Gartenpflege Obstbäume

Goldparmäne-Apfel – Pflege-Anleitung und Erfahrungen

Goldparmäne Apfel am Baum

Die Goldparmäne ist ein Herbstapfel, wie er im Buche steht: Spätestens Anfang Oktober hat sie sich rotgestreifte Wangen zugelegt und hängt pflückbereit am Baum. Knackig, saftig, süß, aber das volle Aroma wird erst nach wochenlanger Lagerung erreicht – die Wintergoldparmäne (ihr richtiger Name) schmeckt am besten, wenn sie auf dem Adventsteller das Dreigespann „Apfel, Nuss und Mandelkern“ ergänzt. Ein toller alter Apfel, zu dessen Wuchs und Pflege es einiges zu berichten gibt:

Pflege-Anleitung

Die Goldparmäne wird als anspruchsvolle Apfelsorte beschrieben, die nicht an jedem Standort gut wächst und nicht sehr einfach zu beschneiden ist. Vorweg sei dazu bemerkt, dass die Goldparmäne so richtig super anspruchsvoll wohl nicht sein kann, sonst wäre sie nicht von 1510 bis heute auf weiten Landstrichen ununterbrochen kultiviert worden.

Richtig ist allerdings in Bezug auf den Standort, dass die Goldparmäne in Frankreich entdeckt und bekannt wurde, und in Frankreich ist es durchschnittlich ein Stückchen wärmer als in den kälteren Regionen Deutschlands. Dementsprechend braucht die Goldparmäne:

  • Einen warmen und sonnigen Standort
  • Am besten in einer der klimatisch begünstigten Regionen Deutschlands
  • Von Frankreich wanderte die Goldparmäne um 1800 in Baden-Württemberg ein
  • Baden-Württemberg ist Winterhärtezone 7a (höchstens -17,7 °C)
  • Diese Zone verträgt der Baum seit gut 200 Jahren
  • Die wärmeren Winterhärtezonen 7b und 8a (Maximalkälte -14,9 °C, -12,2 °C) sind geeignet
  • In Deutschland gibt es außerdem Klimazone 6b und 6a ( (-20,4 °C, -23,3 °C)
  • Standorte in diesen  Zonen können der Sorte zu kalt zum Ausreifen aromatischer Äpfel sein
  • Der Standort sollte in der Blütezeit der Goldparmäne April bis Mai üblicherweise frostfrei sein
  • Je mehr der frostempfindlichen Blüten Kälteschäden erleiden, desto magerer wird die Ernte
  • Letztlich entscheidet das Mikroklima im Garten
  • Die Baumschule berät darüber, ob der geplante Standort genug Wärme bietet

Richtig ist in Bezug auf den Beschnitt, dass die Goldparmäne regelmäßig geschnitten werden möchte. Aber das gilt für jeden Apfelbaum im Hausgarten, der in guter Form bleiben und viele Früchte tragen soll. Die buschartige Krone der Goldparmäne bildet viele einzeln nach oben wachsende Äste aus, an denen das Fruchtholz wächst. Sie braucht einfach nur regelmäßig einen korrekten Schnitt, damit sich der Baum nicht überbaut und dann vergreist. Besonders bei der jungen Goldparmäne ist es wichtig, den recht starken Wuchs der steil aufrecht wachsenden Leitäste auf den richtigen Weg zu bringen. Im Alter wird der Wuchs der Goldparmäne schwächer.

Richtig ist auch, dass die Goldparmäne im Vergleich zu den meistverkauften Apfelbäumen recht hohe Anforderungen an ihre Pflege stellt. Denn die (auch an Privat- und Hobbygärtner) meistverkauften Apfelsorten sind die paar Apfelsorten, die im gewerblichen Obstbau genutzt werden. Und diese Handelssorten haben eigentlich nur einen Anspruch: Mehrfach in der Saison (bis zu 30 x) gespritzt zu werden, sonst gehen sie gewöhnlich in Schädlingen und Krankheiten unter – und man braucht sich um gießen und düngen keinen Kopf mehr zu machen.

