Gartenpflanzen Stauden

Borretsch-Pflanze, Borago officinalis – Aussaat und Pflege

Borretsch

Borretsch fristet in Deutschland ein eher tristes Dasein als „Gurkenkraut“, wenn er auch eine ziemlich wichtige Bereicherung der Einlegeflüssigkeit ist. Verkannt wird er damit trotzdem, er kann dem Salat eine frische Note geben, ein schlichtes Glas Sekt in einen märchenhaften Drink verwandeln, und er ist eine vielseitige Gewürz- und Heilpflanze. Deshalb war der Borago officinalis bei uns auch früher in jedem Bauerngarten zu finden, er wird immerhin schon seit dem späten Mittelalter in Mitteleuropa kultiviert. Irgendwann geriet der Borretsch völlig unverdient in Vergessenheit, aber es ist sicher Zeit, ihm wieder einen Platz in unseren Gärten zu geben.

Unterschätzter Borretsch

Borretsch kann wirklich viel mehr als nur in Einlegeflüssigkeit für Gurken herumschwimmen, unsere Vorfahren wussten das auch über eine sehr lange Zeit: Schon im späten Mittelalter wurde das ursprünglich rund ums Mittelmeer beheimatete Raublattgewächs im nördlicheren Europa eingeführt, nachdem er zuerst in Frankreich kultiviert wurde, gelangte der Borretsch irgendwann nach Deutschland. Er ist heute noch bekannt als Bestandteil der berühmten Frankfurter Grünen Sauce, und belegt ist, dass Borago officinalis bei uns im 16. Jahrhundert häufig in Bauerngärten angebaut wurde. So häufig, dass er aus den Gärten flüchtete und in einigen Regionen verwilderte.

Borretsch ist normalerweise ein einjähriges Gewächs (zur Ausnahme siehe weiter unten), dafür aber ein ziemlich stattliches: Bis zu 60 cm hoch kann eine Pflanze pro Saison wachsen, dabei entwickelt sie grosse und borstig behaarte Blättern und auffallend schöne, leuchtend blaue Blüten.

Borago officinalisAls wenn das noch nicht genug ist, enthält der Borago officinalis jede Menge interessanter Inhaltsstoffe, Kaliumsalze und Gerbstoffe, Kieselsäure und Schleimstoffe, deshalb wurden früher Borretschblüten und Borretschblätter in der Volks- und Naturheilkunde eingesetzt. Sie galten als entwässernde, schweisstreibende, entzündungshemmende und reizlindernde Substanzen, denen man auch eine leichte beruhigende und antidepressive Wirkung zusprach.

Heute hält man sich mit Empfehlungen für (dauerhafte) innere Anwendung eher zurück, da Borretsch verschiedene Alkaloide enthält, interessant bleibt jedoch die äußerliche Anwendung für gesunde und schöne Haut (dazu mehr unten) und der Einsatz der dekorativen blauen Blüten für alle möglichen Speise-Garnituren.

Borretsch aussäen

Der ganz normale Borretsch gehört wie gesagt zu den einjährigen Kräutern, wird also jedes Jahr neu aus Samen angezogen.

Die Aussaat ist kein großes Problem, Borretsch wächst willig. Die Aussaat ist beim Borretsch wie bei anderen schnellwachsenden Einjährigen auch sinnvoller als Jungpflanzenkauf – Borretsch wächst so rasch, dass sich die Jungpflanze gerade an die neue Umgebung gewöhnt hätte, wenn der ausgesäte Borretsch bereits Erntegröße hat.

Wenn Sie ganz natürliche, weder genmanipulierte noch chemisch behandelte Samen aussäen möchten, sollten Sie zu Biosamen aus kontrolliert biologischem Anbau greifen. Diese natürlich gezogenen Samen sind übrigens nicht teurer als die Industrieware, ganz im Gegenteil, für 25 („konventionelle“, aber eigentlich gerade nicht der Konvention bei Pflanzenentwicklung entsprechenden) Samen zahlen Sie um 1,- €, für Biosamen ein paar Cent mehr, da umfasst die Einzelportion aber auch 1,5 g, mit Angabe des Tausendkorngewichts, beim Borretsch knapp 100 Samen, für eine Fläche von 10 qm.

