Thai-Basilikum

Warum Thai-Basilikum … fragt Emil, der als Küchenkraut nichts anderes als Petersilie kennt. Aber vielleicht heißt Emil ja Émile oder ist ein kochbegeisterter Emil, der auch Estragon und Provence-Basilikum (und Afrikanisches Baumbasilikum, Anisbasilikum, weiß panaschiertes Basilikum, griechisches Strauchbasilikum) kennt, die er alle in seinem Garten stehen hat. Wenn Emil/Émile noch kein Thai-Basilikum hat, ist er sicher interessiert, wie auch an jeder der anderen über 160 Basilikum-Sorten, von denen ein gut sortierter Kräuter-Spezialist etwa die Hälfte im Sortiment hat. Auch Thai-Basilikum können Sie in drei Arten anbauen.

Thai-Basilikum – 3 von 160 Basiliken

Alle 160 Sorten können wir Ihnen hier nicht vorstellen, aber zumindest das Basilikum, das als Thai-Basilikum in der thailändischen Küche als Gewürz verwendet wird. Genau hier können bereits die Missverständnisse anfangen, denn in der thailändischen Küche werden drei verschiedene Arten Thai-Basilikum eingesetzt.

Wenn Sie nicht einfach nur irgendein exotisches Basilikum kosten möchten, sondern sich in der echten thailändischen Küche versuchen möchten und vielleicht sogar einen thailändischen Gast beköstigen möchten, brauchen Sie für Ihr thailändisches Gericht das richtige Thai-Basilikum:

  • Bai Horapa, das „süße Basilikum“, mit einem Hauch Anis und Lakritze für manche Suppen und Soßen, Green Curry, Red Curry, die Blätter werden über die fertigen Speisen gestreut, nie mitgekocht.
  • Bai Maenglak, das „Zitronenbasilikum“, für Fisch, Suppen und Getränke.
  • Das aromatische Bai Krapao („Indisches Basilikum“) bereichert mit seinem Nelken- bzw. Pimentgeruch Wok-Gerichte und gebratenes Fleisch.

Botanisch sind diese drei Thai-Basiliken so einzuordnen:
1. Bai Horapa oder Horapha heißt botanisch Ocimum basilicum var. thyrsiflora und ist mit diesem Namen als Varietät der europäischen Basilikumpflanze Ocimum basilicum zu erkennen. Bai Horapa gibt es in mehreren Zuchtsorten, hier die bekanntesten:

  • ‚Albahaca tailandesa‘ ist mehrjährig, wächst staudenartig und bis zu einem halben Meter hoch.
  • ‚Horapha Rau Que‘: Helle grüne Blätter, purpurrote Stängel, ausdauernd, viel Aroma und essbare pinkrosa Blüten (wenn die sich entwickeln dürfen).
  • ‚Queenette‘ ist mehrjährig und wächst staudenartig, lange schmale Blätter, dunkle Stiele, altrosa Blüten.
  • ‚Thai Magic‘: Frisch, grün, eher kurzlebig, kann aber zum Winter noch ins Haus umgesiedelt werden.
  • ‚Thai Red‘: Die rote Farbe der Stiele zieht sich bis in die Blätter, der Zimtgeschmack soll prägnant zu spüren sein.
  • ‚Thai Sweet‘ ist eine einjährige Varietät, die in einer Saison bis zu 45 cm hoch wird und die süßen Noten besonders ausgeprägt entwickeln soll.

2. Bai Maenglak oder Ocimum × citriodorum ist eine Kreuzung zwischen Ocimum basilicum und Ocimum americanum, von dem es einen intensiven Zitronengeruch und die pelzigen Blätter geerbt hat. Ocimum citriodorum ‚Pesto Perpetuo‘ hat panaschierte Blätter.

Für Basilikum-Spezis: Bai Maenglak wird häufig mit Queen of Siam basil, Ocimum basilicum citriodorum verwechselt, einer amerikanischen Selektions-Zucht von 1997. Der ist eine Variante des europäischen Basilikum, bekannt auch als Lemon Basilikum, beliebt in der Sorte ‚Mrs. Burns‘. Dieser Zitronenbasilikum soll intensiver nach Zitrone schmecken als der Bai Maenglak, längere Blätter haben und robuster sein.

