Wachtel

Wer Medien-Berichte über Massentierhaltung verfolgt, hat meist keinen Appetit mehr auf Geflügel, und Eier (selbst aus Bodenhaltung) machen das mitfühlende Gewissen auch nicht richtig froh. Aber ohne Eier und Geflügel leben, ohne Frühstücks-Ei und leckere gegrillte Teilchen? Eine traurige Vorstellung, und deshalb erfährt die Hühnerhaltung gerade einen gewaltigen Aufschwung. „Privathühner“ auf dem ausgedehnten Landgehöft sind kein Problem, im kleineren Garten wirkt ein Hühnerstall schnell überdimensioniert. Hier können Wachteln die Alternative sein, die kleinen Hühnervögel brauchen wenig Platz, die Eier sind klein, aber köstlich – viele Wachteln sind so hübsch, dass sie nur zur Zierde und Freude gehalten werden.

Beschreibung und Einordnung der Wachteln

Wachteln gehören zur Klasse der Vögel und zur Ordnung der Hühnervögel, von denen es erstaunliche 250 Arten gibt, in 5 Familien und 70 Gattungen. In zwei dieser fünf Familien gibt es Tiere, die Wachteln genannt werden:     

  • Bei den rund 50 Gattungen der Fasanenartigen sind 11 Gattungen Wachteln dabei, wobei 8 davon selten bzw. (fast) ausgestorben sind und allenfalls in ihrer Heimat gelegentlich von Menschen gehalten werden. Die drei restlichen Gattungen enthalten Wachteln, die öfter in menschlicher Haltung zu finden sind: Einige der 8 Arten Erdwachteln, Coturnix, und der 4 Arten Frankolinwachteln, Perdicula, und die Straußwachtel, Rollulus rouloul, die einzige in ihrer Gattung.
  • Die Zahnwachteln haben sich unabhängig von den fasanenartigen Wachteln entwickelt, in Amerika und Zentralafrika, bei ihnen gibt es 32 Gattungen Wachteln, ein paar davon haben es bis zu uns geschafft.

Wachteln für den Garten

Wachteln im GartenNicht alle Wachteln, die von Menschen gehalten werden (können), können Sie in Ihrem Garten halten – oder könnten vielleicht schon, aber wir gehen einmal davon aus, dass Sie Ihre Wachteln nicht in Madagaskar abholen möchten, sondern bei einem Händler in Ihrer Nähe. Bei einem gut sortierten Händler werden Sie auf folgende Wachteln stoßen, quer durch die Familienzugehörigket:

  1. Chinesische Zwergwachtel, Coturnix chinensis, früher eigene Gattung Excalfactoria, der Name taucht gelegentlich noch auf): Altbekannt bei uns, die ersten Zwergwachteln wurden 1794 in Europa gehalten, die erste Nachzucht gelang 1873 in Frankreich.
  2. Japanwachtel, Coturnix coturnix japonica, wird in Japan seit dem 14. Jh. als Ziervogel gehalten und seit gut 100 Jahren auf Legeleistung gezüchtet. Inzwischen unterscheiden sich die domestizierten Japanwachteln deutlich von den wildlebenden, und es haben sich drei Typen der (verwirrend) auch als Eurowachtel bekannten Wachtel herausgebildet:
  3. Japanische Legewachtel: Leichte Linie, mit Körpergewicht zwischen 110 und 150 g, hohe Legeleistung, bis in die 1960er die einzige Zuchtform: Legewachtel oder Mast- und Legewachtel: Hohe Legeleistung + ansehnlicher Schlachtkörper von 160 bis um 250 g UND Fleischwachtel oder Mastwachtel: Spezielle Züchtung mit Körpergewicht von 300 bis über 400 g
  4. Harlekinwachtel, Coturnix delegorguei: Stammt aus tropischen Gebieten Afrikas, wo sie auf offenem Grasland lebt. Die erste Harlekinwachtel in Europa fand 1869 im Londoner Zoo ihr neues Heim, die erste Nachtzucht gelang 1905 bei uns in Deutschland.