Sie können den Borretsch im (späten) Frühjahr direkt an den vorgesehenen Ort im Garten aussäen, einen sonnigen Standort möchte die wärmeliebende Pflanze zugewiesen bekommen. Der Boden sollte recht feucht, aber durchlässig sein, und Sie brauchen den attraktiven Borretsch nicht in einer Ecke verstecken, er kann auch mitten ins Staudenbeet platziert werden.

Da Borretsch zu den Dunkelkeimern gehört, muss die Saat gut mit Erde bedeckt sein. Genauer gesagt, in einer Schicht von 2 cm gut mit Erde bedeckt. Ob eine Pflanze zu den Dunkelkeimern gehört und wie viel Erde auf die Samen gegeben werden muss, ist nämlich keine Gefühlssache, sondern Wissen, das für jede Pflanze gesondert nachgeschlagen werden muss (steht nicht immer auf der Samenpackung). Denn das Keimverhalten wird durch ein sogenanntes Phytochrom bestimmt, ein Protein, das die Pflanze im Laufe ihrer Evolution entwickelt hat. Bei Borretsch hat sich dieses Protein eben derart entwickelt, dass der Samen mit 2 cm Erde über ihm genau das Licht (der Intensität, spektraler Zusammensetzung und zeitlicher Einwirkung) empfängt, das den Samen zum Keimen veranlasst.

Wenn das geschehen ist, sollten sich nach 6 bis 12 Tagen die Keimlinge zeigen.

BoretschDas Ganze können Sie natürlich auch als Vorkultur auf dem Fensterbrett durchführen, dann ab Anfang März, dann können Sie im Mai gut entwickelte Pflanzen in den Garten auspflanzen. Was sich eher empfiehlt, hängt davon ab, ob Sie von einem eher milden Klima umgeben sind oder ob bei Ihnen gerne späte Fröste auftreten.

Wenn Sie vorziehen, können Sie für die Anzuchttöpfe gleich die Erde verwenden, in die die Jungpflanzen später gesetzt werden. Besondere keimfreie Aussaaterde brauchen nur Exoten, die mit den Mikroorganismen in unseren Böden nicht klar kommen, eine einheimische Pflanze wie Borretsch würde solche Erde eher schwächen. Er soll sich besser gleich an die Einflüsse seines späteren Heimatbodens gewöhnen und bei der Durchsetzung gegen die enthaltenen Mikroorganismen an Stärke gewinnen.

Standort-Ideen

Wie gesagt, Borago officinalis mag es mittelmeerküsten-warm, beansprucht damit also die für viele Pflanzen vorteilhaftesten Ecken im Garten.

Deshalb müssen Sie für eine reiche Borretsch-Ernte nicht auf schöne Blumen im Garten verzichten, Sie können den auch sehr schön blühenden Borretsch einfach mit in eine Blumen-Rabatte setzen.

Oder Sie definieren die Rabatte in der zentralen Sichtachse Ihres Gartens einfach neu und gestalten ein Schmuckbeet mit Nutzwert: Ein- oder zweijährige Gartenkräuter mit ähnlichen Ansprüchen wie Borretsch sind Basilikum, Dill, Kerbel und Koriander; die trockeneren Bereiche dieses Beets bzw. der äußere Rand, auf dem die Erde schneller abtrocknet, können mit Sommer-Bohnenkraut und duftendem Majoran besetzt werden. All diese Kräuter werden gut kniehoch und entwickeln eine Fülle von Blüten, weiß und lila und blau, in Dolden und in Rispen.

Sie können auch noch blühende Stauden dazu gesellen, deren Blüten Sie ebenfalls in der Küche einsetzen können: Glockenblumen und Malven, Ringelblumen, Schlüsselblumen, Stockrosen und Veilchen zum Beispiel.

Borretsch als Gartenhelfer

Borretsch ist ein Tiefwurzler, den Sie als Gründüngung einsetzen können, seine Wurzeln können Nährstoffe aus recht tiefen Bodenschichten erschließen.

Außerdem ist er eine gute Begleitpflanze für Gurken und Zucchini (und andere durch Insekten bestäubte Gemüsepflanzen). Er lockt nämlich mit einem Trick Insekten an: Seine blauen Blüten verfügen über sogenannte Strichsaftmale, für anfliegende Insekten so gut sichtbar wie für uns der Leuchtturm an der Küste (für Menschen leider nicht erkennbar, wegen dieser Merkmale gehört der Borretsch aber für Imker zu den Bienenweidepflanzen).
 
