Labkraut

Wenn es gilt, im naturnahen Garten sonnige Böschungen und Gebüschsäume authentisch zu bepflanzen, zählt Echtes Labkraut zu den Pflanzen erster Wahl. Das traditionsreiche Rötegewächs zeichnet sich aus als sommerlicher Dauerblüher, betörende Duftpflanze, aromatische und heilsame Kräuterpflanze. Solange gegen den unstillbaren Ausbreitungsdrang von Galium verum Vorsorge getroffen wird, entfaltet es machtvoll sein vorteilhaftes Potenzial. Gleiches gilt für Klettenlaubkraut, dem mit wenig Aufwand im Hausgarten die segensreichen Attribute zu entlocken sind, obgleich die Bauern es als Ackerunkraut hassen wie die Pest. Unaufdringliche Pflege charakterisiert beide Wildstauden, die sich seit Jahrhunderten tapfer im Hausgarten behaupten.

Spezifische Eigenschaften

Botaniker ordnen Echtes Labkraut und Klettenlabkraut zwar der Gattung Galium zu, was aus wissenschaftlicher Sicht sinnvoll sein mag; in Bezug auf die praxisnahe Verwendung im Hausgarten offenbaren sich freilich deutliche Divergenzen. Die folgende Kurzdarstellung der spezifischen Eigenschaften möchte ein wenig Licht ins Dunkel bringen.

Echtes Labkraut (Galium verum)

  • Straffe, aufrechte Wildstaude mit 20 cm bis 70 cm Höhe, selten 100 cm.
  • Goldgelbe Blütenrispen von Mai bis September mit intensivem Honigduft.
  • Invasiver Charakter aufgrund ober- und unterirdischer Ausläufer.
  • Runde, grüne Stängel mit nadelförmigen Blättern in Wirteln.
  • Klassische Verwendung in der Volksheilkunde für zahlreiche Beschwerden.
  • Wichtige Zutat bei der Käseherstellung zur Fermentierung.
  • Trivialnamen: Gelbes Waldstroh, Liebkraut, Gelbes Labkraut.

Klettenlabkraut (Galium aparine)

  • Kriechende oder klimmende, einjährige, krautige Pflanze.
  • Wenig verzweigte, behaarte Stängel mit bis zu 300 cm Länge.
  • Längliche, grüne Blätter, besetzt mit Borsten.
  • Unscheinbare, weiße Blüten im Sommer in Trugdolden.
  • Kleine Trockenfrüchte von Juni bis Oktober, 3-5 mm lang.
  • Großflächige Ausbreitung erfolgt über Teilfrüchte und Samen.
  • Traditionelle Nutzung als Wildgemüse und homöopathische Arzneipflanze.
  • Gilt als wichtigstes Ackerunkraut im Getreide- und Rapsanbau.
  • Trivialnamen: Gänsegras, Klebkraut, Klebriges Labkraut, Zaunkraut.

Beide Galium unterscheiden sich demgemäß in mancherlei Hinsicht. Dieser Umstand mündet in differenzierten Anforderungen an die Pflege.

Echtes Labkraut erfolgreich kultivieren

Aus dem natürlichen Vorkommen des Galium verum lassen sich wertvolle Rückschlüsse ziehen auf die geeigneten Standortbedingungen, den Wasser- und Nährstoffbedarf sowie auf mögliche Formen der Vermehrung. In ganz Mitteleuropa ist Echtes Labkraut zu entdecken auf Wiesen und Magerrasen sowie entlang der geschützten Saumbereiche von Gebüschen entlang des Weges. Eine gewisse Standorttoleranz beweist das Gelbe Waldstroh, indem es sich zusätzlich auf Moorwiesen ansiedelt. In allzu sandigen Lagen lässt sich die Wildstaude hingegen nicht blicken.

Standort

  • Sonnig-warme bis halbschattige Plätze.
  • Vorzugsweise mit Ausrichtung nach Süden.
  • Wechselfeuchtes bis trockenes Erdreich, lehm- oder tonhaltig.
  • Nährstoffarme, kalkhaltige Pflanzerde fördert das Wachstum.

Echtes Labkraut gedeiht folglich in jedem guten Gartenboden, solange er nicht allzu nass und nahrhaft ist. Damit die Wildblume ihre Schönheit in vollem Umfang entfalten kann, ist es empfehlenswert Lagen mit saurer Erde zu meiden. Es ist zwar zu erwarten, dass das Liebkraut derartige Bedingungen adaptieren wird, allerdings zu Lasten der Blüte und des Gehaltes an wertvollen Inhaltsstoffen.
Tipp: Einen tristen, trockenen Kalkmagerrasen verwandelt Echtes Labkraut in ein gelbes, wogendes Blütenmeer im Handumdrehen.

Gießen und Düngen

  • Einzig bei andauernder Dürre hin und wieder gießen.
  • Im Pflanzjahr ist der Wasserbedarf etwas höher.
  • Eine Startdüngung mit Kompost und Hornspänen genügt.

