Echte Kamille

Die Blüten der echten Kamille eignen sich zum Würzen von Suppen und der Zubereitung von Tees. Die jungen Blätter und Triebe schmecken dagegen leicht herb und etwas süßlich. Die Wurzeln schmecken weder besonders, noch haben sie einen guten Nährwert. Die Ausbreitung erfolgt durch den Mensch oder aber durch Tiere. Die Echte Kamille ist inzwischen in ganz Europa und auch in Nordamerika und Australien zu finden. Ursprünglich stammt sie aus Süd- und Osteuropa. 
Vorsicht: Kamille kann allergische Reaktionen hervorrufen!

Woran erkennt man die Echte Kamille?

Es gibt einige Pflanzen, welche der Echten Kamille sehr ähnlich sehen. Wenn man also sicher gehen will, dass es sich um die echte Heilpflanze handelt, muss man sie genau betrachten.

Merkmale

  • Kräftiger, aromatischer Kamillenduft
  • 15 bis 50 cm hoch, Stängel meist aufrecht, etwas schlaff und reich verzweigt.
  • Blütezeit Mai bis September
  • Zum Ende der Blüte sind die weißen Zungenblüten zurückgeschlagen (hängen nach unten)
  • Der Blütenboden ist bei der Echten Kamille nicht glatt und rund, sondern konisch-kegelförmig und ganz typisch, im Inneren hohl. Bei der Hundskamille, die sehr ähnlich ist, ist der Blütenboden gefüllt.
  • Die Blätter sind in feine lineare Abschnitte gegliedert. Die der Hundskamille sind leicht gezahnt. 

Anbau Echter Kamille

Echte Kamille Kamille wird durch Aussaat angebaut. Wissen muss man, dass es unterschiedliche Samen gibt, je nachdem, woher sie stammen. Es geht nach Bestandteilen im ätherischen Öl der Pflanze. Für den Hobbygärtner ist das aber wahrscheinlich zweitrangig. Samen bekommt man zu kaufen oder man nutzt gesammelte aus der Natur. Die Samen behalten ihre Keimfähigkeit auf Lager bis zu 3 Jahre, im Boden sogar bis zu 15 Jahre.
Wer mag kann die Echte Kamille auch in Gefäßen vorziehen. Eigentlich ist das aber unnötig.

Zeitpunkt der Aussaat

Der Zeitpunkt beeinflusst den Ertrag. Die größte Ernte erreicht man, indem im Herbst mit der Aussaat begonnen wird, also Ende August bis Anfang September. Wenn man früher beginnt, kann es zum frühzeitigen Schossen und dadurch wiederum zur Auswinterungsgefahr kommen. Beim Frühjahrsanbau sind die Erträge in der Regel deutlich niedriger. Allerdings sind die Einzelblüten größer, was auch ein Vorteil ist. Wichtig beim Anbau ist die Entfernung von Unkräutern.

Standort

In der Natur sieht man Kamille an den kärgsten Standorten. Allerdings steht sie meist voll in der Sonne. So stellt die Echte Kamille auch im Garten keine sonderlich hohen Ansprüche an den Standort. Ideal ist die Pflanzung am Beetrand. Die Echte Kamille sammelt Kalk aus der Erde und gibt ihn an benachbarte Pflanzen weiter. Man setzt sie also, wenn man kein separates Beet nutzt, zu Pflanzen, die Kalk benötigen oder wenigstens mögen. Das sind z.B. Kohlsorten, Lauch, Kartoffeln, Radieschen und Sellerie.

  • Warm und mäßig feucht
  • Sonniger Standort
  • Günstig ist ein geschützter Platz
  • Man kann mehrere Jahre hintereinander Echte Kamille im selben Beet oder Kübel anbauen.

Pflanzsubstrat

Echte Kamille Auch hier muss man wieder den Boden in der freien Natur betrachten. Er ist meist nicht von bester Qualität. Im Garten kann man das etwas verbessern. Wichtig ist, dass das Substrat nicht zu nass ist. Dauerhaft nasse Füße werden nicht vertragen. Auch zu sauer darf es nicht sein.

  • Neutrale bis alkalische Böden
  • Sandige Lehmböden
  • Leicht saure bis alkalische Erde
  • Bei zu sauren Boden besteht die Gefahr, dass die Pflanze Schwermetalle wie Cadmium aufnimmt, welches sich in den Stängeln einlagert, aber auch bis in die Blüten gelangen kann.
  • Schwarzerde oder Auböden
  • Auch auf nährstoffarmen Böden

Aussaat

Für die Aussaat ist die Vorbereitung der Aussaatfläche wichtig. Die Erde muss feinkrümelig und frei von Unkräutern sein. Am besten ist, die Oberflächen in Rillen anzulegen. Das verhindert die Windverdriftung.

  • Saatbeet gut vorbereiten
  • Erde mit Kompost anreichern.
  • Reihenabstand – 20 bis 35 cm
  • Nicht mit Erde bedecken – Lichtkeimer
  • Empfehlenswert ist, die Erde anzudrücken. So können die Samen nicht weggeblasen werden.
  • Die Keimung erfolgt nach etwa einer Woche.

Pflege von Echter Kamille

Echte Kamille Die Pflege der Echten Kamille ist unkompliziert. Bei Aussaat im Frühjahr wird die Pflanze nach der Ernte aus dem Boden gezogen oder man lässt sie mit noch einigen Blüten daran stehen, damit man Samen ernten kann. Gießen und Düngen sind kein Problem. Bei Aussaat im Herbst müssen die jungen Pflanzen vor dem Winter abgedeckt werden. Die Rosetten, die sich bis dahin gebildet haben, überstehen den Winter meist problemlos, wenn sie Schutz haben. Schwierig wird es im Frühjahr. Wenn die Pflanze loswächst und es kommt noch einmal Frost, ist das sehr ungünstig.

