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Alte und beliebte Apfelsorten – Sorten-Übersicht

Apfel Malus

Durch strenge Auflagen und die Zucht ertragreicherer Sorten sind viele alte Apfelsorten in Vergessenheit geraten. Ohne das Mitwirken von Liebhabern, welche sich auf die Kultivierung alter Sorten spezialisiert haben, wären viele davon bereits ausgestorben. Andere Sorten wiederum konnten sich allerdings trotz ertragreicherer und widerstandsfähiger Neuzüchtungen im internationalen Handel behaupten. Alte Apfelsorten sind reich an Vitamin C und oft widerstandsfähiger gegen Krankheiten wie Rost und Mehltau.

Die süßen Sorten

Äpfel mit einem süßen, vollaromatischen Geschmack sind weniger zum Keltern und zum Backen geeignet, sondern dienen vielmehr als erfrischender und gesunder Snack.

Ribston Pepping
1708 entstand diese altenglische Apfelsorte, welche einen süßen, saftigen Geschmack besitzt. Der Winterapfel ist etwa ab Mitte Oktober erntereif und kann bis zum März des Folgejahres aufbewahrt werden. Der Obstbaum ist äußerst anspruchsvoll, weswegen er für den Erwerbsanbau nie ernsthaft infrage kam. Ribston Pepping bevorzugt wintermilde Regionen und ist anfällig für Mehltau.

Golden Delicious
Diese Sorte, welche Anfang des 20. Jahrhunderts das erste Mal in Erscheinung trat, gehört mittlerweile zu den beliebtesten Winterapfelsorten weltweit. Der Baum gilt als anfällig für Krankheiten, dafür ist die Sorte für eine ertragreiche Ernte und ein süßes Aroma bekannt. Sorten wie Gala, Jonagold und Cripps Pink sind aus dem Erbgut des Golden Delicious entstanden.

Finkenwerder Herbstprinz
Die Wurzeln dieses aromatisch, herbsüß schmeckenden Apfels reichen bis in das 18. Jahrhundert zurück. Seine problemlose Kultivierung und die ertragreiche Ernte machten diesen Apfel jahrzehntelang zu einer beliebten Sorte in Norddeutschland. Der Herbstapfel ist nicht lagerfähig, entwickelt aber erst mit Beginn der Welke sein volles Aroma. 

Die Beliebten

Nicht alle alten Apfelsorten sind in Vergessenheit geraten und konnten sich auch in der heutigen Zeit gegen ertragreichere Neuzüchtungen behaupten.

Gravensteiner
Apfel Malus Sorten Diese Apfelsorte trat das erste Mal im Jahr 1669 in Erscheinung. Der Geschmack des Gravensteiners ist vollaromatisch und saftig. Die Erntezeit liegt zwischen August und September, der Kulturapfel ist bis in den Dezember hinein lagerfähig. Der Gravensteiner gilt als überaus anfällig für Krankheiten und seine Ernte fällt ungleichmäßig aus. Das Substrat muss stets feucht gehalten werden, zudem nimmt der Baum viel Platz in Anspruch.

Cox Orange
Seit dem 19. Jahrhundert ist diese englische Kulturapfelsorte bekannt. Der Winterapfel besitzt einen leicht säuerlichen Geschmack und gilt als lagerfähig. Für die Kultivierung des Apfelbaumes wird ein durchlässiger, stets feuchter Boden benötigt. Cox Orange ist ein Pollenspender und ist damit in der Lage, nahezu alle anderen Apfelbaum-Sorten zu befruchten. Die Pflanze ist einfach zu kultivieren und stellt kaum spezielle Ansprüche an den Hobbygärtner.

Ingrid Marie
Die Pflückzeit dieser aus dem Jahr 1910 stammenden Apfelsorte beginnt ab Mitte September. Die widerstandsfähige und ertragreiche Sorte besticht durch ein süßsaures Aroma und ist bis in den Februar hinein lagerfähig. Der Herbstapfel ist einfach zu kultivieren und bevorzugt feuchte Standorte.

Granny Smith
1868 trat diese grüne Apfelsorte das erste Mal in Erscheinung. Der Geschmack dieser australischen Sorte ist leicht säuerlich, zur Kultivierung des Baumes wird ein trockenes Klima benötigt. Granny Smith zählt zu den Winteräpfeln und verfügt über eine gute Lagerfähigkeit. Unter idealen Voraussetzungen hält sich der Apfel bis zum April des Folgejahres. Der Ernteertrag des glatten, mittelgroßen Obsts ist üppig und regelmäßig.

