Gartenpflanzen Ziersträucher & Sträucher

Flieder pflanzen – Standort, Pflanzzeit und Umpflanzen

Flieder

Flieder war etwas in Vergessenheit geraten, galt als langweilig und nicht in moderne Gärten passend. In den letzten Jahrzehnten wurde viel gezüchtet und experimentiert und zahlreiche neue Sorten kamen auf den Markt. Diese überzeugen nicht nur durch ihren tollen Duft, sondern auch durch neue Blütenfarben, gefüllte Blüten, zweifarbige Blüten und eine lange Blühdauer. Diese Sorten passen eindeutig in jeden Garten. Damit man lange Jahre an dem Flieder Freude hat, muss gleich beim Pflanzen alles richtig gemacht werden. Was es zu beachten gibt, lesen Sie im folgenden Text.

Kurzer Steckbrief Flieder

  • Familie der Ölbaumgewächse
  • Syringa
  • 20 bis 25 Arten
  • Die meisten Arten sind in Europa und Asien heimisch
  • Gemeiner Flieder – Zierstrauch in vielen Gärten
  • Sommergrüne Sträucher oder kleine Bäume
  • Am häufigsten Syringa vulgaris, der Gemeine Flieder
  • Kann bis zu 7 m hoch werden
  • Blüte meist Mai und Juni
  • Bis 25 cm lange Blütenrispen
  • Zahlreiche Farben von weiß über blassgelb und violett-rot bis dunkelviolett
  • Auch gefüllte und zweifarbige Blüten
  • Die meisten Blüten duften, zum Teil auch sehr stark
  • Es werden Kapselfrüchte gebildet
  • Flachwurzler, die Wurzeln haben etwa die Ausmaße wie die Krone
  • Geeignet als Solitär, in Gruppen oder als Blütenhecke
  • Sommerflieder ist eine andere Pflanzengattung

Die Auswahl der passenden Art und Sorte

FliederEs gibt über 20 Arten von Flieder und über 100 Sorten. Beim Kauf darf man sich nicht nur von den schönen Blüten leiten lassen. Fliedersträucher oder Bäume können viele Meter hoch werden, dass ist für kleine Gärten meist zu viel. Besser sind dann Sorten, die unter 2 m Endhöhe bleiben, wie beispielsweise Palibin oder Superba. Bedenken sollte man, dass wurzelechte Flieder nicht so wüchsig und blühwillig sind wie veredelte.

Besonders schöne Sorten

  • ‚Beauty of Moscow®‘ – weiße Blüten, Blütenknospen in rosa bis rot, toller Kontrast und starker Duft
  • ’Addie Tischler’ – Altrosa Blüten, gut gefüllt, derzeit sehr gefragt, guter Duft
  • ‚Charles Joly‘ – Edelflieder mit purpurnen bis violetten gefüllten Blüten, sehr üppige Blüte, eine der beliebtesten Hybriden
  • ‚Lila Wonder®‘ – zweifarbige Fliederhybride, zartlila Blütenblätter mit einem weißen Rand, etwas ganz besonderes
  • ’Michel Buchner’ – große, gefüllte violette Blüten, innen weiß, eine der schönsten historischen Sorten
  • ‚Sensation‘ – zweifarbige Sorte, purpurfarbenen Blütenblätter mit weißem Rand, sehr exklusive Sorte
  • ‚Primrose‘ – einzige gelbliche Sorte, cremegelbe einfache Blüten, im Verblühen in weiß übergehend
  • ’Nadeshda’ – lilablaue einfache Blüten, eine der besten Sorten in dieser Farbe, sehr intensiver Duft
  • Herbst-Flieder (Syringa microphylla) ’Superba’ – lilarosa Blüten, Hauptblüte im Mai, blüht weiter bis Oktober, etwa 1,5 m hoch
  • Frühlings-Flieder (Syringa –  x – hyacithiflora) – öffnen ihre Knospen zwei Wochen vor denen des gewöhnlichen Flieders, viele schöne Sorten
  • Syringa hyacinthiflora ’Weiße Wolke x Rosa Engel’ – Duo-Flieder in weiß und rosa, lange lockere Einzelrispen, tolle Herbstfärbung
  • Ungarischer Flieder (Syringa josikaea) bis 4 m hoch, helllila Blüten, stark duftend, schöne Herbstfärbung
  • Perlenflieder (Syringa x swegiflexa) – dunkelrosa Blütenrispen, locker nickend, meterhohe, bogig überhängende Zweige
  • Zwergduftflieder (Syringa meyeri) ’Palibin’ – fliederfarbene Blüten, stark duftend, wird nur 1 bis 1,5 m hoch, meist als Stamm, frostharte Kübelpflanze
  • Königsflieder (Syringa x chinensis Saugeana) – lilarosafarbene Blütenrispen, wird 3 bis 4 m hoch, langsamwachsend, breitwüchsig, wächst überhängend
  • Bogenflieder (Syringa reflexa) – rosafarbene bis rote überhängende Rispen

