Fliederblatt

Wenn der Flieder krank ist, ist der Fliederfreund auch krank, Notfall-Rückschnitt ist schmerzlich. Für den Flieder nicht, Pflanzen empfinden keine Schmerzen (evolutionär sinnlos, Pflanzen können nicht vor Raubtieren fliehen). Beim normalen Flieder bleibt der radikale Rückschnitt aber die Ausnahme; ansonsten gesunde Pflanzen können meist mit wenig Aufwand unterhalb der Schadschwelle gehalten werden. Erst beim Edelflieder wird die Chance zu Schäden durch Krankheiten, Schädlinge und Pilze etwas höher, vielleicht wurden aber auch nur die besonderen Ansprüche einer besonders empfindlichen Zuchtsorte nicht beachtet oder ein unkritischer Einkauf war schuld, hier ein Überblick:

Welcher Flieder ist krank?

1. Syringa vulgaris oder Gewöhnlicher Flieder

Syringa vulgaris ist noch der weitaus häufigste Flieder bei uns – und ein echter Syringa vulgaris oder Gewöhnlicher Flieder wird nicht krank, nie. Das Gehölz kommt zwar eigentlich aus Südosteuropa und ist ein wenig mehr Wärme gewohnt, bewächst aber seit etwa dem Jahr 1600 die Bauerngärten Mitteleuropas, ihm ist unser Klima inzwischen wirklich vertraut. So vertraut, dass das Bundesamt für Naturschutz ihn 2013 auf die Managementliste der Schwarzen Liste invasiver Arten gesetzt hat, da er wildwachsend einheimische Gehölze verdrängen kann, weil nur wenige heimische Kleinsträucher und Kräuter unter ihm wachsen.

Dieser Flieder ist so robust, dass etwas grundsätzlich nicht in Ordnung sein könnte, wenn er ernsthaft erkrankt (was der separaten Prüfung bedarf, s. u. zur Schadschwelle). Wenn auch andere Pflanzen im Garten eher kümmerlich wachsen, sollte ausgeschlossen werden:

Vielleicht wurde junger Flieder als Erstbepflanzung auf einem Neubau-Grundstück angesiedelt, auf dem vor kurzen noch Baumaschinen herumkurvten. Dann könnte der Boden derart verdichtet sein, dass die Wurzeln des Flieder faulen/verkümmern. Gründüngung wäre das Mittel dagegen, ev. kann der Flieder gerettet werden, wenn er in ausreichend durchlässigen Boden umgesetzt wird.

FliederVielleicht standen oder stehen im betroffenen (übernommenen) Garten auch Nadelhölzer oder Rhododendren in der Nähe des Flieder, unter denen der Boden systematisch versauert ist/wurde. Flieder braucht mindestens einen (auch schon leicht sauren) pH-Wert von 5,5 zum Wachsen, Kalken nach Messen des Boden-pH-Werts würde hier Besserung bringen.

Gemeiner Flieder wird noch nicht einmal auf Standorten an Bahndämmen krank, mitten im Verkehr und obwohl die Bahn Tonnen von Pestiziden zur Entkrautung der Gleise einsetzt (für mehr Infos dazu „DB+Pestizide“ in die Suchmaschine eingeben). Vielleicht hat ein Gärtner es in der Vergangenheit Ihres Grundstücks geschafft, noch mehr Pestizide als die Bahn im Garten zu verteilen – bei Hausgärtnern leider nicht unüblich, sogar Restbestände lange verbotener Mittel werden mitunter unerschrocken verbraucht, bis der Boden schlichtweg stirbt und noch nicht einmal mehr einen Flieder ernähren kann. Gewissheit gibt eine (um 200,- € kostende) Bodenanalyse, Abhilfe Bodensanierung mit speziellen Entgiftungspflanzen oder speziellen biologischen Produkten wie Biocrack.

Wenn Sie den Flieder mit dem Grundstück übernommen haben, könnten Sie auf die Idee kommen, dass es am Alter liegt, wenn Ihr Flieder nicht ganz fit aussieht. Das wäre möglich, aber wahrscheinlich ist es nur, wenn Sie eine wirklich alte Villa gekauft haben. Der Flieder gehört zur Familie der Ölbaumgewächse, und der älteste heute noch existierende Ölbaum hatte bereits ein paar hundert Jahre auf dem Puckel, als Noah seiner Taube den Ölzweig abnahm … Ganz so gut ist der Flieder nicht, aber diese Flieder in New Hampshire wurden um 1750 gepflanzt: wentworthcoolidge.org/wp-content/uploads/2010/12/775Mahe-R1-E029.jpg (2010 leider an Hallimasch gestorben).

