Blüten der Bougainvillea

Die Bougainvillea ist zu Recht beliebt, sie „kann“ Busch und Bonsai, Hochstamm und Strauch, Rankpflanze und Fassadenkletterer, und vor allem viele Blüten. Die sind zwar keine richtigen Blüten (was sie sind, verrät der Artikel), aber dafür mit strahlenden Farben und Dreiecksform wirklich außergewöhnlich. So außergewöhnlich, dass die Drillingsblume auch Wunderblume genannt wird, ihr Blütenreichtum ist der zweite Grund für diesen Kosenamen – aber nur, wenn sie den richtigen Rückschnitt bekommt. Vielleicht schrecken deshalb immer noch einige Zimmergärtner vor dieser Schönheit zurück? Kein Grund zur Drillingsblumen-Abstinenz, Bougainvillea lassen sich in jeder Hinsicht gut und einfach beschneiden:

Der Rückschnitt der Bougainvillea

Wunderblumen heißen Wunderblumen, weil sie in Südamerika zu blühenden Bäumen wachsen können, das weiß sogar der Duden und hat auch gleich das passende Foto parat: www.duden.de/rechtschreibung/Bougainvillea.

Bei uns kann das Blütenwunder auf Dauer nur im Haus überleben, und Sie müssen für eine Bougainvillea (leider) auch nicht Ihr Blumenfenster zum Bougainvillea-Zimmer ausbauen, so groß wie auf dem Bild wird sie bei uns nicht werden.

Wenn Bougainvillea sich wohlfühlen, sollen sie aber auch bei uns kräftig wachsen. Wenn sie im Zimmer gehalten werden, ist deshalb allein aus Platzgründen ein jährlicher Rückschnitt fällig.

Dieser Schnitt dient zugleich der Pflege und Gesunderhaltung, in dieser Hinsicht stellt die Bougainvillea keine besonderen Ansprüche:

  • Die Bougainvillea gehört zu den Sommerblühern, mehr dazu siehe gleich unten Blütenschnitt
  • Der grundsätzliche Schnitt dieser Pflanzen wird zu Saisonbeginn vorgenommen, wenn die Pflanze gerade mit dem Austrieb beginnt
  • Das ist bei der Drillingsblume ziemlich zeitig im Frühjahr, zwischen Anfang Februar und Mitte März
  • Sie schneiden dann alle Seitentriebe zurück, die von den eigentlichen Haupttrieben abgehen
  • Das sind nämlich die Blütentriebe, die sich jede Saison neu bilden sollen
  • Hier: viola.bz/beautiful-ornamental-plant-bougainvillea können Sie an großen Bougainvilleas gut nachvollziehen, wie von mächtigen Haupttrieben viele kurze Blütentriebe abgehen
  • Damit die Platz zum Wachsen haben, müssen die Blütentriebe der letzten Saison verschwinden
  • Sie werden bis zum Ansatz des jeweiligen Triebs zurückgeschnitten
  • Die Bougainvillea sollte zugleich rundum etwas gekürzt werden
  • Sie gehört nämlich zu den Halbsträuchern, ein Mittelding zwischen Staude mit weichen grünen Stielen und Strauch mit harten brauen Stielen
  • Verholzen tut natürlich der untere Teil, also die ältesten Triebe
  • Während sich die Blütentriebe oben/außen entwickeln, an den Triebspitzen
  • Eine buschig wachsende Bougainvillea wird also so beschnitten, dass sie möglichst wenig verholztes „Innen“ und möglichst viel neues, grünes „Außen“ hat
  • Das klappt bei Bougainvillea gut, wenn an jedem Trieb die Hälfte bis zwei Drittel des Wachstums der letzten Saison weggeschnitten wird
  • Wenn eine Drillingsblume von der Terrasse über den Winter ins Haus umzieht, kann sie bei Platzmangel auch im Herbst ihren Grundschnitt bekommen

Der Blütenschnitt

Blüten der DrillingsblumeDie eigentliche Besonderheit der Bougainvillea ist die prächtige und üppige Blüte, wegen dieser reichlichen Blüte kultivieren wir sie, die Blühfreudigkeit soll also möglichst lange erhalten bleiben.

