Nematoden

In der biologischen Schädlingsbekämpfung haben Nematoden eine hohe Bedeutung erlangt. Diese Fadenwürmer sind winzig klein, weiß oder farblos und nur mit einer starken Lupe zu erkennen. Mittlerweile wurden mehr als 20.000 Arten entdeckt und es kommen immer neue hinzu. Die parasitischen Gruppen unter den Nematoden können Menschen, Tieren und Pflanzen unter Umständen zu schaffen machen. Unter den insekteninfizierenden Gruppen konnten jedoch verschiedene Arten ausfindig gemacht werden, die sich hervorragend als biologisches Schädlingsbekämpfungsmittel eignen. Bereits in den 1930er Jahren wurden in Amerika erste Erfolge mit Nematoden erzielt, um die Larven des Japankäfers loszuwerden. Es dauerte allerdings bis Anfang der 1990er Jahre, bis in Europa Nematoden gegen die gefürchteten Nacktschnecken eingesetzt wurden. Heute werden die Fadenwürmer, die auch Älchen genannt werden, in Massen produziert und stellen einen unverzichtbaren Bestandteil der biologischen Schädlingsbekämpfung dar im gewerblichen aber auch im privaten Bereich.

Einsatzbereiche der Nematoden, um biologisch Schädlinge zu bekämpfen

Das Prinzip der biologischen Schädlingsbekämpfung sieht vor, dass gezielt spezifische Nematodenarten ausgebracht werden, wo sie als natürliche Feinde die Anzahl der Schädlinge dezimieren. Eine komplette Ausrottung von Lebewesen, die als schädlich angesehen werden, ist dabei nicht Sinn dieses Prinzips, sondern vielmehr die Kontrolle bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung einer Mindest-Artenvielfalt. Als klassisches Beispiel werden seit mehr als 10.000 Jahren Katzen gezüchtet, um die Vorratsräume der Lebensmittel von Mäusen freizuhalten. Der Einsatz von Nematoden zählt zu den modernsten Methoden, um auf umweltfreundliche Art und Weise Schädlinge zu bekämpfen. Fünf Gattungen haben sich bisher besonders bewährt: die Steinernema feltiae (SF Nematoden), die Phasmarhabditis hermaphrodita (PH Nemantoden), die Steinernema carpocapsae (SC Nematoden), die Steinernema kraussei (SK Nematoden) und die Heterorhabditis bacteriophore (HM Nematoden).

Apfelwickler

  • mit SF Nematoden
  • großflächige Behandlung
  • mit Nachbarn zusammen
  • ab 8° Celsius ausbringen
  • mäßiger Bekämpfungserfolg

Trauermücken

  • mit SF Nematoden
  • bekämpft die 5 mm langen Larven
  • Ausbringung ganzjährig ab 8° Celsius
  • Monitoring mit Gelbtafeln
  • guter Bekämpfungserfolg

DickmaulrüsslerDickmaulrüssler

  • mit HM Nematoden in April und Juni
  • mit SK Nematoden Februar bis April
  • mit SC Nematoden Mai bis September
  • auch als Köderfalle für Käfer erhältlich
  • gute Erfolgsaussichten

Gartenlaubkäfer

  • mit HM Nematoden
  • in der Zeit Juli bis Oktober
  • zusätzlich Pheromonfallen im Juni/Juli
  • gute Erfolgsquoten

Purzelkäfer

  • mit HM Nematoden
  • Larven fressen viele Wurzeln
  • im Juni und Juli ausbringen
  • wirkt nur auf Engerlinge im 2. Jahr

NacktschneckeSchnecken

  • mit PH Nematoden
  • von April bis September anwenden
  • im Gewächshaus ganzjährig
  • gute Erfolgsaussichten

Haarmücke

  • mit SF Nematoden
  • pro Weibchen bis zu 300 Larven
  • Anwendung März bis Mai
  • ab 8° Celsius Lufttemperatur
  • mittlerer Wirkungserfolg

Wiesenschnake

  • mit SC Nematoden
  • im September und Oktober
  • evtl. in Kombination mit Bacillus thuringiensis
  • erforderlich, wenn Bodentemperatur unter 10° Celsius

Dungkäfer

  • mit HM Nematoden
  • verursacht Schäden am Rasen
  • Anwendung im April und Mai
  • ab 11° Celsius Bodentemperatur
  • ausreichende Wirkungserfolge

Asseln

  • mit SC Nematoden
  • in Buchenlaub als Köder auslegen
  • Anwendung ganzjährig
  • gute Erfolgsaussichten

MaulwurfsgrilleMaulwurfsgrille

  • mit SC Nematoden
  • Anwendung von April bis Juli
  • bekämpft werden die erwachsenen Tiere
  • gute Erfolgsaussichten

Feldmaikäfer

  • mit HM + SF Nematoden
  • gefürchteter Nutzgartenschädling
  • Wurzelfraß der Larven
  • ausbringen Juli bis September
  • guter Erfolg wenn 3 Jahre hintereinander

