Oleander

Die mediterrane Blütenpracht hat auf Dauer nur Bestand, wenn Sie Ihren Oleander zumindest ein Mal im Jahr schneiden. Der regelmäßige Rück- und Formschnitt des bezaubernden Zierstrauchs ist der Dreh- und Angelpunkt innerhalb einer fachgerechten Pflege. Andernfalls verkahlt die südländische Schönheit von innen heraus, weil Luft und Licht nicht mehr dorthin gelangen. Das Resultat sind stark verholzte Triebe, an deren Ende vereinzelte Blüten ein trauriges Dasein fristen. Welchen Termin Sie für den Schnitt reservieren sollten und worauf Sie achten sollten, verrät die folgende Anleitung Schritt für Schritt.

Steckbrief

  • Pflanzenfamilie der Hundsgiftgewächse (Apocynaceae)
  • Einzige Art innerhalb der Gattung Nerium
  • Bezeichnung der Art: Oleander (Nerium oleander)
  • Beheimatet im Mittelmeerraum
  • Verholzender, immergrüner Strauch
  • Temperaturminimum um 0 Grad Celsius
  • Lange Blütezeit von Juni bis September
  • Anlage der Knospen erfolgt im Vorjahr
  • Giftig in allen Teilen
  • Weiterer Name: Rosenlorbeer

Seinen wohlklingenden Namen verdankt Oleander der Zusammensetzung aus ‚olea‘, dem lateinischen Begriff für Ölbaum und dem griechischen ‚rhododendron‘. Treffender hätten die Botaniker den Titel nicht wählen können. Das ledrige, tiefgrüne, glänzende Laub ähnelt den Blättern des Ölbaums, während die Blüten tatsächlich an einen Rhododendron erinnern.

Der richtige Zeitpunkt

Als typischer Sommerblüher legt ein Oleander seine Knospen bereits im Vorjahr an. Daraus folgt, dass der ideale Zeitpunkt für den Rückschnitt im zeitigen Frühjahr liegt.

  • Der Oleander ist mindestens zwei Jahre alt
  • Perfekt ist ein leicht bedeckter Tag mit trockener Witterung
  • Keinesfalls dürfen Temperaturen um den Gefrierpunkt herrschen

OleanderblütenGreifen Sie vorschnell im Herbst zur Schere, berauben Sie den Zierstrauch eines Großteils seiner kommenden Blütenpracht. Dieser Umstand bringt Hobbygärtner mitunter in eine missliche Lage. Bewog die liebevolle Pflege den Blütenstrauch im Verlauf des Sommers zu einem üppigen Wachstum, reicht das vorhandene Platzangebot im Winterquartier  möglicherweise nicht aus. Bevor Sie dem Oleander einen geschützten Raum für die Überwinterung verweigern, spricht in diesem Fall nichts dagegen, ihn ein wenig zu stutzen. Je zurückhaltender Sie dabei vorgehen, desto besser für den Oleander. Überdies animiert jede Schnittmaßnahme vor der Winterpause die Wurzeln zu einem viel zu frühen Austrieb. Im schlimmsten Fall investiert der Rosenlorbeer darin seine gesamten Energiereserven, die im Frühjahr dann nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Folge wäre ein sterbender Zierstrauch, der kaum noch zu retten ist. Den Hauptschnitt führen Sie demnach grundsätzlich im folgenden Frühjahr durch.

Tipp: Abgestorbene Äste dürfen während der gesamten Vegetationsperiode an der Basis geschnitten werden.

Anleitung für den Form- und Erhaltungsschnitt

Spätestens wenn der Oleander zum neuen Austrieb ansetzt, ist es an der Zeit, das Schneidwerkzeug hervorzuholen. Desinfizieren, schärfen und schmieren Sie die Scheren sorgfältig. Versäumen Sie nicht, Schutzkleidung, Handschuhe und Augenschutz anzulegen, denn der Giftgehalt eines Rosenlorbeers ist nicht zu unterschätzen. Darüber hinaus neigen die flexiblen Zweige dazu zurückzuschnellen. Ohne eine adäquate Brille geht so ein Missgeschick leicht ins Auge. Im ersten Schritt steht ein sorgfältiges Auslichten auf dem Programm. So gehen Sie dabei vor:

  • Vertrocknete Äste unmittelbar am Wurzelstock abschneiden
  • #Überkreuz wachsende und herabhängende Zweige am Ansatz kappen
  • Offensichtlich kranke Triebe vollständig entfernen
  • Einen bis drei der ältesten Äste an der Basis kappen

Wenn Sie nun einige Schritte zurücktreten, betrachten Sie einen deutlich luftigeren Oleander mit optimiertem Zugang von Sonne und Sauerstoff bis ins Strauchinnere. Es folgt die Feinarbeit, die ein wenig Augenmaß erfordert, sofern eine harmonische Silhouette das Ziel ist.

