Himbeeren anbauen

Sie haben einen schlechten Ruf. Deshalb findet man Himbeerpflanzen meist in irgendeiner uneinsehbaren Gartenecke, wo sie wachsen können, wie es ihnen gefällt. Die Ernte fällt recht mager aus, aber wenigstens stören sie dort keinen. Das ist der falsche Weg. Neue Himbeersorten, die speziell gezüchtet wurden, damit sich die Sträucher nicht mehr so ausbreiten, damit die Pflege minimiert wird und die Ernte groß ausfällt, sind seit Jahren auf dem Markt. Sie sind ideal für kleinere Gärten, denn sie brauchen nicht viel Platz. Sie unterscheiden sich von den Wildformen der Himbeeren, die man noch von früher aus Großmutters Garten kennt. Der Anbau ist einfach. Entscheidend ist der passende Standort.

Himbeeren im Hausgarten anbauen und pflegen

Pflegeleichte Himbeerpflanzen liefern über mindestens 8 Jahre eine sichere Ernte. Besonders empfehlenswert ist, verschiedene Himbeersorten zu pflanzen. So kann man die Ernte ausdehnen, nicht alle Früchte reifen zur selben Zeit. Man kann praktisch bis zum ersten Frost ernten. Man unterscheidet einmal tragende Sommerhimbeeren, spät reifende Herbst-Himbeeren und zweimal tragende, so genannte Two-Timer-Himbeeren. Diese fruchten von August bis September an den ein Jahr alten Ruten und bilden im folgenden Sommer erneut Früchte, an den zweijährigen Trieben.

Sortenauswahl

Es gibt unheimlich viele verschiedene Himbeersorten. Das ist gut, denn so kann man eine lange Erntezeit abdecken. Himbeeren sind Selbstbefruchter. Man braucht also nicht mehrere Sorten, um die Ernte zu gewährleisten. Ideal sind pilz- und virusresistente Himbeersorten.

  • Einmal tragende Sommerhimbeeren – Sanibell, Glen Ample, Malling Promise, Malling Exploit
  • Spät reifende Herbsthimbeeren – Autumn Best, Polka, Zefa, Schönemann, Heritage
  • Zwo-Timer-Himbeeren – Sugana
  • Virustolerante Sorten – Meeker, Rutrago, Rumiloba

Standort

Himbeeren Rubus idaeusWilde Himbeeren wachsen an Waldrändern und an Lichtungen. Auch Kulturhimbeeren mögen ähnliche Standorte. Vor allem muss es hell genug sein. Die Pflanzen brauchen Sonne. Im Schatten gedeihen sie nur schlecht, sind eher mickrig.

  • Himbeeren mögen Sonne.
  • Ein halbschattiger bis sonniger Standort ist ideal.
  • Günstig ist, wenn die Pflanzen etwas windgeschützt stehen.
  • In Bezug auf das Klima sind Himbeeren recht widerstandsfähig.

Pflanzsubstrat

Nur wenn man die speziellen Bedürfnisse von Himbeeren beachtet und darauf eingeht, wird man Freude an den Pflanzen haben und eine reichliche Ernte. Neben dem Standort ist auch das Pflanzsubstrat besonders zu beachten!

  • Himbeeren mögen tiefgründigen, humosen Boden.
  • Der pH-Wert sollte zwischen 5 und 6,5 liegen!
  • Bodenverdichtung können die Pflanzen gar nicht vertragen.
  • Wasserstau hat schnell Wurzel- oder Rutenkrankheiten zur Folge.
  • Bei sehr sandhaltigem und durchlässigen Boden empfiehlt sich eine Mulchschicht, die das Austrocknen des Bodens erschwert.

Pflanzen

Himbeeren zu pflanzen ist nicht kompliziert. Wichtig ist die Bodenvorbereitung und dann ein Gerüst zum Halten der Ruten. Man nutzt unterschiedliche Gerüste für die einzelnen Himbeersorten.

  • Wurzelbereich richtig tief auflockern!
  • Verdichtung muss unbedingt vermieden werden!
  • Unkraut komplett entfernen! Es fördert die Ausbreitung der gefürchteten Rutenkrankheiten!
  • Beim Anbau in Reihen – Reihenabstand von 1,25 bis 1,50 einhalten!
  • Pflanzabstand direkt 40 bis 50 cm.
  • Vor dem Pflanzen werden sowohl Wurzeln, als auch Ruten eingekürzt.
  • Zu lange und verletzte Wurzeln wegschneiden!
  • Ruten auf 30 bis 50 cm kürzen.
  • Vor dem Pflanzen wässern, etwa 2 bis 3 Stunden in Wasser stellen!
  • Wer Himbeeren an die Grenze oder den Zaun des Grundstücks setzt, muss Grenzabstände einhalten!
  • 10 Jahre alte Himbeeren sollten ersetzt werden!

