Oleander

Giftig in allen Pflanzenteilen, so heißt es in der Beschreibung des Oleanders (botanisch: Nerium oleander). Doch was genau sind die Auswirkungen? In welcher Menge kann es sogar tödlich sein? Inwieweit sind Kinder gefährdet? Nagen Haustiere an der Pflanze? Was tun bei Vergiftungserscheinungen? Aufklärung, ein sorgsamer Umgang oder gegebenenfalls auch ein Verzicht, das sind Alternativen, die jeder vor dem Kauf eines Oleanders (auch: Rosenlorbeer) für sich abwägen muss. Genauere Informationen über Giftigkeit, Auswirkungen und Schutz, können die Entscheidung erleichtern.

Gift

Die Substanz, die den Oleander so giftig macht, heißt Oleandrin. Das ist ein sogenanntes Herzglykosid. Herzglykoside sind Wirkstoffe, die Einfluss auf die Herzkraft und auf die Herzfrequenz nehmen. Das bekannteste dieser Glykoside dürfte Digitalis sein, ein Wirkstoff aus dem Fingerhut (Digitalis). Man kennt an die 200 verschiedene Glykoside, die meisten davon sind in Pflanzen enthalten, einige auch in Schlangen und Fröschen.

Das Oleandrin befindet sich beim Nerium oleander in allen Pflanzenteilen. Die höchste Konzentration ist in den Blättern enthalten. Die wild wachsenden Arten des Oleanders enthalten davon mehr als die heute im Handel erhältlichen Zuchtsorten. Der Gehalt an Oleandrin ist in getrockneten Blättern nur noch halb so hoch wie in den frischen Blättern am Strauch.

Ernsthafte Auswirkungen auf das menschliche, erwachsene Herz sind bei einer Dosis von 15 bis 20 Gramm frischer Blätter zu erwarten. Jedoch schmecken die Blätter enorm bitter, daher kommt es selten zu einem freiwilligen Verzehr dieser Menge.

Wirkung, Symptome

Je kleiner der Organismus, desto heftiger die Auswirkungen, genauer, die Vergiftungserscheinungen. Dabei variieren die Symptome auch je nach individuellen Veranlagungen und Vorbelastungen. Zu Vergiftungserscheinungen kann es sowohl beim Verzehr als auch bei einem Kontakt mit dem klaren Saft des Nerium oleander kommen.

Hinweis zur kritische Dosis: eine kritische Höchstdosis wird nicht offiziell genannt. Es ist damit zu rechnen, dass bereits der Verzehr von einem Blatt zu Krankheitssymptomen kommen kann.

Innerlich

OleanderNach dem Verzehr von einem Blatt oder mehr kann es zu folgenden Symptomen kommen:

  • gastrointestinale Beschwerden (den Verdauungstrakt betreffend)
  • übermäßige Speichelabsonderung
  • Brechreiz, Übelkeit
  • Durchfall
  • funktionelle Herzbeschwerden
  • Herzrhythmusstörungen
  • Herzklopfen
  • niedriger Puls
  • Pupillenerweiterung
  • blaue Lippen
  • kalte Extremitäten
  • Muskelzittern
  • Kollaps, Koma
  • Herz-, Atemlähmung

Die Auswirkungen des Oleandrins sind vergleichbar mit denen von Digitalis. Bei einer entsprechenden Dosis führt der Verzehr innerhalb von zwei bis drei Stunden zum Herzstillstand. Die Blätter vom Rosenlorbeer schmecken allerdings sehr bitter, sodass es bei Menschen relativ selten zu einem Verzehr giftiger Mengen kommt. Gefährlicher kann dem Gärtner, der Gärtnerin da schon der austretende Pflanzensaft bei der Gartenarbeit werden.

Tipp: Als Warnung sei erwähnt, dass es in den USA immer wieder zu Vergiftungen kommt, weil Oleanderholz zum Räuchern oder für ein Barbecue verwendet wurden.

Äußerlich

Der klare Pflanzensaft, der beim Schneiden oder Entfernen von Blättern und Blüten reichlich austritt, ruft starke Reizungen auf der Haut hervor:

  • allergische Reaktion (Dermatitis)
  • Juckreiz
  • Rötung
  • kann durch Wunden in der Haut ins Blut gelangen (Vergiftungsgefahr)
  • bei Augenkontakt: Gefahr starke Binde- und Hornhautentzündungen
  • Blütenstaub enthält starke Pollenallergene

OleanderUm bei den Arbeiten am Rosenlorbeer keine Hautreizungen zu provozieren, am besten wie folgt schützen:

  • Kleidung mit langen Ärmeln
  • lange Hosen
  • Handschuhe
  • Schutzbrille (Spritzschutz)
  • Atemschutz (Pollenallergene)

Tipp: Die Schnittabfälle nicht einfach auf dem Kompost werfen. Sie können so bei Wind in alle Richtungen verstreut werden. Die eigenen und die Nachbarskinder und auch herumlaufende Haustiere werden so nicht unnötig gefährdet.