Die anderen Erdwachteln sind selten, von uns bereits ausgerottet worden oder konnten bisher noch nicht domestiziert werden, so unsere heimische (echte) Wachtel Coturnix coturnix, die dem Jagdrecht unterliegt und nicht vom Mensch gehalten wird.

WachtelDie weiteren Wachteln unter den Fasanenartigen, die für Heimhaltung gezogen werden:

  • Straußwachtel, Rollulus rouloul: Kommen aus Burma, Sumatra, Borneo, die ersten Importe landeten 1871 im Londoner Zoo, dort gelang bereits 1876 die erste Nachzucht.
  • Frankolinwachteln, Perdicula: Werden selten gehalten, sind aber zu bekommen. Die Wachteln aus Indien und Sri Lanka haben eine hübsche Musterung und sollen sehr verträgliche Kleinhühner sein. Von den Zahnwachteln (auch Neuweltwachteln genannt, weil viele in den USA ihre Heimat haben) könnten Sie bei gut sortierten Händlern folgende finden:
  • Kalifornische Schopfwachtel, Callipepla californica, beliebte Ziervögel, die sich gut in Volieren zusammen mit baumbewohnenden Vogelarten halten lassen. Haltung zusammen mit anderen Hühnervögeln wird nicht empfohlen.
  • Virginiawachteln, Colinus virginianus, kommen aus Nordamerika und gehören zu den in Deutschland verbreiteten Wachteln. Zahnwachteln für Anfänger mit schicker Kopfzeichnung.
  • Montezumawachtel, Cyrtonyx montezumae, seltene Zahnwachtel aus dem Süden der USA und Mexiko mit prächtigem Federkleid und Schopffedern.
  • Berghaubenwachtel, Oreortyx pictus, kommt aus dem Westen der USA, gelangte 1846 in den Zoologischen Garten in Amsterdam, die erste Nachzucht gelang 1909 im New Yorker Bronx-Park.
  • Gambelschopfwachtel, Callipepla gambelii, ebenfalls aus dem Westen der USA, wo sie in Wüsten (-steppen) und Mesquitebusch lebt, seit 1872 im Londoner Zoo, 1874 erste Nachzucht durch französische Züchter.

Die Wachtelhaltung

Ihnen steheen also viele (Heim-) Wachteln zur Auswahl, wenn Sie Wachteln einfach nur aus Spaß und zur Zierde halten möchten. Wenn möglichst viele Wachteleier abfallen sollen, empfiehlt sich die Anschaffung einer japanischen Legewachtel, vermutlich deshalb die häufigste Wachtel in menschlicher Haltung. Die Chinesischen Zwergwachteln sind die nächst häufigsten, deren Eier (wie auch die aller anderen Wachteln) kann man zwar auch essen, aber sie sind wirklich schon arg winzig. Wie winzig, können Sie sich hier: www.fotocommunity.de/pc/pc/display/10576374 ansehen, auf einen normalen Porzellanteller passen rund 40 Stück.

WachteleierWenn Sie auch auf leckeres, gesundes Fleisch aus sind, wird es die japanische Mastwachtel werden, oder die „Kombi-Wachtel“ die sich mästen lässt und Eier legt. Das braucht allerdings etwas mehr Vorbereitung: Wenn alle in Ihrer Familie schon groß sind, so groß, dass sie Fleisch auf dem Teller für ein Schlacht-Ergebnis und nicht für eine Himmelsgeburt halten, wollen Sie vielleicht selbst schlachten. Dazu brauchen Sie einen Sachkundenachweis (Lehrgang über ordnungsgemäßes Schlachten nach § 4 Tierschutz-Schlachtverordnung Hausgeflügel), Messer, Beil und Schlachtklotz, eine Feuerstelle und mehr. Und natürlich die Portion tatsachengeneigter Kaltblütigkeit, die an „Schlachtung per Supermarkt“ gewohnte Konsumenten nicht immer an den Tag legen, aber gebratene Wachteln fliegen leider nicht von selbst in den Mund.

