Beinwell

Beinwell ist eine pflegeleichte und dekorative mehrjährige Staude, die viel zu selten in unseren Gärten zu finden ist. Menschen, die gelegentlich mit Muskel- und Gelenkschmerzen, Verspannungen und Rückenschmerzen zu tun haben, haben mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit eine Salbe mit Beinwell in ihrer Hausapotheke. Nach entsprechender Information könnte hier auch der Symphytum officinale, wie der botansiche Name der Pflanze lautet, aus dem Garten nutzbar gemacht werden. Nachfolgend geht es um Pflanzen und Pflege des Echten Beinwell und um weitere Beinwell-Arten und Raublattgewächse.

Beinwell pflanzen

Beinwell ist ein einheimisches Raublattgewächs, deshalb an unser Klima gewöhnt und nicht schwer anzubauen.

Symphytum officinale ist der „Echte Beinwell“, die prominenteste Art der Beinwelle, von denen es insgesamt rund 40 Arten gibt. Er wächst in der Natur gerne dort, wo sich Feuchtigkeit sammelt, in einem Graben, an einem saftigen Wegrand oder in einer feuchten Wiese. Er gedeiht eher in der flachen Landschaft, in Höhen über einem Kilometer wächst es nicht mehr.

Symphytum officinaleDemgemäß bevorzugt das Gewächs auch im Garten einen halbschattigen bis sonnigen Standort. Der Boden darf gerne feucht und gerne nährstoffreich sein, Lehmböden werden bevorzugt. Beinwell ist jedoch so wuchsfreudig, dass Sie ruhig auch versuchen können, ihn an einem trockeneren Standort anzusiedeln. Wenn der Boden eher nährstoffarm ist, sollten Sie vor dem Einpflanzen ein wenig reifen Kompost einmischen.

Die Pflanze wächst recht schnell. Die sommergrüne, ausdauernde Staude bildet in kurzer Zeit einen Busch mit vielen großen, grünen Blättern, der zwischen 50 cm und 1 Meter hoch wird. An der Basis der Pflanze entwickelt sich ein Wurzelstock aus mehreren außen bräunlichen Hauptwurzeln, die bis zu 50 cm lang werden. Der Strauch verholzt kaum.

Diese Wurzel überdauert bis zu 20 Jahre. Beinwell zieht im Winter ein und treibt im Frühjahr neu aus. Er entwickelt früh die ersten Blätter und zeigt oft schon gegen Ende April die ersten Blüten, die dann je nach Standort bis in den Spätsommer hinein blühen.

Um Beinwell in den Garten zu pflanzen, können Sie sich auf dem Markt oder in einer Staudengärtnerei eine Jungpflanze besorgen. Sie können aber auch in der freien Natur auf die Suche gehen und von einem Beinwurz am Wegrand ein Stück Beinwellwurzel abschneiden. Das geben Sie dann im Garten in die Erde. Im nächsten Frühjahr wird an diesem Standort ein Busch wachsen.

Symphytum officinaleSie können auch Beinwellsamen kaufen, die Sie im März auf der Fensterbank heranziehen  oder im April direkt ins Freiland säen. Die Samen werden bei rund 18 Grad aufgestellt und keimen in ca. 14 Tagen. Im Haus gezogene Jungpflanzen können im Mai ins Freiland.

Pflege

Wenn er auf einem feuchten und nährstoffreichen Boden angesiedelt wurde, braucht der Beinwell eigentlich keine Pflege. Wenn der Boden eher trocken ist, müssten Sie darauf achten, dass der Symphytum officinale immer genug Feuchtigkeit zur Verfügung hat. Bei längerer Trockenheit muss mitunter zusätzlich bewässert werden. Allerdings erst nach einiger Zeit. Beinwurz entwickelt eine lange Pfahlwurzel, mit der er sich Feuchtigkeit auch tief aus dem Erdreich holen kann.

Wenn der Boden genug hergibt, braucht der Beinwell keinen Dünger, auf einem nährstoffarmen Boden sind Stickstoff-Zugaben empfehlenswert. Wenn Sie diesen Stickstoff als organischen Dünger einbringen (Hornspäne, kompostierten Pferdemist, z. B.), brauchen Sie sich keine Gedanken darüber machen, wie viel oder wenig Stickstoff der Boden bereits enthält, weil organischer Dünger von der Pflanze langsam verwertet wird, ein eventueller Überfluss wird so vom Beinwell recht gut vertragen.

So gut vertragen, dass der Beinwell auch als Stickstoffzeigerpflanze gilt. Wo er sich ungefragt und prächtig verbreitet, können Sie von einer Überversorgung des Bodens mit Stickstoff ausgehen.

BeinwellIn Bezug auf die Überwinterung ist beim Beinwell im Garten nichts zu beachten. Beinwell ist bei uns sicher winterhart, auch in unfreundlicheren Regionen.