Borretsch PflanzeBorretsch soll auch Hülsenfrüchte, Spinat, Kohlarten und Erdbeeren schützen und ihnen so beim Aufwachsen helfen. Auch Tomatenkulturen soll er förderlich zur Seite stehen, indem er die Muttertiere der Tomatenschwärmer davon abhält, ihre Eier auf die Tomaten zu legen (in der englischen Quelle wird behauptet, dass die Pflanze das zustande bringt, indem „it confuses the search image of the mother moths looking for a place to lay their eggs“, indem er also die Mutter-Schwärmer verwirrt, wenn sie nach einem Eiablageplatz Ausschau halten – wie der Borretsch das schafft, bleibt der Phantasie des Lesers überlassen, aber schlecht sind die Tipps englischer Gärtner meist wirklich nicht.

Pflege: Vorbildlich genügsam

Was die eigenen Bedürfnisse angeht, scheint der Borretsch ein Beispiel dafür zu sein, dass es auch in der Pflanzenwelt Spezies mit Helfer-Syndrom gibt: Er braucht keine mit irgendwelchen Nährstoffen angereicherte Erde, (selbst magere) normale Gartenerde reicht, er braucht keinen Dünger, er würde sogar mit sehr wenig Sonne und keiner anderen Wasserzufuhr als der natürlichen von oben noch wachsen – typisch Mittelmeerkraut, die wurden alle während ihrer Entwicklung nicht gerade verwöhnt und sind Kummer (mageren = nährstoffarmen Boden, zu viel Sonne, öfter mal Trockenheit) gewohnt.

Sie dürfen Ihren Borretsch aber gerne verwöhnen, er ist ja mit einer für Südkräuter ungewöhnlichen Blattgröße und Blattfülle ausgestattet, die Sie noch fördern können. Verwöhnen bedeutet, bei großer Hitze und Trockenheit wässern und vielleicht etwas organischen Dünger geben (Vorsicht, so mancher organische Dünger wie Mist könnte sich geschmacklich bemerkbar machen, besser auf Pflanzenbrühen setzen).

Aber nicht übertreiben, in überdüngter Erde wird sich auch ein Borretsch schwer tun, und wenn Sie Wert auf einen hohen Gehalt an ätherischen Ölen legen (s. gleich unten), sollte der Borretsch eher kurz gehalten werden.

Arten und Sorten

Borretsch gehört zur Gattung Borago, einer von rund 150 Gattungen mit etwa 2750 Arten aus der Familie der Raublattgewächse. Diese „Familie Raublattgewächs“ ist auch als „Familie Borretschgewächs“ bekannt, was darauf andeutet, dass der Borretsch ein prominenter Vertreter seiner Familie ist. Das ist auch so, bis auf den ebenfalls unterschätzten Beinwell (natürliches Aspirin) haben die Raublattgewächse zwar jede Menge Gewächse mit merkwürdigen Namen zu bieten; mal auffallend freundlich (Himmelsherold, Frühlings-Nabelnüsschen, Vergissmeinnicht, Wellstedia, Sonnenwende, Büschelschön), mal auffallend diskriminierend (Rindszunge, Hundszunge, Natternkopf, Scharfkraut, Ochsenzunge, Ackerkrummhals), alle gelegentlich kultiviert, aber sonst kaum etwas Interessantes.

BorretschIn seiner Familie ist Borretsch also durchaus ein Star, in seiner Gattung sowieso, er ist der einzige Borago, der weitverbreitet kultiviert wird. Insgesamt besteht die Gattung Borago aus fünf Arten:

  • „Unser“ Borretsch, Borago officinalis
  • Borago trabutii, wächst nur auf dem Atlas-Gebirge in Marokko
  • Borago longifolia, wächst nur in Nord-Algerien und Tunesien
  • Borago morisiana, nur auf der Insel San Pietro, SW Sardinien, zu finden
  • Borago pygmaea oder laxiflora, ein interessanter Borretsch für Liebhaber dauerhafter Gewächse, diesen ausdauernden Borretsch bekommen Sie in guten Kräutergärtnereien. Er wächst etwas zierlicher und niedriger und passt so gut in kleine Gärten (braucht Winterschutz), Töpfe und Balkonkästen.

