Miniermotte, Minierfliege richtig bekämpfen

MiniermotteMiniermotten und Minierfliegen können an einer Vielzahl von Pflanzen erhebliche Schäden anrichten. Werden sie entdeckt, ist es häufig für einen Gutteil der Blätter schon zu spät. Die gesamte Pflanze kann mit einigen natürlichen Mitteln und Maßnahmen aber dennoch gerettet werden. 
Zur chemischen Keule muss und sollte hierbei kein



Hobbygärtner leichtfertig greifen.

Miniermotten und Minierfliegen erweisen sich als lästige Schädlinge, die nicht allzu einfach zu bekämpfen sind. Mit ein wenig Geduld und den richtigen Maßnahmen kann ihnen aber dennoch Einhalt geboten werden.

Die Kombination aus mehreren Behandlungsschritten sollte über mindestens einen Monat fortgeführt werden. Ansonsten ist mit einem Wiederauftreten zu rechnen.


Die Vielfalt der Miniermotten und Minierfliegen
  • Rosskastanienminiermotte
  • Ahornmotte
  • Eichenrindenmotte
  • Buchenmotte
  • Azaleenmotte
  • Fliedermotte
  • Phytobia
  • Selachops
  • Hexomyza
Die Vielfalt der Minierfliegen und Miniermotten ist schier unüberschaubar. Die Minierfliegen können mit ganzen 3000 Arten aufwarten. Über 900 davon sind in Europa aktiv.
Bei der Miniermotte sind es 1000 Arten weltweit, von denen weit über 200 in Europa ihr Unwesen treiben.

Jede Art ist auf eine Pflanzenart oder bestimmte Blattformen spezialisiert.

Woran können die Schädlinge erkannt werden?

Minierfliege auf BlattIhnen allen gemein ist es aber, die Blätter von innen heraus zu zerfressen. Dabei bleiben die jeweiligen Ober-und Unterseiten unberührt. Stattdessen fressen sich die Larven zwischen diesen Schichten von Zelle zu Zelle und lassen typische gelbliche und braune Flecken zurück. Diese können sich gleichmäßig und fast rund ausbreiten oder aber in Strichen und Spiralen verlaufen.
Die Fraßspuren trocknen aus und sind meist in der Mitte der Blätter zu finden. Seltener sind die ausgehöhlten Gänge an den Rändern des Laubes positioniert.

Minierfliegen und Miniermotten treten bereits zeitig im Jahr auf und vertragen auch Frost ausgesprochen gut. Lediglich im Winter legen sie eine kurze Pause ein. Daher ist weder das zarte, junge Blätterdach im Frühling noch das kräftigere im Herbst vor ihnen sicher.

Zusätzlich zu erkennen sind die erwachsenen Schädlinge an ihrem Aussehen:
  • Minierfliegen haben transparente Flügel
  • Die Körper sind schlank, vollkommen schwarz, braun oder von gelben Flecken gezeichnet
  • Miniermotten sind schlank und zeigen in Ruhe einen erhöht gehaltenen Oberkörper
  • Die Flügel sind braun oder beige und weißen meist schwarze Flecke auf
Aufgrund der zahlreichen Arten und Unterarten kann sich die Optik stark unterscheiden. Aus diesem Grund ist es nicht immer einfach, die Miniermotten und Minierfliegen eindeutig festzustellen. Zudem sind die adulten Insekten nur selten anzutreffen, während die Larven im Blattinneren verborgen sind.
Tipp: Bei einem Verdacht auf einen Befall durch Miniermotten oder Minierfliegen, sollten Pheromonfallen in die befallene Pflanze gehängt werden. Von diesen werden die Männchen der Schädlinge angezogen. Das sichert zum einen eine einigermaßen sichere Identifizierung. Zum anderen wird die Vermehrung zumindest etwas eingegrenzt.

Erste Maßnahmen bei einem Befall

Miniermotte auf HolzWird ein Befall vermutet, sollten neben dem Aufhängen von Fallen einige weitere Maßnahmen ergriffen werden.

Da sich die Larven in dem Laub verschiedenster Pflanzen - von der Tomate bis zur Eiche - finden, gilt es zunächst betroffene Blätter zu entfernen. Zudem ist es wichtig, möglichst jedes Blatt auf die Verfärbungen und Fraßspuren hin zu untersuchen. Haben sich die Larven bereits einige Male verpuppt, legen sie einen recht großen Appetit an den Tag. Die Kontrolle der Blätter muss daher aller drei bis vier Tage wiederholt werden. Ebenso wie das Entfernen betroffener Pflanzenteile.
Das gilt übrigens nicht nur für die Blätter, die sich noch an Baum, Busch

oder Strauch befinden. Auch die, die bereits am Boden liegen müssen eingesammelt werden.

