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Kastanienbaum ziehen – Kastanien zum Keimen bringen

Kastanienbaum ziehen

Kastanien sind stattliche Bäume, die auch in einem großen Garten einen optischen Hingucker bieten. Unterscheiden wird hier zwischen Ess- und Rosskastanien. Wie diese aus den Früchten gezogen werden können, erklärt der folgende Artikel.

Ross- oder Edel/Ess-Kastanie

Wenn von einem Kastanienbaum gesprochen wird, dann muss hier zwischen den nicht genießbaren Rosskastanien (Aesculus hippocastanum) und den Esskastanien (Castanea sativa), auch Maronen genannt, unterschieden werden. Beide Bäume sind charakteristisch für den Herbst, da sie dann ihre Früchte bilden. Soll daher ein Kastanienbaum selbst gezogen werden, muss vorab überlegt werden, ob die Kastanien gegessen werden sollen oder lieber als Deko genutzt werden. Die beiden Baumarten unterscheiden sich wie folgt:

Rosskastanien (Aesculus hippocastanum)
Rosskastanien
  • Früchte
  • rund und kugelig bei Rosskastanie
  • abgeflacht und spitz bei Esskastanie
  • Blätter
  • handförmig und mehrgliedrig bei Rosskastanie
  • einzeln an Ästen bei Maronenbaum
  • Fruchthülle großer Unterschied
  • harte spitze Stacheln auf ledriger Hülle bei Rosskastanie
  • weiche Stacheln bei Edelkastanie

Zudem besitzen die Rosskastanien die bekannten aufrechten Blütenkerzen, wohingegen die Maronen nur eine unauffällige Blüte den Weidenkätzchen ähnlich bilden.

[infobox type=“alert“ content=“Achtung: Im Gegensatz zu den Maronen ist die Rosskastanie giftig in allen Teilen, die Früchte dürfen daher auf keinen Fall verzehrt werden.„]

Keimfähigkeit

Alle Früchte, ob von der Ross- der Edel- oder auch einer ganz anderen Kastaniensorte sind keimfähig. Diese können bei einem Waldspaziergang gesammelt werden, um sie im eigenen Garten zu kultivieren. Auch ein Vermehren eines bereits gepflanzten Kastanienbaums kann über diesen Weg erfolgen. Es müssen jedoch die folgenden Voraussetzungen vorliegen, damit die Früchte keimen:

Esskastanien (Castanea sativa)
Esskastanien
  • dürfen keinerlei Schäden aufweisen
  • nicht mit Schädlingen befallen
  • Kastanienbohrer oder Kastanienwickler gehören hierzu
  • Kastanien vom Boden mit Löchern nicht aufsammeln
  • idealerweise direkt vom Baum pflücken

[infobox type=“info“ content=“Hinweis: Die Kastanienfrüchte sollten, wenn sie zum Keimen gebracht werden sollen, nicht austrocknen. Besser ist es, diese sofort nach dem Sammeln feucht zu lagern, damit die Feuchtigkeit zum Beispiel vom Waldboden, erhalten bleibt.„]

Keimling ziehen

Kastanien sind Kaltkeimer. Das bedeutet, dass die Samen erst dann anfangen zu keimen, wenn sie einer bestimmten Temperatur ausgesetzt wurden. Um dies zu erreichen, sollte mit den gesammelten Früchten wie folgt vorgegangen werden:

Rosskastanie
  • kleine Töpfe nutzen
  • Früchte in nährstoffarmes Substrat geben
  • hierzu eignet sich Anzuchterde
  • Erde immer feucht halten
  • darf jedoch nicht zu nass sein
  • erste Tage das Gefäß in den Kühlschrank stellen
  • alternativ können Früchte vor Aussaat gekühlt werden
  • hierzu anfeuchten
  • dann mehrere Tage in Kühlschrank legen

Wer die Töpfe nicht in den Kühlschrank stellen will, kann diese auch im kalten Winter draußen aufstellen, zum Beispiel auf dem Balkon oder der Terrasse. Hier sollten sie jedoch mit einem Drahtgeflecht gegen Tiere geschützt werden. Ebenso muss darauf geachtet werden, dass sie nicht dem Regen aussetzt sind, da die Erde sonst zu nass werden könnte.