Gießen und düngen

Kamille wächst in der Natur auf recht nährstoffarmen und trockenen Böden. Auch im Garten sollte man die Pflanzen nicht verhätscheln. Gießen muss man im Freiland nur mäßig. Hier ist trockener Boden deutlich besser als zu feuchter. Die meisten gescheiterten Anbauversuche haben mit zu viel Feuchtigkeit zu tun. Wird die Kamille aber in Gefäßen angebaut, benötigt sie deutlich mehr Wasser.

  • Gießen am besten mit feinem Sprühnebel, bis die Pflänzchen stabil und alt genug sind.
  • Nicht ausspülen!
  • Es werden nicht viele Nährstoffe benötigt.
  • Stickstoff nur sehr sparsam verwenden, da sonst das Kraut übermäßig schießt.
  • Phosphor etwa in gleicher Menge, eher sparsam einsetzen.
  • Wichtig ist Kalium, für eine reiche Blüte.
  • Bei nährstoffreichen Böden kann auf eine Düngung verzichtet werden.

Schneiden

Schneiden muss man nur bei Herbstaussaat. Der Rückschnitt wird mit dem ausklingenden Winter durchgeführt. Sobald der Schutz entfernt wurde, wird geschnitten und zwar leicht kugelig.

Überwintern

Echte Kamille Die Echte Kamille ist winterhart im Rosettenstadium. Allerdings ist die Pflanze beim Austreiben im Frühjahr empfindlich gegenüber Frost. Es bilden sich deutlich weniger Blüten. Am besten ist also, die Pflanzenbasis mit einer Strohschicht zu schützen.

Krankheiten und Schädlinge

Es gibt keine Krankheiten oder Schädlinge, welche die gesamte Ernte bedrohen, aber immer noch genug, dass man mit Einbußen rechnen muss.

  • Falscher Mehltau an Blatt und Stängel
  • Alternaria speziell am Blatt – Blattflecken, verursacht durch einen Schimmelpilz
  • Fusarium speziell an der Wurzel – Schlauchpilz
  • Kamillenglattkäfer – frisst an Blütenköpfen
  • Diverse Blattläuse, Wanzen, Rüsselkäfer und Glanzkäfer

Ernte von Echter Kamille

Maschinell geerntet wird Kamille, wenn etwa zwei Drittel der Blüten voll aufgeblüht sind. Im Hausgarten kann man die Blüten einzeln ernten. Es lohnt natürlich nicht, jeden Tag zwei Blüten zu schneiden. Man wartet schon, bis es sich lohnt. Es bilden sich immer neue Blütenköpfe. Je mehr man schneidet, um so mehr kommt nach. Je weiter die Blüte fortschreitet, desto geringer ist der Gehalt an ätherischen Ölen. Eine zu späte Ernte kann den Zerfall der Blütenköpfe bedeuten. Die beste Zeit zum Pflücken ist der Mittag. Es muss trocken und warm sein, weil sich die Köpfchen sonst nicht voll öffnen. Dann enthalten die Blütenköpfchen das meiste ätherische Öl.
Wer Tee aus der Echten Kamille herstellen möchte, kann auch die Blätter und Stängel dazu verwenden.

Verarbeitung der Blüten

Trocknen
Echte Kamille Beim Trocknen ist es wichtig, das man schnell ist, sonst können sich die Inhaltsstoffe verändern. Außerdem beeinflusst die Temperatur den Gehalt der Inhaltsstoffe. Man rechnet mit mindestens 4 ml ätherischem Öl pro kg getrockneter Blüten. Das ist eine Heidenarbeit.

  • Spätestens zwei Stunden nach dem Pflücken der Ernte mit dem Trocknen beginnen.
  • Bei 35 bis 45° C
  • Wichtig ist, dass der Blütenboden ordentlich trocken ist
  • Mann muss nicht den Backofen nutzen. Es geht auch anders.
  • Einen windstillen und warmen Platz suchen, aber nicht direkt in der Sonne.
  • Ein Tablett oder auch einen Tisch mit Zeitungspapier belegen und die Blüten locker darauf verteilen. Nicht zu hoch übereinander stapeln!
  • Nach ein bis zwei Tagen, je nach Witterung und Belagdichte sind die Blüten getrocknet.
  • Man kann natürlich auch einen trockenen Schuppen oder Dachboden nutzen.

Fazit
Die Echte Kamille ist eine überaus faszinierende Pflanze. Wer gern mit Naturprodukten arbeitet, sollte ein paar Pflanzen im Garten haben. Die Blüten können zu Cremes, Tee oder Tinkturen verarbeitet werden. Ich nutze sie auch zur Seifenherstellung. Der Anbau ist einfach und unkompliziert. Es ist immer gut, ein paar getrocknete Kamillenblüten im Haus zu haben. Man kann die Haut damit klären, bei Schnupfen inhalieren, selbst im Badewasser sind sie gut zu gebrauchen. Die Echte Kamille, eine der vielseitigsten Pflanzen, die in keinem Garten fehlen sollte. Neben ihrer Nützlichkeit sieht sie auch noch gut aus, vor allem, wenn zahlreiche Pflanzen dicht zusammenstehen.