Blutapfel
Die auffallende und durchgehende Rotfärbung des Fruchtfleischs hat dieser Sorte ihrem Namen verliehen. Der Herbstapfel weist einen süßsauren, zimtartigen Geschmack auf und hält sich bis in den Juni hinein. Diese Apfelsorte wächst an einem Busch und ist einfach zu kultivieren.

Weißer Klaraapfel
weißer Klaraapfel Ein Sommerapfel, der zahlreiche Namen trägt. Neben „Kornapfel“, „Weizenapfel“ und „Ährenapfel“ wurden dieser Sorte auch Begriffe wie „Augustapfel“ und „Johannisapfel“ zugeordnet. Alle diese Namen weisen auf die frühe Reifezeit dieser Apfelsorte hin, welche meist schon Ende Juli beginnt. Das Fruchtfleisch wird direkt nach der Ernte trocken und mehlig, was einen schnellen Verzehr oder die direkte Verarbeitung zu Apfelmus voraussetzt. Seine geringe Lagerfähigkeit macht diese Apfelsorte nur für Streuobstwiesen und für den Eigenbedarf interessant.

Lagerfähige Apfelsorten

Viele Apfelsorten erreichen erst einige Zeit nach der Ernte ihr volles Aroma, andere wiederum können unter den richtigen Bedingungen monatelang eingelagert werden. Diese Art der Vorratshaltung wird bereits seit Jahrhunderten erfolgreich praktiziert und versorgte die Menschen, noch vor der Erfindung des Kühlschranks, im Winter mit frischem Obst und Vitaminen. Die hier aufgeführten Kulturapfel-Sorten sind mehrere Monate lang lagerfähig:

Der Rote Eiserapfel
Das auch als Zigeunerapfel bekannte Obst besitzt eine hohe Lagerfähigkeit und wurde bereits im 16. Jahrhundert in Franken kultiviert. Die Ernte fällt üppig aus und die Reifezeit der süßsauren Äpfel beginnt Ende Oktober. Der Rote Eiserapfel ist lagerfähig bis zum Juni des Folgejahres und gilt als überaus widerstandsfähig und robust. Aus diesem Grund ist die Sorte häufig auf Streuobstwiesen anzutreffen.

Holsteiner Cox
Der Herbstapfel lässt sich auch von einem feucht-kühlen Klima wenig beeindrucken und besticht durch seine hohe Lagerfähigkeit. Diese Sorte wird seit dem 19. Jahrhundert in Norddeutschland angebaut und besitzt ein würziges, leicht säuerliches Aroma. Äußerst widerstandsfähig gegen viele Krankheiten und Pilzerreger.

American Mother
Eine anspruchsvolle Kulturapfelsorte aus dem Jahr 1882, welcher auch überaus resistent gegen Pilzerreger ist. Sein Geschmack ist aromatisch süßsauer mit einer bananenartigen Note. Der Apfel ist auch als Lavanttaler Bananenapfel oder Mutterapfel bekannt und erreicht seine Reife im Januar.
Seestermüher Zitronenapfel ? Die Kulturapfelsorte mit dem süßsaueren Geschmack wurde im Jahr 1930 als Zufallssämling gezogen. Der Winterapfel wird kaum noch kultiviert und gilt als überaus anfällig für Krankheiten. Unter idealen Bedingungen hält sich der Apfel mit der zitronengelben Schale bis zum Januar.

Boskoop
Boskoop Die stark wachsende Apfelbaum-Sorte wurde im Jahr 1856 in den Niederlanden gezogen. Der Herbstapfel ist ab Ende September pflückbar und hält sich unter idealen Lagerbedingungen bis zum Februar. Ein säuerliches Aroma ist das typische Erkennungsmerkmal des Boskoops.

Celler Dickstiel
Die aus dem Celler Raum stammende Sorte ist auch heute noch weit verbreitet und überzeugt durch ein würziges Aroma und ein saftreiches Fruchtfleisch. Der Apfel, welcher 1850 von Mecklenburg nach Celle gebracht wurde, wird auch oft als „Krügers Dickstiel“ bezeichnet. Neben seinem robusten Wuchs und einer ertragreichen Ernte können die Herbstäpfel auch bis in den Januar des Folgejahres hinein gelagert werden.

Hinweise zur Einlagerung

Lagern Sie nur Äpfel ohne sichtbare Mängel ein, denn vorhandene Faul- und Druckstellen können schnell zum Vergammeln der kompletten Apfelernte führen. Wenn Ihnen kein Gewölbe- oder Erdkeller für die Lagerung der Äpfel zur Verfügung steht, können Sie das Obst auch in einem Schuppen oder einer Garage einlagern. Ordentlich in Kisten gestapelt, können die Äpfel viele Monate an diesen luftigen, kühlen Orten verbringen. Kontrollieren Sie regelmäßig und entfernen Sie beschädigtes Obst und decken Sie bei Frost die gesamte Ernte mit einem Sackleinen vollständig ab. Tragen Sie darüber hinaus dafür Sorge, dass die Äpfel mäusesicher gelagert werden. Andere Obst- und Gemüsesorten sollten nicht in der direkten Nähe der Apfelstiegen aufbewahrt werden. Schützen Sie die Äpfel vor Frost.

