Kermesbeeren

Kermesbeeren finden sich als Zierpflanzen schon seit langer Zeit in unseren Gärten. Ihre schwarzroten Früchte, die im Spätsommer an den traubenartigen Fruchtständen erscheinen, sind bei Vögeln sehr beliebt. Diese sorgen auch für die Verbreitung der feinen Samen. Deshalb können sich mitunter die vermehrungsfreudigen Pflanzen in kurzer Zeit stark ausbreiten und zu einer regelrechten Plage werden. Erfahren Sie hier alles über die Pflege der Kermesbeere und eine eventuelle Eindämmung des Wildwuchses.

Arten

Eine Bestimmung der verschiedenen Arten der Kermesbeere ist wegen der nur gering ausgeprägten Unterscheidungsmerkmale der einzelnen Pflanzen sehr schwierig. Weltweit sind über 25 Arten bekannt, die teilweise recht verwirrende Namen tragen. In unseren Breitengraden sind lediglich zwei Arten anzutreffen, die beide als buschig-strauchige Pflanze von etwa einem bis zwei Meter Höhe wachsen:

  • Asiatische Kermesbeere: Sie wird auch Essbare Kermesbeere, Indische Kermesbeere oder Phytolacca acinosa genannt.
  • Amerikanische Kermesbeere: Phytolacca americana

Keine der vielen Arten der Kermesbeere ist bei uns heimisch. Ursprünglich kommen sie aus Amerika oder Asien, wurden aber schon früh in einigen europäischen Gärten kultiviert. Die Pflanzen haben sich allerdings recht schnell in ihrer neuen Umgebung eingewöhnt und zeigen sich sehr vermehrungsfeudig. So haben sie sich seit einiger Zeit auch in unseren Wäldern verbreitet und dort etabliert. Deshalb werden sie unter dem Begriff Neophyten oder invasive Spezies geführt. Das sind Pflanzen, die sich ohne Dazutun des Menschen in der Natur einbürgern. Da sie in der neu besiedelten Umgebung meist keine natürlichen Feinde haben, können sich die Pflanzen ungehindert ausbreiten. Im schlimmsten Fall führt das zur Verdrängung der einheimischen Pflanzenarten. Da die Bekämpfung von Neophyten in der freien Natur wenig Aussicht auf Erfolg hat, sollte jeder Gärtner das Kultivieren dieser Arten immer mit großer Aufmerksamkeit verfolgen.

Besonderheiten

KermesbeereAlle Pflanzenteile der Kermesbeeren, vor allem aber die Wurzeln und Samen, enthalten toxische Wirkstoffe. Deshalb stellen vor allem die brombeerartigen Früchte für Kinder und Haustiere eine besondere Gefahr dar. Bei Erwachsenen gilt zwar eine Menge bis zu zehn Beeren als harmlos, kann aber trotzdem zu Übelkeit und Erbrechen und Durchfall führen. Obwohl die Asiatische Kermesbeere den Beinamen Essbare Kermesbeere trägt, ist auch diese Art giftig. Während bei dieser Pflanze die toxischen Inhaltsstoffe nur in geringer Konzentration vorhanden sind, gilt ihre amerikanische Schwester als deutlich giftiger.

Unterscheidungsmerkmale der Arten

Auf den ersten Blick sehen sich die zwei Kermesbeerenarten sehr ähnlich. Beide Pflanzen haben nahezu identisches Blattwerk und ein Dutzend bis einhundert weiße Blüten an ährigen Blütenständen. Anhand dieser Blütenstände können sie jedoch leicht unterschieden werden, wenn man etwas genauer hinsieht:

  • Asiatische Kermesbeere: Blütenstand aufrecht, Beeren bestehen meist aus etwa acht Teilsegmenten
  • Amerikanische Kermesbeere: Blüten- und Fruchtstände hängend, einzelne Beeren sind kugeliger und größer, nicht so stark segmentiert.

Da die Amerikanische Kermesbeere deutlich giftiger ist, sollte im eigenen Garten vorzugsweise die Asiatische Kermesbeere eingepflanzt werden. Denn nicht nur die Pflanze selbst ist deutlich giftiger, sie gibt diese Stoffe auch an den Boden ab. Das kann im Extremfall dazu führen, dass Nachbarpflanzen absterben.

Standort

Bei der Kermesbeere handelt es sich um eine sehr anspruchslose Pflanze. Die einzige Voraussetzung für ein gutes Wachstum ist ein lockerer Boden, der genügend Nährstoffe enthält. Am besten kommt die große Staude zur Geltung, wenn sie als Solitärpflanze (einzeln stehend) an einen Gehölzrand gepflanzt wird. Die Pflanzen wachsen sehr schnell und erreichen schon nach wenigen Monaten eine Höhe von etwa einem bis zwei Meter. Durch ihr schnelles und buschiges Wachstum können sie kleinwüchsigen Nachbarn das Sonnenlicht nehmen und diese aus dem Garten verdrängen.

