Glockenblume

Die Glockenblume (Campanula) ist eine in ca. 500 verschiedenen Arten existierende Gattung weltweit verbreiteter Wild- und Kulturpflanzen, die wegen ihrer attraktiven, meist glockenförmigen Blüten, ihrer Robustheit und Pflegeleichtigkeit gern in Beeten und Rabatten, aber auch in Steingärten, Pflanzkübeln und Blumenampeln kultiviert wird.

Das äußere Erscheinungsbild der Glockenblume

Glockenblumen sind gekennzeichnet durch ihre fünf an der Basis zusammengewachsenen Kelchblätter und ihre ebenfalls fünf Kronblätter, die zu den typischen „Glocken“ verwachsen sind. Die meisten Glockenblumen blühen zwei bis drei Monate innerhalb des Zeitraumes von Juni bis September. Die meisten Arten wachsen als polsterbildende oder bodendeckende Stauden. Daneben gilt es auch – besonders unter den Wildformen – viele solitär oder in aufgelockerten Ansiedlungen wachsende Pflanzen. Die Farbe der Blüten reicht häufig von hell- bis dunkelblau. Auch violette Blüten sind in unterschiedlichen Schattierungen weit verbreitet. Daneben gibt es die optisch oft als besonders attraktiv empfundenen weiß-, gelb- und rotblühende Arten. Je nach Sorte beträgt die Wuchshöhe 20 bis 80 cm. Die Glockenblume ist in der Regel ausdauernd, also über mehrere Jahre kultivierbar. Es existieren allerdings auch einige Arten, die nur ein- oder zweijährig sind.

Pflegetipps für Ihre Glockenblumen – Aussaat

Eine Aussaat selbst gezogener oder gekaufter Samen empfiehlt sich im Frühjahr ab Mitte März oder Anfang April. Dabei sollte sichergestellt sein, dass ein sonniger, aber nicht der prallen Sonne ausgesetzter Ort zur Aussaat gewählt wird. Auch muss die Gefahr von Nachtfrösten ausgeschlossen sein. Als Substrat eignet sich aufgelockertes, humoses Erdreich. Die Saat muss je nach Art entweder nur leicht vom Erdreich bedeckt sein oder etwa 3 bis 5 cm tief in den Boden eingebracht werden. Ein spezielles Substrat ist nicht erforderlich. Regelmäßiges Gießen ist in der ersten Phase nach der Aussaat unerlässlich. Häufigkeit und Intensität der Wasserzufuhr sollten dem Umfang der natürlichen Beregnung angepasst werden. Ein Düngen der Aussaat ist erst ratsam, wenn bereits angewurzelte Pflanzen vorhanden sind.

Pflanzen

GlockenblumeDas Pflanzen bereits komplett bewurzelter Blumen sollte gleichfalls im Frühjahr, jedoch nicht vor Mitte bis Ende März, stattfinden. Dabei ist es empfehlenswert, die Anpflanzung auf durchlässigem, humosem Boden vorzunehmen. Hier empfiehlt es sich, die Pflanze mit dem Wurzelwerk so in das Erdreich einzufügen, dass sich die Wurzeln mindestens 2 bis 3 cm tief im Erdreich befinden. Oberhalb der Wurzeln sollte das Erdreich leicht angedrückt werden. In der ersten Zeit nach der Anpflanzung muss eine regelmäßige Wasserzufuhr stattfinden. Je nach Fortschritt des Wachstums kann eine Düngung mit handelsüblichem Flüssigdünger angeraten sein.

Vermehrung

Je nach Art kann die Glockenblume durch Samen oder Teilung vermehrt werden. Auch eine Vermehrung mit Stecklingen ist bei den meisten Arten möglich, erweist sich jedoch manchmal als nicht einfach. Soll eine Vermehrung durch Samen erfolgen, muss der Samen je nach Art entweder vollständig mit Erdreich bedeckt werden (Dunkelkeimer) oder aber nur leicht auf dem Erdreich angedrückt bleiben (Lichtkeimer). In der ersten Phase benötigen die Sämlinge eher kühle Temperaturen. Oft ist es günstig, den Aussaattopf für einige Wochen in das Gemüsefach eines Kühlschranks zu stellen. Die Keimung setzt meist erst ein, wenn die Aussaat im Topf wieder in eine wärmere Umgebung gelangt. Je nach Art ist es empfehlenswert, Anzucht- oder Kakteenerde zu verwenden. Wenn die Sämlinge 3 bis 5 cm hoch sind, vertragen sie einen besonnten Platz ohne zu massive Mittagssonne. Die Erde sollte gleichmäßig feucht gehalten werden. Eine Durchnässung des Erdreichs ist zu vermeiden.