Als nächster Schritt steht die Vernichtung der schädigenden Larven an. Da diese sich im Laub aufhalten, darf das Blätterwerk weder auf den Kompost noch frei in den Hausmüll gelangen. Es sollte luftdicht verschlossen in Plastikbeutel gefüllt und erst dann über den Müll entsorgt werden.
Eine weitere Möglichkeit ist es, das gesammelte Laub in Kompostanlagen abzugeben. Hier sollte dann aber der Hinweis auf einen Schädlingsbefall erfolgen, damit das Laub verbrannt oder speziell behandelt wird.

Vorbeugender Schutz

Eine weitere, kostengünstige und einfache Maßnahme besteht in der Abdeckung der Pflanze. Dies sollte aber erst geschehen, wenn alle betroffenen Blätter eingesammelt wurden. Oder aber bevor ein Befall überhaupt stattfindet.

Zur Abdeckung kann Gartenvlies oder ein sehr engmaschiges Netz eingesetzt werden, durch dessen Öffnungen die erwachsenen Motten und Fliegen nicht hindurch passen.
Zusätzlich sollte die Pflanze unter dem Netz mit den bereits erwähnten Pheromonfallen bestückt werden. Eine wöchentliche Kontrolle verhindert, dass sich die Minierfliegen und Miniermotten unbemerkt darunter ausbreiten.

Nützlinge einsetzen

Um den Erfolg der Abdeckung noch zu erhöhen, sollten darunter Nützlinge eingesetzt werden.
Als besonders erfolgreich in der Bekämpfung von Minierfliegen und Miniermotten haben sich bestimmte Wespenarten erwiesen. Darunter:
Diese sind frei im Handel erhältlich und werden schlicht an der betroffenen Pflanze oder unter der Abdeckung freigelassen. In der Folge legen die Wespen ihre eigenen Eier direkt in den Larven ab. Diese fressen sich durch die Schädlinge und schlüpfen dann aus diesen. Finden sie nicht mehr ausreichend Larven als Futter und Brutablage vor, ziehen sie weiter oder sterben ab. Mit einer Plage der Wespen ist also nicht zu rechnen.

von Minierfliege befallener KastanienbaumAber: Wer unter einer Allergie gegen Wespenstiche leidet, sollte sich deren Einsatz gründlich überlegen. Oder geeignete Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. Das Freilassen in einer dicht schließenden Abdeckung ist bereits ein sinnvoller Schritt. Bei wiederholtem Einsatz sollte zudem Schutzkleidung getragen werden.

Ein sauberer Garten

Herumliegendes, noch teilweise grünes Laub wirkt auf Miniermotten und Minierfliegen anziehend. Daher sollten abgefallene Blätter umgehend entfernt werden.

Zeigen diese bereits auffällige Verfärbungen, gehören sie wiederum nicht auf den Kompost.
Nützlinge willkommen heißen

In freier Wildbahn werden Minierfliegen und Miniermotten im Normalfall von zahlreichen Parasiten befallen. Diese verhindern, dass sich die Schädlinge unkontrolliert ausbreiten können und reduzieren die Anzahl auf ein unauffälliges Maß.

Dadurch wird der Garten zwar nicht unbedingt frei von den Schädlingen, im Normalfall fallen sie dann aber gar nicht auf.

Aus diesem Grund ist es wichtig, auch Insekten im Garten willkommen zu heißen und nicht bei jeder Fliege und jedem Käfer die Sprühflasche zu zücken.

Am besten ist es, wenn überhaupt nur natürliche Mittel zu verwenden und das auch nur dann, wenn eine Plage besteht. Anderenfalls werden immer wieder natürliche Feinde vernichtet und deren Beute kann sich ungehindert verbreiten. Das führt wiederum zur nächsten Plage. Wer also einmal einen Rundumschlag mit Chemikalien plant, tut damit weder sich selbst noch dem Garten oder der Umwelt einen Gefallen. Und chemische Insektizide sind noch aus einem weiteren Grund eher von Nacht- als von Vorteil.

Vorsicht bei Insektiziden

Insektizide sind nicht nur eine Gefahr für Mensch und Tier. Sie sind auch teilweise verantwortlich für die auftretenden Miniermotten und -Fliegen Plagen.

Zumindest die Breitband-Mittel. Denn diese sorgen nicht etwa dafür, dass die Motten, Fliegen und deren Larven absterben. Stattdessen rufen sie die Entwicklung von Resistenzen hervor. Die Schädlinge werden also immun gegen die Mittel und lassen sich in der Folge nicht mehr von ihnen abschrecken.

Daher sollten derartige Mittel wirklich nur dann eingesetzt werden, wenn die bereits erwähnten Maßnahmen keine Wirkung zeigen. Zudem ist es wichtig, keine Breitband-Produkte einzusetzen, sondern lediglich Insektizide, die speziell auf die jeweilige Art abgestimmt sind.