Thai-Basilikum3. Bai Krapao heißt botanisch Ocimum tenuiflorum, ist also eine eigene Art. Dieses Indische Basilikum ist auch als Tulsi, Heiliges Basilikum oder Königsbasilikum bekannt und kommt ursprünglich aus dem tropischen und subtropischen Asien und Nordaustralien. Bai Krapao wird vor allem in zwei bekannten Varianten genutzt:

  • Sri oder Lakshmi Tulsi mit hellgrünen Blättern
  • Krishna Tulsi mit roten Blättern

Vom Ocimum basilicum wissen wir, dass er im Mittelmeerraum wächst, aber ursprünglich nicht von dort kommt. Der eigentliche Ursprung ist nicht bekannt, häufig wird Herkunft aus Indien vermutet, weil die engsten Basilikum-Verwandten dort wild wachsen, aber auch West-Asien ist möglich, weil Basilikum schon vor 3.000 Jahren in Ägypten belegt ist. Auf jeden Fall kommt auch der europäische Basilikum aus dem Warmen, und O. x citriodorum sowie O. tenuiflorum sowieso. Das bedeutet für den Anbau in hiesigen Gärten:

  • Jeder Basilikum sollte am sonnigsten Standort ausgesät werden, den der Garten zu bieten hat
  • Basilikum gehört nicht zu den Südkräutern, die in absoluten Trockenzonen wachsen, normal feuchte Erde darf es gerne sein
  • Die für Südkräuter ungewöhnlich große Blattmasse verträgt gut ein paar Nährstoffe, vor allem in unserem lichtarmen Klima
  • Der perfekte Standort liegt so, dass der Regen nicht geradewegs auf die Blätter prasselt, sondern durch Baumlaub zerstreut wird
  • Wenn das nicht geht und gleich nach dem Regen Sonne scheint, könnten die Blätter durch das „Brennglas Wassertropfen“ verbrennen
  • Häufig ist das allerdings nicht gerade, Sie könnten das Risiko eines freiliegenden Sonnenstandortes also durchaus eingehen
  • Richtig windzerzaust möchte Basilikum auch nicht werden
  • Die Aussaat sollte erst nach den Eisheiligen (Mitte Mai) erfolgen, Basilikum-Samen möchten warmen Boden um sich herum und auf keinen Fall Frost
  • Bei durchgehenden Temperaturen zwischen 15 und 20 °C sollten die Samen in ca. zwei Wochen keimen
  • Die Samen werden in Abständen von ca. 25 cm ausgesät
  • Nicht nicht mit Erde bedecken, Basilikum ist ein Lichtkeimer
  • Noch ein wenig mehr Wärme (und Schutz vor hungrigen Vögeln) bringt Abdeckung mit Glasscheiben oder Folie
  • Gerne wächst Basilikum neben Tomaten, die soll er vor Wurmbefall und Mehltau schützen
  • Die Aussaat im Topf funktioniert ganzjährig, bringt aber im Frühjahr bessere Ergebnisse
  • Anzuchtgefäß warm und hell stellen, bei 22 Grad können in wenigen Tagen die ersten Keime zu sehen sein
  • Wenn die ersten Blätter nach den Keimblättern da sind, werden die Jungpflanzen einzeln in nährstoffreiche Erde umgesetzt

Die Pflege des Thai-Basilikums

Basilikum drinnen und Basilikum draußen dürfen nun wachsen, in immer schön feucht gehaltener Erde, aber ohne Staunässe.

Thai-BasilikumBeim Gießen sollten Sie das Wasser direkt auf die Erde geben, nicht auf die Blätter. Beim Topf-Basilikum können Sie gerne die Töpfe tauchen, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen. Dann muss der Topf anschließend einige Zeit so aufgestellt werden, dass er abtropfen kann. Denn zu viel Wasser mag Basilikum überhaupt nicht, gewässert wird immer erst wieder, wenn die Erdoberfläche trocken ist. Die Blätter des Basilikum hängen dann meist schon leicht welk herunter, was nichts ausmacht, sie richten sich nach der Wassergabe wieder auf.