Sommerhimbeeren

  • Himbeeren Rubus idaeusFür Sommerhimbeeren hat sich das so genannte V-System als Gerüst für die Ruten bewährt.
  • Pflanzung im August bis Oktober
  • Das Gerüst besteht aus einem senkrecht eingeschlagenen Pfahl. An ihm werden waagerecht zwei kleinere befestigt, unten ein kürzerer, oben ein längerer. Gegenüber wird ein zweiter Pfahl eingeschlagen und ebenso bestückt. Dann kann man dünnen Draht zwischen den beiden Pfählen spannen, zwei unten, zwei oben. Die Himbeerruten werden wie ein V auf beiden Seiten nach oben gebogen.
  • Natürlich kann man Sommerhimbeeren auch an ein einfaches Drahtgerüst (Spanndraht) pflanzen.

Herbsthimbeeren

  • Bei Herbsthimbeeren hat sich ein quer gespanntes Knotengitter bewährt.
  • Zwo-Timer-Himbeeren
  • Bei diesen Himbeeren ist die Staberziehung am praktischsten.
  • Die Pflanzen werden zwischen Bambusstäbe gepflanzt, welche an Drähten fixiert sind. Der Jungruten werden am linken Stab aufgebunden, die zweijährigen Triebe am rechten.
  • Im nächsten Jahr werden die Seiten gewechselt.

Gießen und Düngen

Trockenheit mögen Himbeerpflanzen genauso wenig wie stehende Nässe. Man muss also mit Gefühl gießen. Düngen ist einfach, da gibt es nicht viel zu tun.

  • Das Erdreich sollte niemals austrocknen!
  • Nicht unbedingt auf die Blätter gießen, das fördert Pilzbefall!
  • Besonder frisch gepflanzte Himbeeren sollten täglich gegossen werden, bis sich frisches Wachstum zeigt.
  • Dann reicht einmaliges Wässern pro Woche.
  • Unbedingt chloridfreie Dünger verwenden!
  • Zweimal pro Jahr düngen! – Im April zur Ertragssicherung. Im Juni für den Knospenansatz des Folgejahres
  • 50 g Volldünger pro Quadratmeter verwenden!
  • Keine Kalkung, hoher Kalkgehalt behindert Wuchs- und Ertragsleistung

Himbeeren schneiden

Himbeeren Rubus idaeusBeim Schnitt ist es wichtig, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Wurzel und Krone zu erreichen. Was zuviel ist, muss weggeschnitten werden. Man darf da nicht zimperlich sein. Was nützen eine Menge Ruten, wenn daran nicht wächst und die Ernte klein ausfällt. Im Umgang mit den Himbeerpflanzen ist darauf zu achten, die Ruten nicht zusätzlich zum Schnitt zu verletzen. Jede Wunde ist eine Gefahrenquelle. Krankheitserreger können eindringen!

  • In der Regel lässt man nicht mehr als 7 bis 8, maximal 10 Ruten stehen (je nach Gerüst). Der Rest wird direkt über dem Grund abgeschnitten.
  • Alle schwachen Ruten immer zuerst rausschneiden!
  • Geschnitten wird zeitig, sobald die Ruten eine Höhe von 20 bis 30 cm erreicht haben!
  • Der Rückschnitt bei den Sommerhimbeeren erfolgt direkt nach der Ernte!
  • Möglichst tief entfernen!
  • Abgetragene Ruten wegschneiden. Alte Ruten sind oft Infektionsquellen für Krankheitserreger. Die neu nachwachsenden Ruten hochbinden!
  • Herbsthimbeeren im Winter komplett zurückschneiden, ca. 3 cm über dem Boden!
  • Auch zwischendrin kann es erforderlich sein, etwas auszulichten oder einzukürzen.
  • Längenwachstum kann man gut einschränken, indem man die Ruten auf einer bestimmten Wunschhöhe abschneidet.

Überwintern

Himbeeren sind gut winterhart. Sie überstehen den mitteleuropäischen Winter ohne spezielle Schutzmaßnahmen.