Verfolgt der Hobbygärtner mit dem Anbau von Galium verum das Ziel, die Blütenstängel in Wildblumensträußen oder der heimischen Floristik zu verwenden, dürften zusätzliche Gaben von Kompost im Verlauf der Saison willkommen sein.

Schneiden und Überwintern

  • Nach der Blüte bis Handbreit über dem Boden abschneiden.
  • Kommt die Selbstaussaat gelegen, erfolgt der Rückschnitt erst im Spätwinter.
  • Echtes Labkraut ist ausgesprochen winterhart und bedarf keiner Schutzmaßnahmen.

Auf regelmäßiges Ausputzen verwelkter Blüten und Blätter kann bei Labkraut verzichtet werden. Die Wildstaude wird davon nicht in ihrem Wachstum beeinträchtigt.

Vermehren

  • Unkomplizierte Vermehrung durch Teilung im Frühjahr oder Herbst.
  • Wahlweise Rhizomstücke mit 1-2 Knoten abschneiden und am neuen Platz einpflanzen.
  • Alternativ die reifen Samen ernten und im Kalten Kasten ab Ende März aussäen.
  • Die Anzucht im Haus bietet sich ab Ende Februar an.

Aufgrund des damit verbundenen Aufwandes, ist die Vermehrung durch Aussaat unter Hobbygärtnern wenig verbreitet.
Tipp: Steht im Garten noch kein Echtes Labkraut für die Teilung zur Verfügung, nutzt der Gartenfreund einen Spaziergang im Frühling, um eine junge, kräftige Pflanze in freier Natur (nicht auf Privatgrundstücken) auszugraben.

Pflanzen

LabkrautGelbes Labkraut zu pflanzen, erfordert im Grunde keine besonderen Fachkenntnisse. Einzig die invasive Ausbreitung durch Ausläufer im und über dem Boden sollte von Beginn an unterbunden werden. Als effektiv hat sich der Einsatz einer Wurzelsperre erwiesen. Das wasserundurchlässige, unverrottbare Geotextil umgibt die einzelne Pflanze bzw. einen Tuff aus 3-5 Exemplaren in einem nicht zu engen Radius. Senkrecht ca. 30 cm in die Erde gelassen, sollte es unbedingt ein Stück hervorschauen, damit die oberirdischen Ausläufer es nicht kurzerhand überwuchern. Anfang und Ende jeder Wurzelsperre werden überlappend mit speziellen Clips verschlossen.
Alternativ setzen erfahrene Hobbygärtner Galium verum in einem voluminösen, stabilen Topf in die Erde, dessen Ränder hoch genug über dem Boden stehen, damit die naseweisen Rhizome sie nicht überwinden.

Ernten und Trocknen

Im Fortgang der gesamten Blütezeit von Mai bis September ernten erfahrene Hobbygärtner die Blätter und Blütenstände bei Bedarf. Idealerweise herrscht eine trockene Witterung, damit die Pflanzen nicht sogleich der Gefahr von Fäulnis ausgesetzt sind. Ganze Stängel, die einem Wildblumenstrauß den letzten Schliff verleihen, werden knapp über der Wurzel mit einem Messer abgeschnitten. Als zierende Zutat für Trockengestecke, verweilen sie in kleinen Bündeln für einige Zeit kopfüber an einem dunklen, trockenen, luftumspülten Ort.

Klettenlabkraut richtig pflegen

Als wollte es die Begegnung mit Echtem Labkraut vermeiden, tummelt Klettenlabkraut sich an völlig anderen Orten. Häufig erklimmt das Rötegewächs Pflanzen, Bäume, Hecken, Gartenzäune oder gar Fassaden. Befindet sich keine Kletterhilfe in der Nähe, kriecht das Galium aparine meterweit auf dem Boden entlang.

Standort

  • Klettenlabkraut gedeiht in schattigen Lagen ebenso gut, wie unter voller Sonne.
  • Bevorzugt werden stickstoff- und phosphorreiche, feuchte bis nasse Lehmböden.
  • Bestes Wachstum bei pH-Werten von 5,5 (leicht sauer) bis 8,0 (alkalisch).
  • Im Kübel eignen sich als Substrat handelsübliche Blumen-, Gemüse- oder Kräutererde.

Im Gartenbau dient Gänsegras als zuverlässige Zeigerpflanze für staunasse, verdichtete Erde sowie einen hohen Stickstoffgehalt und erspart so manche Bodenanalyse.

Gießen und Düngen

  • Galium aparine wird konstant feucht gehalten.
  • Im nährstoffreichen Gartenboden ist kein Düngen erforderlich.
  • In magerer Erde fördern Gartenkompost und Grasschnitt das Wachstum.