  • Blüte: Ab Juni weiße Blütentrauben von etwa 15 Zentimeter Länge
  • Früchte: Schwarz bis dunkelrot, brombeerartig, September und Oktober
  • Lichtbedarf: sonnig bis halbschattig
  • Warm
  • Boden: keine besonderen Ansprüche. Optimal ist ein feuchter humoser Lehm- oder Sandboden.
  • pH-Wert: schwach sauer bis neutral
  • Wasserbedarf: mittel

Gießen und Düngen

Blüte der PhytolaccaKermesbeeren sollten gleichmäßig feucht gehalten werden. Ideal zur Bewässerung ist abgestandenes Wasser aus der Regentonne oder einem Teich. Als Dünger reicht die einmalige Gabe von Kompost oder eines Langzeit-Gemüsedüngers im Frühjahr.

Pflanzen

Schon beim Kauf einer Kermesbeerenpflanze oder deren Samen ist auf die Art zu achten, denn wegen ihrer verminderten Giftigkeit sollten im Garten bevorzugt Asiatische Kermesbeeren ihren Platz finden.

  • Pflanzabstand: 80-100 Zentimeter
  • Pflanzloch ausheben.
  • Mindestens 1,5-fache Größe des Wurzelballens
  • sandiger oder lehmhaltiger Boden: Kompost untermischen.
  • schwere Böden: Sand in den Boden einarbeiten.
  • Leicht angießen.

Achten Sie beim Pflanzen darauf, dass in der Nachbarschaft keine sonnenhungrigen Pflanzen von geringer Wuchshöhe stehen. Diese sollten einen Mindestabstand von etwa 80 Zentimetern zur Kermesbeere haben, da sie sonst schnell von der schnellwüchsigen Pflanze bedeckt werden.

Schneiden

Die Kermesbeeren bilden buschige Sträucher zwischen einem und zwei Meter Wuchshöhe. Einen formgebenden Schnitt benötigen die Pflanzen nicht. Wer keine neuen Pflanzen im Garten möchte, sollte die welken Blütenstände frühzeitig entfernen (bevor sich die Beeren bilden).

Vermehrung durch Samen

Sollte der seltene Fall eintreten, dass sich die Kermesbeere nicht von selbst rasant im Garten verbreitet, kann sie auch durch die Anzucht aus Samen vermehrt werden. Dazu werden im November die an der Pflanze eingetrockneten Früchte geschnitten und daraus die reifen Samen entnommen. Die Kermesbeere gehört zu den Kaltkeimern. Das bedeutet, dass die winzigen Samen vor dem Keimen kühle Temperaturen benötigen, um sich zu entwickeln. Deshalb werden sie am besten im Herbst oder sehr zeitigen Frühjahr an die dafür vorgesehene Stelle im Garten ausgesät. Eine spätere Verpflanzung ist immer schwierig, da die Kermesbeere schon im Jugendalter eine tief reichende Pfahlwurzel ausbildet. Diese kann dann nur noch durch sehr tiefes Ausgraben entfernt werden.

Die zum Keimen benötigte Kälte kann auch durch die Lagerung der Samen im Kühlschrank simuliert werden. Dazu wird das Saatgut in feuchten Sand eingebracht und in einem wasserdichten Beutel oder abgedeckten Topf über etwa vier bis sechs Wochen im Kühlschrank aufbewahrt. Nach der Kälteperiode kann dann ausgesät werden.

  • Zeitpunkt: März
  • Keimtemperatur: 20-25 Grad
  • Substrat: Sandige Anzuchterde, Kakteenerde oder Kokosfaser (Kokohum)
  • In Zimmergewächshaus oder Pflanzschale aussäen.
  • In feuchtes Substrat geben.
  • Leicht mit Erde bedecken.
  • Pflanzschale mit Tüte, Folie oder Glasscheibe abdecken.
  • Erde mäßig feucht halten, niemals nass.
  • Alle zwei bis drei Tage Folie für einige Minuten entfernen, damit sich kein Schimmel bildet.
  • Keimdauer: 3-5 Wochen
  • Ab etwa drei Zentimeter Wuchshöhe die Jungpflanzen pikieren (in einzelne Töpfe pflanzen).
  • Heller Standort ohne direkte Sonneneinstrahlung.
  • Ab Mai ins Freiland setzen.

Kermesbeeren PhytolaccaTipp: Die Samen der Kermesbeere sind sehr klein und daher per Hand schwer aus der Beere zu entfernen. Einfacher geht es, wenn die reifen Beeren leicht mit einem Löffel oder einer Gabel zerdrückt und in einem Gefäß mit Wasser gut aufgeschlemmt werden. Da die Kermesbeere giftig ist, sollten Sie bei allen Arbeiten, bei denen man mit Pflanzensäften in Kontakt kommt, vorsichtshalber Handschuhe tragen. Nachdem das überstehende Wasser mit dem Fruchtfleisch vorsichtig abgegossen wurde, bleiben nur die Samenkörner auf dem Boden zurück. Nach dem Trocknen können sie dunkel gelagert werden und sind dann über Jahre hinweg keimfähig.

