Orangenbaum Blätter

Wenn ein Orangenbaum Blätter verliert, befürchtet sein Besitzer schnell das Schlimmste. Doch statt in Panik zu verfallen, sollte er zuerst einen Blick auf das Kalenderblatt werfen. Es macht durchaus Unterschied, ob der Blattverlust im Sommer oder Winter erfolgt. Die gute Nachricht ist: Zu jeder Jahreszeit lässt sich das Problem in den Griff bekommen, sobald die Ursachen erkannt und beseitigt sind.

Blattverlust im Winter

Als mediterranes Gewächs ist der Orangenbaum für ein mildes Klima bestimmt. Unter wachstumsfreundlichen Lebensbedingungen, mit reichlich Licht und Wärme, belässt ihm die Natur ganzjährig sein Blätterkleid samt Blüten und Früchten.

Hierzulande können wir ihm im Freiland höchstens im Sommer seine ideale Umgebung anbieten. Im Winter wartet die Herausforderung, ihn gesund durch diese kalte Jahreszeit zu bringen, ohne dass der Baum sichtbar leidet. Im Winterquartier kann es aber schnell zu einem unerwünschten Blattverlust führen.

Ursachen in einem warmen Winterquartier

OrangenbaumEin Orangenbäumchen wird oft in beheizten Räumlichkeiten überwintert. Seine Besitzer denken, sie würden ihm damit einen Gefallen tun, manchmal steht auch keine andere Überwinterungsalternative zur Verfügung. Wärme ist jedoch ein Wachstumssignal, das mit ausreichend Licht einhergehen muss. Im Winter ist es aber problematisch, ein ausgeglichenes Verhältnis von Wärme und Licht zu erreichen.

  • der Winter ist lichtärmer als Sommer
  • Doppelverglasung reduziert die verwertbare Lichtenergie
  • ein dunkler Standort bietet wenig natürliches Licht

Stimmt die Lichtqualität nicht mit dem Bedarf der Pflanze überein, kann sie nicht ausreichend Fotosynthese bilden und wirft ihre „nutzlosen“ Blätter ab. Das ist ein natürlicher Schutzmechanismus, damit ihre Kräfte nicht ausgezehrt werden.

Ursachen in einem kalten Quartier

An einem kalten Quartier ist zunächst alles einfacher, weil die niedrigen Temperaturen das Bäumchen quasi in eine Wachstumspause versetzten. Sein Lichtbedarf ist niedrig und verträgt sich mit der tatsächlich gegebenen Lichtintensität. Im Spätwinter und Frühjahr können sich die guten Bedingungen radikal ändern, gerade wenn der Orangenbaum in einem verglasten Gewächshaus oder Wintergarten steht.

  • die Sonne scheint immer öfter, länger und stärker
  • ggf. können Sonnenstrahlenden den Baum erreichen
  • die dünnen Blätter erwärmen sich schnell
  • sie werden von mehr Licht erreicht
  • Baum will daraufhin wachsen
  • der Erdballen bleibt aber noch kalt
  • Wurzeln können die notwendige Versorgung nicht leisten
  • den Blättern fehlen Wasser- und Nährstoffe zum Wachsen

Da nicht alle wachstumsrelevanten Voraussetzungen gegeben sind, reagiert der Baum mit Blattabwurf.

In geeignetes Winterquartier umziehen

Mini-Orangen essbarVermeiden Sie einen warmen und gleichzeitig dunklen Standort, ebenso wie die Kombination von hell und kühl. Bieten Sie Ihrem Orangenbaum das optimale Überwinterungsquartier, wenn Sie Blattverlust in der kalten Jahreszeit stoppen bzw. ganz vermeiden wollen.

  • frostfreies Gewächshaus, Gartenhaus oder Garage
  • auch ungeheiztes Treppenhaus ist geeignet
  • jeweils mit Fenster oder Pflanzenbeleuchtung

Meiden Sie Wohnräume, da diese viel zu warm sind. Ebenso warme Keller- und Lagerräume.