Umtopfen

Ein Umtopfen der Glockenblume ist von Frühjahr bis Herbst unproblematisch möglich. Je nachdem, ob mit dem Umtopfen zugleich eine Vermehrung durch Teilung (Pikieren) verbunden ist, kann man die Pflanze insgesamt oder den zur Vermehrung abgetrennten Teil in ein neues Pflanzgefäß setzen. Dabei ist stets darauf zu achten, dass sich das Gieß- und Düngeverhalten in der neuen Umgebung nicht abrupt ändert und auch die Temperaturbedingungen gleich bleiben.

Pflege

Die Glockenblume stellt zumeist keine hohen Anforderungen an ihre Pflege. Meist reicht es aus, vertrocknete Triebe zu beseitigen und einen Rückschnitt extrem stark gewachsener Bereiche vorzunehmen. Bei einer hochwüchsigen Glockenblume kann es erforderlich sein, eine Fixierung oder Stützung mittels eines Pflanzstabs vorzunehmen.

Gießen
GlockenblumeBesonders in der Wachstumsperiode von Frühjahr bis Herbst ist auf ein regelmäßiges Gießen zu achten, das allerdings maßvoll ausfallen sollte. Besonders der Wurzelbereich darf wegen sonst entstehender Fäule nicht ständig überschüssigem Wasser ausgesetzt sein.

Düngen
Düngen ist erst nach Ende der Anzuchtphase ratsam. Je nach Art der Glockenblume empfiehlt es sich, die ausgewachsene Pflanze in der Vegetationszeit zu düngen, wobei handelsüblicher Flüssigdünger ausreicht. In der Blütezeit schafft der Einsatz speziellen Blühdüngers oft ein volleres Blütenbild und eine verlängerte Blühdauer. Ansonsten liefert auch ein für Blühpflanzen geeigneter mineralischer Langzeitdünger gute Ergebnisse.

Standort
Die Glockenblume eignet sich – je nach Art – als Garten- und Rabattenpflanze. Hier ist auf einen sonnigen bis halbschattigen Standort zu achten. Viele Arten bevorzugen lehmarmen, aufgelockerten und humosen Boden. Befindet sich die Glockenblume ist einem Pflanzkübel oder einer Blumenampel, sollte auf eine entsprechende Qualität des Substrats geachtet werden. Häufig eignet sich die Glockenblume für die Verwendung in einem Steingarten oder als Einfassung von Gartenobjekten aus Kunst- oder Naturstein. Hier sollte eine Art gewählt werden, die die Hitzeabstahlung des Steins im Sommer gut verträgt. Einige Arten von Glockenblumen, etwa die auch als Wald-Glockenblume bekannte Pfirsichblättrige Glockenblume, schätzen eine eher schattige Umgebung. Hier muss vermieden werden, dass die Pflanze einen ständig besonnten oder gar der Mittagshitze ausgesetzten Standort erhält.

Schneiden
Die Glockenblume bedarf aus biologischen Gründen keines Rückschnitts. Es reicht aus, abgestorbene Pflanzenteile regelmäßig zu entfernen und überschüssigen Wuchs an beengten Standorten zu beseitigen. Hier ist oft eine Teilung der Pflanze die beste Wahl. Soll aus optischen Gründen ein Beschneiden einer staudenförmig wachsenden Glockenblume stattfinden, ist dies entweder im zeitigen Frühjahr oder im späten Herbst vorzunehmen.

Überwintern
Im Garten ausgepflanzte Glockenblumen überwintern an ihrem Standort und treiben – wenn es sich um eine dauerhafte Art handelt – in der neuen Vegetationsperiode ohne fremdes Zutun wieder aus. Befindet sich die Glockenblume in einem Pflanzgefäß, kann dieses ohne Bedenken in ein Gebäude gestellt oder gehängt werden. Es sollte dabei beachtet werden, dass der Überwinterungsraum möglichst dunkel und nicht zu feucht ist. Die Raumtemperatur sollte 10 Grad C nicht überschreiten.

Krankheiten

GlockenblumeGlockenblumen werden gelegentlich von der Blattfleckenkrankheit oder vom Mosaikvirus befallen. Oft genügt bereits eine Optimierung des Gieß- und Düngeverhaltens, um kurzfristig eine Besserung zu bewirken. Beim oft hartnäckigen Mosaikvirus muss gelegentlich mit Bekämpfungsmitteln auf biologischer Basis nachgeholfen werden. Nicht selten erfolgt ein Befall mit Grauschimmel, einer Pilzkrankheit, die mit einem passenden Fungizid zu bekämpfen ist. Manchmal reicht es allerdings schon aus, den Wassergehalt der Topferde zu reduzieren und die Luftfeuchtigkeit in der Umgebung zu senken.