2. Syringa x und ®: Der Edelflieder

Wenn es nicht am Alter und am Boden liegen kann, könnte es am Einkauf liegen. Heute haben Sie nicht mehr unbedingt einen robusten Syringa vulgaris erworben, wenn Sie einfach nur einen Flieder kaufen wollten; vielleicht haben Sie auch bewusst einen Edelflieder erworben.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts werden Syringa-vulgaris-Hybriden gezüchtet, es gibt inzwischen eine Fülle von Edelfliedern in vielen neuen Farben und Farbmischungen. Die sind meist wunderschön, haben mit der Zucht aber oft auch etwas von der Widerstandsfähigkeit des robusten Ur-Flieders eingebüsst. Außerdem gibt es zwar hervorragende Fliederzüchter, die mit vielen Kenntnis und Zeitaufwand neue Fliedersorten hervorbringen – aber in Zeiten eines ausufernden Neoliberalismus auch Zuchten, bei denen „der Markt“ vor Fachkenntnis und Geduld geht. So entsteht mancher hochgezüchtete Flieder, der mit auffällig gefärbten, doppelt gefüllten Blüten prächtig aussieht; aber nur prächtig wächst, wenn jeder seiner unbedingt einzuhalten Ansprüche punktgenau erfüllt wird. Insgesamt Flieder für erfahrene Gärtner, die sich mit Gehölzpflege auskennen und ihren Gartenboden so pflegen, dass er auch anspruchsvolle Pflanzen versorgen kann.

Wenn ein derart empfindlicher Flieder bei bester Pflege kränkelt, haben Sie im schlimmsten Fall eine Kreuzung mit einem asiatischen Flieder erwischt, die bei uns nicht winterhart ist, in den meisten Fällen aber einfach die Ansprüche der „Primadonna“ nicht ausreichend beachtet, ihr z. B. einen zu dunklen Standort zugeteilt.

Bei einem solchen Flieder sollten Sie noch einmal genau alle Standort- und Pflegeansprüche überprüfen und Pflanzenstärkungsmittel einsetzen, bevor es an die Bekämpfung von irgendwelchen Krankheiten/Schwächen geht.

FliederstrauchWenn Ihr Flieder schon kurz nach dem Pflanzen derart beeinträchtigt wurde, dass er nicht überlebt, kann der Fehler auch am Zustand des gelieferten Pflanzenmaterials liegen. Bei Bestellung im Internet (besonders bei Händlern, die mit allem möglichen handeln) sollten Sie nächstes Mal aufmerksam alle Kommentare lesen, damit Sie Bewertungen wie „von den bestellten Pflanzen haben 90% innerhalb von 8 Wochen das Zeitliche gesegnet“ nicht übersehen – oder gleich in der nächsten Fachgärtnerei/Baumschule einkaufen.

3. Der nicht blühende Flieder

Wenn es nur daran liegt, dass Ihr Flieder nicht blühen will, ist er vielleicht gerade nicht im richtigen Alter dafür.

Er könnte zu jung sein, ein frisch gepflanzter Flieder braucht schon einmal ein paar Jahre, bis er sich richtig eingewurzelt hat und mit dem Blütenansatz beginnt. Drei Jahre sind normal, aber auch bei Pflanzen gibt es Spätentwickler … auch hier gilt natürlich: Noch einmal genau Standort- und Pflegeansprüche prüfen, vielleicht hilft auch Pflanzenstärkung mit Schachtelhalm und Co., kombiniert mit biologischem Blühdünger.

Der Flieder könnte auch zu alt sein, was bei der ursprünglichen Form des Syringa vulgaris wie gesagt nicht sehr wahrscheinlich ist, bei den Zuchtsorten kann das ganz anders aussehen. Wenn eine Zuchtsorte möglicherweise aus Altersgründen schwächelt, könnte ein radikaler Verjüngungsschnitt helfen; falls bereits Alterserscheinungen wie (ansonsten harmlose)

Flechten auftreten, ist es Zeit dafür, durch Vermehrung für Nachfolger zu sorgen.

Vor dem Panikausbruch: Pflegefehler prüfen, Pflanze stärken, Schadschwelle bestimmen

Es gibt viele Krankheiten etc., die theoretisch auch ein Flieder bekommen kann. Wenn es sich um einen Edelflieder oder einen geschwächten Syringa vulgaris handelt, bekommt er Krankheiten, Schädlinge, Pilze vielleicht auch praktisch.

Was noch lange nicht heißt, dass Sie in Panik ausbrechen müssten – diese Ärgernisse befallen nur geschwächte Pflanzen in einem Ausmaß, das ihnen schadet. Krankheitserreger, Schädlinge und Pilze sind in jedem Garten vorhanden – wie die Billionen von Kleinstlebewesen, die auf Menschen leben; am besten funktionieren Mensch wie Garten, wenn diese Mikrobiome stabile, selbstregulierende Gemeinschaften bilden.

