Fliederblüten

Flieder vermehren? Möglich und vielleicht kein Problem: Die ursprüngliche (Wild-) Form des Flieders schafft das ganz alleine und mit Hilfe des Gärtners noch zahlreicher. Beim Edelflieder kann das anders sein – teils wird er wurzelecht gezogen, aber bei der Zucht so verändert, dass er Fortpflanzung nicht mehr hinbekommt; teils wird er auf normale Flieder veredelt, dann kommt bei Vermehrung ein gewöhnlicher Flieder heraus; teils wird er auf andere Pflanzen wie Liguster veredelt, dann bildet er keine Ausläufer; Samen von Edelfliedern bringen wenig oder nichts. Die Vermehrung von Flieder ist also ein weites Feld, nachfolgend ein Überblick:

Flieder durch Samen vermehren

Flieder durch Samen vermehren erscheint vielen Gärtnern als ziemlich überflüssige Idee, gibt es doch überkniehohe Fliedersträucher für ein paar Euro in der nächsten Baumschule. Und doch kann es Sinn machen:

1. Flieder aus Samen für Gärtner

Ein paar Euro bleiben keine paar Euro, wenn Sie ein großes Grundstück mit einer Fliederhecke umgeben möchten.

Flieder taugt zwar nicht zum Formgehölz bzw. blüht dann wenig, aber eine frei wachsende Hecke mit blühendem Flieder ist möglich, z. B. Flieder in halber Wuchsbreite gesetzt und mit Liguster, Spiersträuchern, Schneebällen und ähnlich schnell wachsenden Heckengehölzen unterpflanzt.

Halbe Wuchsbreite heißt 1,5 bis 2 Meter, wenn der Flieder kompakt gehalten werden soll. Wenn Sie gerade einen schönen alten Bauernhof mit 3000-qm-Grundstück gekauft haben, sind das dann mal eben gut 600 m Grundstücksgrenze, 300 bis 400 Flieder und damit vierstellige Summen für Fliederpflanzenkauf … der Ausbau des Hauses kostet auch, Aussamen lohnt sich.

2. Fliedersamen für Balkon- und Terrassengärtner

Es gibt Menschen ohne Garten, die Flieder lieben. Wenn diese ihren Flieder gleich in dem Umfeld anziehen, in dem er später dauerhaft wachsen soll, bekommt ihm das gut. Kübelpflanzen kommen besser mit dem Leben im Kübel zurecht, wenn die Wurzeln gleich an an das begrenzte Volumen gewöhnt werden. Das bedeutet beim Flieder denklogisch Aussaat in den Kübel, denn wenn Sie Flieder kaufen, wurde der in der Baumschule mit Blick auf starke Wurzelentwicklung mehrfach verschult, in Boden mit schön viel Erde. Dieses Verschulen = Umpflanzen braucht auch der Kübel-Flieder, aber direkt von Kübel zu Kübel, damit sich das Wurzelwachstum an das Erdvolumen anpasst.

Einige der Flieder-Liebhaber interessieren sich für Bonsais und könnten begeistert sein zu erfahren, dass sich Flieder prima als Bonsai ziehen lässt. Auch als edler japanischer Misho-Bonsai = von einem Samen ausgehend angezogen. Der eigentliche Bonsai-Beschnitt fängt zwar erst mit rund drei Jahren an, aber während der Aufzucht lässt sich der Pflanzenwuchs auch schon ein wenig in Richtung „winzig“ steuern …

3. Fliedersamen für Züchter

Züchter kommen zu interessanten Samen, indem Sie im Spätherbst Fliederfrüchte/Samenkapseln von eigenen Baum oder vom schönen Flieder im nächsten Park sammeln.

FliederstrauchSicher ist erfolgreiche Vermehrung, wenn die Samen von der „Wildform“ stammen (Handeslausdruck, das ist einfach der normale Flieder).

