Frauenmantel

Der Frauenmantel ist allenfalls als unscheinbares Heilkraut bekannt, mit dem Frauen alles mögliche kurieren können. Damit wird die ziemlich hübsche und auch für gesundheitsbewusste Männer interessante Pflanze gründlich unterschätzt. Eine ganze Gattung Frauenmäntel wartet darauf, als blühende Blattschmuckpflanze viele Standorte im Garten zu verschönern und Ihnen durch eine dichte Bodendecke das Jäten zu ersparen, im Staudenbeet, zwischen den Rosen oder im Steingarten.

Standort

EINEN Standort für den Frauenmantel gibt es nicht, es gibt nämlich nicht nur einen Frauenmantel.

Frauenmantel kann als Blattschmuckstaude auf jeder Freifläche mit Wildstauden-Charakter eingesetzt werden, am Gehölzrand und im Steingarten – unten bei Arten und Sorten werden Sie die vielen Frauenmäntel kennenlernen, die sich in unserem Klima wohlfühlen.

Darunter sind sehr zierliche Frauenmäntel, mittelhohe, krautige Stauden und ziemlich hochwüchsige, einen strauchartigen Charakter entfaltende Stauden. Es gibt Alchemillas, die eher Sonne und Wärme gewohnt sind, und Frauenmäntel, die noch ziemlich hoch im Norden gedeihen – die meisten sind ohnehin so anspruchslos, dass sie einen sonnigen Standort genießen, aber auch mit einem absonnigen Standort noch klarkommen. Ein Frauenmantel kann also recht viele Gartenareale bereichern, ist für jeden Standort in passender Höhe verfügbar und kommt auch mit jedem normalen Gartenboden zurecht.

Die Blattschmuckstaude entwickelt in jeder Variante dekoratives Blattwerk, mal kleinere und mal größere Rosetten aus fünf bis neun lanzenförmigen Teilblättern, die sich zu einer Art Trichter zusammenfalten können, um Wasser zu sammeln. Wenn es dem Frauenmantel zu feucht wird, gibt er Wasser von sich, er hat an den Zähnchen seiner Blattränder sogenannte Hydathoden, Wasserdrüsen.

Frauenmantel PflanzeIn beiden Fällen profitieren Insekten von der kleinen Tränke (auch bei hoher Luftfeuchte können Insekten dursten, wenn alles Wasser als Dampf in der Luft hängt). Auf de.wikipedia.org/wiki/Datei:Frauenmantel_-_Detail.jpg können Sie den „die Wasserverarbeitungsmaschine Frauenmantel-Blatt“ im Detail betrachten. Die Alchemilla erfrischt Insekten aber nicht nur, sondern lockt sie auch mit Duft (nicht unbedingt für Menschennasen, wird als käse- o. pferdeapfelähnlich beschrieben) an die Blüten und die Bestäubungsarbeit.

Alchemilla hat aber nicht nur schöne be- und entwässernde Blätter und weitere Insektenattraktionen zu bieten, sondern verwöhnt uns auch mit vielen kleinen gelben Blüten. Das über eine lange Zeit, zwischen Mai und September, und je nach Sorte in anderen Farbnuancen, von fast hellgrün über blassgelb bis hin zu leuchtendem Goldgelb.

Aussäen oder Pflanzen

Wie Sie möchten, beides ist unproblematisch.

Beides ist auch unproblematisch zu bekommen, seit das „Frauenkraut“ in der Naturheilkunde von sich reden macht. Bei Bio-Samenhändlern bekommen Sie unbehandelte Samen, bei jeder gut sortierten Stauden-Gärtnerei Alchemilla in mehreren Sorten als Jungpflanzen.

Die Samen können im Frühjahr direkt ins Beet gesät werden, sobald keine ernsthaften Fröste mehr zu befürchten sind. Die Lichtkeimer werden oberflächlich verstreut und nur etwas eingeharkt, damit sie beim nächsten Windhauch nicht wegfliegen.

Von befreundeten Gärtnern selbst gesammelte Samen müssen vor der Aussaat ggf. im Kühlschrank einer Kältebehandlung ausgesetzt werden, Alchemillas sind Frostkeimer.

Frauenmantel in der freien Natur abholen

Frauenmantel ist in der freien Natur so häufig, dass Sie sich auch direkt dort bedienen können und dürfen (aber bitte immer nur einen Nachkömmling aus einem Bestand entnehmen). Wenn Sie die förderlichen Wirkungen des Frauenmantels auf alle möglichen Kreisläufe des menschlichen Körpers nutzen möchten, vielleicht keine schlechte Idee: Der Frauenmantel, der in Ihrer Region wächst, hat sich an diese angepasst, und wenn Sie ihn nicht gerade neben der Autobahn aufsammeln, in einem Umfeld mit purer Natur, bekommen Sie Bio-Frauenmantel.

