeit Mai bis Juni
  • besonders ertragreich

Preiselbeere ‚Red Pearl‘ (Vaccinium vitis-idaea ‚Red Pearl‘)

  • Früchte sind weniger sauer
  • Wuchshöhe 20 cm
  • Wuchsbreite bis 80 cm
  • viele kleine kirschrote Früchte
  • Blüte Mai bis Juni

Preiselbeere ‚Erzgebirgsperle‘ (Vaccinium vitis-idaea ‚Erzgebirgsperle‘)

  • dunkelrote, kugelrunde Früchte
  • sehr robuste Sorte
  • Wuchshöhe 20 cm bis 30 cm
  • reich tragend

Alle vorgestellten Sorten sind bis -20° Celsius winterhart und eignen sich für den Anbau im Beet, im Blumenkasten oder im Kübel.

Die Ernte vor ungebetenen Gästen schützen

PreiselbeerenDer umweltbewusste Hobbygärtner gestaltet seinen Garten zwar einladend für eine große Vogelschar, weil sie ihn auch bei der Bekämpfung verschiedener Schädlinge unterstützten; seine Zuneigung geht jedoch nicht soweit, dass sie restlos alle der liebevoll herangezogenen Preiselbeeren vertilgen dürfen. Erfahrene Gartenfreunde haben einige wirksame Methoden entwickelt, die Vögel von den leuchtend roten Beeren fernzuhalten, ohne sie so zu erschrecken, dass sie den Garten für immer verlassen:

  • Sträucher mit dornigem Reisig oder Netzen abdecken.
  • Attrappen von Greifvögeln oder Katzen aufstellen.
  • Blitzende CD’s oder Deckel von Aludosen aufhängen.
  • Kleine Holzpfähle einschlagen mit beweglichen Zaunhockern.

Von akustischen Vogelabwehr-Methoden, wie Ultraschall oder Knallgeräte, raten geübte Gartenfreunde ab. Einerseits wird ihre Wirksamkeit bezweifelt, andererseits ist der Ärger mit den Nachbarn vorprogrammiert, vor allem bei einer Dauerbeschallung.

Fazit
Ein Preiselbeer-Strauch bietet im Garten alle Vorzüge, die ein ambitionierter Hobbygärtner schätzt. Ab Mai zeigen sich dekorative, weiße Blüten mit einem zartrosafarbenen Hauch, denen viele kleine, scharlachrote Früchte folgen. Je nach Sorte ist sogar eine zweimalige Ernte pro Jahr möglich im Juli und im Oktober. Das anspruchslose Mitglied der Familie der Heidelbeerengewächse ist darüber hinaus ausgesprochen winterhart. Mit einer straffen, aufrechten Wuchshöhe bis 30 cm, harmonieren Preiselbeeren wunderbar mit Rhododendren und Azaleen als deren Unterbepflanzung. Wer die Vorzüge der Preiselbeere erst einmal kennengelernt hat, möchte den kleinen Strauch im Beet oder im Pflanzgefäß nicht mehr missen.