Flieder pflanzen

FliederbuschFlieder zu pflanzen ist unkompliziert. Wichtig sind ein sonniger Standort und ein entsprechender Boden. Dieser sollte nicht zu nass sein, kalkhaltig und durchlässig. Wichtig ist die richtige Auswahl der Fliederart und Sorte. Es gibt Flieder, der wird 7 m hoch und manchmal noch höher. Für Kleingärten sind diese Gehölze eher ungeeignet. Dafür sind Zwergformen ideal, die nicht höher als 2 m werden. Auch für die Kübelhaltung gibt es zahlreiche Sorten, auch gut winterhart. Die richtige Pflanzzeit für Flieder ist der Herbst. Dann sind zahlreiche wurzelnackte Pflanzen im Angebot.

Tipp – Flieder ist mit sich selbst unverträglich. Man sollte nie einen Flieder dahin pflanzen, wo zuvor auch schon einer gestanden hat!!!

Standort

Beim Standort ist wichtig, dass er sonnig ist. Außerdem wird eine gute Luftzirkulation benötigt, damit Blätter und Blüten nicht bald schlaff herabhängen. Flieder steht nicht gern allein, er mag ringsum ähnliche Gewächse.

  • Sonnig. 6 Stunden Sonne am Tag sind das Mindestmaß
  • Wachsen auch an schattigeren Plätzen, bilden dort aber keine dichte Krone und blühen deutlich weniger.
  • Wichtig ist eine gute Luftzirkulation
  • Edelflieder vertragen auch viel Wind. Sie werden gern als Windschutzhecke gepflanzt.
  • Kommt gut mit Hitze, Kälte und Stadtklima zurecht
  • Flieder nie zu nah an Gebäude oder auch an andere Gehölze pflanzen. Die Wurzeln benötigen reichlich Platz, damit sie sich ausbreiten können. Sie sind stark genug, dass sie Gebäude beschädigen können. Pflanzabstand, auch untereinander 1,5 bis 5 m, je nach Flieder-Art.

Pflanzsubstrat

Flieder grünFlieder ist generell recht anpassungsfähig und kommt mit den meisten Böden klar, hat aber ganz klar Favoriten. Was keine Art verträgt ist Nässe und Bodenverdichtung. Günstig ist frisch bis mäßig trockener Boden. Der pH-Wert sollte zwischen 5 und 7 liegen.

Edel-Flieder

  • Nährstoffreich
  • Eher trockene Lehmböden
  • Hoher Kalkgehalt

Preston-Flieder

  • Etwas feuchter Boden
  • Kalkarm

Bei zu nährstoffarmem Boden kann Kompost, Knochenmehl oder Dünger ins Pflanzloch gegeben werden. Bei zu saurem Boden hilft etwas Kalk, der über die Erde gestreut wird, welche die Wurzeln bedeckt. Das sollte alle 3 bis 5 Jahre wiederholt werden.

Pflanzzeit

Die beste Pflanzzeit für Flieder ist der Herbst. Der Boden ist noch warm und das Gehölz kann gut einwurzeln. Wurzelnackter Flieder ist häufig deutlich preiswerter. Außerdem kann man sich die Pflanzen auch gut schicken lassen, wenn die Gärtnerei vor Ort die gewünschte Sorte nicht führt. Containerware kann auch im Frühjahr gepflanzt werden, aber danach muss vermehrt gegossen werden, damit der Flieder gut anwachsen kann.

  • Pflanzen am besten im Herbst
  • Wurzelnackten Flieder nur im Zustand der Winterruhe pflanzen, also ab etwa Mitte Oktober bis Mitte April
  • Danach ist eine gute Wasserversorgung sehr wichtig
  • Alternativ im Frühjahr pflanzen

Das Pflanzen von wurzelnacktem Flieder

violetter FliederDas Pflanzen selbst ist nicht kompliziert. Wichtig ist, die Wurzel zuvor etwa eine Stunde in Wasser zu stellen, damit sie sich richtig voll saugen kann. Beim Pflanzen von Edelflieder ist darauf zu achten, dass die Veredlungsstelle etwa 5 cm über der Erde liegt. Diese Stelle darf nicht von Erde bedeckt sein, da sonst die Gefahr besteht, dass sich dort Wurzeln bilden und die Unterlage überwachsen wird.

Bei wurzelnacktem Flieder kürzt man oberhalb eines Knospenansatzes den Trieb um die Hälfte ein. Auch die Wurzelspitzen werden geschnitten.

  • Wurzeln einweichen
  • Ballen vorsichtig auseinander ziehen
  • Loch graben, das etwa doppelt so groß wie die Wurzel oder der Ballen ist.
  • Der Grundstamm muss auf Bodenhöhe stehen
  • Pflanzloch mit Erde auffüllen
  • Wässern, damit die Erde nachrutscht
  • Noch einmal Erde auffüllen und festdrücken

Tipp – Unten am Stamm ist ein Farbübergang zu erkennen. Man kann genau sehen, wie tief der Flieder vorher eingepflanzt war. Tiefer sollte das Gehölz auch im eigenen Garten nicht stehen. Die Erde immer nur bis zu diesem Punkt auffüllen, da den Wurzeln sonst Erstickungsgefahr droht.

