Erdbeeren vermehren

Aus botanischer Sicht sind Erdbeeren keine Beeren, sondern Sammelnussfrüchte, die wiederum zu den Scheinfrüchten gehören. Beim Reifen wird eine fleischige, rote Scheinbeere gebildet, was wir als Erdbeere kennen. Dabei sind die eigentlichen Früchte der Erdbeere die kleinen, gelblichen Kerne auf der Außenhaut der Frucht, die sogenannten Nüsschen. Erdbeeren lassen sich mittels der Samen und über Ausläufer vermehren.

Vermehrung bei den meisten Sorten gleich

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen einmal-, mehrmals- und immer tragenden Erdbeeren, die sich vor allem bei der Erntedauer unterscheiden. Einmal tragende Sorten tragen nicht, wie oft fälschlicherweise vermutet, nur ein einziges Mal in ihrem Pflanzenleben, sondern bei entsprechender Pflege mehrere Jahre hintereinander, aber eben nur einmal pro Jahr, von Ende Mai bis Ende Juni.

Im Gegensatz dazu fruchten dauer- oder mehrmaltragende, sogenannte remontierende Erdbeeren, zweimal im Jahr, im Juni/Juli und ein weiteres Mal im August/September. Immer tragende Sorten, auch bekannt als Monatserdbeeren, tragen unermüdlich von Anfang Juni, durchgehend bis in den Herbst.

In der Regel ist es so, dass Ertrag und Fruchtgröße mit jedem Jahr nachlassen und die Pflanzen nach spätestens 3-4 Jahren komplett erneuert werden sollten. Für Neupflanzungen liefert die Erdbeere das Pflanzgut praktisch frei Haus in Form von Ausläufern. Mit Ausnahme von Monatserdbeeren, die bilden keine Ausläufer und lassen sich ausschließlich über Samen vermehren.

Tipp: Damit die Erdbeeren dauerhaft eine gute Ernte bringen, kann man sie nach der letzten Ernte im Jahr mit dem Rasenmäher radikal herunterschneiden, allerdings ohne dabei die Herzknospen zu verletzen. Das gilt umso mehr für Pflanzen, die von Pilzkrankheiten oder Schädlingen befallen waren.

Erdbeeren über Ausläufer vermehren

Erdbeeren vermehren AusläuferVermehren durch Ableger ist die einfachste und unkomplizierteste Methode. Sie wachsen oberirdisch und werden während und nach der Ernte in den Blattachseln gebildet. Solange die Pflanzen gut tragen, sollte man sie frühzeitig abschneiden. Erst wenn Blüten- und Fruchtbildung nachlassen, sollte man die Ausläufer zur Gewinnung neuer Pflanzen wachsen lassen.
Sie wurzeln und siedeln sich dort an, wo sie Bodenkontakt bekommen. Allerdings sind nicht alle Ausläufer für eine Vermehrung geeignet, sodass man die, mit den besten Eigenschaften und Voraussetzungen aussortiert. Von Pflanzen mit Blattflecken sollten keine Ausläufer genommen werden, hier könnte es sich um eine Pilzerkrankung handeln.

Gewinnung von Ausläufern

  • Ausläufer ausschließlich von ertragsstarken Pflanzen nehmen
  • Erdbeeren, die besonders üppig tragen, am besten markieren
  • später genau von diesen Pflanzen Ausläufer nutzen
  • Pflanzen, die schlecht tragen, bilden vermehrt Ausläufer
  • die sind zur Vermehrung meist ungeeignet
  • wüchsige und ertragreiche Pflanzen bilden erst später und deutlich weniger Ableger
  • ausschließlich gesunde und kräftige Mutterpflanzen wählen
  • Ausläufer auswählen, die kräftig und der Mutterpflanze am nächsten sind
  • deren Blätter sollten gut entwickelt sein
  • nicht zur Vermehrung benötigte Ableger abschneiden
  • sie kosten den Erdbeerpflanzen viel Kraft, die für Blüten- und Fruchtbildung fehlt

Tipp: Möchte man von bestimmten Erdbeeren besonders viele Ausläufer erhalten, schneidet man von diesen Pflanzen, je nachdem wie viele neue Pflanzen man gewinnen möchte, sämtliche Blütentriebe ab. So konzentriert sich die Mutterpflanze nicht mehr auf die Blüten- und Fruchtbildung, sondern die Bildung von Ausläufern.