Echter Beinwell bildet nur kurze Ausläufer, durch die sich der Bestand mit der Zeit ausbreitet. Andere Arten können sich schneller verbreiten und sind auch sehr konkurrenzstark. Sie dürfen nur neben robuste und wuchskräftige Stauden gepflanzt werden, wenn sie nicht die Nachbarn verdrängen sollen.

Beinwell im Kübel

Beinwell lässt sich auch im Kübel halten, der allerdings wegen der langen Pfahlwurzel ziemlich groß und vor allem hoch sein sollte. Eigentlich würde ein hoher, schmaler Kübel ausreichen. Bei diesem könnte sich aber das Problem ergeben, dass er im Winter komplett durchfriert. Das tut dann auch einem Beinwell nicht mehr gut. Besser wäre also ein Kübel, der auch über einige Breite verfügt, oder eine Überwinterung in einem kalten, aber frostfreien Raum.

Außerdem muss im Kübel sehr gut auf ausreichende Bewässerung geachtet werden. Auch im großen Kübel ist nur eine geringe Erdmenge, die viel schneller austrocknet als Gartenerde.

Beinwell vermehren

Wenn der Beinwell im Garten angewachsen ist, können Sie problemlos aus einem Beinwell viele machen: Sie schneiden eine Wurzel ab, hacken diese in Stücke von rund fünf Zentimetern Länge und geben diese Wurzelstücke in die Erde, wo Sie einen neuen Beinwurz sehen möchten.

Dann brauchen Sie nur noch warten. Aus jedem Stückchen Wurzel wird im nächsten Frühjahr ein neuer, kleiner Beinwell austreiben. Den können Sie dann natürlich noch umpflanzen, aber erst, wenn er schon ein paar Blättchen hat.

Verwendung

Zunächst einmal ist Beinwell ziemlich dekorativ. Keine extrem auffällige Pflanze, aber für jeden naturnah bepflanzten Garten ein Gewinn. Die hellgelb bis rotviolett gefärbten Blüten erscheinen als dekorative Glocken meist dicht nebeneinander und blühen lange.

Beinwell kann im Garten helfen, als Beinwelljauche, die gegen Pilze und Spinnmilben wirkt und allgemein die Widerstandsfähigkeit von Pflanzen stärken soll, weil sie sehr viel Kalium enthält.

BeinwellEin Gewinn ist der Beinwell auch für die Bienen und Hummeln in Ihrem Garten. Das auch als Bienenkraut oder Honigblume bekannte Gewächs ernährt sie nämlich gut, er gilt als Bienenweide.

Symphytum officinale hat noch einige andere volkstümliche Namen. Beinwurz oder Wallwurz, Schadheilwurzel und Soldatenwurz, Wundallheil oder Arznei-Beinwell heißt der Beinwell nämlich nicht ohne Grund. Er wird seit Jahrhunderten in der Volksmedizin eingesetzt.

Die wichtigste wirksame Substanz ist das Allantoin, von dem der Beinwell besonders viel enthält. Allantoin regt die Zellbildung an und fördert die Wundheilung. Es hilft zudem bei der Bildung von Kallusmasse und Gewebe und geht mit zahlreichen anderen Stoffen im Beinwell eine überaus wirksame Verbindung ein, die reizlindernd und entzündungshemmend wirkt. Inzwischen weiß man, dass der Pflanzen-Wirkstoff nicht durch chemische Herstellung zu ersetzen ist. Synthetisches Allantoin regt die Wundheilung nicht an und hilft nicht beim Abheilen eitriger Wunden.

Allerdings enthält Beinwell auch Pyrrolizidinalkaloide, toxische Verbindungen, die in hoher Dosierung zu tödlichen Störungen der Leberfunktionen führen können. Deshalb wird heute Beinwurz innerlich nur unter höchsten Restriktionen und in Mikrogramm angewandt. Auch eine äußerliche Anwendung von Beinwell aus dem Garten, als Sud oder Breiumschlag aus den Blättern, sollte nur nach Rücksprache mit dem Arzt und nicht über längere Zeit erfolgen. Gerade bei problematischen Fällen kann diese Rücksprache jedoch lohnen.

Arten und Sorten

Vom Echten Beinwell Symphytum officinale gibt es drei Unterarten:

  • Echter Beinwell (Symphytum officinale L. subsp. officinale): mit borstig behaarten, steifen Stängeln und Blättern.
  • Weißer Beinwell (Symphytum officinale L. subsp. bohemicum): Eine Variante mit weißen Blüten und Behaarung.
  • Sumpf-Beinwell Symphytum officinale subsp. uliginosum): Eine Unterart mit fast kahlen Blättern und Stängeln.