Wärmeliebende Pflanzen wie den Basilikum sollten Sie nie mit eiskaltem Wasser aus der Leitung schocken, kennen sie nicht aus ihrer Heimat und mögen die Wurzeln nicht. Sie können Gießwasser verwenden, das schon ein wenig steht und Zimmertemperatur hat, im Garten sollten Sie immer das im Schlauch stehende Wasser nutzen, um die „Südländer“ zuerst zu gießen. Wenn Sie viele wärmeliebende Pflanzen kultivieren, lohnt sich ein Wasserauffanggefäß, vielleicht ist das gleich der Anstoß, um mit der Regenwassernutzung zu starten.

Bei uns wächst Basilikum in einer ständigen Mangelsituation, weil er weniger Licht bekommt, als er gewohnt ist. An den Naturstandorten macht ein Basilikum aus wenig Nährstoffen im Boden mit viel Licht viel Aroma (ätherisches Öl), bei weniger Licht schafft er das nur, wenn er mehr Nährstoffe zur Verfügung gestellt bekommt. Deshalb wird er gedüngt, Thai-Basilikum im Garten sollte alle zwei bis vier Wochen einen Nährstoffnachschub bekommen, je nachdem, ob Sie intensiven Flüssigdünger verwenden oder langsamer wirkenden organischen Dünger. Einen recht hohen Stickstoffanteil sollten beide aufweisen, für reichliche Basilikum-Blattmasse. Thai-Basilikum im Topf braucht noch öfter Nährstoffe, einmal in der Woche, aber dafür schwächer konzentriert.

Die Jungpflanze kann einen ersten Schnitt bekommen, sobald sie richtig gut angewachsen ist. Wenn Sie sie dann oben einmal kappen, fördern Sie Verzweigung und kräftiges Wachstum, je nach zu erwartender Gesamthöhe (s. u. „Kultur-Unterschiede“) wird ganz zart oder entschlossener gekappt. Der weitere Beschnitt erfolgt bei der Ernte, welke und trockene Blätter sollten Sie entfernen, sobald Sie sie bemerken.

Garten- oder Balkon-Basilikum können etwa Ende Oktober (sobald die Erde kälter als zwölf Grad wird, hört Basilikum auf zu wachsen) ins Haus umgesiedelt werden, dann können Sie während der Wintermonate weiter ernten.

Kultur-Unterschiede zwischen den drei Thai-Basilikums

Thai-Basilikum zeigt je nach Art mit ein ziemlich unterschiedliches Wachstum, das sich auch auf die Pflege auswirkt:

1. Der Ocimum basilicum var. thyrsiflora ist ein staudenartiger, recht wuchswilliger Halbstrauch, der bis zu 80 cm hoch werden kann. Er ist mehrjährig, aber nicht besonders langlebig, und im Garten sehr beliebt bei Bienen und anderen Insekten. Seine Blätter ähneln den Basilikum-Blättern, die wir vom Supermarkt-Töpfchen auf der Fensterbank kennen, so richtig schön hellgrün (für Smartphone-Besitzer: „Android robot green“ wird es auf einer englischen Website beschrieben). Häufiger Beschnitt (Ernte) verzögert das Verholzen.
 
„thyrsiflora“ heißt dieser Basilikum nach seinem Blütenstand, er bildet einen Thyrsus, eine hoch wachsende Hauptachse mit seitlich abgehenden Blütentrauben. Die Hauptachse, der Blütenstiel, ist rötlich, die Blüten hell pupurrot, die Blätter um die Blüten manchmal auch purpur angehaucht.

2. Ocimum × citriodorum ist zarter mit schmaleren Blättern und wird nur ca. 30 cm hoch. Wenn er Blüten entwickeln darf, erscheinen die zwischen spätem Sommer und frühen Herbst und sind weiß. Wahrscheinlich der wärmebedürftigste der drei Thai-Basilikums, er möchte mindestens 6 Stunden pro Tag direkt von der Sonne beschienen werden.

Er ist schnellwüchsig, kann in wenigen Wochen bis zur Erntereife wachsen, braucht aber recht viele Nährstoffe, um ein gutes Aroma zu entwickeln.