Vermehrung

Es ist generell üblich, Himbeeren selbst zu vermehren. Unter Freunden, Nachbarn, Kollegen werden Ableger, Senker und dergleichen weitergereicht. Bei Himbeeren ist das nur begrenzt sinnvoll. Himbeeren bauen recht schnell ab. Ältere Bestände sind meist mehr oder weniger von Pilz- und/oder Viruskrankheiten befallen. Diese müssen noch nicht sichtbar sein und sind doch vorhanden. Pflanzt man so einen Trieb, kann das nicht von Erfolg gekrönt sein. Besser ist dann, von einem Spezialisten zu kaufen. Da bekommt man auch sortenreine Pflanzen.

  • Rubus idaeusVegetative Vermehrung durch Wurzelausläufer.
  • Ansonsten sind auch Absenker eine gute Methode.
  • Vermehrung über Samen ist ebenfalls möglich.

Krankheiten und Schädlinge

Wenn der Standort nicht ideal ist und das Pflanzensubstrat zu feucht, treten Krankheiten recht häufig auf, vor allem Pilz- und Viruserkrankungen. Beiden kann man vorbeugen, indem man resistente Sorten auswählt. Das ist sehr empfehlenswert.

  • Rote Wurzelfäule – zu erkennen am mangelnden Austrieb der Ruten. Der ganze Himbeerstock kann absterben. Staunässe fördert Wurzelfäule.
  • Rutenkrankheit – zu erkennen an blau-violetten Flecken, die sich schnell ausbreiten. Es bilden sich keine Beeren. Um vorzubeugen darf man nicht zu viele Ruten stehen lassen. Verletzungen fördern die Krankheit.
  • Als Schädlinge treten Blauläuse, Spinnmilben und Gallmilben auf. Blattläuse mit Fingern abstreifen oder mit Wasserstrahl abspülen! Mit Kernseifenlauge sprühen hilft ebenfalls. Spinnmilben mit Brennnesseltee besprühen. Himbeeren zurückschneiden, also befallene Triebe entfernen. Sehr gut helfen Raubmilben.
  • Gelbe Blätter deuten häufig auf einen Magnesiummangel hin. Dagegen hilft magnesiumhaltiger Dünger.

Tipps

  1. Himbeeren nicht an Orte pflanzen, wo zuvor Kartoffeln, Tomaten, Paprika, Auberginen oder Erdbeeren gestanden haben. Diese Pflanzen übertragen die schädliche Verticillium-Welke, eine Pilzerkrankung.
  2. Pflanzen Sie die Himbeeren nicht zu tief, sonst wachsen sie nicht. 3 cm Erde auf den Wurzeln reichen!
  3. Rubus idaeusWenn die Sommerhimbeeren im ersten Jahr zu blühen beginnen und Sie alle Blüten abschneiden, fördern Sie eine reiche Ernte im nächsten Jahr.
  4. Himbeeren wuchern. Sie treiben Wurzelschößlinge rund um die Hauptwurzel, bis zu einem Meter entfernt. Es ist sinnvoll, während der Wachstumsperiode die Wurzeln um die Pflanze herum alle paar Wochen mit einer Schaufel durchzutrennen, sonst entziehen die Schößlinge der Mutterpflanze die Kraft.
  5. Für die Haltung in Pflanzenkübeln sind Himbeeren nicht gut geeignet. Dazu bilden sie zu ausgedehnte Wurzelsysteme.

Fazit
Himbeeren sind superlecker. Gerade wer Kinder hat, sollte unbedingt einige Pflanzen im Garten anbauen. Die Kleinen haben auch viel Freude daran zu beobachten, wie die Ruten wachsen und sich aus den Blüten Früchte entwickeln. Außerdem kommen sie meist gut an die Früchte und können sich selbst mit den leckeren Beeren versorgen. Um eine lange Ernte zu gewährleisten, sollte man möglichst verschiedene Himbeersorten anpflanzen. Man unterscheidet hauptsächlich Sommer- und Herbsthimneeren. Beide Sorten benötigen ein Gerüst, welches etwas unterschiedlich ausfällt. Ansonsten sind Himbeeren recht pflegeleicht. Man muss ständig sämtliches Unkraut entfernen, darf die Pflanzen nicht austrocknen lassen, aber auch nicht ersäufen und muss wegschneiden, was zuviel ist. Auch der Schnitt der einzelnen Sorten ist zu beachten!