Wobei die Blüte gar keine Blüte ist, hier: www.fotocommunity.de/pc/pc/display/30450070 können Sie eine Bougainvillea-Blüte betrachten – das kleine weiße Ding in der Mitte. Der Rest Drumherum sind Hochblätter, eine Art pflanzliches Täuschungsmanöver, um trotz unscheinbarer Blüte genug Bestäuber-Insekten anzulocken.

Es ist möglich, dass eine Bougainvillea uns viele Jahre lang mit ihrer Blüte und intensiv bunten Hochblättern erfreut, so sieht eine wahrscheinlich schon mehrere Jahrzehnte alte Bougainvillea aus: shop.botanic-international.eu/epages/61810106.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/61810106/Products/Bougainvillea-200

Dann braucht Sie aber unbedingt die richtige Schnittpflege rund um die Blüte:

  • Die Blüten selbst halten nur wenige Tage
  • Die Hochblätter bleiben dagegen mehrere Wochen an der Pflanze und attraktiv
  • In dieser Zeit belasten sie die Pflanze, Hochblätter mit Schaufunktion sind chlorophyllarm oder sogar frei von Chlorophyll
  • Damit fallen sie für die Photosynthese aus, die Ernährung der Pflanze wurde also der Sorge um die Fortpflanzung geopfert
  • Wenn die Hochblätter „ihren Job erledigt haben“, trocknen sie pergamentartig ein
  • Wenn das geschehen ist, sollten Sie die Pflanze sofort von der unnützen Last befreien
  • Der vertrocknete Teil wird komplett als ganzer Trieb weggeschnitten
  • Sie können jeweils die grünen Zweige um etwa die Hälfte stutzen, dann bildet die Drillingsblume neue Verzweigungen
  • Mit jedem weggeschnittenen Blütentrieb regen Sie die Bougainvillea dazu an, neue Blütentriebe zu bilden
  • Wenn Sie immer zeitnah „zuschlagen“, öffnet die Bougainvillea nach ein paar Wochen die nächsten Blüten
  • Das bis zu einem halben Dutzend Mal pro Jahr, Sie können eine Bougainvillea also zum Dauerblüher mit recht kurzen Blühpausen schneiden

Bei diesem Sommer-Schnitt können Sie gleich Ausschau nach den langen Trieben halten, die die kletternde Bougainvillea so gerne „in die Gegend schießt“, und diese einkürzen. Nötig ist das erst, wenn sie mit der Blüte nachlassen, spätestens dann sollten sie durch reich blühende Kurztriebe ersetzt werden.

Für Design-Freaks

Die Drillingsblume ist die richtige Pflanze für Freunde außergewöhnlichen Designs.

rot weisse DrillingsblumeNicht nur wegen der ungewöhnlichen dreieckigen Hochblätter in teils wirklich schon schrillen Rottönen, sondern kletternde Bougainvillea-Arten können viel mehr: Sie können im Kübel zu blühenden Skulpturen wachsen. Sie brauchen nur die richtige Kletterhilfe, um als Gestaltungselement Furore zu machen, eine Figur aus Draht zum Beispiel. Kletternde Bougainvillea-Arten können im Sommer auch Zäune und Mauern überwuchern, schöner kann man „leicht baufällig“ nicht in „wild romantisch“ verwandeln, und sie können sogar deutsche Fassaden schmücken (wenn auch leider nur im Sommer), mehr dazu unten.

Auch die Bougainvillea-Arten, die sich eher dazu eignen, als Strauch gezogen zu werden, können Designer mit kreativen Ideen anregen: Da eine Bougainvillea jeden Schnitt verträgt, kann sie nämlich auch zum Bäumchen gezogen werden, bzw. zum Baum, die Stämme werden irgendwann richtig schön dick. Oder zum buschigen Strauch mit einer genau definierten Anzahl von Haupttrieben, wenn Sie eine geeignete Jungpflanze auswählen, könnten Sie z. B. eine doppelte Dreiecks-Pflanze ziehen, mit drei Stämmen und dreieckigen Blüten.

Solche Sonderformen müssen sehr häufig ringsherum gestutzt werden, um in die jeweils richtige Richtung zu wachsen. Mindestens alle vier Wochen sollten Sie alle über die Form hinauswachsenden Triebe kürzen, damit die Gestalt gelingt. Dadurch wird das Formgehölz auch gleich wieder zur Verzweigung angeregt. So ähnlich wie bei einem Bonsai eben – den Sie aus Ihrer Drillingsblume übrigens auch formen können, siehe www.bonsaimary.com/bougainvillea-bonsai.html.

