Kannenpflanze, Nepenthes - Pflege, Vermehren durch Ableger

KannenpflanzeSie bietet ein spektakuläres Erscheinungsbild und stellt für jeden Hobbygärtner eine Herausforderung dar. Die fleischfressende Kannenpflanze mit der botanischen Bezeichnung Nepenthes ist zweifellos eine Zierpflanze der besonderen Art. Beheimatet ist sie in den Tropen und fühlt



sich daher im temperierten Gewächshaus, im warmen Badezimmer am Fenster oder in Zimmern mit einer permanenten Temperatur über 20° und hoher Luftfeuchtigkeit besonders wohl. Da auf der Speisekarte der Kannenpflanze vor allem Insekten aller Art stehen, dient sie nicht selten als dekorative Insektenfalle. Diese werden angelockt mithilfe des Nektars, der sich am oberen, umgekrempelten Rand der Kanne befindet. Die Insekten fallen hinein, können an der glatten Innenfläche der Kanne nicht wieder hinauskrabbeln und werden vom pflanzeneigenen Verdauungssekret zersetzt. Der unbewegliche Deckel über der Kanne dient lediglich dem Regenschutz. Mit der richtigen Pflege gelingt es, diese einzigartige Kostbarkeit der Natur auch in den hiesigen Regionen zu kultivieren.


Unterscheidung der Arten als Basis für die richtige Pflege

Bei der Kannenpflanze wird grundsätzlich unterschieden zwischen den Hochlandarten und den Tieflandarten. Danach richten sich sämtliche Bedingungen für eine erfolgreiche Kultivierung. Die Tieflandarten benötigen das ganze Jahr hindurch eine gleichmäßige Temperierung der Umgebung zwischen 25° bis 35° Celsius. Die Hochlandarten dagegen können nur gedeihen, wenn sich die Tagestemperatur von etwa 30° Celsius in der Nacht deutlich herabsenkt auf etwa 15° Celsius. Dabei sind beide Arten angewiesen auf eine permanente Luftfeuchtigkeit von über 75 %, viel Licht ohne pralle Sonneneinstrahlung. Im Folgenden werden die beliebtesten Kannenpflanzen-Arten vorgestellt, wobei vor allem die Hybriden etwas einfacher in der Pflege sind.

Tiefland-Nepenthes:

Nepenthes mirabilis
grüne KannenHierbei handelt es sich um die am weitesten verbreitete Kannenpflanzen-Art. Als mehrjähriger Halbstrauch bildet sie einen bis zu 1 m dicken Stamm, der im Laufe der Jahre langsam verholzt. Erhält sie die Möglichkeit zu klettern, geht es bis zu 10 m hinauf in die Höhe. Andernfalls wird sie im freien Gelände etwa 2 m groß. Ihre Bodenkannen sind eiförmig und etwa 5 cm lang, wohingegen die Hochkannen trichterförmig bis zu 16 cm groß werden. In ihrer natürlichen Umgebung hat diese Pflanze sich auf Ameisen spezialisiert.

Nepenthes ampullaria
Diese reine Kannenpflanze bildet kleine, fast kugelförmige Kannen mit einem Durchmesser von 7 cm und daher leicht zu identifizieren. Sie zeigt eine enorme Kletterfreudigkeit und wächst dabei bis zu 10 m in die Höhe. Daher ist sie häufig in großen Terrarien zu finden. Aus ihr wurden mittlerweile zahlreiche Hybriden entwickelt, die im Fachhandel erhältlich sind und etwas robuster sind, als ihre Mutterpflanze.

Nepenthes campanulata
Wer kleine Tiefland-Kannenpflanzen bevorzugt, erhält mit dieser Art genau die richtige Pflanze. Sie klettert nicht und bildet kleine, gelbgrüne Kannen, die eine recht große Öffnung aufweisen.
Hochland-Nepenthes:

Nepenthes pervillei
Diese Kannenpflanze ist ein typischer Vertreter der Hochland-Arten. Ihre Kannen sind gelb-grün mit einem roten Deckel und daher sehr auffällig. Um sie erfolgreich zu halten, müssen die erforderlichen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht geboten werden.