Kinder

Bei Kindern reicht schon eine weitaus geringere Dosis als ein Blatt, um Krankheitszeichen hervorzurufen. Deshalb sollte man, auf jeden Fall solange ein Kind im Haus ist, das noch alles in den Mund nimmt, auf einen Oleander verzichten. Für eine Vergiftung reichen auch schon herabgefallene Blätter oder herumliegende Pflanzenteile aus, die von Kindern aufgehoben und in den Mund gesteckt werden.

In diesem Zusammenhang sollte man, wenn man Kinder hat, auch ein Auge auf einen Nerium oleander in der Nachbarschaft haben. Dann auf jeden Fall herüberwehendes Laub sofort entfernen und sobald das Kind verständig ist, ihm die Gefahr erklären. Das gleiche gilt für Spaziergänge in südlichen Ländern sowie in heimischen Parkanlagen.

Maßnahmen

Wenn der Verdacht einer Vergiftung besteht, heißt es keine Zeit verlieren und die betroffene Person entweder sofort in ein Krankenhaus fahren oder den Notarzt anrufen. Bis zur Ankunft:

  • viel Flüssigkeit geben, in kleinen Schlucken (Wasser, Saft, Tee)
  • keine Milch!
  • kein Erbrechen auslösen! (Erstickungsgefahr, es sei denn der Notarzt am Telefon rät es aus Zeitgründen)

Im Krankenhaus wird dann eine Infusion verabreicht und die Ausscheidung des Giftes veranlasst. Wenn dies früh genug passiert, kommt es zu einer vollständigen Genesung.

Haustiere

OleanderDer Rosenlorbeer ist in allen Pflanzenteilen auch für alle Wirbeltiere giftig. Hier lässt sich sagen, je kleiner das Tier, desto weniger Pflanzenmaterial reicht für eine tödliche Wirkung aus. Während die kritische Dosis bei Pferden und Rindern bei 15-20 Gramm liegt, ähnlich wie beim Menschen, reichen bei Hund und Katze schon ein Gramm.
So kann es bereits gefährlich werden, wenn die Katze sich die Krallen am Oleanderstämmchen wetzt und anschließend leckt. Für junge Hunde können allein schon heruntergefallene Äste und Pflanzenteile des Oleanders auf dem Spazierweg gefährlich sein.

Erste Vergiftungsanzeichen bei Tieren:

  • erweiterte Pupillen
  • schlagartige Abkühlung der Körpertemperatur
  • Erbrechen, Krämpfe

Bei diesen Symptomen, keine Zeit verlieren und zum Tierarzt fahren, sofortige Hilfe ist erforderlich!

Entscheidung

Beim Nerium oleander gibt es vor der Anschaffung also weitaus mehr, was es zu bedenken gilt, als die Frage nach dem richtigen Standort und wo er am besten überwintern kann. Wenn Kinder im Haus sind, sollte man grundsätzlich darauf verzichten, sich ausgerechnet für ein so giftiges Gewächs, wie den Oleander zu entscheiden. Es reicht schon, als besorgte Eltern, auch die Pflanzen in der Nachbarschaft im Auge haben zu müssen.

Alternativen

Naturliebhaber, Besitzer naturnaher Gärten, die mit einem Rosenlorbeer liebäugeln, sollte es zudem stutzig machen, dass sogar Bienen, die üppige Blütenpracht des Oleanders verschmähen.

Vielleicht ist es sowieso besser, sich für einen neuen, farbigen Sommerblüher lieber bei den heimischen Gewächsen umzuschauen. Die Auswahl ist riesig, eine Anschaffung meistens preisgünstiger und auch die Pflege ist meistens nicht so fordernd, wie bei den exotischen Schönheiten. Hier blühen einige Beispiele:

  • Hortensien (Hydrangea)
  • Sommerflieder (Buddleja)
  • Spiersträucher (Spiraea)
  • Gemeiner Schneeball (Viburnum opulus)
  • Zweigriffeliger Weißdorn (Crataegus laevigata)
  • Perlmuttstrauch (Kolkwitzia amabilis)
  • Strauchrosen

Fazit
Schön und gefährlich! Wer sich einen Oleander auf den Balkon oder die Terrasse holt, sollte sich der Gefahren für Menschen und Tiere bewusst sein. Ein achtsamer Umgang bei der Standortwahl und mit den Abfällen des Oleanders bei Schneidearbeiten ist wichtig, damit vor allem Kind und Haustier keinen Schaden nehmen.