Vom Borago officinalis werden zwei Sorten angeboten:

  • Borretsch, Borago officinalis: „Normaler“ Borretsch mit blauen Blüten und Blättern für Salat
  • Weiß blühender Borago officinalis, ebenfalls einjährig, wunderschöne, im Mondlicht leuchtende Blüten

Ernte

Nach Wunsch abschneiden, sobald die Blätter kräftig genug sind, die Blüten im Moment des Aufblühens.

Vermehrung

Passiert auf Wunsch von selbst: Lassen Sie einfach ein paar Borretsch-Pflanzen nach der Blütezeit im Beet stehen und in Ruhe, dann wird sich der Borretsch selbst aussäen und im nächsten Jahr von alleine erscheinen.

Der Borretsch, die Alkaloide und die ätherischen Öle

Borago officinalis enthält neben den oben angesprochenen heilsamen Inhaltsstoffen auch verschiedene Pyrrolizidinalkaloide.

Ein Alkaloid ist ein sekundärer (Pflanzen-) Stoff, für den es bis heute keine genaue bzw. verbindliche Definition gibt, gemein ist den Alkaloiden aber auf jeden Fall, dass sie irgendwie auf tierische und menschliche Organismen wirken. Meist nicht sehr günstig, wie das berüchtigte Mutterkornalkaloide oder Bufotenin, das berühmte Krötengift der tropischen Aga-Kröte, Morphin und Strychnin gehören auch dazu.  

Aber auch Solanin (Kartoffel, Tomate), Coffein (Kaffee), Capsaicin (Chili) und Theobromin (Schokolade), woran man erkennt, dass man Alkaloide durchaus überleben kann. Die im Borretsch auch, obwohl die noch nicht umfassend erforschten Pyrrolizidinalkaloide vor allem dafür bekannt sind, dass sie Weidetieren ab und zu den Garaus machen.

borretsch 84553926 300 flFür den Borretsch im Salat oder für andere Pyrrolizidinalkaloide in Lebensmitteln gibt es aktuell keine Höchstmengen-Empfehlungen oder Kontrollen, aber das Bundesgesundheitsamt hat für phytopharmazeutische Produkte mit Pyrrolizidinalkaloiden eine Grenze von 1 µg pro Tag für Anwendung bis zu sechs Wochen und 0,1 µg pro Tag für Anwendung über sechs Wochen festgelegt.

Borretsch enthält nur kleine Mengen an Pyrrolizidinalkaloiden, zwischen 1 und 15 µg pro kg Frischware (= 100 g getrockneter Borretsch in der Quelle: www.pflanzenforschung.de/de/journal/journalbeitrage/das-gift-von-der-wiese-pyrrolizidinalkaloide-nahrungsmi-10149). Diese Quelle macht also schon ein wenig Panik, um auf die Mindestmenge von 0,1 µg für Langzeiteinnahme zu kommen, müssten Sie täglich 100 g Borretsch essen (ca. eine übliche Rucola-Schale), aber immerhin, empfindliche Menschen sollten mit den Blättern schon vorsichtig sein und auch Frankfurter Grüne Sauce nicht literweise zu sich nehmen.

In den Blüten sollen weniger Pyrrolizidinalkaloide enthalten sein, im Borretschsamenöl überhaupt keine. Das Borretschsamenöl wird als pflanzliches Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel in Alternativtherapien gegen Neurodermitis angewendet, und es soll allgemein gut für die Pflege entzündlicher und schuppiger Haut sein.

Fazit: Das ein oder andere Borretsch-Blättchen im Salat könnte ihn interessanter machen und wird Ihnen wahrscheinlich nicht schaden. Borretschblüten können richtig viel hermachen als Dekoration, und wer bisher erfolglos mit der Pflege entzündungsgeneigter, trocken-schuppiger Haut herumexperimentiert, wird sicher auch einmal ein paar Borretsch-Blätter auflegen. Sie können den Borretsch aber auch schlicht in Ihr Blumenbeet pflanzen und ihn dort wachsen und blühen lassen, er ist immer ein Gewinn für den Hausgarten.