Lichtmenge erhöhen

Wenn das verfügbare Quartier Temperaturen über 12 Grad Celsius bietet, wird die benötigte Lichtmenge von 1.000 Lux auch im Winter mit Sicherheit nicht erreicht. Die besten Chancen hat der Baum nah an einem Südfenster ohne Gardinen.
Damit der Orangenbaum seine Blätter an einem warmen Standort auch bei wenig Tageslicht behält, können Sie eine Pflanzenlampe installieren, die das natürliche Licht ergänzt.

Tipp: Sie können im Handel einen Lichtmesser kaufen, mit dem Sie die Lichtmenge messen können. Es gibt inzwischen aber auch kostenlose Smartphoneapps, die diese Funktion anbieten.

Überwinterung kurz halten

Zahlreiche Pflanzenarten müssen bei der ersten Frostgefahr in ein schützendes Quartier gebracht werden. Bis zu den Eisheiligen Mitte Mai werden Sie darin überwintert. Diese lange Überwinterung ist jedoch bei einem Orangenbaum nicht erforderlich.

  • Überwinterung kurz halten
  • November bis März ist häufig ausreichend
  • Blattverlust im Sommer

OrangenbaumWärme und Licht stehen im Sommer zur Verfügung, dennoch kann der Orangenbaum Blätter verlieren. Geschieht das nur vereinzelt, besteht kein Grund zur Sorge. Das Laub wird regelmäßig erneuert, deswegen fallen gelegentlich ältere Blätter ab. Ein massiver Blattverlust, der die Äste immer kahler werden lässt, hat allerdings nichts mit dem natürlichen Blattwechsel zu tun. Die Ursachen müssen Sie schnellstens finden und beseitigen.

Standortwechsel

Ein abrupter Standortwechsel, wie es der Orangenbaum alljährlich erleben muss, kann ihm Stress bereiten und zu Blattverlust führen. Je größer die Unterschiede zwischen Winterquartier und Sommerstandort sind, umso nachteiliger wirkt sich das auf das Blattwerk aus.

Wenn das Überwinterungsquartier kühl und dunkel ist und der Baum daraus relativ spät herausgeholt wird, erwartet ihn ein inzwischen stark erwärmter und heller Standort. Diese Temperatur- und Lichtunterschiede können nicht ausreichend schnell kompensiert werden, deswegen verliert der Orangenbaum einen Großteil der noch grünen Blätter.

Nässe

Zu den Ursachen für Blattverlust zählt auch eine übermäßige Versorgung mit Wasser, die kaum ein Gewächs mag.

  • zunächst nehmen die Wurzeln Schaden
  • können in der Folge den Baum nicht mehr optimal versorgen
  • Blätter verfärben sich gelb
  • fallen danach ab

Die Gelbfärbung der Blätter ist ein eindeutiges Indiz für ein Problem mit der Nässe. Langanhaltende Unterversorgung aufgrund von Staunässe kann auch zu braunen Blattspitzen führen.

Überdüngung

OrangenbaumWenn die Blattfarbe braun wird, kann das auch an einer Überversorgung mit Dünger liegen. Der Anfang geht oft von den Spitzen aus, die sich zuerst braun verfärben. Mit der Zeit vertrocknen und fallen die Blätter ganz ab.

Zu einer Überdüngung kann es kommen, wenn die Dosierungsangaben nicht beachtet werden. Die Jahreszeit spielt zudem eine wichtige Rolle, denn nur während der Vegetationszeit besteht Nährstoffbedarf.

Wenn der Blattverlust erst einmal in Gang gesetzt ist, lässt er sich nur schwer stoppen. Schnelle Lösungen gibt es hier nicht, denn der Baum reagiert träge. Dennoch bedeutet das nicht, jetzt untätig zuzusehen. Die Ursachen müssen herausgefunden werden, damit sie geändert und in der Zukunft vermieden werden. Dann heißt es, Geduld haben und auf den Neuaustrieb warten.