Weißer FliederGemeinschaften, die möglichst wenig gestört werden sollten … auf keinen Fall sollten Sie überstürzt ins nächste Gartencenter rennen und irgendetwas gegen Krankheiten, Schädlinge, Pilze verlangen – verkaufen wird man Ihnen etwas; möglicherweise ein gegen den vorhandenen Schädling vollkommen wirkungsloses Mittel, das wenigstens den Flieder stärkt, möglicherweise aber auch ein Mittel, das Ihrem ohnehin in Schwierigkeiten befindlichen Flieder/Gartenboden endgültig den Rest gibt.

Erst einmal sollten Sie die allgemeinen Bedingungen überprüfen und herumkrabbelnde Tierchen egal welcher Provenienz abduschen/absammeln. Korrekturen bei der Pflege plus Pflanzenstärkungsmittel aus Brennnessel oder Schachtelhalm könnten einem leicht geschädigten Flieder schon wieder auf die Beine helfen.

Die allermeisten „Angriffe auf den Flieder“ sind durch Absammeln/Abduschen (Schädlinge) bzw. durch Beschnitt des Flieders (Krankheiten, Pilze) einzudämmen, bei erheblichem Befall mit egal was sollten die geschädigte Triebe immer bis ein Stück ins gesunde Holz entfernt und im Müll entsorgt werden, Schnittwerkzeuge werden immer mit Brennspiritus oder hochprozentigem Alkohol desinfiziert, nach jedem Schnitt. Dabei können Sie den Flieder dann gleich gründlich auslichten, je mehr Licht und Luft in den Baum kommt, um so schlechter können sich Pilze ausbreiten. Wenn höchstwahrscheinlich schon Pilze eingewandert sind, sollten Sie auf Pflanzenstärkungsmittel mit Jauche und düngen mit Kompost verzichten und stattdessen eine Unterpflanzung vornehmen, auch gleich gut gegen Überdüngung, Bärlauch oder Weg-Malven (Malva neglecta) zum Beispiel.

Wenn Krankheiten, Schädlinge und Pilze festgestellt werden, die durch Eingriffe in den Pflanzenhaushalt bekämpft werden könnten, sollten solche Eingriffe immer erst vorgenommen werden, wenn Krankheit, Schädling oder Pilz eine bestimmte Schadschwelle überschritten haben. Dann wird mit dem kleinsten denkbaren Eingriff begonnen, erst ganz am Schluss einer Beeinträchtigung steht der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln – falls es ein zugelassenes Pflanzenschutzmitteln gegen die jeweilige Beeinträchtigung gibt, was nicht immer der Fall ist.

All das steht im geltenden Gesetz zum Schutz der Kulturpflanzen (Pflanzenschutzgesetz), das Pflanzenanbauer zur Einhaltung einer guten fachlichen Praxis verpflichtet und in diesem Rahmen z. B. fordert: „Die Nährstoffversorgung der Pflanzen ist ausgewogen und bedarfsgerecht zu gestalten. … sodass der Befall mit Schadorganismen nicht gefördert wird.“ und „Wenn praktikable und umweltverträgliche nichtchemische Abwehr- und Bekämpfungsverfahren zur Verfügung stehen, sind diese zu bevorzugen“ (Grundsätze für die Durchführung der guten fachlichen Praxis im Pflanzenschutz vom 30. März 2010, Bundesanzeiger Nr. 76a vom 21.05.2010).

Flieder-Krankheiten

Rosa Flieder1. Pseudomonas syringae, Bakterienerkrankung, Fliederseuche, Pseudomonas sind auf Wirtspflanzen allgegenwärtig, es drohen v. a. Forstschäden, da das Bakterium die Temperatur für die Eisbildung herabsetzt

  • Symptome: Braun gestreifte, dunkle Rinde, braun-schwarze verwelkte Triebe, die abfaulen, eintrocknen, abknicken. Blätter mit hellen bis dunkelbraunen „nassen“ Flecken
  • Maßnahmen: Keine Pflanzenschutzmittel verfügbar, Flieder im Herbst gut für den Winter stärken, kein Beschnitt im Winter, ggf. Winterschutz, bei erheblichem Befall geschädigte Triebe entfernen wie oben beschrieben

2. Virus-Erkrankungen (selten)

  • Symptome: Helle Flecken, Linien, Ringe auf den Blättern, Deformation, Wachstumsstörungen
  • Maßnahmen: Nicht bekämpfbar, Flieder muss beseitigt werden, auf keinen Fall auf den Kompost