Anders als Echtes Labkraut, verträgt Klettenlabkraut keine längere Trockenperiode. Im bedrängten Raum eines Pflanzgefäßes trocknet das Substrat noch schneller aus, als im Beet. Findige Hobbygärtner verwenden einen mit wassergefüllten Untersetzer als Hilfsmittel für eine konstante Wasserversorgung.

Tipp: Beginnen die Blätter damit, sich schwarz zu verfärben, signalisiert Klebriges Labkraut, dass es dringend Wasser benötigt.

Schneiden

  • Wuchernde Triebe durch einen regelmäßigen Schnitt kontrollieren.
  • Bodennaher Rückschnitt im Anschluss an die Blüte verhindert eine Aussamung.

Nach den ersten Frösten stirbt das einjährige Klettenlabkraut ab und wird spätestens zu diesem Zeitpunkt kompostiert. Es ist freilich nicht ratsam, so lange mit dem Schnitt zu warten. Bereits eine einzige Pflanze trägt bis zu 500 zweiteilige Spaltfrüchte mit Samen, die über Insekten, Vögel, pelztragende Tiere und Menschen verbreitet werden. Im Boden sind die Samen maximal 8 Jahre lebensfähig, sodass der Ruf von Klebkraut als invasives Unkraut nicht ganz unberechtigt ist. Ein frühzeitiger Rückschnitt wirkt dem effektiv entgegen.

Vermehren

  • Die einfachste Methode der Vermehrung erfolgt mit Stecklingen.
  • Im Frühsommer ca. 10 cm bis 15 cm lange Kopfstecklinge abschneiden.
  • Den unteren Teil entlauben, sodass mindestens 2-3 Knoten freiliegen.
  • Nährstoffarme Anzuchterde in 9-cm-Töpfe füllen und die Ableger zu 2/3 einpflanzen.
  • Am warmen, hellen Platz konstant feucht halten, bis der Topf durchwurzelt ist.

Am neuen Standort oder im Kübel wird die junge Galium aparine anschließend eingepflanzt und wie eine adulte Pflanze gepflegt. Davon abweichend, stehen die Chancen gut, dass die robusten und widerstandsfähigen Stecklinge ohne Umweg direkt in die Beeterde gesetzt werden, um dort zu wurzeln. Da bei dieser Vorgehensweise mit einer höheren Ausfallquote zu rechnen ist, setzt der vorausschauende Hobbygärtner eine entsprechend höhere Anzahl an Ablegern ein.

Pflanzen im Beet

Dient das Klettenlabkraut der Begrünung eines Gartenzaunes oder einer kleinen Mauer, werden die eigenhändig vermehrten oder fertig gekauften Jungpflanzen ab Ende April/Anfang Mai gepflanzt. Zuvor lockert der geübte Hobbygärtner den Boden mit der Harke auf und reichert diesen – je nach Beschaffenheit – mit Kompost und Hornspänen an. Auf eine Drainage im Pflanzloch kann bei Zaunkraut getrost verzichtet werden. Das schwach ausgebildete Wurzelsystem erübrigt darüber hinaus die Verwendung einer Wurzelsperre. Wichtig zu beachten ist, zum Abschluss die Pflanzen reichlich zu wässern, damit sie zügig anwachsen.

Tipp: Gartenfreunde, die Klettenlabkraut als Heil- und Kräuterpflanze anbauen, wählen die Kultur im Kübel oder im Pflanzkasten mit Spalier. Der Ausbreitungsdrang der Pflanze lässt sich auf diese Weise sehr viel effizienter kontrollieren.

Ernten und Trocknen

  • Die zarten Blätter im Frühling abzupfen und in der Küche frisch verwenden.
  • Wahlweise ganze Stängel abschneiden und anschließend trocknen.
  • Die Blätter einzeln ernten, ausgebreitet trocknen und zu Tee brühen.

Die Liste möglicher Anwendungen als Küchen- und Heilpflanze ist lang, denn bereits seit dem Altertum entdecken die Menschen immer neue Wirkungsbereiche des Rötegewächses. Da die Pflanze im Winter nicht zur Verfügung steht, legen vorausschauende Gartenfreunde rechtzeitig einen Vorrat an getrockneten Blättern und Stängeln an.

Fazit

Wildkräuter, die Echtes Labkraut und Klettenlabkraut haben sich unter Hobbygärtnern längst vom Ruf des lästigen Unkrauts distanziert. Parallel zur Sensibilisierung für die Gaben, die Mutter Natur für Gesundheit und unbeschwerten Genuss zu bieten hat, hinterfragen die Menschen auch nicht alltägliche Nutzpflanzen, wie Galium verum und Galium aparine. Beide Labkräuter gedeihen zudem an Plätzen, die ansonsten schwierig zu begrünen sind, ohne umständlichen Pflegeaufwand zu verursachen. Dabei darf freilich nicht übersehen werden, dass die Familienmitglieder der Rötegewächse sich hinsichtlich ihrer Ansprüche an Standort, Wasser- und Nährstoffzufuhr sowie Vermehrung recht deutlich unterscheiden.