Ameisen

  • mit SF Nematoden
  • gute Alternative zu Ameisengift
  • Anwendung März bis Oktober
  • Wirkung: die Ameisen siedeln um
  • guter Erfolg

Der Fachhandel liefert die Nematoden im ruhenden Zustand aus, in Form eines Pulvers, dem ein Tonmineral beigemischt wurde.
Verschiedene Möglichkeiten der Ausbringung

Sehr gut bewährt hat sich die Ausbringung der Nematoden mit einer ausreichenden Menge Wasser. In der Regel werden etwa 500.000 Nematoden pro m² Anwendungsfläche benötigt, damit die Behandlung erfolgreich ist. Diese scheinbar recht hohe Anzahl an Fadenwürmern ist erforderlich, weil sich diese nicht gezielt auf die Suche nach den Schädlingen machen, wie beispielsweise die Florfliegenlarven, sondern eher zufällig auf sie stoßen. Im Champignonanbau ist erfahrungsgemäß die doppelte Menge erforderlich, wohingegen bei der Bekämpfung von Schnecken bereits 50.000 Nematoden pro m² ausreichen können. Während der Nematodenbehandlung ersetzt diese die übliche Bewässerung. Im Freiland stellt das kein Problem dar; im Gewächshaus dagegen ist darauf zu achten, das Substrat nicht mit Wasser vollkommen zu sättigen, denn Nematoden sind Nichtschwimmer und kommen dann nicht mehr von der Stelle. Im Hobbygarten eignet sich die Gießkanne bestens, um das Wasser-Nematoden-Gemisch zu verteilen. Für Flächen, die über 200 m² hinausgehen, stehen preisgünstige Dosiergeräte im Fachhandel zur Verfügung. Einige Hersteller bieten Nematoden auch in Form flüssiger Suspension an, die in das Pflanzsubstrat eingearbeitet werden kann. Diese Art der Ausbringung bietet sich vor allem für Kübelpflanzen an. Beträgt die Topftiefe 5 cm, sollten 10 Millionen Nematoden je m³ ausgebracht werden.

Grenzen des Einsatzes von Nematoden

Die biologische Schädlingsbekämpfung mithilfe von Nematoden kann nur zu einem zufriedenstellenden Erfolg führen, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • die Schädlingsart ist genau definiert;
  • der Bekämpfungszeitpunkt stimmt;
  • die geeignete Nematodenart wird eingesetzt;
  • die Fadenwürmer werden maximal 2 Tage aufbewahrt;
  • der Boden ist ausreichend feucht;
  • es herrscht die richtige Temperatur;
  • nicht unter praller Sonne ausbringen;
  • die Dosierung wird exakt eingehalten;
  • die Erde steht nicht vollkommen unter Wasser;
  • besser später nachwässern;
  • die Erde 2 Wochen feucht halten.

Die gelieferten Nematoden können maximal 2 Tage bei einer Temperatur zwischen 4° und 8° Celsius aufbewahrt werden und sollten spätestens ab diesem Zeitpunkt ausgebracht werden. Ohne Wirtstiere können Nematoden einige Monate im Boden überleben; allerdings reduziert sich ihr Bestand dann so drastisch, dass eine erneute Ausbringung frischer Nematoden erforderlich ist.

Die Weiterentwicklung der Wirkung von Nematoden am Beispiel des Dickmaulrüsslers

DickmaulrüsslerDie Forschung hinsichtlich der Einsatzmöglichkeiten von Nematoden in der biologischen Schädlingsbekämpfung bleibt nicht stehen. Im Gegenteil ist es jetzt gelungen, die Vorgehensweise dahin gehend weiterzuentwickeln, dass nicht nur die Larven der Schädlinge vernichtet werden, sondern die ausgewachsenen Käfer selbst. Am Beispiel des Dickmaulrüsslers wird die Wirkungsweise im Folgenden vorgestellt:

Der Dickmaulrüssler ist ein Käfer, der vor allem im Nutzgarten sein Unwesen treibt, aber auch nicht vor Rhododendron oder Rosen Halt macht. Von April bis Oktober machen sich die erwachsenen Käfer über die jungen Triebe, Blätter und Knospen der Pflanzen her. Ihre Eier legen die weiblichen Käfer direkt an den Wurzeln ab, aus denen sich dann die 10 mm langen Larven entwickeln, die sich von den Wurzeln ernähren. Je nach Witterung, entwickeln sich mehrere Generationen dieses Schädlings pro Saison. Die nur 1 mm kleinen Nematoden zählen zu den natürlichen Feinden dieser Larven. Nachdem sie mit dem Wasser ausgebracht wurden, töten sie die Larven der Dickmaulrüssler innerhalb von 24 bis 48 Stunden ab. Allerdings ist es nur selten möglich, mithilfe der Nematoden sämtliche Larven los zu werden. Es entwickelten sich trotzdem noch eine ganze Reihe erwachsener Exemplare dieses Schädlings, zu deren Bekämpfung dann trotzdem chemische Mittel eingesetzt werden mussten. Doch nun ist es den Wissenschaftlern gelungen, eine Käferfalle zu entwickeln, in der sich die Dickmaulrüssler mit den SC Nematoden infizieren, was zu einer deutlichen Reduzierung des Schädlingsaufkommens beiträgt. Die Falle ist so konstruiert, dass sich auf einem Holzbrettchen mehrere Nuten befinden, in denen sich ein Gel befindet, das aus ca. 2,5 Millionen Nematoden besteht. Mit diesen Nuten nach unten wird die Käferfalle auf dem feuchten Boden ausgelegt, wobei 1 Falle für 10 m² und eine Dauer von 6 Wochen ausreicht. Selbst wenn die angelockten Käfer nur kurze Zeit mit diesem Gel in Berührung kommen, sind sie mit den Nematoden infiziert und sterben ab. Nach 6 Wochen werden die Nuten mit frischem Gel wieder aufgefüllt und können aufs Neue eingesetzt werden. Der Hobbygärtner erhält auf diese Weise eine kombinierte Methode der biologischen Schädlingsbekämpfung an die Hand:

SK-Nematoden gegen die Larven

  • Februar bis April und Sept. bis Okt.
  • ab einer Bodentemperatur von 5° Celsius

HM Nematoden gegen die Larven

  • April bis Juni und Aug. bis Okt.
  • ab einer Bodentemperatur von 12° Celsius

SC Nematoden als Käferfalle

  • von Mai bis September

Diese Weiterentwicklung der Forschung ist vielversprechend und weckt die Hoffnung, dass sie auch auf weitere Schädlinge ausgeweitet werden kann, die das Larvenstadium überleben und als ausgewachsene Exemplare dem Hobbygärtner das Leben schwer machen.

Kombination von Nematoden mit anderen Mitteln ist möglich

Nachdem die Nematoden ausgebracht wurden, kann der Boden bedenkenlos mineralisch oder organisch gedüngt werden. Davon nehmen die Nützlinge keinen Schaden, abgesehen von Kalk. Auf dessen Anwendung sollte in den ersten zwei Monaten verzichtet werden. Wurde der Boden mit Rindenmulch bedeckt, können die Nematoden eine 5 cm bis 7 cm dicke Schicht problemlos durchdringen. Hatte der Hobbygärtner den Mulch in einer dickeren Lage verteilt, sollte er diese zur Seite harken, bevor die Nematoden verteilt werden. Dann können die Fadenwürmer tief genug wandern und ihre Aufgabe erfüllen. Danach kann die Mulchschicht wieder ausgebreitet werden. Die gleichzeitige Anwendung von Insektiziden, die Thiacloprid als Wirkstoff enthalten, wird bislang kontrovers diskutiert. Die Experten des Herstellerkonzerns Bayer berichten, dass bislang keine Schädigung der Nematoden durch dieses Mittel bekannt wurde, raten aber trotzdem von einer Kombination ab. Die Befürworter argumentieren damit, dass die Nematoden außerhalb ihres Wirts keine Nahrung aufnehmen, also auch nicht das Thiacloprid. Da die Entwicklung der Käferfalle mit einem Gel aus Nematoden kürzlich gelungen ist, wird der umweltbewusste Hobbygärtner vorzugsweise zu diesem Mittel greifen und auf den Einsatz jeglicher Chemie verzichten.

Nematoden – eine wirksame Hilfe von Mutter Natur in der biologischen Schädlingsbekämpfung

Wissenschaftler vermuten, dass Nematoden mehr als 80 % aller tierischen Organismen stellen. Darunter sind zahlreiche Arten, die Menschen und Tieren unter Umständen Schaden zufügen aber. Ebenso viele Fadenwürmer sind aber auch als Nützlinge zu werten, insbesondere in der biologischen Bekämpfung von Schädlingen. Die winzig kleinen Älchen von 1 mm Länge nehmen es auf mit Apfelwicklern, Spinnmilben, Trauermücken, Schnecken und sogar den Dickmaulrüsslern. Vorausgesetzt, der Schädling wurde genau erkannt, hält der Fachhandel genau die passende Nematodenart bereit, mit der auf umweltschonende Art und Weise gegen ihn vorgegangen werden kann. Wie bei allen biologischen Bekämpfungsmethoden, müssen die Umweltbedingungen, wie Bodentemperatur und der Zeitpunkt der Anwendung exakt stimmen, damit die Nematoden ihre Arbeit effektiv erledigen können. Darüber hinaus kann es eine ganze Zeit lang dauern, bis ein Erfolg sichtbar wird; einstellen wird er sich aber auf jeden Fall. Da die Forschung bei der Entwicklung weiterer Verbesserungen im Einsatz der Nematoden nicht ruht, sondern dank der Käferfalle auf den Weg der Bekämpfung ausgewachsener Schädlinge gelangt ist, dürfen umweltbewusste Hobbygärtner gespannt sein, was die Zukunft bringt.