Muskatellersalbei

Muskatellersalbei schmeckt genauso würzig, wie der deutsche Name klingt; Salvia sclarea ist genau die Pflanze aus der Gattung Salbei, nach der der botanische Name klingt. Beides zusammen ergibt eine sensationelle Zierstaude, die neben Schönheit auch einige kulinarische Talente mitbringt und dazu noch super leicht im Garten anzubauen ist. Das wiederum klingt danach, als wenn ein Muskatellersalbei in keinem Hausgarten fehlen sollte – viele Gartenbesitzer sehen das so, Sie nach Lesen des Artikels vielleicht auch:

Wuchsform und Gestaltungspotenzial

Muskatellersalbei wächst zweijährig bis ausdauernd, im ersten Jahr entwickelt sich die Blattrosette, im zweiten Jahr wird der Blütenstand ausgebildet. Der je nach Standort und Sorte eine Wuchshöhe zwischen 50 bis 110 Zentimeter erreicht und Ihnen ein echtes Erlebnis beschert: Die großen Blüten öffnen sich in einer für die menschlichen Sinne fast schon wahrnehmbaren Geschwindigkeit, jede halbe Stunde ist die Blüte ein gutes Stück größer.

Der Muskatellersalbei ist eine sehr dekorative Zierpflanze für Staudenbeete und eine sehr gute Hinter- und Zwischenpflanzung, die lavendelblaue bis rosarote Blüte zeigt sich von Ende Mai bis Juli.

Diese Blüte ist eine ziemlich gute Bienenweide, bei schönem Wetter kann man „hören, dass der Muskatellersalbei blüht“. Falls Sie schon zu den bienenrettenden Hobby-Imkern gehören: Eine nur mit Muskatellersalbei bestandene Fläche würde pro Hektar und Blühsaison 107 bis 174 kg Honigertrag erbringen.

Salvia sclarea ist aber auch als Gewürzpflanze und Küchenkraut, als Duft- und Heilpflanze bekannt. Wie viele Kräuter im Garten ein Multitalent: In der Küche rundet er diverse Rezepte ab, im Garten schmückt er und ernährt Nützlinge; er erleichtert als Heilkraut die Genesung und durch seinen Duft das Denken und das Durchatmen.

Die Sache mit dem Duft

Salvia sclareaApropos Duft und Durchatmen: Der Duft des Muskatellersalbeis ist so häufig Diskussionsthema zwischen Hobbygärtnern (dem männlichen und  dem weiblichen Hobbygärtner in einer Familie), dass er eine gesonderte Erwähnung verdient:

Die Wahrnehmung des Dufts vom Muskatellersalbei wird von fachkundigen Menschen als „geschlechtsspezifisch“ beschrieben. In Foren und sogar auf den Websites von Duftgarten-Betreibern wird immer wieder berichtet, dass Männer den Duft mögen und Frauen ihn nicht mögen. Was der Mann als „angenehm balsamisch und zitronig“ empfindet, riecht für die Frau wie „Achselschweiß oder ungewaschene Füße“. Es gibt auch Menschen, die Muskat oder andere Kräuter im Muskatellersalbei riechen.

Geschlechtsunabhängig von Botanikern beschrieben riecht die Pflanze angenehm nach Orange und Grapefruit und etwas herb nach den ätherischen Ölen (die Anwendung in der Aromatherapie finden). Nach Orange und Grapefruit, weil Muskatellersalbei Limonen enthält; nach Muskat möglicherweise, weil dieser ein ätherisches Öl mit dem Muskatellersalbei gemeinsam hat, wahrscheinlich diktiert hier aber eher der Name der Pflanze das Geruchsempfinden.

Der von den Frauen „erschnüffelte“ Schweißgeruch ist auch vorhanden, verursacht durch eine ganz kleine Menge Buttersäure. Die von Frauen (mit über 16 Millionen Riechzellen in der Nase) wahrgenommen wird, während die 9 Millionen Riechzellen des Mannes höchstens einen „Hauch von herb“ identifizieren und weitermelden.

Die Buttersäure sollte Sie jetzt keinesfalls dazu veranlassen, den Muskatellersalbei in die hinterste Ecke des Gartens zu verbannen: Sie ist eingebettet in viele andere, noch nicht einmal alle erforschte Substanzen, die Gerüche mischen sich zum individuellen Pflanzenparfüm der einzelnen Pflanze. Bevor Sie die Terrasse mit Muskatellersalbei umpflanzen, sollten Sie aber unbedingt „Probe riechen“.