Nepenthes rajah
Sie zählt zu den wohl bekanntesten und größten Hochland-Kannenpflanzen und ist vom Aussterben bedroht. Sie wächst extrem langsam und bildet erst nach 10 Jahren die ersten Blüten. Diese sind dann allerdings vergleichsweise riesig mit einer Länge von 40 cm bei einem Durchmesser von 20 cm. Es wurde berichtet, dass diese Kannenpflanze sogar kleine Säugetiere vertilgt.

Beliebte Hybriden:


/>Nepenthes alata x ventricosa
braune KannenpflanzeDieser Hybrid aus Hochland Kannenpflanzen bildet bis zu 15 cm große Kannen und wird als die perfekte Einsteiger-Pflanze bezeichnet, weil die Pflege recht unkompliziert ist.

Nepenthes inermis x ventricosa
Beide Mutterpflanzen dieser Hybrid-Art stammen aus dem Hochland und entwickeln prächtige, trichterförmige Kannen von bis zu 15 cm Länge.

Insgesamt sind derzeit etwa 100 verschiedene Arten der Kannenpflanze bekannt, von denen allerdings zahlreiche auf der Roten Liste für bedrohte Pflanzen aufgeführt sind. Wer sich als Hobbygärtner dazu entschließt, eine oder mehrere Kannenpflanzen zu kultivieren, leistet damit auch einen wichtigen Beitrag zum Erhalt dieser ungewöhnlichen und faszinierenden Pflanzenart.

Pflege der Tiefland-Kannenpflanze

Da die Nepenthes des Tieflandes eine permanent warme Umgebung benötigen von 20° bis 35° Celsius, ist ihre Pflege etwas unkomplizierter, als bei den Hochland-Arten:
  • heller, halbschattiger Standort;
  • keine Zugluft;
  • bei zu wenig Licht bilden sich keine Kannen;
  • keine stundenlange pralle Sonneneinstrahlung;
  • in hängender Form kultivieren;
  • mehrmals täglich mit kalkfreiem Wasser besprühen;
  • Regenwasser ist am besten geeignet;
  • mindestens 2 Mal pro Woche gießen;
  • oder 2 Minuten in lauwarmes Wasser tauchen;
  • dabei die Kannen zur Seite halten;
  • vertrocknete Kannen abschneiden;
  • die Blätter dabei stehen lassen;
  • gelegentlich verdünnten Orchideendünger verabreichen;
  • alternativ in Wasser aufgelöster Rinderdung alle 14 Tage.
Licht, Wärme und ständig leicht feuchtes Substrat sind entscheidend für die Bildung der Kannen. Kalkhaltiges Gieß- und Sprühwasser verträgt die Kannenpflanze nicht. Wer nicht auf Regenwasser zurückgreifen kann, sollte das Leitungswasser gründlich abkochen.

Pflege der Hochland-Kannenpflanze

hängende KannenDiese Art der Nepenthes ist alleine schon daher anspruchsvoller in der Pflege, weil für sie die Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht überlebenswichtig sind. Diese Voraussetzung ist vor allem in einem Terrarium oder einem Gewächshaus gegeben, das über eine Nachtabsenkung verfügt. Hobbygärtner, die dieser Pflanze tagsüber eine Temperatur um

die 30° Celsius bieten können und nachts mindestens 16 ° Celsius bei permanent 90 % Luftfeuchtigkeit, können sich heranwagen an die Kultivierung dieser Exoten - und die neidischen Blicke der Gärtnerkollegen genießen. Ansonsten gelten dieselben Pflegehinweise, wie bei den Tiefland-Kannenpflanzen. Experten raten dazu, auch bei den Hochland-Gewächsen zunächst mit den etwas robusteren Hybriden zu beginnen, bevor die Herausforderung der reinen Hochland-Nepenthes in Angriff genommen wird.