Bei Zucht-Edelfliedern will deren Züchter nicht unbedingt, dass Sie seinen Flieder vermehren, Sie sollen schließlich kaufen, und die Produktentwicklung „Edelflieder“ hat gekostet. Vielleicht wurde der Edelflieder im Labor vermehrt, vielleicht auf einen gewöhnlichen Syringa vulgaris oder andere Pflanzen (Liguster, Rainfarn, Rotesche) veredelt, vielleicht ist es eine Hybride, deren Eltern zwar schöne Farbe/große Blüte auf das Zuchtergebnis übertragen durften, aber nicht die Fruchtbarkeit.

In all diesen Fällen werden Sie mit den Samen nicht viel Freude haben, entweder kommt überhaupt nichts heraus oder etwas, das dem Edelflieder nicht ähnlich sieht. Also nichts, mit dem Sie etwas anfangen können; selbst wenn aus den Samen eines Edelflieders einmal etwas herauskommen würde, lässt sich mit diesen Pflanzen ohne Gefahr eines Rechtsanwaltskontakts nicht züchten, weil die Sorten rechtlich geschützt werden.

4. Die Stratifikation

Gekaufter Fliedersamen sollte verwendungsfertig sein, selbst gesammelter Fliedersamen braucht eine Kältebehandlung, um zum Keimen bereit zu werden.

Wenn möglich, sollten Sie Fliedersamen sofort im Herbst in die Erde versenken, so keimt der Flieder ganz natürlich im nächsten Frühjahr. Wichtig ist hier, dass Sie die Samen wirklich reif ernten, unreife Samen keimen schlecht oder gar nicht. Reife garantiert z. B. ein kleines Mullsäckchen, das um den reifenden Samenstand gebunden wird und die Samen auffängt, wenn sie von selbst (ggf. mit leichtem Anstupsen) und damit sicher vollreif herabfallen.

Wenn Sie Samen über eine Tauschbörse bezogen haben, den Sie erst im Frühjahr ausbringen möchten, muss dieser ggf. stratifiziert werden:

  • Samen in Behälter mit feuchtem Sand geben
  • Rund 2 Monate im Kühlschrank lagern, lautet die übliche Empfehlung
  • Falls der Kühlschrank energiebewusst auf 7 °C eingestellt ist, wird es knapp mit der Kälte
  • Wegen ein paar Samen Kühlschrank zu kalt einstellen lohnt auch nicht
  • Die Samen energiebewusster Menschen werden deshalb auf dem Balkon gelagert

Wenn Sie nur wenige ganz besondere Fliedersamen getauscht oder gesammelt haben, ist geschützte Stratifikation übrigens die sichere Methode, bei Herbstaussaat im Garten finden sich häufig Tierchen, für die die Samen ein willkommener gehaltvoller Schmaus sind.

5. Die Aussaat

violetter FliederWenn die Samen ihre Kältephase durchgestanden haben, können sie ausgesät werden, im Fall Flieder einfach auf die vorher befeuchtete Erde legen, etwas andrücken und ein wenig mit Erde bedecken.

Wenn Sie in Töpfe (zu denen s. u. „Der Anzuchttopf“) aussäen, dürfen die gerade aus der Stratifikation kommenden Samen nicht durch Wohnzimmertemperaturen geschockt werden, sondern die Töpfe sollten bei Temperaturen zwischen +5 und 12 °C aufgestellt werden. An einen hellen Standort, an dem keine Mittagssonne brennt.

Der Keimling erscheint nach 3 Wochen oder 3 Monaten, nicht die Geduld verlieren, Flieder lässt sich manchmal mächtig Zeit. Während dieser Zeit müssen Sie nichts weiter tun, als die Anzuchterde gleichmäßig feucht zu halten und darauf zu achten, dass sie sich nie richtig nass vollsaugt.

Syringa vulgaris – Vermehrung durch Stecklinge

Der normale Flieder kann prima durch Stecklinge vermehrt werden, die von der Mutterpflanze geschnitten werden und im unteren Bereich von den Blättern befreit werden. So können die Stecklinge direkt in die Gartenerde oder in Töpfe, in der Regel treiben sie aus.