Nachbarn

Wenn Sie einen „richtigen Garten“ pflegen (im Sinne der alten gärtnerischen Traditionen, die in Jahrhunderten gesammeltes Wissen nutzen), ist Ihr Garten mit verschiedensten Mischkulturen bepflanzt, die sich gegenseitig fördern. Der Muskatellersalbei passt sich mühelos ein:

  • Muskatellersalbei wächst sehr gut neben allen Allium-Arten, egal ob Porree, Zwiebel oder Zierlauch
  • Im Kräuterbeet steht er besonders gerne neben Fenchel und Kamille, Kümmel und Rosmarin
  • Ansonsten verhält sich Muskatellersalbei zu seinen Nachbarn in aller Regel neutral
  • Denn Kräuter wie der Salbei haben sich in kargen Umgebungen entwickelt und sind entsprechend verträglich
  • Im Zierbeet ist der Muskatellersalbei genauso verträglich
  • Mit seiner Blüte in Lavendelblau und Rosa ist er ein beliebter Hintergrund für Rosen

Boden, Standort, Aussäen, Pflanzen

Muskatellersalbei wuchs ursprünglich vom Mittelmeerraum bis nach Zentralasien hinunter. Er besiedelte Wälder und Felder, Wegränder und Felshänge bis in Höhenlagen von 2000 Metern. Im Gärten braucht der Muskatellersalbei einen dem möglichst gut entsprechenden Platz:

  • Möglichst warm und geschützt
  • zum Beispiel an der Südseite einer Mauer oder einer warmen Hauswand
  • Gerne mit viel Sonne
  • Mit durchlässigem, tiefgründigen Boden für die Pfahlwurzel des Muskatellersalbeis
  • Verdichtete Böden lockern und ev. durch Untermischen von etwas Sand magerer machen
  • In einem sandigen, mageren Boden entwickelt der Muskatellersalbei das beste Aroma
  • Aber pingelig ist er nicht gerade, er wächst er auch noch in schwerem Lehm

Muskatellersalbei kann ausgesät werden, im April an Ort und Stelle, in ausgesuchten Kräutergärtnereien finden Sie im Frühling aber auch Muskatellersalbei-Jungpflanzen im Angebot.

Bei Stauden werden Sie häufig lesen, dass sie bis zum Herbst ausgesät oder gepflanzt werden können, was auch für sehr viele Stauden völlig richtig ist. Denn die Stauden sind die Pflanzengruppe, die uns mit den meisten einheimischen, unkomplizierten, winterharten Pflanzen beschenkt, die anwachsen, solange der Boden nicht gerade gefroren ist.

Muskat-Salbei, Römischer SalbeiMuskatellersalbei kommt aber aus ziemlich weit südlich von Deutschland gelegenen Gebieten, eigentlich ist es ohnehin ein Wunder, dass erwachsene Salvia sclarea Minusgrade bis – 15 °C ziemlich klaglos wegstecken. Das war es dann aber auch, Jungpflanzen sind beim Muskatellersalbei so empfindlich wie es Jungpflanzen eben normalerweise sind und brauchen unbedingt ein paar Monate in der Erde, bevor es „kalt um die Füße“ wird.

Aufzucht und Pflege

Selbst gezogene Jungpflanzen sollten großzügig ausgelichtet werden ¬– stehen bleiben die kräftigsten Pflanzen, die zu schönen großen Einzelexemplaren heranwachsen werden.

Bis die Jungpflanze angewachsen ist und eine kräftige Gestalt angenommen hat, regelmäßig gießen. Lange Trockenperioden hält ein Muskatellersalbei problemlos aus, wenn die Wurzeln gelegentlich ein bisschen zusätzliches Wasser aus dem Gartenschlauch sehen.

Zu viel Nässe kann mehr Schaden anrichten, im Form von Wurzelfäule. Wenn Wasser in längeren Regenperioden nicht gut vom Standort abläuft, die längeren Regenperioden in Ihrer Region aber aufgrund des Klimawandels zunehmen, braucht der Standort vielleicht eine neue Drainage (mindestens mehr Sand in den Boden einarbeiten).

Dünger sollte zumindest der zum Verzehr gedachte Salvia sclarea nur in organischer Form sehen, aber eigentlich entwickelt er auf Magerböden das beste Aroma. Auch der „nur“ zu Zierzwecken gepflanzte Muskatellersalbei wächst besser auf ungedüngten Böden als auf überdüngten Böden.

Schneiden, Ernten, Nutzen

Muskatellersalbei wächst als Staude mit einer grundständigen Rosette, aus der sich in der zweiten Saison der hohe Blütenstand entwickelt.

