Obstfliege

Wenn Sie kein Genetiker, sondern Koch sind, wird Sie dass wenig trösten, wenn gerade vom Küchentisch schwarze Wolken aufsteigen – fürchten müssen Sie sich vor den kleinen Tierchen aber wirklich nicht. Die Lebensmittel, von denen die Wolke aufstieg, können auch durchaus gegessen werden, nur lange warten sollten Sei damit nicht mehr und gründlich abwaschen sollten Sie die Früchte natürlich auch.

So werden die Fruchtfliegen angelockt

Und so kommen sie dorthin: Fliegen haben sehr fein ausgebildete Antennen am Kopf, ausgesprochen leistungsfähige sensorische Werkzeuge, mit denen sie sehr gut riechen können. Sehr sehr gut riechen: Während das „normale Wirbeltier“ (auch der Mensch) Gerüche erkennt, indem ein Riechrezeptorprotein in den Riechzellen der Nase Duftstoffmoleküle identifiziert (auch das wurde erst vor kurzem erforscht und brachte dem Forscher-Team 2004 den Medizin-Nobelpreis), dürfen sich die Fruchtfliegen auf zwei Rezeptorproteine verlassen. Und das in einer unglaublich trickreichen Art und Weise: Das zweite Rezeptorprotein erkennt keinen bestimmten Duft, sondern unterstützt einfach nur das spezifische Rezeptorprotein – mit dem Erfolg, dass die Fruchtfliege Duftmoleküle tausendmal besser wahrnehmen kann.

Eine Fruchtfliege riecht also potenzielle Nahrungsquellen in Ihrer Küche etwa 1000 Mal besser als Sie, da findet sich schnell etwas, was den Appetit erregt und die Fliegen zum Einflug veranlasst. Oder Sie importieren Ihre Obstfliegen selbst, mit Ihrem Obst. Wenn sie die Nahrungsquelle erst einmal geortet hat, hat es die Fruchtfliege einfach: Sie gehört als Fliege zu der Gruppe der Zweiflügler, die einfach nur ihren Rüssel gegen das Futter pressen und so organische Substanzen (notfalls mit Speichel verdünnt) aufnehmen können, während die zweite Gruppe der Mücken erst zustechen und dann saugen müssen.

Wie kommen Mengen von Fruchtfliegen in Ihre Küche?

Beeren ziehen Fruchtfliegen anWas die Fruchtfliege in Ihrer Küche findet, dient nicht nur ihr selbst als Nahrung. Auch Fruchtfliegen sind mehr als bedacht darauf, der nächsten Generation ein gutes Lebensumfeld bereitzustellen, und so identifiziert „Mutter Fruchtfliege“ das reife Obst und Gemüse in Ihrer Küche sofort als wunderbar geeigneten Brutplatz. Jede schadhafte Stelle und jeder leicht gelockerte Stielansatz lassen sich hervorragend zur Eiablage nutzen, auch Restmüll mit organischen Belägen und vor allem der Biomüll bieten viele prächtige Brutstätten.

Und dann nimmt eine sehr effektive Fortpflanzung ihren Lauf: Ein einziges Weibchen hat rund 500 Eier in einem organischen Restchen in Ihrer Küche abgelegt, das die Larven nun in etwa 10 bis 14 Tagen bis zur Reife bringt, und nach höchstens zwei Wochen schwärmen nun schon hunderte Fruchtfliegen aus – wenn nur ein Weibchen bei Ihnen eine Brutstätte gefunden hat. Diese 500 wollen sich nun wiederum fortpflanzen, da sie nicht sehr lange leben, möglichst ohne auf lange Reisen zu gehen, wenn sich Brutplätze gleich in Ihrer Küche finden, werden diese also gerne angenommen. Wenn für die Fruchtfliege in Ihrer Küche alles perfekt läuft, könnten das nächste Mal bereits fünfstellige Zahlen schlüpfen …

Fruchtfliegen-Befall vorbeugen

Aus dem gerade Erläuterten ergibt sich zunächst, was Sie alles tun können, um die nicht stimmungsbedingten, sondern wirklich sichtbaren „schwarzen Wolken“ zu verhindern:

  • Lassen Sie keine reifen Früchte oder Gemüse offen in der Küche herumliegen.
  • Vor allem nicht solche Früchte, die „klimakterisch“ genannt werden, also auch nach der Ernte weiter reifen können.
  • Welche Früchte das im einzelnen sind, können Sie im Internet nachlesen, wobei klimakterische Früchte in unterschiedlichem Maß das „Reifegas“ Ethen produzieren.
  • Besonders viel Ethen produzieren z. B. Äpfel, Aprikosen, Bananen, Pfirsiche, Pflaumen und Tomaten.
  • Diese Früchte reagieren meist auch am schnellsten auf das Ethen, das von Nachbarn ausgestoßen wird, sie sollten also nicht nebeneinander liegend aufbewahrt werden.
  • Auch Säfte oder andere appetitliche Flüssigkeiten sollten niemals offen herumstehen.
  • Wischen Sie auf, wenn Sie eine Flüssigkeit verschüttet haben, sofort!
  • Weiter gehört zur Vorbeugung, besonders im Sommer den Abfall wirklich häufig zur Tonne zu bringen.
  • Außerdem kann gründliches Lüften helfen, die gärenden Gase und duftenden Lockstoffe außerhalb der Küche zu verteilen.
  • Besondere Vorsicht ist angesagt, wenn Sie selbst Früchte einmachen oder Liköre o. ä. herstellen.
  • Dann sollten Sie vor der Arbeit an den Früchten den Raum mit engmaschigen Fliegennetzen sichern.
  • Alle Reste sollten sofort außerhalb entsorgt werden, und die fertigen Produkte sollten sorgfältig auf dichten Verschluss geprüft werden.

TomatenAus dem oben Beschriebenen ergibt sich aber auch, das es Ihnen wohl kaum gelingen wird, über den ganzen Sommer hinweg jede Attraktionsquelle für Obstfliegen sofort zu eliminieren. Wenn man sich vorstellt, dass eine einzige Kartoffel oder unter den Schrank gerutschte Apfelschale zur Brutstätte von Generationen von Essigfliegen werden kann … Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass sich auch ein vorbildlich hygienisch arbeitender Mensch einmal mit der Bekämpfung von Fruchtfliegen beschäftigen muss:

Fruchtfliegen bekämpfen

Die oben dargelegte Erforschung der Riechfähigkeit von Fruchtfliegen könnte in näherer Zukunft dazu führen, dass wirksame Sprays gegen Obstfliegen entwickelt werden können, die z. B. das unspezifische Rezeptorprotein ausschalten, dann könnten die Fruchtfliegen nicht mehr besser riechen als wir und finden nicht in Ihre Küche, sondern gerade einmal die nächste Blume. Da das aber leider noch ein wenig dauern wird, müssen Sie zu den herkömmlich empfohlenen Mitteln greifen:

  • Verschiedene Flüssigkeiten haben sich als hilfreich im Kampf gegen die Essigfliegen erwiesen:
  • Der Klassiker ist auch wirklich ein Glas mit einem Gemisch aus Essig und Wasser, dem der „Kampferfahrene“ noch einen Tropfen Spüli zugibt.
  • Der Essig lockt die Essigfliegen an, und das Spüli vermindert die Oberflächenspannung des Wassers, wenn die Fliegen mit dem Wasser in Kontakt kommen, ertrinken sie.
  • Ähnliche Lockdienste sollen Gebissreiniger oder Zahnspangenreiniger leisten, eine Tablette in einem Glas Wasser aufgelöst.
  • Auch auf Zitronensaft sollen die Essigfliegen „fliegen“, und Sie sorgen damit auch gleich für einen angenehmen Duft in der Küche.
  • Die auch Gärfliegen genannten Tierchen sollen auch auf Whisky, Rotwein und süße Liköre stehen – ein kleines Glas mit durchlöchertem Deckel (Folie) reicht als preisgünstige Falle.
  • Die gute alte Klebe-Fliegenfalle fängt auch die Mostfliegen ein, es gibt mittlerweile auch unauffällige Bänder für die Wandbefestigung zu kaufen.
  • Auch eine klebrige Mottenfalle soll zur Fruchtfliegenfalle werden, wenn Sie ein Stück Obst daran befestigen.
  • Die Sache mit der enormen Geruchsbegabung der kleinen Fliegen können Sie natürlich auch umdrehen, mit Düften, die die Tierchen nicht mögen, als Abschreckung:
  • So wird von Erfahrungen mit getrocknetem Heiligenkraut (Santolina) berichtet, dem die Obstfliegen aus dem Weg gehen sollen, wenn ein Sträußchen in die Küche gehängt wird.
  • Auch Zwiebeln sollen die Essigfliegen angeblich „nicht riechen“ können, aber wohl nur frische, verfaulte Zwiebeln sollen Obstfliegen eher anlocken.
  • Eine halbierte Zitrone, die mit Gewürznelken „gespickt“ wird, soll ebenfalls ein leistungsfähiger Fliegenschreck für die Obstschale sein.
  • Sammeln Sie im Herbst reichlich Kastanien – die sollen Obstfliegen auch nicht riechen können, vielleicht wirken die Düfte einer angebohrten Kastanie noch im nächsten Sommer.
  • Sie könnten sich auch ein Fettkraut kaufen, eine pflegeleichte und dekorativ blühende, aber fleischfressende Pflanze, die Fruchtfliegen köstlich findet.