Die Goldparmäne dagegen ist eine Apfelsorte, die noch alle ursprünglichen Gene hat und ganz normal so gepflanzt und gepflegt werden möchte, wie die Tradition es vorgibt:

  • Goldparmäne in eine lichte, geschützte Lage pflanzen
  • Mit humus- und nährstoffreichem, durchlässigem Boden
  • Eher magere Böden mit Humus anreichern
  • Schwere, verdichtete Böden mit etwas Sand lockerer einstellen

Die Goldparmäne kann und soll sich wie alle alten Apfelsorten nicht selbst befruchten, diese Fähigkeit einiger moderner Handelssorten beschränkt die genetische Vielfalt bei der Fortpflanzung und verletzt damit eines der wichtigsten Zuchtprinzipien. Sie braucht also Befruchter, weitere Apfelbäume in der Umgebung, z. B. andere alte Apfelsorten im Nachbargarten oder auf einer Streuobstwiese. Wenn Sie ausschließlich von Handelssorten umgeben sind, sollten Sie sich vor dem oder beim Kauf in der Baumschule genau erkundigen, ob die Befruchtung gewährleistet ist oder ob Sie selbst einen Befruchter dazu pflanzen müssen. Die Frage nach der Befruchtung muss auch geklärt werden, wenn Sie zu den Ersten gehören, die wieder Leben und Nutzpflanzen in eine Ansammlung monokultureller Zierpflanzen-Ödnisse (namens Siedlung, Kleingarten) bringen.

Goldparmäne Äpfel Für andere Apfelsorten ist die Goldparmäne mit ihrer lang anhaltenden, diploiden Blüte eine hervorragende Befruchtersorte. Sie wird auf Streuobstwiesen gepflanzt, für die sie nicht typisch ist, weil sie so ein hervorragender Pollenspender für triploide (unbedingt auf Fremdbestäubung angewiesene) Apfelsorten ist. Triploid sind z.B. Boskoop, Gravensteiner, Kaiser Wilhelm; zu diploid und triploid und Befruchten siehe forum.planten.de/index.php/topic,37232.0.html.

Ernte und Lagerung

Die Äpfel der Goldparmäne sind mittelgroß, rundlich bis länglich fassförmig, mit saftigem mittelfestem Fruchtfleisch und glatter trockener wenig wachsiger Schale. Die Erträge sind nicht hoch und jedes Jahr anders, da die Goldparmäne zu Alternanz neigt (auf starke Erntejahre folgen schwache Erntejahre). Der Geschmack wird als süß mit feiner Säure und nussartigem Aroma beschrieben, die Goldparmäne ist für Frischverzehr und sämtliche üblichen Arten der Verarbeitung geeignet. Die Reife deutet sich an durch braunrote Sonnenstreifen auf den goldgelben Früchten.

Die Goldparmäne erreicht zwischen Mitte September und Anfang Oktober die Pflückreife. Ein Apfel ist pflückreif, wenn sich der vorsichtig angedrehte Fruchtstiel wie von selbst vom Zweig löst (denken Sie an das Sprichwort, nach dem einem manche Dinge wie reife Früchte in den Schoß fallen können, das entstand bei der Apfelernte).

Nichts gegen ein paar frisch vom Baum verspeiste Äpfel, aber die eigentliche Genussreife erreicht die Goldparmäne erst später, je nach Ernte Oktober/November (bis Januar/Februar). Vor allem vor der Produktion von Apfelmus, Gelee, getrockneten oder gefrorenen Apfelspalten für Kuchen usw. sollten die Äpfel unbedingt noch mehrere Wochen einlagert werden, die Früchte entwickeln in dieser Zeit noch sehr viel Aroma.