[infobox type=“check“ content=“Tipp: Wenn Sie die harte Kastanienschale von Rosskastanien vorher ein wenig anrauen und die Kastanien dann in Wasser legen, gelingt die Keimung der Früchte einfacher.„]

Setzlinge pflanzen

Zeigen sich im Frühjahr die ersten kleinen Pflanzen in den Töpfen, dann können diese an ihren neuen vorab gewählten Standort gepflanzt werden. Aber auch eine Kübelpflanzung in den ersten paar Jahren hat sich bewährt. Denn die kleinen Bäume sind in den ersten Jahren nicht winterhart. Beim Pflanzen sollte das Folgende beachtet werden:

Rosskastanien (Aesculus hippocastanum),Kastanienbaum ziehen
Rosskastanien
  • lockerer, saurer Boden bevorzugt
  • vollsonniger Standort
  • in ersten Jahren mildes Klima
  • junge Pflanzen mit Kompost düngen
  • Setzlinge vor Tieren schützen
  • kleinen Drahtkorb rundherum stellen
  • junge Bäume im ersten Winter schützen
  • mit Pflanzenvlies und Mulch
  • im Kübel an geschützten Platz stellen

[infobox type=“check“ content=“Tipp: Wenn Sie bereits einen Kastanienbaum im Garten stehen haben, dann lassen Sie die herunter gefallenen Früchte einfach liegen. Dort wird der ein oder andere Keimling von ganz allein entstehen. Die Setzlinge können Sie dann im Frühjahr umpflanzen.„]

Keimling alternativ ziehen

Die Kastanienfrüchte können auch auf eine andere Art zum Keimen gebracht werden. Dieses Verfahren ist ganz einfach und gelingt mit gesunden Kastanien in der Regel immer. Wenn Kinder zum Haushalt gehören, können diese dabei zuschauen, wie aus einer Frucht ein kleiner Baum wird. Hierbei wird wie folgt vorgegangen:

Edelkastanie (Castanea sativa), Kastanienbaum ziehen
  • Kastanie für mehrere Tage kalt stellen
  • einen großes Stück Watte befeuchten
  • Kastanie in die Mitte legen
  • sollte fast komplett umschlossen sein
  • in eine kleine Schale setzen
  • an schattigen Platz setzen
  • Watte muss immer feucht bleiben
  • nach kurzer Zeit treiben Wurzeln
  • es zeigen sich mehrere kleine Ableger
  • einzeln in kleine Töpfe pflanzen

Diese Töpfe werden nach draußen in den Schatten gestellt, da die Setzlinge in der Sonne verbrennen würden. Hier können sie sich nach und nach an das Klima gewöhnen.

[infobox type=“idea“ content=“Idee: Die Alternative Art, die Kastanienkeimlinge zu ziehen und später den kleinen Kastanienbaum zu pflanzen ist auch eine gute Idee für einen Kindergarten oder eine Grundschule. So lernen die Kinder spielerisch, wie neues Leben in der Flora entsteht.„]

Häufig gestellte Fragen

Ist ein Kastanienbaum aus einer gesammelten Kastanie sortenrein?

Nein. Denn die Kastanienbäume in den Wäldern und Parks sind oftmals nicht mehr sortenrein. Denn stehen mehrere Sorten nebeneinander kann es zu einer Vermischung des Erbgutes während der Befruchtung kommen. Wächst hieraus dann ein Kastanienbaum, ist es vielleicht nicht der, den Sie sich heran ziehen wollten und im Garten gewünscht haben.

Wie finde ich heraus, ob eine Frucht beschädigt oder krank ist?

Hierzu gibt es einen ganz einfachen Trick. Haben Sie die Früchte im Wald, Park oder eigenem Garten eingesammelt, dann legen Sie diese in eine Schüssel mit Wasser. Alle Kastanien, die oben schwimmen sind beschädigt, nicht mehr keimfähig oder sogar leer gefressen. Diese können Sie entsorgen.

Wie groß ist die Chance, dass die Kastanienfrüchte bei mir keimen?

In der Regel lassen sich Kastanienbäume jeder Sorte sehr gut über die Früchte vermehren und ziehen. Denn ist die Frucht gesund und weist keinerlei Schäden auf, dann sollte sie auch zuverlässig keimen.

Kann ich die Kastanien auch direkt im Garten am gewählten Standort keimen lassen?

Natürlich ist das möglich. Die Bäume haben sich dem hiesigen Klima, auch im Herbst und Winter angepasst und keimen direkt im Boden im Garten eigentlich am besten. Dennoch ist davon abzuraten, da viele Tiere die schmackhaften Früchte als Nahrung bevorzugen und es daher passieren kann, dass im Frühjahr keine neuen Setzlinge aus dem Boden hervorschauen, weil die ausgesäten Kastanien alle als Futter gedient haben.

Es wird oft geraten, Gibberellinsäure bei Kaltkeimern anzuwenden, ist das richtig?

Bei Gibberellinsäure handelt es sich um ein pflanzliches Wachstumshormon, dass tatsächlich bei der Keimung von Kaltkeimern helfen kann. So wird die Keimzeit beschleunigt und die Anzahl der keimenden Früchte erhöht. Das Positive an dieser Art von Unterstützung ist, dass Sie die Töpfe mit den ausgesäten Früchten nicht tagelang im Kühlschrank lagern müssen.