Gartenpflege Obstbäume

Apfelbaum verliert vorzeitig Äpfel: was tun?

Apfelbaum verliert Äpfel

Saftige Äpfel frisch vom Baum geerntet, sind der Wunsch eines jeden Apfelbaumbesitzers. Doch was ist zu tun, wenn der Apfelbaum Äpfel vorzeitig verliert? Das hängt von der jeweiligen Ursache ab.

Junifruchtfall

Verliert der Apfelbaum im Juni/Juli viele unreife Früchte, handelt es sich meist um den sogenannten Junifruchtabfall. Dabei handelt es sich um einen natürlichen Prozess, der automatisch von Apfelbäumen eingeleitet wird, wenn sie „überfordert“ sind. Sie schmeißen in der Regel zu kleine, unterentwickelte Früchte ab, um die Versorgung der verbleibenden Exemplare zu verbessern. Ausschlaggebend für die Einleitung dieser Art „Auslese“ sind verschiedene Gründe.

Apfelbaum, Äpfel am Boden

Fehlende Signale

Es werden Signale ausgesendet, die ein Malus von den Früchten erhält, wenn sie das Potenzial zum Heranwachsen von köstlichem Obst besitzen. Das erfolgt über Wachstumsregulatoren und verschiedene Hormone. Bleibt diese Rückmeldung aus, wertet ein Apfelbaum diese Früchte als überflüssigen Ballast. In der Folge wird die Versorgung runtergefahren beziehungsweise wird von den Früchten nicht „angefordert“, sodass ihre Stiele korkig werden und sie nicht mehr am Baum halten. Die Ursachen für diesen automatisierten Naturprozess sind:

Ausgelaugter Apfelbaum

Haben Apfelbäume im Vorjahr eine üppige Ernte beschert, kommt es im Folgejahr oft zum Junifruchtabfall. Dies ist auf eine Überbelastung des Baums zurückzuführen, die durch die hohe Beanspruchung von Nährstoffen und Energie im Vorjahr hervorgerufen wird. Kurzum: nach hohen Ernteerträgen folgt vielfach eine Entlastung im Juni/Juli, für die Apfelbäume durch das Abwerfen von unreifen Exemplaren sorgen. Experten sprechen in diesem Fall von einer Alternanz.

Apfelbaum, Äpfel am Boden
Hinweis: Meist reguliert sich der Apfelabfall durch eine Alternanz im zweiten Jahr nach der sogenannten Apfelschwemme. Allerdings gibt es Apfelsorten, die anfälliger dafür sind, wie beispielsweise der Boskoop.

Unsichere Fruchtversorgung

Ist ein Malus geschwächt oder die Erde gibt nicht ausreichend Nährstoffe her, „sortiert“ er Früchte aus, um eine geringere Anzahl an Früchten besser/ausreichend versorgen zu können. Das kommt vor allem vor, wenn der Baum (zu) viel Obst trägt. In der Regel schmeißt er die kleineren, unterentwickelten und/oder kranken/befallenen Früchte ab. Auf diese Weise verringern Apfelbäume ihren Nährstoff- und Energiebedarf, um zumindest die kräftigsten Exemplare bis zur Endreife tragen zu können.

Junifruchtabfall – was tun?

Hobbygärtner und Selbstanbauer können gegen den natürlichen Prozess des Junifruchtabfalls nicht viel entgegenbringen. Einige Maßnahmen sind aber sinnvoll:

Äpfel pflücken
  • frühe Auslese kleinster Früchte per Hand kann Menge an vorzeitig abfallenden Äpfeln reduzieren
  • Handauslese spätestens bis Anfang Juni vornehmen, bevor Blütenknospenbildung beginnt
  • zur Förderung des kräftigen, gesunden Wachstum und der Energiebildung Bäume regelmäßig schneiden
  • auf optimalen Standort mit entsprechend idealer Bodenqualität achten

Wassermangel

Fallen vor allem große, gesund erscheinende Äpfel im Hochsommer ab, ist eine der häufigsten Ursachen ein Wassermangel. Normalerweise sind Apfelbäume hervorragende Selbstversorger, aber während längerer Trockenperioden im Hochsommer, ist ein Bewässern erforderlich. Erleiden sie einen Wassermangel, reduziert sich der Feuchtigkeitsgehalt, Stiele werden poröser und halten das Fruchtgewicht nicht mehr dauerhaft. Die Folge: der Apfelbaum verliert je nach Schwere des Wassermangels das Obst. Hier hilft nur das tägliche Gießen des Malus, sobald Trockenheit und hohe Temperaturen einen Wassermangel provozieren.