Je regelmäßiger und kräftiger Sie eine Bougainvillea zurückschneiden, desto wichtiger ist die Pflege nach dem Schnitt. Schnitt ist Stress für die Pflanze, ein wenig Dünger und eine besonders sorgfältige Wasserversorgung sollten Sie ihr in der Zeit danach gönnen.

Schnitt der Fassaden-Bougainvillea

Ganz so: www.dreamstime.com/royalty-free-stock-photography-bougainvillea-house-being-taken-over-devoured-fast-growing-plant-image33331447 wird es nicht werden, aber auch bei uns kann eine Bougainvillea über die Sommersaison eine Fassade begrünen.

Eine Bougainvillea glabra zum Beispiel, die Kletterpflanze kann in milden Gegenden in Mitteleuropa mit Kletterhilfe durchaus ein paar Meter erklimmen, wenn sie schon beim Klettern die richtige Schnittpflege bekommt:

  • Triebe aufleiten (einfädeln) und so beim Klettern helfen
  • Überhängende Äste, die wegen ihrer Wuchsrichtung schlecht Halt finden, früh zurückschneiden
  • Bei jungen Pflanzen werden die Haupttriebe durch Rückschnitt tragfähiger, da sie dann eine unnatürliche Dicke entwickeln
  • Die Bougainvillea tendiert aber zu „Entwicklung in den Raum“, die aus Gewichtsgründen ev. ausgedünnt werden muss
  • Fassaden-Bougainvillea erhalten im Herbst den jährlichen Grundschnitt, damit sie passende Größen für Überwinterung im Haus bekommen

Verjüngungsschnitt

Bougainvillea entwickeln die Blüten ganz außen, an den Triebenden, die immer weiter wachsen und zu den Haupttrieben hin nach und nach verholzen. Ohne regelmäßigen Beschnitt wandern die Bougainvillea-Blüten deshalb immer weiter nach außen. Zugleich rücken die Blüten damit auch optisch immer weiter auseinander, eine Bougainvillea-Blüte am äußeren Rand von ganz langen Trieben wirkt dann irgendwann ziemlich dürftig.

Wenn das passiert ist – weil die Bougainvillea länger ohne Schnitt vor sich hin wachsen durfte – ist es Zeit für eine radikale Verjüngung der Pflanze. Die sie gut vertragen soll, im Gegensatz zu einigen anderen Halbsträuchern wie Rosmarin z. B. soll die Bougainvillea auch aus dem alten Holz in der Regel gut austreiben. Zumindest bei der kletternden Bougainvillea glabra gibt es derartige Erfahrungsberichte, bei anderen Arten/Zuchtsorten der Drillingsblume könnten Sie mit dem Verjüngungsschnitt erst einmal an einem Haupttrieb ansetzen und abwarten, was passiert.

Schnittvorlieben der Sorten

Es gibt insgesamt rund 20 Bougainvillea-Arten, von denen vor allem drei Drillingsblumen bei uns verkauft werden, hier die in Bezug auf den Schnitt zu beachtenden Besonderheiten:

  • Bougainvillea glabra: Unsere häufigste Art, in vielen Hybriden gezüchtet, rankende Bougainvillea, die jeden Rückschnitt verträgt
  • Bougainvillea spectabilis: Ebenfalls gut bekannt, wuchsstärker und weniger blühwillig, empfehlenswert ist also unbedingt ein sehr regelmäßiger Schnitt
  • Bougainvillea x buttiana: Bekannte Hybride mit recht langsamem Wachstum, kann gut zum Busch geschnitten werden und verursacht von den drei bei uns bekannten Arten den geringsten Aufwand bei der Schnittpflege

Fazit: Wenn Sie Bougainvilleas so richtig zum Wachsen kriegen, sollten Sie sie auch richtig beschneiden. Das heißt regelmäßig beschneiden, damit die Bougainvillea eine dichte und gut verzweigte Wuchsform bzw. eine schöne Krone bzw. ein dichtes Geflecht an Ranken ausbildet. Wenn eine Bougainvillea aber doch einmal „außer Rand und Band wächst“, ist wahrscheinlich noch nichts verloren, Drillingsblumen sollen sich gut bis ins alte Holz zurückschneiden lassen – und könnten Sie so über mehrere Jahrzehnte begleiten, Bougainvillea sollen rund 50 Jahre alt werden.