Orangenbaum umtopfen

Wenn durch Nässe die Wurzeln stark geschädigt oder die Erde mit Nährstoffen überladen ist, sollte im ersten Schritt das Substrat ausgetauscht werden. Schneiden Sie dabei alle beschädigten Wurzeln mit einer scharfen und desinfizierten Schere ab. Falls der alte Topf nicht über Abflusslöcher verfügt, sollten Sie in durch einen geeigneteren austauschen.
Informieren Sie sich zeitnah über die beiden Pflegemaßnahmen Gießen und Düngen, damit Sie zukünftig diese beiden Ursachen für Blattverlust vermeiden.

  • bedarfsgerecht und witterungsabhängig gießen
  • wenn die oberste Schicht abgetrocknet ist
  • nur in der Vegetationszeit düngen
  • sich über geeignete Dünger informieren
  • stets die empfohlene Menge einhalten
  • nach Umtopfen etwa 6 Wochen mit Düngen aussetzen
Tipp: Ein Feuchtigkeitsmesser oder die bewährte Fingermethode sind hilfreich, um die Feuchtigkeit der Erde zu ermitteln.

Standort optimieren

Citrus X sinensisUnterziehen Sie den aktuellen Standort einer genauen Überprüfung. Bekommt der Baum viel Wärme und Licht? Der Orangenbaum treibt wieder aus, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • vollsonniger, warmer Standort im Freien
  • Terrasse mit Südausrichtung
  • in Räumen muss es hell sein (Wintergarten)

Umzug richtig gestallten

Der Orangenbaum darf und sollte sein Winterquartier früh verlassen, sofern das Wetter es erlaubt. Die Eisheiligen müssen nicht zwingend abgewartet werden. Sollte der Umzug ins Freie aus irgendwelchen Gründen spät erfolgen, sollten Sie den Baum nur langsam und Schrittweise an mehr Sonne gewöhnen.

Wenn Sie unwissend den Baum an einen stark sonnenbeschienen Platz gestellt haben, sollten Sie das schnell korrigieren, damit Sie dem Baum nicht weiteren Stress aussetzten.

Wichtige Hinweise

Baum nicht schneiden

Kahle Zweige legen oft den Griff zur Schere nahe, ein beherzter Schnitt soll Neuaustrieb anregen. Bei einem Orangenbaum, der seine Blätter verloren hat, sollte das aber unbedingt unterbleiben. Der Baum wächst langsam und kann diesen Schnittverlust nur mühsam wieder aufholen. Entfernen Sie nur dann einzelne Zweige, wenn diese abgestorben sind. Das erkennen Sie leicht an der braunen Färbung.

Nicht die Gießmenge erhöhen

Gelbe oder abfallende Blätter assoziiert man oft mit einem Wassermangel, den man daraufhin sofort mit einer Extraportion Wasser „behebt“. Diese voreilige und falsche Diagnose führt zu Staunässe und fügt dem bestehenden Problem noch eine weitere Ursache für Blattverlust hinzu. Der Baum ist aber mit so vielen Herausforderungen überfordert, färbt seine kahlen Zweige schwarz und stirbt ganz ab, wenn man den Fehler nicht schnellstens erkennt.

Unempfindliche Zitrussorten wählen

Nicht nur Orangenbäume verbreiten ein südliches Flair, das uns an schöne Urlaubstage erinnert. Einige Zitrussorten kommen mit Lichtmangel besser zurecht, wodurch das Überwintern auch unter ungünstigeren Bedingungen klappt, ohne dass der Baum dabei seine Blätter verliert. Folgende Sorten sollen über diese Toleranz verfügen:

  • Meyer Zitronen
  • Calamondinorange