Die richtige Anzuchterde finden

Der Pflanzerde, auch Substrat genannt, wird leider häufig viel zu wenig Beachtung geschenkt. Dabei ist die Erde, in der die Pflanze wächst, sozusagen deren Zuhause. Hierin entwickelt sie ihre Wurzeln und erhält durch sie Feuchtigkeit und Nährstoffe, die sie für ihr Wachstum benötigt. Zwar können die meisten Pflanzen auch in einem denkbar ungeeigneten Substrat überleben, der Gärtner macht aber damit der Pflanze wie sich selbst das Leben unnötig schwer. Mit wenigen Ausnahmen bevorzugen die meisten Gewächse ein luftdurchlässiges Substrat (viele kleine Hohlräume), das einerseits ein gutes Speichervermögen für Wasser zeigt, andererseits aber überschüssiges Gießwasser gut ableitet.

Pflanzen nehmen Nährstoffe über das Wasser aus dem Boden auf. Deshalb muss hiervon eine geeignete Menge im Substrat vorhanden sein. Dabei handelt es sich in der Regel um verschiedene Salze, die sich langsam im Wasser lösen und somit der Pflanze zur Verfügung stehen. Besser als chemische Dünger eignen sich organische Dünger wie gut verrotteter Kompost, der – insofern nicht im eigenen Garten hergestellt – vielfach auch in Kompostieranlagen der Kommunen für wenig Geld bezogen werden kann. Saure Erde (wie Torf) oder stark kalkhaltige Böden mögen nur sehr wenige Pflanzenarten, die meisten bevorzugen einen pH-Wert zwischen leicht sauer und neutral (5,5-7).

Ein gutes Substrat kann einfach selbst gemischt werden:

  • normale Gartenerde
  • Füllstoffe wie Blähton, Sand oder sehr feiner Kies
  • sehr reifer Kompost

Während die Mischung der einzelnen Komponenten bei älteren Pflanzen je etwa ein Drittel betragen sollte, ist eine hohe Nährstoffkonzentration bei Keimlingen unerwünscht, da sie den jungen Pflänzchen schaden können. Daher sollte bei einem Substrat zur Keimung und Anzucht auf den Kompost zunächst verzichtet werden.

Überwintern

Bei der Kermesbeere handelt es sich um eine mehrjährige Pflanze, die in milden Lagen unbeschadet den Winter übersteht. Während die Staude der Amerikanischen Kermesbeere auf strenge Fröste etwas empfindlich reagieren kann, zeigt sich die asiatische Form etwas resistenter. Wenn die ersten kalten Tage im November den beginnenden Winter ankündigen, trocknen die Fruchtstände ein, die Pflanze welkt und vertrocknet. Die rübenartige Pfahlwurzel überlebt in der Regel die Wintermonate ohne Probleme und treibt zum Frühjahr wieder neu aus. Zum Schutz sollte die Pflanze im Herbst, nachdem das Laub verwelkt ist, bodennah geschnitten und mit etwas Reisig, Stroh oder trockenen Blättern abgedeckt werden.

Bekämpfung von Wildwuchs

Nach der ersten Freude über die wild wuchernde Pflanze, die nahezu ohne Pflege und auch auf kargen Böden hervorragend wächst und gedeiht, kommt es in so manchem Garten im Frühjahr überall zum Austrieb neuer Kermesbeeren. Die Früchte dienen im Herbst und Winter zahlreichen Vögeln als Nahrungsquelle, die dann die unverdauten Samen über ihren Kot ausscheiden und weit verbreiten. Wie auch beim Löwenzahn zu beobachten, benötigen die Pflanzen für einen Wildwuchs kaum Erde, sie treiben sogar in den schmalen Ritzen zwischen Pflastersteinen. Sie dauerhaft wieder aus dem Garten zu entfernen ist schwierig. Es reicht nicht aus, nur die oberen Pflanzenteile abzuschneiden. Auch die tief gehende Pfahlwurzel muss vollständig ausgegraben und entfernt werden. Solange noch blühende und Früchte produzierende Kermesbeeren im Garten stehen, werden sie sich auch weiterhin dort verbreiten. Für eine Eindämmung muss deshalb schon die Blüte an den Pflanzen herausgeschnitten werden, damit keine neuen Früchte mehr heranreifen können.

Fazit

Kermesbeeren sind in Gärten in letzter Zeit häufiger anzutreffen. Die großen, auffälligen Stauden wirken besonders schön als Solitärpflanze. Im Frühsommer bilden sich kerzenförmige Blütentrauben mit bis zu einhundert Einzelblüten an der Pflanze, die im Herbst dann zu brombeerartigen Früchten heranreifen. Doch ein wenig Vorsicht ist geboten: Die Pflanze ist nicht nur giftig, sondern breitet sich auch gerne und schnell im ganzen Garten aus.