Hinweis: Ein Wassermangel macht sich meist durch das vermehrte Abwerfen des Laubs bemerkbar, das nicht zwangsläufig vertrocknet zu sein hat.

Nährstoffmangel

Scheidet der natürliche Junifruchtabfall als Ursache für das Verlieren von Äpfeln aus, kann daran auch ein Nährstoffmangel schuld sein, der auf die Bodenqualität zurückzuführen ist. Vor allem bei älteren Apfelbäumen, die seit vielen Jahren am gleichen Standort verbringen oder bei Exemplaren, die an gleicher Stelle gepflanzt wurden, an der zuvor jahrelang ein anderer Obstbaum stand, ist der Nährstoffgehalt im Boden meist nicht mehr ausreichend. Überwiegend reagiert ein Malus darauf mit dem Junifruchtabfall, aber je geringer der Nährstoffgehalt ist, desto höher das Risiko unterentwickelter Äpfel, die während der gesamten Saison fallen können. Deshalb gilt:

Apfelbaum düngen
  • Erde mindestens einmal im Jahr mit geeignetem Nährstoffdünger versorgen
  • bester Düngezeitpunkt: April
  • Nachdüngen bei ausgelaugter Erde und alten Apfelbäumen: im Mai/Juni

Alterserscheinungen

Mit zunehmendem Alter eines Apfelbaums steigt das Risiko einer Verkahlung. Das heißt: der alte Malus bildet immer weniger Triebe, Blätter und Obst. Altersbedingt kommt es zur vermehrten Baumschwäche, durch welche vorhandene Äpfel immer weniger Halt finden, je größer/dicker sie werden. Mit einem jährlichen kräftigen Verschnitt ist der natürliche Alterungsprozess zu verlangsamen und die Chance hoch, dass das Obst ausreichend Halt erfährt. Auf Folgendes sollte beim Verschnitt geachtet werden:

  • zeitig im Februar/März am frostfreien Tag schneiden
  • nach innen und Überkreuz wachsende sowie sich nach unten biegende Triebe stark einkürzen (Auslichten)
  • Äste gleichen Ranges auf gleiches Niveau schneiden, um ideale „Saftwaage“ zu erreichen
  • frische/neue Triebe nicht schneiden, da sich hieran Knospen bilden

Schädlingsbefall

Verliert ein Apfelbaum vorzeitig das Ernteobst, ist ein eventueller Schädlingsbefall unter allen möglichen Ursachen am einfachsten erkennbar, da deutliche Spuren an den abgefallenen Früchten vorhanden sind. Zu den am häufigsten vorkommenden Schädlingen, die einen frühen Fruchtabfall zur Folge haben, zählt vor allem der

Apfelwickler

  • Maden sitzen in Rinden, Knospen und jungen Früchten
  • befallene Äpfel fallen alle ab
  • rot umrandete Fress- und Bohrlöcher im Apfel
  • sichtbarer Larvenkot
  • Fruchtfleisch deutlich verfärbt
Apfelwickler
Quelle: Patrick Clement from West Midlands, England, 49.338 BF1261 Codling Moth, Cydia pomonella (larval damage to apples) (3852049334), Bearbeitet von Gartendialog, CC BY 2.0

Was tun?

  • ab Juni Baumstamm mit Wellpappe mehrlagig ummanteln (hier verbleiben Larven bis Verpuppung)
  • nach Verpuppung auf Wellpappe Schädlinge ablesen
  • September Wellpappe entfernen
  • lose Rindenteile abnehmen
  • Stammrinde mit hohem Wasserdruck abspritzen (um eventuelle Eiablagen zu entfernen)
  • Kontrolle von typischen Anzeichen eines Befalls in kurzen Abständen
  • befallene Äpfel sofort im Hausmüll entsorgen (nicht auf Kompost!)

Erkrankungen

Verliert der Malus seine Früchte können verschiedene Krankheiten daran Schuld sein. Pilzerreger verursachen die häufigsten Apfelbaum-Krankheiten. Bei Neupflanzungen sollten Sie daher stets auf resistente Sorten zurückgreifen.