Auch Wurzelausläufer von der Mutterpflanze treiben oft aus, wenn sie in Topferde oder Gartenerde gesetzt werden.

Bei einem veredelten Edelflieder, der weder fruchtbare Samen noch eigene Ausläufer bildet, ist die Stecklingsvermehrung die einzige Chance, zu einem neuen Flieder (Klon) zu kommen. Bei einigen Zuchtsorten soll aber auch diese Art der Vermehrung nicht zum Erfolg führen.

Flieder-Bodentriebe – die selbsttätige Vermehrung

FliederbuschDer normale Flieder treibt Triebe aus dem Boden; der Edelflieder mitunter auch, vor allem als veredelter Edelflieder aus der Unterlage. Die Bodentriebe des normalen Flieders können Sie ausgraben und an den gewünschten Ort setzen, sobald sie kräftig genug sind. Bodentriebe des Edelflieders können Sie natürlich auch einpflanzen, aber Sie sollten wissen, auf welcher Unterlage er wächst, anstatt eines Wildflieders könnte auch ein Liguster herauskommen.

Der Bereich nahe der Grundstücksgrenze sollte „fliederfrei“ bleiben, also Pflanzabstand und Platz zur Ausläufervernichtung. Sonst müssen Sie sich möglicherweise mit fliederverachtenden Nachbarn herumschlagen, der wegen jedem Bodentrieb schon auf dem Weg zum Rechtsanwalt sind; oder mit einem Ordnungsbeamten Ihrer Gemeinde darüber diskutieren, dass Flieder auf der Schwarzen Liste steht und Ihr Flieder gerade einen Wurzelausläufer über den Zaun geschickt hat.

Auf der Schwarzen Liste steht er, seit der letzten naturschutzfachlichen Invasivitätsbewertung des Bundesamt für Naturschutz im Jahr 2013 – die Bewertung ergab, dass er an bestimmten Standorten einheimische Arten verdrängen könnte. Der Flieder steht aber nur auf der Managementliste, mit Empfehlung von Maßnahmen: Wenn er sich auf öffentlichen Land ausbreitet, soll er z. B. bodennah abgeschnitten oder beweidet werden, Öffentlichkeitsarbeit wird empfohlen. Lassen Sie sich aber nicht verrückt machen, Sie dürfen im Garten normalen Flieder pflanzen, und die Ausläufer sind zu bewältigen, wenn der Flieder nicht direkt am Zaun steht und Sie die neu erscheinenden Kleinflieder im Abstand von ein paar Jahren bodennah kappen (oder eben ausbuddeln und woanders hinsetzen oder sie zur Heckengestaltung nutzen).

Vermeiden sollten Sie auch das Ausbringen von Fliederbeschnitt in die freie Natur, diese Art der Entsorgung hilft nicht nur dem Flieder bei seinen unbescheidenen Eroberungsplänen, sondern ist auch bei Strafe verboten. Strauchschnitt werden Sie umsonst bei den öffentlichen Kompostieranlagen los, oder Sie sprechen den Veranstalter des örtlichen Osterfeuers an.

Der Anzuchttopf

Zum Flieder aussäen brauchen Sie Anzuchttopf und Anzuchterde. Der robuste Flieder ist eine gute Gelegenheit, abseits von gekauften Anzucht-Sets mit eigenen Ideen zu experimentieren:

AnzuchttopfOb Sie gekaufte Anzuchterde verwenden oder den Flieder gleich in die Erde setzen, in der er später wachsen soll, ist Geschmackssache. Flieder kennt die Mikroben der heimischen Gartenerde, eigentlich gibt es hier keinen Grund, den Samen in ein keimfreies Umfeld zu setzen. Wenn er gleich in richtiger Erde wächst, wird er früh mit „dem wahren Leben konfrontiert“, das könnte ihn widerstandsfähiger machen. Außerdem ist es schon gewaltig viel günstiger, sich im Garten oder in der nächsten Baustoffhandlung mit einem Eimer ein wenig (garantiert unbelastete) Muttererde zu holen und vielleicht noch ein wenig Sand unterzumischen, als fertige Anzuchterde zu kaufen.