  • Zu lang geratene Triebe nur bis zum nächsten Knospenansatz schneiden
  • Die Schere stets 1-3 mm oberhalb einer Knospe in Schräghaltung ansetzen
  • Ausbrechen, statt schneiden fördert das natürliche Erscheinungsbild
  • Kleine Stummel dürfen stehen bleiben, denn daraus treibt der Rosenlorbeer wieder aus

OleanderstrauchIdealerweise formen am Ende die Kronenspitzen einen Halbkreis. Das gelingt ganz einfach, indem Sie die äußeren Zweige ein wenig kürzer schneiden, als die inneren Triebe. Nehmen Sie zwischendurch die Kontur in Augenschein oder basteln im Vorfeld eine Schablone als Orientierungshilfe.

Je tiefer ein Schnitt ins alte Holz erfolgt, desto schwerer tut sich der Oleander, dort wieder auszutreiben. Diese Prämisse ist indes nicht immer zu berücksichtigen. Insbesondere wenn ein Form- und Erhaltungsschnitt einige Jahre versäumt wurde, kommen Sie um einen radikalen Verjüngungsschnitt nicht herum.

Tipp: Verwelkte Blütenstände sollten möglichst am Rosenlorbeer verbleiben. Unter günstigen Bedingungen treiben die Blüten ein zweites Mal aus. Daran anschließend können sie ausgeputzt werden oder fallen ganz von selbst ab.

Anleitung für einen Verjüngungsschnitt

Die verschiedensten Gründe können einen Verjüngungsschnitt am Oleander unvermeidlich gestalten. Ist der Strauch von innen heraus extrem vergreist, vollständig von Schädlingen, Mehltau oder anderen Krankheiten befallen, kann nur noch ein radikaler Rückschnitt die Rettung bringen.

  • Sämtliche Äste bis auf die fingerdicken Triebe am Ansatz abschneiden
  • Diese Zweige werden um die Hälfte eingekürzt
  • Dabei möglichst nicht ins alte Holz schneiden
  • Je stärker der Rückschnitt, desto üppiger der neue Austrieb

Nach einem Verjüngungsschnitt fällt die diesjährige Blüte mit hoher Wahrscheinlichkeit aus. Da indes eine gewisse Anzahl an vitalen Trieben bestehen bleibt, dürfte im nächsten, spätestens im übernächsten Jahr die bezaubernde Oleanderblüte wieder zu bewundern sein.

Kombination aus Verjüngungsschnitt und Erziehung zum Hochstamm

RosenlorbeerEine kreative Variante der Verjüngung nutzt die negative Folgeerscheinung der Verkahlung für eine sinnige Verwandlung des Oleanders in einen Hochstamm. Wo für einige Zeit der turnusmäßige Rückschnitt versäumt oder zu zaghaft durchgeführt wurde, entwickelt ein Rosenlorbeer mächtige, unbelaubte Stämme. Nach herkömmlicher Methode sollten diese im Rahmen der Verjüngung vollständige gekappt werden zugunsten der schmaleren, vitalen Triebe. Wenn Sie schon immer von einem Oleander-Hochstamm träumten, ist nun die beste Gelegenheit, sich eigenhändig ein solches Exemplar zu gestalten. Zu diesem Zweck topfen Sie den Rosenlorbeer im Frühjahr aus. Mit einer Säge zerteilen Sie den Wurzelballen so, dass ein einzelner, gerader Stamm mit Wurzelwerk übrig bleibt. Dieses Teilstück dient als Ausgangsmaterial für einen Oleander-Hochstamm.
Zunächst topfen Sie den Stamm ein in frisches Substrat. Entlang des Stamms werden anschließend alle überflüssigen Triebe entfernt bis zur gewünschten Kronenhöhe. Soweit es in dieser frühen Phase möglich ist, schneiden Sie den Wipfel in Form.  An eine vollendet Hochstamm-Krone reicht das Gebilde noch nicht heran. Dieses Ziel erreichen Sie, indem mehrere Äste mithilfe von Schnüren vom Stamm weg abgespreizt und ein wenig tiefer daran angebunden werden.

In den ersten Wochen nach dieser Variante eines Verjüngungsschnitts präsentiert sich ein noch wenig dekoratives Erscheinungsbild. Im Verlauf der neuen Saison entwickelt sich der Oleander zusehends in die gewünschte Richtung. Wichtig zu beachten ist, dass die Schnüre dicker werdende Äste nicht quetschen oder darin einwachsen.

Auf den Stock setzen

Hat ein Rosenlorbeer selbst einige wenige lebensfähige Triebe nicht mehr zu bieten, kommt als letzte Lösung vor einer Rodung der extremste Rückschnitt in Betracht. Zugleich handelt es sich um die simpelste Schnittführung überhaupt. Da jetzt keine Blütenanlagen für die nächste Saison zu retten sind, spricht nichts dagegen, die Maßnahme vor dem Einräumen durchzuführen. Das spart Platz im Winterquartier und reduziert die Pflegearbeiten während der Überwinterung auf ein Minimum. Sämtliche Triebe werden ohne Ausnahme bis auf eine Höhe von 10 cm bis 20 cm gestutzt. Alles Laub und Unkraut, das sich noch am Strauch befindet wird entfernt.  