Rechtzeitig umtopfen

Sobald die Kannenpflanze ihren bisherigen Pflanztopf vollständig durchwurzelt hat, ist es an der Zeit, sie umzutopfen. Bei den schnell wachsenden Arten kann dies jährlich erforderlich sein; bei den langsam wachsenden Arten alle 2 bis 3 Jahre oder noch seltener. Die beste Zeit zum Umtopfen ist während des Wachstums im Sommer, denn dann ist die Pflanze kräftig genug, sich auf ein neues Substrat einzustellen. Erfahrene Hobbygärtner raten zu folgenden Substratvarianten:
  • reines Sphagnum (Torfmoos)
  • sandhaltige Torfmischung
  • Weißtorf vermischt mit Sand und Perlite
  • Orchideenerde
  • spezielle Karnivorenerde für fleischfressende Pflanzen
  • grobfaseriger Torf mit kleinen Rindenstücken und Holzkohle
Wofür auch immer die Entscheidung fällt, der pH-Wert sollte bei etwa 6,5 liegen im sauren Bereich.
Das neue Pflanzgefäß ist idealerweise höchstens 10 cm bis 15 cm im Durchmesser größer, als der bisherige Topf. Da Kannenpflanzen keine Staunässe vertragen, weil diese Wurzelfäulnis auslöst, sollte das Pflanzgefäß über ein Ablaufloch für überschüssiges Gießwasser verfügen. Dieses wird mit einer Drainage aus Kies oder Granulat gegen Verstopfung durch das Substrat geschützt. Ein zusätzlich über der Drainage ausgebreitetes Unkrautvlies sorgt dafür, dass hier keine Pflanzerde eindringt und doch noch Staunässe verursacht. Zunächst kommt eine Schicht des frischen Substrats in das Pflanzgefäß. Dann wird die Kannenpflanze vorsichtig aus dem alten Topf herausgehoben und in der Mitte des neuen Pflanztopfes platziert. Hier ist es von Vorteil, wenn vier statt zwei Hände zur Verfügung stehen. Während die Nepenthes festgehalten wird, wird das frische Substrat rundherum verteilt und leicht angedrückt. Wenn die Pflanzerde einige Zentimeter unter dem Rand des Gefäßes endet, schwappt beim Gießen nichts mehr über. Gleich nach dem Umtopfen erhält die Kannenpflanze in ihrem neuen Topf frisches, kalkfreies Wasser, damit sie sich schnell wohlfühlt.

Vermehren durch Ableger

Kannenpflanze hängendIst erst einmal die Kultivierung der spektakulären Kannenpflanze gelungen, möchte der Hobbygärtner sie zumeist gerne vermehren. Wie jahrelange Erfahrungen gezeigt haben, ist die erfolgversprechendste Methode das Vermehren durch Ableger. Bei dieser Vorgehensweise wird bei der im Wachstum befindlichen Kannenpflanze zwischen zwei Blättern ein Steckling von 10 cm bis 15 cm Länge vom Stamm abgeschnitten. Dann gibt die Pflanze zwar für einige Zeit ein "geköpftes" Bild ab; es entwickeln sich jedoch innerhalb kurzer Zeit junge, neue Triebe. Der so gewonnene Steckling wird sogleich in feuchtes, nährstoffarmes Substrat gesteckt, wo er innerhalb weniger Wochen neue Wurzeln bildet. Für zusätzliche, wachstumsfördernde Luftfeuchtigkeit sorgt eine übergestülpte Plastiktüte, die ab und zu kurz gelüftet wird, damit sich kein Schimmel bildet. Wenn sich die ersten, zarten Wurzeln gebildet haben, wird der Steckling umgetopft in ein größeres Gefäß, das mit dem für Kannenpflanzen erforderlichen Substrat gefüllt ist. Werden die erforderlichen Umweltbedingungen für Nepenthes eingehalten, wird sich der Ableger prächtig entwickeln zu einer neuen Kannenpflanze, während die "enthauptete" Mutterpflanze längst schon wieder neue Triebe hervorgebracht hat. Mehrere geübte Hobbygärtner berichten über eine schnellere Wurzelbildung der Ableger, wenn diese zunächst für einige Zeit in ein Glas oder eine Vase mit entkalktem Wasser gestellt werden und erst dann in einen Topf mit Orchideenerde gesteckt werden. Über die Vermehrung durch Samen sind kaum Erfolgsmeldungen von Hobbygärtnern zu verzeichnen, weil dies nur gelingt, wenn die Samen absolut frisch sind und es eine enorme Geduld erfordert, bis sich überhaupt die ersten Keimlinge zeigen.