Schneiden heißt im ersten Jahr also Ernte der Blätter, was von April bis Juli möglich ist. Außerdem sollten Sie im Frühling die Spitze des Haupttriebs wegschneiden, damit sich ein kompakter, mehrtriebiger Blütenstand entwickelt.

Im zweiten Jahr können von Juni bis August die Blüten geerntet werden, was den Muskatellersalbei im besten Fall zur Ausbildung einer Nachblüte anregt.

Die Ernte kann verwendet werden wie der normale echte Salbei. Zum Würzen oder für Tee, als Zutat für die Kräuterlimonade (den Kräuterlikör), oder auch einfach als schmückender Zweig in der Vase.

Der Muskatellersalbei hat aber insofern eine Besonderheit zu bieten, dass seine weit über die Blattrosette hinausragenden Blütenstände auch nach dem Ausblühen noch monatelang einen schönen Anblick bieten.

Überwintern

Muskatellersalbei kommt aus dem südlichen Mittelmeerraum, winterhart ist er bei uns „gerade so“:

  • Muskatellersalbei verträgt keinen Frost unter -15 Grad Celsius
  • In rauen Gegenden Jungpflanze im ersten Jahr besser im Topf im kühlen, hellen Raum überwintern
  • Sofort im Frühjahr auspflanzen, damit sich die Pflanze bis zum Winter gut akklimatisieren kann
  • In kalten Wintern mit Temperaturen unter 15 Grad minus braucht der Muskatellersalbei eine schützende Abdeckung mit Stroh oder Rindenmulch

Vermehren

Ob zur ersten Ansiedlung aus Samen gezogen oder als Jungpflanze eingepflanzt – wenn der Muskatellersalbei erst einmal im Garten sitzt, kümmert er sich selber um seine weitere Vermehrung.

Er sät sich gut selber aus, wird aber dabei nicht unverschämt/übermächtig, vermutlich überleben nicht alle Mittelmeer-Samen die Keimruhe in unserem Boden.

Außerdem breitet sich der Muskatellersalbei über seine Pfahlwurzel aus, die bei solchen sogenannten Pleiokormstauden rund um die Hauptwurzel Erneuerungsknospen anlegt. Diese Erneuerungsknospen bilden eigene sprossbürtige Wurzeln und könnten von Ihnen zu Vermehrungszwecken abgenommen werden. Sie können auch einfach im Boden bleiben und werden dann irgendwann selbsttätig die Nachfolge eines sterbenden Salvia sclarea antreten.

Die Sorten

Muskatellersalbei wird seit spätestens dem 9. Jahrhundert von Menschen kultiviert, dafür hat sich die Pflanze in erstaunlich ursprünglicher Form erhalten. Er wurde zwar gezüchtet, aber die Zucht hat nur wenige Sorten Hervorgebracht:

  • Salvia sclarea, Gewöhnlicher Muskatellersalbei mit zartvioletter Blüte
  • Salvia sclarea als Muskatellersalbei-Variante mit rosa Blüten
  • Salvia sclarea, Muskatellersalbei in einer Spielart mit weißer Blüte
  • Salvia sclarea ‚Scharlei‘, Muskatellersalbei Scharlei, eine vom Quedlinburger Saatgutbetrieb entwickelte, imposante Zierpflanze mit Nutzwert
  • Salvia sclarea var. turkestanica, Muskatellersalbei ‚Piemont‘ mit tief dunkellila Blüten
  • Salvia sclarea ‚Vatican White‘, eine Muskatellersalbei-Sorte mit strahlend weißen Blüten

In selbst züchtenden Kräutergärtnereien könnten weitere Varianten des Muskatellersalbeis zu finden sein, aber Schwierigkeiten mit zu wenig Auswahl wird es bei Salbei ohnehin nie geben: Außer Salvia sclarea gibt es noch den Salvia officinalis (der bekannteste und meistverkaufte Salbei, in vielen Zuchtsorten), den Griechischen Salbei Salvia triloba oder fruticosa, den Strauch-Salbei Salvia elegans (eine immergrüne, essbare Zierpflanze mit leuchtend purpurroten Blüten) und aktuell 1033 weitere erforschte und mit eigenem anerkannten botanischen Namen bezeichnete Arten, von denen die meisten zumindest in ihren Heimatländern kultiviert und genutzt werden …

Fazit

Muskatellersalbei macht sich gut im Garten, egal ob Sie ihn nur bewundern oder auch zum Würzen und Heilen nutzen möchten. Die Pflanze ist anspruchslos, wuchskräftig und pflegeleicht, nur zu kalt sollte es für das Mittelmeergewächs im Winter nicht werden (im Zweifel kann der Staude aber durch Winterschutz geholfen werden).