Also eine typische Herbst- und Wintersorte mit Verzehrschwerpunkt Winter; ganz genau genommen heißt die Zuchtsorte auch „Wintergoldparmäne“. Goldparmänen dürfen nicht im Kühlschrank oder Kühlhaus gelagert werden, da die Äpfel bei zu kalter Lagerung zu Fleischbräune neigen. Ein kühler Raum reicht, in dem die Äpfel z. B. einzeln in Zeitungspapier gerollt in Stapelkisten gelagert werden. Gegen Ende der Lagerzeit kann die Schale einfallen, was Sie nicht an der Verarbeitung hindern sollte, weil es sich lediglich um einen Schönheitsfehler handelt.

Stammbaum und Entwicklung der Goldparmäne

Die Wintergoldparmäne soll um 1510 in der Normandie entdeckt worden sein, die Elternsorten des Zufallssämlings sind nicht bekannt. Der Apfel erlangte in Frankreich schnell eine so hohe Wertschätzung, dass die Sorte „Reine des Reinettes“ (Königin der Renetten) genannt wurde. Auch in Deutschland galt die Goldparmäne Jahrhunderte als eine der besten Apfelsorten.

Eine von hunderten Apfelsorten, erst als der Erwerbsobstbau ab Anfang des 20. Jahrhunderts anwachsende Städte versorgen musste, begann die Selektion von Handelssorten nach Markt- und Absatzerfordernissen.

Der Handel konnte mit seinen Forderungen nach Gleichförmigkeit, Lagerfähigkeit etc. der Apfelvielfalt im Laden in Deutschland sehr früh ein Ende setzen: Bereits 1951 empfahlen die Landwirtschaftskammern aus 120 Apfelsorten im Erwerbsanbau nur 13 Hauptsorten für die Zukunft: ‚Klarapfel‘, ‚James Grieve‘, ‚Jakob Lebel‘, ‚Oldenburg‘, ‚Goldparmäne‘, ‚Boskoop‘, ‚Roter Boskoop‘, ‚Kaiser Wilhelm‘, ‚Ontario‘, ‚Cox‘, ‚Laxtons Superb‘, ‚Jonathan‘, ‚Bohnapfel‘.

Aber die Goldparmäne war dabei, vor allem in Hessen und Baden Würtemberg sogar als dominierende Sorte; und die „Königin der Renetten“ überstand auch noch die erneute Einschränkung der Sortenzahl für den Erwerbsanbau, in der die neugebildete Bundesobstsortenkommission 1960 das Anbausortiment auf 3 bis 4 Hauptsorten der Landessortenliste beschränkte. Dann kamen die ersten ausländischen Äpfel auf den deutschen Markt, die heimischen Anbauer intensivierten wieder einmal unter Reduzierung der Sortenpalette die Produktion, die Goldparmäne und andere uralte Premium-Apfelsorten gingen in die Geschichte des Erwerbsobstbaus über. Mit dem Ergebnis, dass Anfang der 1970er Jahre die Verkaufsregale von gleichmäßigem ‚Golden Delicious‘-Grün überzogen wurden (dieser eine Apfel hatte 1972 einen Marktanteil von 56 %) und den ersten Beteiligten dämmerte, dass die Sache mit den Apfelsorten aus dem Ruder gelaufen war. Seitdem dreht sich das Bild, erst langsam und in letzter Zeit zunehmend schneller, die alten Apfelsorten werden wiederentdeckt.

Krankheiten

Äpfel In Bezug auf die Anfälligkeit oder Empfindlichkeit der Goldparmäne werden Sie ganz viele unterschiedliche Befunde lesen. Mal soll die Goldparmäne anfällig für Glasigkeit und Stippe, Apfelwickler und Schorf sein. Mal wird sie als kaum anfällig für Schorf oder Mehltau beschrieben, aber Befall mit Feuerbrand (meldepflichtige Krankheit) und Blutläusen wird als wahrscheinlich dargestellt. Dann wieder sind nicht nur Schorf, Mehltau, Läuse, sondern auf schweren Böden auch noch Krebs und Spitzendürre dabei …