3. Ocimum tenuiflorum ist eine ausdauernde krautige Pflanze, deren Stängel aufrecht wachsen. Sie können die mehreren Stängel, die sich üblicherweise entwickeln, nebeneinander wachsen lassen und wenn die Blätter groß genug sind (um 3 – 5 cm) ernten. Sie können den O. tenuiflorum auch im Jungpflanzenstadium entspitzen (oberen Trieb bis auf wenige cm über der Erde abschneiden), er wächst wie eine Staude und wird sich dann verzweigen.

Sie können O. tenuiflorum auch höher wachsen lassen, er kann bis zu einem Meter hoch werden. Dann entwickelt der Halbstrauch einen geraden Stängel, der an der Basis verholzt, und fängt in einiger Höhe an, sich zu verzweigen. Die Blätter an den Zweigen werden dann etwas kleiner, aber das Ganze sieht sehr hübsch aus.

Schnitt = Ernte, Lagerung und Konservierung

Thai-BasilikumDen Thai-Basilikum beschneiden Sie am besten ständig, ab dem Zeitpunkt, an dem die ersten Blätter erntereif (groß, sattgrün, kräftig) sind.

Für Ihren Speiseplan ist das deswegen sinnvoll, weil saftig grüne Thai-Basilikum-Blätter am besten schmecken. Den aromatischsten Geschmack haben die Blätter zwischen Juni und September, viel retten können Sie nicht von diesem aromatischen Geschmack:

  • Wenn Basilikum gelagert werden soll, werden ganze Stängel geschnitten.
  • Trocknen geht nicht bzw. geht schon, aber dann haben Sie einen Haufen, der ein wenig wie Stroh schmeckt.
  • Stängel in Wasser stellen geht, auf jeden Fall bei Bai Horapa und Bai Krapao.
  • Mit Bai Maenglak klappt das nicht, wird sofort welk, das kommt in einem Schraubglas in den Kühlschrank.
  • Bei den andern klappt es auch nicht ewig, irgendwann ist der Geschmack im Wasser, noch später fault es.
  • Eine Alternative ist die Tiefkühltruhe, aber auch nur für 3 Monate.
  • Basilikum sollte möglichst ungewaschen eingefroren werden, wegen dem Aroma.
  • Wer das nicht aushält, wäscht die Basilikumblätter am Stängel.
  • Vor dem Einfrieren müssen sie trocknen, dann werden sie abgezupft.
  • Und in einer Plastiktüte (für Umweltfreunde: Butterbrottüte) eingefroren.
  • Basilikum-Stängel wurzeln schnell in Wasser und können dann eingetopft und verschenkt werden.

Wenn Sie Garten- und Balkon-Basilikum im Oktober ins Haus holen, um im Winter weiter zu ernten, müssen Sie ein paar Abstriche ans Aroma machen. Ist aber immer noch besser als getrockneter Basilikum (der trotz schnellem Geschmacksverlust unerschrocken verkauft wird).

Für die Pflanze ist dauernde Ernte sinnvoll, weil sie rundum beschnitten immer buschiger wird und immer mehr Seitentriebe entwickelt. Ein Basilikum sollte während des Wachstum immer nur zum Teil beschnitten werden, nie komplett kahl gemacht.

Während der Erntezeit sollte der Basilikum nicht zum Blühen kommen, dann steckt er nämlich alle Kraft in die Blüte. Die Blätter werden kleiner, trocken und leicht ledrig, wenn der Blütenansatz nicht weggeschnitten wird. Wenn Sie Samen ernten möchten, sollten Sie rechtzeitig eine Pflanze auswählen, die blühen darf. Die Samen werden erst zwei Wochen vor dem letzten Frost geerntet und im Frühling ausgesät.

Fazit
Wenn Sie echt thailändisch kochen möchten, brauchen Sie drei Thai-Basiliken (heißt wirklich so, Sprachgebrauch und Duden haben sicher nicht an die Kirchenbauten gedacht, „Basilikums“ geht auch, nur „Basilikümer“ treiben Deutschlehrern Schweiß auf die Stirn). Wenn Sie einfach nur einen neuen Geschmack ausprobieren möchten, können Sie sich einen Thai-Basilikum aussuchen, Grill-Fans z. B. Bai Krapao, begeisterte Cocktail-Mixer Bai Maenglak und die Freunde vielschichtiger Saucen Bai Horapa.