Ausläufer einpflanzen

Erdbeeren vermehren AusläuferIm Spätsommer:
Sind geeignete Ausläufer gefunden, kann man sie an Ort und Stelle anwachsen und den ganzen Sommer über dort stehen lassen, verbunden mit der Mutterpflanze. Im Spätsommer, wenn sie groß und kräftig genug sind, können sie mit einem scharfen Messer von der Mutterpflanze getrennt, vorsichtig ausgegraben und noch am selben Tag an ihrem Bestimmungsort eingepflanzt werden. Diese Methode hat den Vorteil, dass die Pflanzen im Frühjahr bereits kräftiger und meist auch ertragreicher sind. Spätestens im September sollten alle Jungpflanzen in der Erde sein.

Im Frühjahr:
Des Weiteren besteht die Möglichkeit, die Ausläufer wie erwähnt, zunächst an Ort und Stelle wachsen zu lassen und erst im nächsten Frühjahr von der Mutterpflanze zu trennen und umzupflanzen. Auch wenn diese Pflanzen den Winter über gut versorgt sind, können sie beim Umpflanzen im Frühjahr einen Pflanzschock erleiden, von dem sie sich aber meist wieder erholen.

  • alternativ dazu, Ausläufer den Sommer über in kleinen Töpfen wachsen lassen
  • die bereits angewurzelten Ableger im Frühjahr ausgraben
  • dann direkt neben der Mutterpflanze Löcher graben
  • die sollten groß genug sein, dass ein kleiner Blumentopf hineinpasst
  • Töpfchen in die Erde setzen, ausschließlich unglasierte Tontöpfe
  • mit Erde befüllen und Ableger einsetzen
  • Ableger sind immer noch mit Mutterpflanze verbunden

Bei dieser Methode ist es wichtig, die Ausläufer im Topf ausreichend und regelmäßig zu gießen, sonst können sie sehr schnell vertrocknen. Im Frühjahr werden die Jungpflanzen von der Mutterpflanze abgeschnitten, aus den Töpfen genommen und an ihrem letztendlichen Standort eingepflanzt. Nach dem Pflanzen ist eine intensive Pflege erforderlich.

Tipp: Bei Erdbeeren, die im Frühjahr gepflanzt wurden, ist es ratsam, die ersten Blüten auszubrechen. So haben sie die Möglichkeit ausreichend Wurzeln zu bilden und sich am neuen Standort zu etablieren.

Worauf bei der Pflanzung zu achten ist

  • Erdbeeren vermehren Ausläuferauf einen warmen, sonnigen Standort achten
  • wo in den letzten 5-6 Jahren keine Erdbeeren standen
  • Boden sollte eher leicht und humos sein
  • Mischkultur mit Lauch und Knoblauch empfehlenswert
  • Kohl ist kein guter Nachbar
  • empfehlenswerte Pflanzabstände von 50-60 cm
  • Reihenabstände von etwa 20-30 cm
  • nach der Pflanzung mit Mulch abdecken, idealerweise Stroh
  • Stroh hält den Boden feucht, die Früchte trocken und Schnecken fern
  • Mulch reduziert die Pflege
  • Früchten droht auf feuchtem Boden Grauschimmel
  • Pilzinfektion kann zu Ernteeinbußen führen
  • Pflege nach der Pflanzung umfasst wässern, düngen, Bodenpflege

Annähernd gleiche Vorteile bietet eine Pflanzung mit schwarzer Mulchfolie. Auch sie hält den Boden warm und feucht und kann wesentlich zur Ertragssteigerung beitragen. Man deckt den Pflanzbereich mit dieser Folie ab und bedeckt die Ränder mit Erde. Dann schneidet man pro Pflanze kleine, kreuzförmige Schlitze in die Folie, in die dann die Erdbeerpflanzen eingesetzt werden.