Das gleiche gilt übrigens, wenn Sie Ihre Wachteln selbst vermehren/züchten möchten. Bei der Nachzucht sind dann häufig zu viele Hähne dabei, die sich nicht immer über Kleinanzeigen verkaufen lassen, dann stehen Sie also irgendwann auch vor dem Problem des Schlachtens. Viele Eltern möchten ihren Kindern ein Heimschlachten nicht antun – auch wenn erfahrene Bauern das anders sehen, werden die Kids wirklich früh genug mit den harten Fakten des Lebens konfrontiert.

Ein Ausweg für mehrere zukünftige Gesund-Geflügel-Esser könnte eine Art kleine Genossenschaft sein: Sie tun sich mit mehreren Wachtel-Haltern zusammen, planen und informieren sich vorher und finden einen sachkundigen und erfahrenen Menschen, der das Schlachten für Sie übernimmt.

Der Wachtelstall

Für die Haltung von Wachteln brauchen Sie einen artgerechten Stall oder Voliere. Was artgerecht ist, kommt auf die Wachtelart an; erkundigen Sie sich bei einem Züchter oder fachkundigen Veterinär, wenn Sie sich entschieden haben, welche Wachteln es sein sollen.

WachtelGrundsätzlich gilt folgendes:

  • Ein Kaninchenstall ist ungeeignet, auch wenn immer wieder das Gegenteil zu lesen ist.
  • Er ist zu klein, für die meisten Wachteln viel zu klein.
  • Im Kaninchenstall mit Untergeschoss können sich die Vögel schwer verletzen, wenn sie arttypisch aufschrecken.
  • Wegen dieses Aufschreckens wird ein niedriger, aber langer Käfig mit einer gepolsterten Decke empfohlen.
  • Besonders in der Zugzeit sollen Wachteln sehr unruhig sein und häufig auffliegen, Erinnerung an den Zug sind also offensichtlich noch da.
  • Tierquälerei? Steht im Spannungsfeld mit Erhalt der Artenvielfalt, und immer mehr Zugvögel bleiben im Winter freiwillig bei uns …
  • Immerhin werden wilde Wachteln um 2 Jahre alt, Heimwachteln bis zu 5 Jahre, und sie sollen sehr zutraulich werden.
  • Wachteln können annähernd artgerecht in einer kleinen Hühnervoliere gehalten werden.
  • Diese gibt es zu günstigen Preisen als Bausatz zu kaufen.
  • Für viele Wachteln passen 2 x 3 Meter, mit einem kleinen Stall und einer Voliere als Auslauf.
  • Der Auslauf sollte dicht bepflanzt werden, Wachteln brauchen Verstecke.
  • Verstecke/Sichtschutz bieten alle möglichen Stauden und kleine Büsche.
  • Von denen Sie erkundet haben, dass sie nicht giftig für Wachteln sind.
  • Auch über ein Stück Rasen/Wiese freuen sich Wachteln.
  • Der Boden im Stall kann mit Buchenholzgranulat gestreut werden.
  • Das muss nicht jede Woche ausgewechselt werden, wie Sie es bei Vogelsand tun müssten.
  • In einen solchen Stall passen 5 bis 8 mittelgroße Wachteln, immer ein Hahn mit Hennen.
  • Viele Wachteln sind nicht sehr kälteempfindlich und können im Winter draußen bleiben.
  • Dann muss der Wachtelstall mit Holzboden unterfüttert, gedämmt und gegen Zugluft geschützt werden.
  • Oben muss er natürlich dicht sein, Schnee oder Regen möchten Wachteln nicht abbekommen, und die Streu muss natürlich auch trocken bleiben.
  • Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt braucht die Wachteltränke besondere Beobachtung oder eine Tränkenheizung.
  • Welche Kälte die Wachteln im Winterstall aushalten, ist beim Züchter je nach Art zu erkunden.