Schädlinge

Einige Arten der Glockenblume sind Schmier- oder Wollläusen ausgesetzt, die an ihrem dichten, weißen Gespinst zu erkennen sind. Auch die Rote Spinne kann anhand ihres Gespinsts und der von ihr an den Blättern verursachten hellgelben bis weißen Flecken leicht identifiziert werden. Auch Thripse (Fransenflügler) sind manchmal ein Problem, wenn sie sich auf beiden Seiten meist junger Blätter festsetzen. Gegen alle diese Schädlinge hilft manchmal schon ein kontinuierliches Bespritzen der Pflanze mit Wasser. Ansonsten ist eine spezifische Bekämpfung mit Insektiziden auf biologischer Basis anzuraten.

Die Giftigkeit der Glockenblume

Über die Frage, ob Glockenblumen giftig sind, existiert eine lebhafte Diskussion. Dabei wird von „giftig“ bis „vermutlich ungiftig“ jeder Standpunkt vertreten. So lange kein wissenschaftlicher Nachweis vorliegt, sollte jedenfalls vorsorglich ein Kontakt von Kindern, Kleintieren und Katzen insbesondere mit der Pflanzenmilch. den Blättern und dem Samen vermieden werden.

Die Arten der Glockenblume

Von den etwa 500 existierenden Arten der Glockenblume werden ca. 30 besonders häufig in Mitteleuropa kultiviert. Optisch besonders attraktiv und gut zur Kultivierung im Garten geeignet sind beispielsweise die folgenden Arten:

  • Die Marien-Glockenblume (Campanula medium) – Sie wächst als buschige Staude und kann eine Höhe von 60 bis 90 cm erreichen. Auffällig sind ihre großen, glockenförmigen Blüten an relativ langen Stängeln, die gegebenenfalls gestützt werden sollten. Die Blüten sind oft in Pastelltönen wie hellblau, rosa und hellviolett gehalten. Auch tiefblaue und weiße Blüten sind häufig.
  • GlockenblumeDie Knäuel-Glockenblume (Campanula glomerata) – Sie wächst polsterförmig dicht an kurzen Stängeln. In den Monaten Mai und Juni entwickelt sie meist dunkelviolette, glockenförmige Blüten. Die Belaubung ist lanzettartig, matt und meist fein behaart. Sie liebt einen sonnigen Standort und aufgelockertes, humoses Erdreich.
  • Die Pfirsichblättirige Glockenblume (Campanula persicifolia) – Sie entwickelt im Juni und Juli zahlreiche leuchtend blaue bis violette Blüten. Da diese relativ hochständig sind, eignet sie sich besonders als Rabattenpflanze.
  • Die Hängepolster-Glockenblume (Campanula poscharskyana) – Sie wächst bevorzugt an schattigen Plätzen als kissenartige Staude. Dadurch eignet sie sich besonders als Bodendecker im Garten, aber auch als Umrandung für Mauern, Fugen und Platten. Im Juni und Juli bekommt sie kleine, dichtwachsende Blüten, deren Farbspektrum von hell- bis dunkelviolett reicht.
  • Die Stern-Glockenblume (Campanula isophylla) – Hierbei handelt es sich um eine pflegeleichte Blütenstaude mit dünnen, hängenden Trieben. die bis zu 35 cm lang sein können. Im Juni und Juli bildet sie zu ihren kleinen, herzförmigen Blättern meist hellblaue, sternartige Blüten in deutlicher Glockenform aus. Es gibt auch eine weißblühende Variante (Campanula alba).

Neben diesen weit verbreiteten Arten existieren Glockenblumen in zahlreichen weiteren, meist leicht kultivier- und vermehrbaren Varianten mit unterschiedlichen Blütenständen und Farben. Besonders interessant sind dabei folgende Arten:

  • Alpen-Glockenblumen (hellblaue Blüten);
  • Bart-Glockenblumen (hellblaue Blüten);
  • Borstige Glockenblumen (hell- bis mittelblaue Blüten;
  • Breitblättrige Glockenblumen (intensiv-blaue Blüten);
  • Einblütige Glockenblumen (mittel- bis dunkelblaue Blüten);
  • Jerusalem-Glockenblumen (mittelblaue Blüten);
  • Korea-Glockenblumen (weiße bis hellblaue Blüten);
  • Nesselblättrige Glockenblumen (hellblaue Blüten);
  • Oviedo-Glockenblumen (mittelblaue Blüten);
  • Rapunzel-Glockenblumen (hell- bis mittelblaue Blüten);
  • Sarmatische Glockenblumen (hellblaue Blüten);
  • Schwefel-Glockenblumen (gelbe Blüten);
  • Sibirische Glockenblumen (dunkelblaue bis violette Blüten);
  • Zwerg-Glockenblumen (mittelblaue Blüten;

Fazit
Die Glockenblume ist ein einfach zu kultivierendes, pflegeleichtes Staudengewächs, das in Beet, Rabatte, Steingarten oder Pflanzgefäß an fast allen Standorten sehr gut gedeiht. Die attraktiven Blüten in allen Blau- und Violetttönen, aber auch in weiß, gelb, rosa und rot machen sie zu einem Blickfang in jeder Grünanlage.