Krankheiten und Schädlinge

Gegen die üblichen Krankheiten und Schädlinge ist die Kannenpflanze weitgehend resistent, alleine schon aufgrund ihrer recht ungewöhnlichen Kultivierungsbedingungen. Treten Probleme auf, sind diese in der Regel auf Fehler in der Pflege zurückzuführen:

Faulende Wurzeln
Ursache: Es bildet sich Staunässe, weil das Gießwasser nicht abfließen kann.
Gegenmaßnahme: Umtopfen in ein Gefäß mit Ablaufloch und einer Drainage.

Welkende und vertrocknende Kannen
Ursache: Eine zu geringe Luftfeuchtigkeit oder zu wenig Wasser.
Gegenmaßnahme: Die Pflanze öfter mit kalkfreiem Wasser besprühen und mehr gießen. Neben der Pflanze aufgestellte Wasserschalen, im Winter auf den Heizkörpern, erhöhen die Luftfeuchtigkeit.

Keine Bildung von Kannen
Ursache: Zu wenig Licht hemmt die Kannenbildung.
Gegenmaßnahme: Kannenpflanze an einen helleren Standort hängen, aber pralle Sonne vermeiden.

Zeigen sich verwelkende Kannen und ist die Pflanze selbst gesund, ist dies der ganz normale Lebensrhythmus der Kannenpflanze, denn die Kannen leben in der Regel nur wenige Wochen oder Monate. Sie sollten aber erst abgeschnitten werden, wenn sie vollkommen vertrocknet sind, weil bis dahin die Pflanze noch die restlichen Nährstoffe entzieht. Es bilden sich an einer gesunden Pflanze immer wieder neue, junge Kannen.

Exotische Pflanzen mit dem Killerinstinkt

Kannenpflanzen sind nicht nur eine faszinierende Entwicklung von Mutter Natur, sondern auch ganz natürliche Insektenfallen für daheim. Wer ihre Bedürfnisse hinsichtlich der Umweltbedingungen kennt und diese berücksichtigt, hat beste Chancen, diese anspruchsvolle Pflanze zu kultivieren. Ist genügend Licht vorhanden, die Luftfeuchtigkeit hoch genug und der Raum mehr als 20° Celsius warm, wird die Kannenpflanze sich wohlfühlen und gedeihen, vor allem, wenn es sich um eine Tiefland-Art handelt. Nepenthes aus dem Hochland benötigen zusätzlich noch den typischen Temperaturwechsel der Tropen von heißen Tagen und kühlen Nächten, um prächtig zu gedeihen und ihre Kannen zu entwickeln. Zweifellos ist die erfolgreiche Kultivierung einer Hochland-Kannenpflanze ein Meisterstück für jeden Hobbygärtner. Doch wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Mit den richtigen Pflegetipps wird das Risiko eines Misserfolgs jedenfalls deutlich minimiert.
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Tipps für Schnellleser
Pflege der Kannenpflanze

- Bei Kannenpflanzen wird unterschieden zwischen Tiefland- und Hochlandpflanzen.
- Hybride Nepenthes sind robuster in der Kultivierung.
- Tiefland-Arten benötigen eine permanente Wärme von 25° bis 35° Celsius.
- Hochland-Arten sind angewiesen auf Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht.
- Beide Kannenpflanzen-Arten sind abhängig von einer Luftfeuchtigkeit von ca. 80 % und mehr.
- Neben den Pflanzen aufgestellte Wasserschalen erhöhen die Luftfeuchtigkeit.
- Hängend gedeihen Nepenthes am besten.
- Das Substrat muss ständig leicht feucht sein, ohne Staunässe.
- Der ideale pH-Wert des Substrats liegt bei sauren 6,5.
- Die Insekten werden durch Nektar angelockt und fallen in die Kannen.
- Ohne ausreichende Helligkeit bilden sich keine Kannen.
- Mehr als 4 Stunden pralles Sonnenlicht vertragen die Pflanzen nicht
- Umtopfen erfolgt idealerweise während der Wachstumszeit.
- Orchideenerde und Orchideendünger tun auch der Kannenpflanze gut.
- Das Gießwasser muss möglichst kalkfrei sein.
- Kannenpflanzen sind nicht anfällig für Krankheiten und Schädlinge.
- Vermehrung durch Ableger hat die größten Erfolgsaussichten.
- Ideale Ableger sind Kopfstecklinge in nährstoffarmem Substrat.
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