Ob Sie den Flieder in Anzuchttöpfchen aussäen und dann später (wenn kräftig genug) pikieren oder ihn gleich einzeln in größere Töpfe aussäen, aus denen er in den Garten gesetzt wird bzw. als Kübel-Flieder eine Weile wachsen kann, ist auch Geschmackssache. Pikieren ist nützlich, wenn in Anzuchtschalen auf geringstem Platz Keimlinge angezogen werden sollen, die dann ins Freiland gesetzt werden, aber nicht unbedingt notwendig. Sie können jeden Samen einzeln aussäen, dann hat die Jungpflanze von Anfang an genug Platz, um eigene Wurzeln zu bilden und wird das auch eifrig tun. Eventuell zu Lasten des Wachstums im oberen Bereich – aber da heute wissenschaftlich untersucht ist, dass Pflanzen optimal in Topfgrößen von 1 l Erdvolumen pro Gramm trockene Biomasse wachsen (Flieder-Jüngling 10 g Biomasse, 1 g Trockenbiomasse = 1-Liter-Topf) und die Photosynthese in einem Topf dieser Größe um bis zu 30 % zunimmt, kann es der gesunden Pflanzenentwicklung eigentlich nicht schaden, wenn der Flieder sich von Anfang an separat entwickeln kann …

Die Pflege des jungen Flieders

Wenn der Flieder-Keimling dieses erste Blattpaar nach den Keimblättern entwickelt hat, hat er auch den im Samen mitgegebenen Nährstoffvorrat verbraucht und muss sich nun selbst ernähren.

Das schafft ein Flieder gewöhnlich recht gut, er kann zwar nicht von Luft und Liebe leben, aber von Licht, Wasser und Erde, ist doch auch schon erstaunlich.

weißer FliederWenn es sich um normale Gartenerde handelt, reicht die dem Flieder vollkommen ohne Dünger. Es muss sich aber um einen natürlich bewirtschafteten Garten handeln, also um ein Areal, in dem Pflanzen wachsen und auch einmal Pflanzen verrotten, sodass ein Gartenboden entsteht, mit dem notwendigen Bodenleben. In Gärten, in denen versucht wird, das Gleichgewicht mit allen möglichen Segnungen aus der Chemiefabrik aufrechtzuerhalten, müsste ein Flieder möglicherweise mit zusätzlichem Dünger ernährt werden, möglicherweise ist aber ohnehin viel zu viel Stickstoff im Boden, das könnte ihm schaden … ohne Bodenanalyse kann hier nicht wirklich eine Empfehlung zum Düngen abgegeben werden.

Veredelte Edelflieder werden je nach Unterlage gedüngt, also der Pflanze, auf die der Edelflieder gesetzt wurde und die die Wurzel stellt. Wurzelechte Edelflieder sind oft nicht so kräftig bzw. genügsam wie die normalen („Wild-„) Flieder, sie profitieren von etwas (nicht stickstoffbetontem) Volldünger und zeigen dann deutlich mehr und größere Blüten.

Der Flieder im Kübel hat in den üblichen Kübelgrößen nicht genug Erde um sich herum, um sich aus ihr ernähren zu können, er braucht zum Start und zu jedem Saisonstart etwas Langzeitdünger.

Fazit

Wenn Sie vorhaben, Flieder als Hecke rund um das Grundstück zu setzen, brauchen Sie von einem „Gewöhnlichen Flieder“ nicht unbedingt sehr viele Pflanzen kaufen. Sie können von ihm Samen gewinnen, Stecklinge setzen, Ausläufer umsetzen und die alle zusammen weiter an der Grundstücksgrenze entlang pflanzen. Wenn Sie Edelflieder vermehren möchten, ist das ein Abenteuer, vielleicht kommt gar nichts, vielleicht ein normaler Flieder oder noch eine ganz andere Pflanze, nur manchmal kommt aus einem Steckling genau so ein schöner Flieder noch einmal.