Apfelschorf (Venturia inaequalis)

Für einen vermehrten Abfall unreifer Äpfel kann der Apfelschorf sorgen. Dabei handelt es sich um einen Schlauchpilz, der hauptsächlich im Frühjahr mit seiner Ausbreitung beginnt. Bei Temperaturen zwischen zehn und 20 Grad Celsius in Kombination mit einer hohen Luftfeuchtigkeit findet der Apfelschorf optimale Bedingungen vor. Zu erkennen ist diese Pilzerkrankung neben dem übermäßigen Fruchtabfall an folgenden Anzeichen:

Apfelschorf
Quelle: Jerzy Opioła, Venturia inaequalis a1 (1), Bearbeitet von Gartendialog, CC BY-SA 4.0
  • braune Flecken an Blattoberseiten
  • braune Flecken und sternenähnliche Rissformen auf Früchten
  • Äpfel verderben bereits am Zweig
  • vermehrter Blattabfall

Was tun?

Eine erfolgversprechende Bekämpfungsmethode gegen Apfelschorf gibt es bisher nicht. Der Befall kann lediglich eingedämmt werden, indem alle befallene Pflanzenteile und Äpfel abgetrennt und sicher entsorgt werden. Die regelmäßige Auslichtung des Apfelbaums lässt Feuchtigkeit besser abtrocknen/verdunsten und das Risiko eines erneuten Befalls reduzieren.

Kragenfäule (Phytophthora cactorum)

Verliert ein Malus frühzeitig seinen Fruchtbestand, kann das in der Kragenfäule begründet sein. Vor allem bei veredelten Exemplaren sowie bei den Sorten „Cox Orange“ und „James Grieve“ kommt diese Pilzinfektion häufiger vor. Hohe Temperaturen und Luftfeuchtigkeit begünstigen zudem einen Befall. Liegen neben dem vorzeitigen Apfelabfall ein oder mehrere Merkmal(e) vor, ist die Kragenfäule vermutlich Ursache dafür:

  • langsames Absterben der Äste
  • parallel zum Fruchtabfall auch Blattverlust
  • ausgetrocknete Rinde mit Rissen
  • Verfärbungen an Rinde und Veredlungsstellen

Was tun?

  • bei Erkennung der Kragenfäule abgefallenes Obst unverzüglich aufsammeln und befallene Pflanzenteile abtrennen
  • für trockenere Bodenverhältnisse sorgen: gegebenenfalls Rindenmulch entfernen

Kelch- und Kernhausfäule

Bereits im Frühjahr kann die Kelch-/Kernhausfäule durch den Schlauchpilz „Botrytis“ beginnen. Tückisch daran ist, dass sie zwar für viel unreifes Fallobst sorgen kann, aber ansonsten nichts auf einen Befall hindeutet, bis ein Apfel aufgeschnitten wird. Dann zeigen sich ein faules Kerngebiet sowie weiß-gelbliche Meysel-Überzüge der Samen.

Kernhausfäule, Apfelbaum
Quelle: © Jörgens.mi / CC BY-SA 3.0, Apfel Fehlstelle jm26978, Bearbeitet von Gartendialog, CC BY-SA 3.0

Was tun?

Verliert der Apfelbaum unreifes Obst, sollte unverzüglich ein abgefallenes Exemplar aufgeschnitten werden, um im Inneren nach typischen Merkmalen zu suchen. Sind diese vorhanden, kann nur ein Fungizid helfen. Voraussetzung ist, dass die Pilzinfektion frühzeitig erkannt wird. Wird sie erst im Herbst entdeckt, bleibt nur ein kräftiger Rückschnitt zur Stärkung des Apfelbaums.

Häufig gestellte Fragen

Wann wird von einem unnatürlichen Apfelabfall gesprochen?

Es kommt während der Fruchtentwicklung immer wieder zu einem vorzeitigen Abfall. Zehn Prozent werden als normale Menge betrachtet. Spätestens, wenn 30 Prozent des Ernteertrags vorzeitig abfällt, liegt definitiv eine Ursache dafür vor, die es zügig zu erkennen gilt, falls Gegenmaßnahmen zu ergreifen sind.

Reifen durch den Junifruchtabfall vorzeitig abgefallene Äpfel nach?

In der Regel nicht, denn es handelt sich bei diesen überwiegend um unterentwickelte Exemplare. In diesem Frühreife-Stadium ist kein weiterer Reifeprozess ohne Nährstoffversorgung des Apfelbaums möglich.