Gewöhnlich tauchen all diese Anfälligkeiten in Artikeln auf, die ohne Begründungen auskommen, keywordgespickte Kurzartikel, die Ihnen nicht die Chance geben, den Hintergrund dieser unterschiedlichen Ansichten zu erkennen: Die beliebte Goldparmäne wurde lange Zeit im Erwerbsanbau getestet und war für den einfach zu kompliziert. Wer zu kompliziert ist, wird nicht richtig gepflegt, ein nicht korrekt gepflegter Baum ist eigentlich gegen alles anfällig. Wenn die Fakten über den Apfel aus einer der zahlreichen im Internet verfügbaren Informationen für gewerbliche Obstbauer übernommen wurde, steht die Goldparmäne schlecht da … Die keywordgespickten Kurzartikel wandern im Zug der Google-Qualitätsoffensive unaufhaltsam ab ins Suchmaschinen-Nirwana, und die Goldparmäne erobert unaufhaltsam und ziemlich gesund (wieder) die Hausgärten.

Mit echter Pflege statt Chemiedusche benimmt sich die Goldparmäne wie ein gewöhnlicher Apfelbaum. Ein gewöhnlicher Apfelbaum kann unter ungünstigen Umständen krank werden; und dann sind es bei jeder Sorte bestimmte Krankheiten, die sich zuerst ansiedeln, gegen die die Sorte eben anfällig ist. Bei der Goldparmäne bleibt überschlagsmäßig Anfälligkeit für Glasigkeit und Stippe und Läuse; vor all den anderen genannten Krankheiten ist die Goldparmäne auch nicht immer und unbedingt gefeit. Aber sie muss diese Krankheiten nicht unbedingt bekommen, und sie wird sie in einem gesunden Umfeld nicht in einem Ausmaß bekommen, der Sie als Hausgärtner stören muss.

Glasigkeit, Stippe und Läuse wurden überhaupt erst durch den intensiven Obstbau zu Krankheiten. Glasigkeit und Stippe sind Stoffwechselkrankheiten, die glasige oder braune Stellen verursachen, Läuse sind überall um uns herum und sollen da auch sein, weil sie zur allgemeinen Verwertungsskette gehören. Eine gesunde Goldparmäne überlebt das alles spielend, die Äpfel können gegessen werden, früher war auch ein Schorffleck auf der Schale kein Drama. Wenn Sie zu einem entspannten Umgang mit harmlosen „Krankheiten“ und „Schädlingen“ zurückfinden, bleibt genug Aufmerksamkeit für wirklich bedrohliche Krankheiten, die Ihnen bei der Goldparmäne im Hausgarten eher nicht unterkommen werden.

Die Erfahrungsberichte über Goldparmänen im Garten fallen auf jeden Fall durchweg ziemlich positiv aus, nur die Ernte der köstlichen Äpfel könnte um ein Vielfaches reichlicher ausfallen. Die Erfahrung lehrt aber auch, dass die Goldparmäne nur in den besten und fruchtbarsten Böden auf Dauer gute Ernte bringt. In mangelhaften Böden sollen die Früchte mit der Zeit immer kleiner und mickriger werden (wogegen Sie einiges tun können, mit Mulche, Kompost, organischem Dünger).

Fazit: Die Goldparmäne wird schon sehr lange wegen Ihres tollen Geschmacks geschätzt. Sie braucht viel Wärme und eignet sich vor allem für die wärmeren Winterhärtezonen Deutschlands (7a, 7b, 8a). Ob die Goldparmäne aber wirklich so empfindlich ist wie in Anleitungen (zum Erwerbsobstbau?) häufig zu lesen ist, sollten versierte Hobbygärtner unbedingt selbst ausprobieren. Immerhin wird die Goldparmäne seit gut 500 Jahren angebaut und könnte auch im Hausgarten ohne viel Aufsehen zufrieden vor sich hin wachsen, wenn sie anstatt Pestiziden normale Pflege bekommt.