Ziemlich sicher den Gewöhnlichen Frauenmantel, wenn Sie in Deutschland unterwegs sind, in der genetischen Variante, die in Ihrer Heimat ausgebildet wurde. Frauenmäntel variieren je nach Standort sehr stark, sind mehr oder weniger behaart, mit halbkreisförmig abgerundeten oder dreieckig zulaufenden Blättern. Wenn diese Veränderungen in der Genetik auch die Inhaltsstoffe erfasst, bekämen Sie den Cocktail, der speziell für Ihren Wohnort entwickelt wurde, kann ja nicht schlecht sein.

Aus der Suche nach Frauenmänteln werden Sie feststellen, dass diese Pflanzen guten Geschmack und Sinn für Romantik haben – Frauenmantel wächst mit Vorliebe an besonders idyllischen Plätzchen, die von allen möglichen Pflanzen reich bewachsen werden. Also dort, „wo die Natur noch in Ordnung ist“, wo Alchemilla einen guten humosen Boden findet, der Wasser gut aufnehmen kann, aber nicht bei jedem Regen zum Sumpf wird.

Wenn Sie gleich noch ein paar Kräuter sammeln möchten: Oft ist der Frauenmantel in Gesellschaft von Gänseblümchen und Schafgarben anzutreffen, fast immer wächst Bachnelkenwurz in der Nähe, und auf dem üblicherweise gehaltvollen Boden eines lichten Lärchenwaldes sollen sich die Alchemilla auch gerne und häufit ansiedeln.

Pflegeleichte Alchemilla

Auch im Garten möchten die Alchemillas nach dem Aufgehen/Pflanzen immer gleichmäßig und gut mit Wasser versorgt werden, ohne in Staunässe baden zu müssen.

Alchemilla BlattMehr brauchen Sie in der Regel nicht, auch keinen Dünger, falls der Boden nicht vollkommen nährstofffrei ist, wird Alchemilla wachsen.

Sie können Frauenmäntel ganz im Gegenteil dazu einsetzen, überdüngte Flächen abzumagern, weil sie den überreichlich zur Verfügung stehenden Stickstoff aus dem Boden ziehen und verwerten.

Alchemilla macht sich nützlich

Nicht nur überdüngte Flächen profitieren von einer Besetzung mit Frauenmantel. Die Alchemilla kann Ihnen auch das Unkraut jäten ersparen, wenn Sie sie als Bodendecker auf Flächen mit reichem Wildwuchs einsetzen. Wenn der Standort ihm zusagt, bildet der Frauenmantel einen dichten Bewuchs, der kein anderes Wildkraut gedeihen lässt.

So ist Frauenmantel nicht nur eine gute Begleitpflanze für Solitärstauden wie Bergenien, Farne, Funkien, Gräser, Taglilien und Wollziest, sondern auch für Rosen, die den gleichen humosen Boden in einer sonnigen bis halbschattigen Lage lieben wie die Alchemilla.

Schneiden

Sie müssen einen Frauenmantel nicht schneiden, aber meistens empfiehlt es sich.

Denn in den meisten Beetgemeinschaften sollen auch andere Jungpflanzen eine Chance bekommen, der Frauenmantel sollte sich also nicht ungebremst aussamen können. Deshalb sollten Sie den Frauenmantel nach der ersten Blüte bodennah abschneiden.

Das bringt auch den Vorteil, dass die Pflanze noch einmal frische Blätter austreibt, wieder richtig schön ordentlich aussieht und meist auch noch ein paar neue Blüten entwickelt.

Vermehrung

An Standorten, die ihr zusagen, samt sich Alchemilla ganz von alleine aus, eher zu reichlich als zu wenig.

Manche Arten bildet horizontal im Boden kriechende Wurzeln aus, die sich zu den Seiten hin verbreiten und gelegentlich eine kleine Pflanze nach oben schicken. Diese Ableger können Sie an andere Stellen im Garten versetzen.

Überwintern

Viele Alchemilla-Arten sind bei uns unkritisch winterfest, die alpinen Arten überwintern sogar häufig im vollen Blattschmuck und blühen in milden Wintern, die kaukasischen Arten können bereits im Januar neue Blätter austreiben.

Andere Arten sind etwas weiter südlich beheimatet und nehmen gerne eine dicke Kompostdecke als Winterschutz an; wer was braucht, sollte beim Kauf erfragt werden.

Endlich einmal eine einheimische Wunderpflanze

Frauenmantel in der WieseNichts gegen Jiaogulan, Teebaum und Moringa, nur die bekannteren Beispiele fremdländischer Wunderpflanzen, die fortlaufend unseren Markt erreichen – es ist sicher zu begrüßen, wenn jede wohltuende Wirkung exotischer Wellness-Pflanzen auch hierzulande getestet werden kann.

Aber dieser Test scheitert meist gerade bei den gestressten Menschen, die die ausgleichenden Wirkungen von Wunderpflanzen am nötigsten hätten. Die haben einfach keine Zeit, um sich mit den Kulturbedingungen fremder Gäste zu beschäftigen bzw. eigentlich gar keine Zeit, sich um irgendwelche Pflanzen zu kümmern.