Erfahrene Hobbygärtner greifen nun zu reinem Paraffinöl, einem natürlichen Winterspritzmittel. Wird es zu Beginn der Überwinterung und noch 2 bis 3 Mal in der Folge großzügig auf den Oleander ausgebracht, setzt im Frühjahr ein kräftiger Neuaustrieb ein. Als unterstützende Maßnahme umtopfen Sie den Wurzelstock um in frisches Substrat und startet im März mit einer gezielte Gabe von Dünger. Die Erfahrung lehrt, dass es keine Seltenheit ist, dass ein Oleander angesichts dieser intensive Pflege in der nächsten Saison sein Volumen verdoppelt.

Schnittwunden behandeln

Die Erfahrung hat gezeigt, dass Schnittwunden von der Größe einer Zwei-Euro-Münze nicht aufwändig zu behandeln sind. Der Oleander wird die Wunde im Laufe der Zeit aus eigener Kraft verschließen. Damit sich in der Zwischenzeit keine hinterlistigen Schädlinge oder Krankheitserreger dort einnisten, versiegeln Sie die Wunde mit ein wenig reiner Holzkohleasche. Diese Maßnahme stoppt zugleich einen eventuellen Saftfluss. Bitte beachten Sie bei dieser Arbeit den hohen Giftgehalt des Rosenlorbeers.

Samen des RosenlorbeersSollte eine größere Wunde entstanden sein, ist die Verwendung eines Wundverschlussmittels angeraten. Nach Schnitten an Totholz oder zur Entfernung der alten Äste erübrigt sich diese Maßnahme, dass sie ohnehin kaum oder überhaupt nicht mehr mit Pflanzensaft durchströmt werden.

Das richtige Schneidwerkzeug

Die Qualität des Werkzeugs bestimmt wesentlich den erfolgreichen Ablauf der Gartenarbeit. Das gilt umso mehr, wenn Sie den Oleander schneiden. Greifen Sie zur nächst besten Gartenschere, erschweren Sie sich mitunter unnötig die Arbeit, was letztlich zulasten des Habitus Ihres wertvollen Rosenlorbeers geht. Schenken Sie den verschiedenen Ausführungen von Scheren ein wenig Aufmerksamkeit, fällt die Entscheidung für das ideale Modell nicht schwer.

Scheren für die Einhandbedienung
Solange ein Oleander noch jung an Jahren ist und einen regelmäßigen Rückschnitt erhält, verfügt er über ein reich verzweigtes System an schmalen Trieben. Um diese zu schneiden, genügt eine Schere mit Einhandbedienung. Fachleute unterscheiden in dieser Hinsicht nach Amboss-Scheren und Bypass-Scheren:

  • Amboss-Scheren pressen die Klinge auf eine gerade Fläche, um das Holz zu durchschneiden
  • Vorteil: bessere Kraftübertragung
  • Nachteil: mögliche Quetschung und Verletzung der Äste
  • Bypass-Scheren arbeiten mit zwei scharfen Klingen
  • Vorteil: exakter Schnitt
  • Nachteil: höherer Kraftaufwand

Zudem wird differenziert nach Modellen für Links- oder Rechtshänder sowie nach kleinen oder großen Händen, die eine Schere bedienen.

Scheren für die Zweihandbedienung
Blätter des OleandersIm Laufe der Zeit entwickelt ein Oleander stärkere Äste, denen selbst die schärfste Einhand-Schere nicht gewachsen ist. In diesem Fall sollte eine Gartenschere für die Zweihandbedienung zur Verfügung stehen. Mittels zweier langer Hebelarme, bietet ein solches Modell die optimale Kraftübertragung, um dicke Zweige bis 8 cm Stärke zu schneiden. Überdies stehen diese Astscheren als Amboss- und Bypass-Modelle zur Auswahl.

Um einen mannshohen Rosenlorbeer zu schneiden, bietet sich die Verwendung von Astscheren mit Teleskoparmen an. Diese Ausführung erspart Ihnen die mühsame und riskante Arbeit von einer Leiter aus. Die Verlängerungen werden einfach aus dem Griff gezogen und später dort wieder hinein geschoben.

Fazit

Ohne einen alljährlichen Form- und Erhaltungsschnitt büßt jeder Oleander seine prächtige Silhouette innerhalb weniger Jahre ein. Wer dem Rückschnitt hingegen im Pflegeplan einen fixen Termin einräumt, darf sich über lange Zeit am malerischen, üppig gedeihenden Rosenlorbeer erfreuen. Der ideale Zeitpunkt für die Maßnahme ist das Frühjahr, kurz bevor der frische Austrieb beginnt. Auslichten, ein bis zwei alte Äste komplett entfernen und junge Triebe bis zur nächsten Knospe stutzen, und schon ist die Arbeit erledigt. Wird der regelmäßige Schnitt versäumt, verkahlt ein Oleander. Dieses Dilemma vermag einzig der Verjüngungsschnitt noch zu reparieren. Die nächste Blüte wird sich freilich nicht blicken lassen. Bringt die Verjüngung nicht das ersehnte Ergebnis, bleibt als Alternative noch die Rodung, oder der Oleander wird auf den Stock gesetzt.