Neben diesen jeweils gesondert anzufertigenden oder mit Einkäufen verbundenen „Rezepten“ gibt es viele schnelle Alltagsreaktionen, die aus den Tipps abgeleitet werden können: Das leere Gurkenglas bekommt ein paar Löcher in den Deckel gepiekt und wird mit seinem restlichen Gurkenwasser zur schnellen Obstfliegenfalle, die unausgewaschene Pfirsichdose mit durchlöcherter Küchenfolie darüber auch, und wenn Sie nach dem Urlaub von einem gut entwickelten Fruchtfliegengeschwader empfangen werden, können Sie auch einfach zum Staubsauger greifen.

„Verkleidete“ Fruchtfliegen?

Wenn Sie auf der Erde Ihrer Zimmerpflanzen kleine fliegende Tiere entdecken, könnte es sich um Fruchtfliegen handeln. Auch in der Blumenerde gärt es nämlich gerne einmal, z. B. wenn Sie ein wenig zu häufig gießen und dabei Pflanzenreste auf der Erde befeuchten.

Es könnte sich aber auch um die „Weiße Fliegen“ genannten Mottenschildläuse handeln, die man durchaus mit Obstfliegen verwechseln kann. Sogar in der Küche – Weiße Fliegen bevölkern durchaus den einen oder anderen Basilikum oder Grünkohl. Gegen diese Tierchen brauchen Sie schärfere Waffen als die oben aufgeführten, sie werden mit Spritzmitteln oder biologischer Schädlingsbekämpfung eliminiert.

Vielleicht handelt es sich auch um Trauermücken, die sehen den Fruchtfliegen noch ähnlicher. Trauermücken legen ihre Eier auch in feuchter, nicht faulender Blumenerde ab. Gegen eine Trauermücken-Kultur auf feuchter Blumenerde sollen Streichhölzer helfen, die kopfüber in die Erde gesteckt werden und dort Schwefel-Bestandteile verbreiten, das soll die Larven töten und erwachsene Trauermücken abhalten. Trauermücken können aber auch durch die im Handel vertriebenen Gelbsticker bekämpft werden, von denen sie angelockt werden und an denen sie kleben bleiben.

Eine Schicht von feinem Vogelsand, die auf die Blumenerde gestreut wird, soll übrigens verhindern, dass irgendeine Fliegenart auf der Erde ihre Eier ablegt.

Fazit

Fruchtfliegen sind lästig, aber wirklich harmlos, und wenn Sie eine Weile darauf achten, wirklich nirgends mehr Obst- und Gemüsereste herumliegen zu haben, hat sich das Problem meist auch sehr schnell erledigt. Wenn nicht, waren Sie nicht konsequent genug, was gerade bei den ersten Erfahrungen mit Fruchtfliegen fast zwangsläufig der Fall sein wird – kein Mensch macht sich anfangs so richtig bewusst, wie wenig organisches Gammelmaterial ausreicht, um einer Obstfliegengeneration eine üppige Kinderstube zu bieten.