Alternativ können die Äpfel auch in einem kühlen und abgedunkelten Kellerraum aufbewahrt werden. Die optimale Temperatur sollte hierbei nur etwa 3 – 6°C betragen, eine wärmere Umgebung fördert Pilzinfektionen. Über den gesamten Zeitraum der Lagerung muss das Kellerfenster geöffnet bleiben, zum Schutz vor Nagern können Sie einen Rahmen aus Hasenzaun anbringen.

Hinweis: Sortieren Sie nach Sorten und entfernen Sie organisches Fremdmaterial.

Vermehrung und Pflege

Apfel Malus Auch ältere Sorten des Kulturapfels können nicht direkt über Sämlinge vermehrt werden. Wenn Sie in Vergessenheit geratene Apfelbäume in Ihrem Garten kultivieren möchten, sollten Sie auf Veredelung zurückgreifen. Dafür benötigen Sie einen gesunden und jungen Apfelbaum als Grundlage, auf welchem ein Edelreisig der gewünschten Apfelsorte aufgepfropft wird. Diese Art der Vermehrung wird bereits seit der Antike praktiziert und sorgt dafür, dass einzigartige Merkmale der Apfelbäume erhalten bleiben. Wählen Sie eine Apfelbaum-Sorte, welche Ihrem persönlichen Geschmack entspricht und deren Standortbedingungen und Bedürfnisse Sie problemlos erfüllen können. Junge Bäume benötigen allerdings mitunter mehrere Jahre, bevor die ersten Äpfel geerntet werden können.

Apfelbäume werden nur maximal 100 Jahre alt. Um die Gesundheit und den Ernteertrag der Pflanze zu erhöhen, sollten Sie jährlich einen Auslichtungs- und Erziehungsschnitt am Obstbaum vornehmen. Auch die regelmäßige Versorgung mit Kompost spielt bei der erfolgreichen Kultivierung alter Kulturäpfel eine wichtige Rolle.

Schädlinge und Krankheiten

Alte Kulturapfel-Sorten sind erheblich widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten als Neuzüchtungen und Obstbäume in Monokultur. Dennoch können Pflegefehler und falsche Standorte den Befall von Pilzerregern und Schädlingen fördern.

Apfelschorf 
Bei einer hohen Luftfeuchtigkeit und Wärme bilden sich oft dunkle Flecken auf dem Apfel. Der Schorf ist nicht gesundheitsschädlich, dennoch ist befallenes Obst nicht für den Handel geeignet. Eine Bekämpfung ist nicht unbedingt erforderlich.

Feuerbrand 
Welke Pflanzenteile sowie schwarz oder braun verfärbte Blüten und Blätter sind ein Symptom auf den Feuerbrand. Diese Krankheit verbreitet sich seuchenartig unter Kernobstgewächsen und führt unbehandelt zum Tod der betroffenen Pflanzen. Für Menschen ist Feuerbrand ungefährlich, dennoch besteht eine Meldepflicht. Betroffene Pflanzenteile sind großzügig zu entfernen und müssen vernichtet werden.

Obstbaumspinnmilbe 
Apfelbaum Malus Apfelschorf Silbrig glänzende Verfärbungen auf den Blättern deutet auf einen Befall mit Spinnmilben hin. Diese kleinen Schädlinge ernähren sich vom Zellsaft der Apfelbäume und können problemlos durch natürliche Fressfeinde bekämpft werden.

Rostmilbe 
Farblose Früchte und rostbraun verfärbte Blattunterseiten werden durch die Rostmilbe verursacht. Eine Bekämpfung mit Insektiziden ist nicht notwendig. Vielmehr haben sich Raubmilben bewährt, bei denen Rostmilben auf dem Speiseplan stehen.

Tipp: Halten Sie einen gewissen Pflanzabstand zwischen den einzelnen Bäumen ein. So verhindern Sie eine zu schnelle Ausbreitung von Pilzerregern und Schädlingen.
Fazit
Alte Apfel-Sorten sind oft aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbildes und der unregelmäßigen Ernte nur selten für den kommerziellen Anbau geeignet. Lassen Sie alte Kulturapfel-Sorten jedoch nicht in Vergessenheit geraten, denn mit nur wenig Aufwand und Pflege können Sie viele dieser Apfelbäume im eigenen Garten kultivieren.