Flieder-Schädlinge

1. Caloptilia syringella, Flieder (minier) motte, unauffälliger Kleinschmetterling

  • Symptome: Olivgraue Flecken auf Blättern, Blattgewebe zerstört, Blatthaut sichtbar, Kotkrümel, im Blatt frisst gelbliche Larve, Blattpartien sterben und färben sich braun
  • Maßnahmen: Bekämpfung normalerweise nicht erforderlich, bei starkem, wiederholt auftretendem Befall örtliches Umweltamt fragen (keine Pflanzenschutzmittel für Anwendung im Haus- und Kleingarten zugelassen)

2. Eriophyes loewi, Gallmilben

  • Symptome: Hellgrüne Blätter, verdickte Knospen, hässliche Hexenbesen, Kurztriebe
  • Maßnahmen: Bodenauflockerung der Baumscheibe z. B. durch Bärlauch, befallene Blätter entfernen, Austriebspritzung mit Rapsöl-Präparat im zeitigen Frühjahr

3. Otiorynchus smreczynskii, Fliederblattrüssler

  • Symptome: abgefressene Blattränder
  • Maßnahmen: Absammeln, für gesunden Flieder nicht mehr als ein „natürlicher Wurzelbeschnitt“, wirksame Chemie existieren nicht, falls die Rüssler jede Saison mehr werden, biologische Schädlingsbekämpfung mit Nematoden versuchen

4. Xanthospilapteryx syringella, Gelbfleckflügelmotte

  • Symptome: Fleckige, angeknabberte Blätter, Kotkrümel, Blattpartien verfärben sich/sterben
  • Maßnahmen: siehe oben Fliedermotte

Pilze am Flieder

1. Ascochyta syringa, Ascochyta Blattfleckenkrankheit

  • Symptome: Hellgraue Flecken mit braunem Rand, später Triebwelke, Äste aufgerissen
  • Maßnahmen: Erkrankte Triebe entfernen

2. Chondrostereum purpureum, Bleiglanzkrankheit, Milchglanz, gefährliche Krankheit

  • Symptome: Silbrig bis bleigraue Blattfarbe, violette Fruchtkörper am Holz
  • Maßnahmen: Starker Beschnitt

3. Gloeosporium syringae, Fliederfäule

  • Symptome: Große braune Flecken auf den Blättern
  • Maßnahmen: Erkranktes entfernen, Auslichtungsschnitt

4. Heterosporium syringae, Blattbrand

  • Symptome: Graubraune, kreisförmige Flecken, samtartige Blattoberfläche
  • Maßnahmen: Erkranktes entfernen, Auslichtungsschnitt

5. Microsphaera syringae, Echter Mehltau

  • Symptome: Weißlicher Überzug
  • Maßnahmen: Bekämpfung normalerweise nicht erforderlich, Pflanzenstärkung mit Lecithin (als Bio-Mehltaumittel), erkrankte Triebe im Winter entfernen, Extrembefall mit zugelassenem Fungizid behandeln

6. Phyllosticta syringae, Schlauchpilz

  • Symptome: Div. Schäden an Blättern/Trieben
  • Maßnahmen: Erkranktes entfernen, Auslichtungsschnitt

7. Septoria syringae, Blattfleckenkrankheit

  • Symptome: Gelbbraune Blattflecken.
  • Maßnahmen: Erkranktes entfernen, Auslichtungsschnitt

8. Verticillium alboatrum oder andere Verticillium, unangenehme gefäßverstopfende Mikropilze

  • Symptome: Braune Blätter, Blattfall, Triebwelke, ggf. bis zum Absterben
  • Maßnahmen: Erkrankte Pflanzenteile sofort entfernen, dabei deutlich bis ins gesunde Holz zurückschneiden, Schnittflächen desinfizieren/mit Wundverschluss behandeln

Fazit

Krankheiten, Schädlinge, Pilze gehören zur Natur und können niemals ausgerottet werden. Es gibt viel mehr als die aufgeführten, was wann wo wie oft tatsächlich auftritt, kann niemand überblickend sagen – das Geheimnis des Erfolgs ist deshalb, Garten und Pflanzen zu befähigen, mit ihnen umzugehen. Sinnvolle und unschädliche Mittel zur Bekämpfung können eingesetzt werden, aber jede längere Bekämpfung mit Mitteln, die in den Pflanzenhaushalt eingreifen, könnte das Gleichgewicht noch mehr stören. Wenn eine Pflanze auf Dauer ihrem Umfeld nicht gewachsen ist, ist es besser, sie irgendwann durch eine widerstandsfähigere Pflanze zu ersetzen.