Es gibt aber noch andere Arten. Einige dieser Arten können Sie im Handel erwerben, oder im jeweiligen Verbreitungsgebiet der Natur entnehmen. Sie lassen sich alle ähnlich wie der Echte Beinwell nutzen und auch ähnlich pflanzen bzw. pflegen:

  • Kriechender BeinwellKriechender Beinwell (Symphytum ibericum): Ursprünglich aus Georgien und der Türkei, wird (selten) als Zierpflanze für Gehölzgruppen eingesetzt.
  • Rauer Beinwell (Symphytum asperum oder S. asperrimum): Ursprünglich nur im Kaukasus und im westlichen Asien, heute überall in Europa verbreitet.
  • Knollen-Beinwell (Symphytum bulbosum, auch S. zeyheri): Im Mittelmeerraum beheimatet, an einigen Stellen in Südwestdeutschland eingebürgert, Knollen-Beinwell treibt stark Ausläufer.
  • Herzblättriger Beinwell (Symphytum cordatum): Diese Art ist in der Slowakei, in Polen, in der Ukraine und in Rumänien zu finden.
  • Knoten-Beinwell (Symphytum tuberosum): Im größten Teil Europas und bis hinunter in die Türkei anzutreffen, stärkehaltiges Rhizom, das in Notzeiten unter Brotteig gemischt wurde und geröstet einen hochinteressanten Ersatz-Kaffee ergeben soll, kann als Bodendecker im Garten eingesetzt werden.
  • Kaukasus-Beinwell (Symphytum grandiflorum): Die auch „Großblütiger Beinwell“ genannte Pflanze ist ein gebräuchlicher Garten-Beinwell, der unter Bäume und Sträucher und als flächiger Bodendecker dazwischen gesetzt werden kann, er wird auch gerne auf Baumscheiben im Straßenbereich gepflanzt.
  • Futter-Beinwell (Symphytum ×uplandicum): Hybride aus Rauem und Echtem Beinwell, wird auch als S. ×uplandicum „Variegatum“ mit cremefarben akzentuierten Blättern verkauft.

Im spezialisierten Handel werden Sie genau erfahren, welche Beinwell Sie gerade erwerben, in freier Natur könnten Sie auf eine der gerade beschriebenen Sorten oder auf eine Hybridform dieser Sorten stoßen. Sie werden sich jeweils leicht unterscheiden, der Anbau ist im Grunde gleich, einige Arten bilden jedoch stärker Ausläufer als andere.

Andere Raublattgewächse

Raublattgewächse haben mehr zu bieten als den Beinwell, noch zahlreiche andere Raublattgewächse verdienen ganz bestimmt eine nähere Betrachtung:

  • Die Alkanna (Alkanna tinctoria) zeigt wunderschöne kleine tiefblaue Blüten und ist auch als Schminkwurz bekannt. Man kann daraus Farbstoff gewinnen.
  • Borretsch Borretsch (Borago officinalis) oder Gurkenkraut ist eine Gewürz- und Heilpflanze, die wie Beinwell nur von Gärtnern verzehrt oder als Heilmittel eingesetzt werden sollte, die sich über die Inhaltsstoffe informiert haben, da sie auch kleine Mengen Pyrrolizidinalkaloide enthält. Borretsch ist allerdings in mehrfacher Hinsicht eine interessante Pflanze.
  • Die Kordie (Cordia alliodora), auch als Regenwald-Lorbeer bezeichnet, ist eine noch viel zu unbekannte tropische Zimmerpflanze, die mit duftendem Blütenreichtum verzückt.
  • Der Enzianartige Natternkopf (Echium gentianoides) ist die Pflanze für die Menschen, die „Blau“ als Lieblingsfarbe angeben, davon hat sie nämlich viel zu bieten, ganze Dolden kleiner blauer Blüten, dicht nebeneinander.
  • Die Gemeine Ochsenzuge (Anchusa officinalis) ist kaum mehr bekannt, aber als Zierpflanze und mit Einschränkungen als Gemüse zu nutzen.
  • Der Gewöhnliche Natternkopf (Echium vulgare) ist eine sehr gute Bienenweide mit außergewöhnlich hohem Zuckergehalt und eine schöne Zierpflanze für Wildpflanzengärten.
  • Die Vanilleblume (Heliotropium arborescens) ist eine beliebte und sehr dekorative Beet- und Balkonpflanze, von der immer mehr Sorten existieren.

Fazit
Beinwell ist eine ökologisch gewinnbringende Pflanze mit erstaunlichen Heilkräften, die sich durchaus nützlich machen kann, wenn Sie sich etwas näher mit ihr beschäftigen. Wenn Sie Beinwell mit anderen dauerhaften Gewürz-Stauden wie Estragon, Liebstöckel, Sauerampfer, Schnittlauch und Zitronenmelisse kombinieren, erhalten Sie ein prächtiges Kräuterbeet mit hohen grünen Pflanzen, die sich nutzbringend verwenden lassen und dazu noch wirklich pflegeleicht sind.