Ansonsten hat jede Wachtelart ihre besonderen Vorlieben, über die Sie sich informieren sollten, bevor Sie mit dem Bau des Geheges beginnen. Wenn Sie sich bei einem Wachtelzüchter informieren, der Wachteln als Hobby hält, kommen da meist auch jede Menge Tipps und Design-Ideen für die Wachtel-Behausung heraus.

Die Wachtel-Fütterung

In Bezug auf die Fütterung gilt natürlich auch, dass Sie sich direkt beim Züchter über die besonderen Ansprüche und Vorlieben der Art informieren sollten.

Heute wird meist fertig gekauftes Wachtelfutter verabreicht, mit Mais als Hauptbestandteil. Wenn das kein Genmais sein soll, brauchen Sie Bio-Futter. Das Grundfutter sollte noch viele andere Samen enthalten, Hirse, Mohn etc.

Wenn eine kleine Voliere am Wachtelstall angebaut ist, können die Wachteln Gras picken und sich von Ameisen, Würmern und anderen Insekten ernähren. Weiter soll der Speiseplan der Wachteln mit Obst und Gemüse ergänzt werden, auch übrig gebliebenen Reis oder Nudeln (Vollkorn) sollen Wachteln gerne nehmen.

AmeiseFür künftige Wachtelhalter mit Grundkenntnissen in natürlicher Ernährung (und Kenntnissen darüber, was alles zu käuflichem Tierfutter verarbeitet werden darf) hier ein interessanter Auszug aus einem Buch über Haltung von Hühnervögeln aus dem Jahr 1965. Damals waren alle möglichen Hühnervögel auf dem Hof noch gang und gäbe, und Industriefutter kaufte kaum jemand:

Für Coturnix wird ein Gemisch von Körnern und Sämereien empfohlen, angereichert mit etwas Eiweißnahrung (Fleisch) und Grünzeug. Damals wurden Körner und Samen, Früchte und Grün von Rübchen, Mohn, Distel, Wegerich, Getreide, Hanf, Hirse, Ameisenpuppen, Insekten, Regenwürmer, Mahlfleisch, Mehlwürmer, gehackte Schaben und Maden, Obstschnitzel, harte Eier, gehackter Grün- und Braunkohl verfüttert, eben alles, was der Hof so hergab.

Rollulus soll hauptsächlich mit „feinen Vegetabilien“ wie gehackte Erdnüsse, Bananen, Rosinen, gekochtem Reis, gekochter und gequetschtem Mais, fein gewiegtem Salat, süßem Obst und reifen Birnen ernährt werden. Unter Zusatz von etwas Fleischkost, wie größeren Mengen lebender Insekten, Mehlwürmern und Heuschrecken, dazu sorgfältige Vitamingaben, Körner nur als Ergänzung.

Frankoline sollen dagegen kein Weichfutter bekommen, und eine überwiegend vegetarische Ernährung: Viel Salat, Hirse, Sonnenblumenkerne, leicht eingeweichtes Getreide. Aber auch Mehlwürmer, junge Mäuse oder als Ersatz Fleischwürfel, die man mit Ameisenpuppen und Harteiern bestreuen kann.

Colinus und Verwandte sollen sich an Hühnerfutter mit Hirse und Spitzsamen, Ameisenpuppen, Mehlwürmern, Fleisch- und Luzernemehl freuen, auch Waldvogelgemisch und Maden.

Callipepla und Verwandte bekommen das gleiche wie Coturnix, viel Leguminosenblätter und Samen.

Die Küken bekamen besonderes Futter, ebenfalls ganz normal aus Küche und Hof, aber das gehört schon zum Thema Wachtelzucht.

Fazit

Wachteln sind genau die richtigen Klein-Hühner für den Hausgarten. Egal, ob Sie Ihre eigenen Eier essen möchten, gesundes Fleisch aufziehen möchten oder einfach nur ein wenig Leben in Ihrem Garten sehen möchten – für jeden Zweck gibt es die passende Wachtel. Die netten Hühnchen sind ohne großen Platzbedarf zu halten und sollen ziemlich zutraulich werden.