Diese Menschen haben es mit dem einheimischen Frauenmantel einfacher, zu gesundem bzw. wohltuenden Teegenuss zu kommen. Frauenmantel wurde schon in der Antike als Heilmittel verabreicht, für alle die Regulation des weiblichen Zyklus und Hormonhaushalts, aber auch für alle möglichen anderen Ausgleichszwecke. Frauenmantel enthält Gerbstoff, blutreinigendes Tannin, und Bitterstoffe, die gut für die Verdauung sind. Seine Phytosterine sollen Cholesterin senken, nur das “schlechte LDL-Cholesterin“, seine Saponine sollen harntreibend wirken und die Aufnahme anderer sekundärer Pflanzenstoffe begünstigen, andere Inhaltsstoffe sollen das Herz stärken und die Wundheilung befördern.

Eingenommen wird Frauenmantel als Tee aus dem (getrockneten) Kraut, den Blättern mit den Stielen, aber natürlich erst nach Rücksprache mit einem (naturheilkundigen) Arzt.

Arten und Sorten

Der Frauenmantel hat etwa 70 umgangssprachliche Namen, was schon dafür spricht, dass er ziemlich weit verbreitet ist. Tatsächlich gibt es Alchemistenkraut oder Herrgottsmäntelchen, Tränenschön oder Silberkraut in Europa, Asien und Afrika; er bildet eine ganze Pflanzengattung in der Familie der Rosengewächse. Insgesamt mit stattlichen 1.000 Arten, „nur“ 300 davon sind in Europa heimisch, und eine ganze Menge davon werden kultiviert, zum Beispiel:

  • Alpen-Frauenmantel (Alchemilla alpina): Auch Alpen-Silbermantel, heimische polsterbildende Staude, wird ca. 15 cm hoch, gelbgrüne Blüten von Juni bis August, für sonnige bis halbschattige Standorte im Steingarten
  • Gewöhnlicher Frauenmantel (Alchemilla xantochlora oder vulgaris): Die ursprüngliche Staude mit Wuchshöhen bis 50 cm, selbstaussamend
  • Goldschlag-Frauenmantel (Alchemilla sericata ‚Gold Strike‘): Höhe um 35 cm, leuchtend gelbgrüne Blüten Juni bis August, Rückschnitt vor der Samenreife oder nach Blüte
  • Großblättriger Frauenmantel (Alchemilla mollis): Wird bis 50 cm hoch, eifriger Selbstaussamer, der etwas Kontrolle braucht
  • Kaukasischer Frauenmantel (Alchemilla caucasica): Kissenartig wachsender kleiner Frauenmantel, der am Gehölzrand dekorative Matten bildet und kaum Pflege braucht
  • Kerners Frauenmantel (Alchemilla kerneri): Steht in Bayern auf der Roten Liste, Anpflanzung im Garten sicher erwünscht, darf aber nicht der Natur entnommen werden
  • Schimmernder Frauenmantel (Alchemilla splendens): Hübsche kleine Steingarten-Staude mit wenig Ansprüchen
  • Zerschlitzter Frauenmantel (Alchemilla fissa): Witzige „Fransen“ an den Blättern, ist aber ziemlich wärmebedürftig
  • Zwerg-Frauenmantel (Alchemilla ellenbeckii): Winzige Staude, die kriechend wächst und von Mai bis Juli ihre gelben Blüten zeigt, braucht im Steingarten wenig Pflege, aber etwas Winterschutz ist empfehlenswert
  • Zwergiger Frauenmantel (Alchemilla erythropoda): Kissenartig wachsende Staude mit ca. 25 cm Höhe und gelbgrünen Blüten im Juni und Juli
  • Zierlicher Frauenmantel (Alchemilla epipsila): Um 30 cm hoch, gelbgrüne Blüte Mai bis Juli, ggf. Rückschnitt vor Samenreife, um Selbstaussaat zu vermeiden, sonst Rückschnitt abgeblühter Blütenstände
  • Verbundener Frauenmantel (Alchemilla conjucta): Ausdrucksstarker Frauenmantel mit dunklen Blättern und fast hellgelben Blüten
  • Graugrüner Frauenmantel (Alchemilla glaucescens): Gelb blühender Frauenmantel mit rundum starker Behaarung
  • Schwachseidiger Frauenmantel (Alchemilla subsericea): Reichblühender Frauenmantel, der mit Wuchshöhe um 25 cm Steingärten ziert, aber Winterschutz braucht

Fazit

Frauenmantel im Garten ist auf jeden Fall ein Gewinn. Auch wenn das Vorhaben mittelalterlicher Alchimisten, den „Sonnentau“ von den Blättern in den Stein der Weisen zu verwandeln (der übrigens auch nur Gold aus Billigmetall machen sollte), eher nicht gelingen wird; auch, wenn Sie nicht vorhaben, Frauenmantel als Kräutertee zu sich zu nehmen. Im Garten macht sich Alchemilla nützlich genug, und seine Zweige schmücken lange Ihre Wohnräume, während er in der in der Vase dekorativ vor sich hin trocknet.