Vermehrung über Samen

Die Vermehrung der Erdbeeren über Samen ist wesentlich langwieriger als über Ableger. Sie lohnt sich vor allem dann, wenn man eine größere Anzahl Pflanzen benötigt. Eine Aussaat bietet sich vorwiegend für Monatserdbeeren an, denn sie bilden keine Ausläufer. Für diese Form der Vermehrung eignen sich besonders die Sorten ‚Rügen‘, ‚Bowlenzauber‘, beide haben ein angenehmes Walderdbeerenaroma sowie die großfruchtige Sorte ‚Fresca‘.

Samen ernten

Erdbeeren vermehren SamenSamen kann man kaufen oder von bestehenden Pflanzen bzw. Früchten selbst ernten. Wie bereits erwähnt, sitzen die Samen außen auf den Früchten. Jede einzelne Erdbeere liefert als sogenannte Sammelfrucht eine Vielzahl kleiner Samen. Sie sollten nur von voll ausgereiften Erdbeeren gewonnen werden. Um sie von der Frucht zu lösen, halbiert man diese zunächst und legt sie zum Trocknen mit der Schnittfläche nach unten auf Zeitungspapier. Oder man steckt sie auf herkömmliche Holzspießchen, so trocknen sie in der Regel schneller.
Nach dem Trocknen sind die Erdbeeren deutlich geschrumpft und haften fest an den Stäbchen. Ein Teil der Nüsschen fällt jetzt von ganz allein ab. Die Restlichen lassen sich leicht lösen, wenn man die Spießchen in eine kleine Schale stellt und die kleinen Körnchen mit einem Tuch von der getrockneten Frucht abreibt. Danach können sie ohne weitere Vorbehandlung ausgesät werden.

Aussaat

Der beste Zeitpunkt für die Aussaat von Erdbeeren ist im zeitigen Frühjahr zwischen Februar und März. Neben Saatgut benötigt man Anzuchtgefäße und handelsübliche Anzuchterde.

  • das Anzuchtgefäß mit Substrat befüllen
  • Samen gleichmäßig darauf verteilen und leicht andrücken
  • nicht mit Erde bedecken, Lichtkeimer
  • Substrat mittels Sprühflasche befeuchten
  • Saat mit lichtdurchlässiger Folie abdecken
  • an einen hellen und warmen Ort, ohne direkte Sonneneinstrahlung stellen
  • Temperaturen idealerweise leicht über 20 Grad
  • erste Keimlinge nach etwa zwei bis sechs Wochen
  • Keimlinge mit mindestens 4-5 Blättern vereinzeln
  • kleine Töpfe zur Hälfte mit leicht gedüngtem Substrat befüllen
  • alternativ mit spezieller Pickiererde
  • in die Mitte eine kleine Mulde drücken
  • in die Mulde je eine Pflanze einsetzen

Erdbeeren vermehren Am besten nimmt man zum Verpflanzen einen Pickiersab zu Hilfe. Dabei sollte man behutsam vorgehen, um die empfindlichen Wurzeln nicht zu verletzen. Nach dem Einpflanzen muss die Herzknospe immer aus dem Substrat herausschauen bzw. über der Erde stehen. Nun müssen die Pflanzen nur noch angegossen und an einen hellen Platz gestellt werden. Die ersten Blüten werden nach etwa 14-15 Wochen und die ersten Früchte nach weiteren vier bis fünf Wochen gebildet.
Fazit
Das Vermehren von Erdbeerpflanzen ist unkompliziert und selbst von Anfängern problemlos durchführbar. Bei einer Ableger-Vermehrung sollte man vor allen auf gesunde und kräftige Mutterpflanzen achten und auch nur die qualitativ hochwertigsten Ableger verwenden. Die Aussaat, insbesondere von immer tragenden Sorten, ist etwas aufwendiger, kann dafür aber wesentlich mehr Jungpflanzen hervorbringen.