Pflanzen von Containerpflanzen

Containerpflanzen haben den Vorteil, dass sie fast ganzjährig eingepflanzt werden können. Ansonsten unterscheidet sich das Pflanzen nicht von wurzelnacktem Flieder, außer, dass die Wurzeln nicht eingekürzt werden, da sie von Erde umgeben sind.

  • Pflanzballen in Wasser stellen, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen.
  • So tief pflanzen, wie das Gehölz zuvor im Topf gestanden hat.
  • Erde auffüllen und festtreten.
  • Reichlich wässern

Tipps
Frisch gepflanzte Flieder werden nicht gedüngt. Lediglich eine handvoll Hornspäne kann mit ins Pflanzloch gegeben werden.

weißer FliederBeim Pflanzen eines Fliederhoch- oder halbstammes ist eine zusätzliche Verankerung im Boden wichtig. Der Baum sollte mit einem Pfahl gesichert werden, damit er gerade anwächst und nicht bei Wind umfällt. Dieser sollte schon vor dem Einstellen des Flieders ins Pflanzloch eingeschlagen werden. So wird die Verletzung der Wurzel vermieden. Büsche benötigen keinen Halt.

Flieder umpflanzen

Flieder umsetzen sollte man im Frühjahr, etwa im März oder April.  Je nach Alter der Pflanzen können die Wurzeln aber schon recht umfangreich sein. Es wird also nicht einfach.

  • Flieder zuvor ordentlich zurückschneiden. Da beim Umpflanzen viele Wurzeln kaputt gehen, kann das Gehölz das nur kompensieren, wenn dicht zu viel Pflanze übrig bleibt. Also, recht großzügig schneiden. Je weniger Masse die Wurzeln nach dem Umpflanzen ernähren müssen, umso besser gelingt das Anwurzeln.
  • Die Wurzeln großflächig ausgraben
  • Pflanzloch muss ausreichend groß sein
  • Danach ist Gießen unheimlich wichtig. Am besten einen Gießrand anlegen, damit das Wasser nicht wegläuft und dort ankommt, wo es benötigt wird.

Pflanznachbarn

Flieder wird gern mitten in eine Rasenfläche gepflanzt. Das ist gut möglich, allerdings sollte dem Stamm oder Busch eine freie Baumscheibe gelassen werden. Diese sollte gemulcht werden. Ansonsten eignen sich andere Blühsträucher als Nachbarn für Flieder. Entweder kombiniert man die Gehölze mit anderen, die zur gleichen Zeit blühen wie Zier-Äpfel, Weigelie, Duftjasmin oder Kolkwitzie oder aber man nimmt Gehölze, die dann blühen, wenn die Schönheit des Flieders nach der Blüte etwas nachlässt. Geeignet wären dafür Gartenhibiskus, Hortensien, Buschmalve, Bartblume, Ranunkelstrauch oder Rosen.

Häufige Fragen

Bilden Flieder Ausläufer und wenn ja, macht eine Wurzelsperre Sinn?
FliederblütenWurzelechter Flieder bildet Ausläufer, aber normalerweise nicht so stark, dass man eine Wurzelsperre benötigt. Die macht allerdings Sinn, wenn nicht viel Platz für die Wurzeln zur Verfügung steht, weil ein Gebäude oder Leitungen nahe sind. Der Durchmesser sollte großzügig gewählt werden. Die handelsüblichen Wurzelsperren sind ausreichend. Sie müssen mindestens 50 cm tief eingepflanzt werden. Auch Edelflieder, die wie der Name schon sagt, veredelt wurden, können Ausläufer treiben. Meist passiert dass, wenn der Edelflieder auf einen Gewöhnlichen Flieder aufgepfropft wurde. Die Wildform treibt dann wieder aus.

Die wenigsten Ausläufer bilden wurzelechte Flieder, die durch Stecklinge vermehrt wurden. Zwar kommen auch hier hin und wieder einzelne Ausläufer vor, aber die bekommt man durch Abreißen schnell in den Griff. Veredelte Flieder werden meist auf einer Wildart veredelt und die treiben kräftig aus. Die meisten Ausläufer bilden die durch Meristemvermehrung entstandenen Flieder. Diese erhalten durch die Phase im Labor im Ansatz kurze Internodien, welche dann unzählige Triebe austreiben können. Solche Fliedergehölze können zu einem echten Problem im Garten werden.

Gibt es auch Flieder, der keine Ausläufer treibt?
Keine Ausläufer bringt auf Liguster veredelter Flieder hervor, zumindest, wenn die Veredlungsstelle immer schön über der Erde bleibt. Generell treibt nur Syringa vulgaris Ausläufer, die anderen Flieder-Arten nicht und davon gibt es reichlich, auch mit wunderschönen Blüten.