Der erste Anhaltspunkt hierfür ist, wie bereits erwähnt, die befallene Pflanzenart. Der zweite basiert auf der Form der Fraßspuren. Immer noch nicht sicher? Dann sollte ein befallenes Blatt - natürlich für die Larve fluchtsicher verpackt - mit in eine Baumschule, eine Gärtnerei oder ein Gartencenter genommen werden. Ein gutes, scharfes Foto kann den Zweck ebenfalls erfüllen.
Auf der Basis dieser Hinweise fällt es leichter, die richtige Art auszumachen und dann mit genau abgestimmten Mitteln zu bekämpfen.

Natürliche Mittel gegen die geflügelten Schädlinge

Auf Seiten der natürlichen Bekämpfung bieten sich drei verschiedene Mittel beziehungsweise Wirkstoffe an.
  • Pyrethrum
  • Natürliche Fettsäuren
  • Brennnessel-Jauche
Bei Pyrethrum handelt es sich um einen Auszug aus Chrysanthemen. Dieser Wirkstoff hat einen abschreckenden Effekt auf Insekten und kann damit sowohl einen Befall mit Miniermotten und Minierfliegen verhindern, als auch eine bereits befallene Pflanze retten. Er kann als Insektizid-Stäbchen eingesetzt werden, wodurch der Stoff über das Substrat in die Wurzeln und schließlich in die Blättern gelangt.

Zusätzlich oder alternativ kann er direkt auf die Pflanze aufgesprüht werden und so von außen wirken.

Ähnlich verhält es sich mit Produkten, die natürliche Fettsäuren enthalten. Auch diese können als Spray oder Stäbchen eingesetzt werden und wirken dann wahlweise von innen oder von außen.
In jedem Fall empfehlenswert ist die innerliche Behandlung. Diese wirkt aufgrund der Position der Larven von Motte und Fliege schneller und direkter.

Das letzte Mittel im Bunde ist die Brennnessel-Jauche. Hierzu werden Brennnessel-Stücke in einen Eimer oder ein Fass Wasser eingelegt und für mindestens eine Woche da belassen. Der Effekt kann intensiviert werden, wenn die Pflanzenteile fein zerschnitten werden. Die so hergestellte Lösung wird zum Gießen der betroffenen Pflanzen verwendet. Das dient zum einen als organischer Dünger und vertreibt zum anderen Schädlinge.

Ist der Befall bereits weit fortgeschritten und wurden viele Blätter entfernt, kann die Jauche zusätzlich zum Besprühen der Pflanzen benutzt werden. Das hält neue Ablagen ab.

Die beste Wahl? - eine Kombination

Jede Maßnahme für sich genommen, kann bereits Erfolge verzeichnen und die Anzahl der Minierfliegen und Miniermotten erheblich verringern.

Gerade wenn die Schädlinge im Sommer auf dem Höhepunkt ihrer Aktivität angekommen sind, reicht eine Behandlung allein aber nicht aus. Soll die Pflanze gerettet werden, müssen daher alle Maßnahmen miteinander kombiniert werden. Nur so lässt sich ein neuer Befall wirksam verhindern und die aktuell vorhandenen Schädlinge können effektiv entfernt werden.

Müssen die Schädlinge überhaupt bekämpft werden?

Miniermotten und Minierfliegen sind keine Seltenheit. Daher sind sie fast unweigerlich in jedem Garten vorhanden. Wo aber keine oder wenige Insektizide eingesetzt werden, sind ausreichend natürliche Feinde vorhanden.

Wer also nur hin und wieder ein geflecktes Blatt entdeckt, muss lediglich die betroffenen Stellen entfernen und vernichten. Eine weitere Behandlung ist dann nicht von Nöten.

Erst wenn die Schädigung überhandnimmt, also ein großer Teil der Blätter befallen ist, werden die obig erwähnten Maßnahmen notwendig.
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Tipps für Schnellleser
Miniermotten bekämpfen

- Miniermotten und Minierfliegen sind mit mehreren tausend Arten vertreten
- Jede Art ist auf spezielle Pflanzen- und Blattarten spezialisiert
- Ein Befall mit den Schädlingen wird durch Fressspuren im Blattinneren sichtbar, diese können rund, als gerader Strich oder in Spiralen auftreten
- Trockene, braune oder gelbe Verfärbungen zeigen Larven im Blatt an
- Abdeckung der Pflanze angeraten
- Betroffene Pflanzenteile sind zu entfernen und zu vernichten
- Schlupfwespe, Brackwespe und Erzwespe sind natürliche Feinde der Miniermotten und Minierfliegen und können im Handel erworben werden
- Insektizide mit Pyrethrum, natürlichen Fettsäuren und Brennnessel-Jauche sind organische und effektive Mittel
- Chemische Breitband-Mittel führen zu Resistenzen und vernichten die natürlichen Feinde der Motten und Fliegen - daher am besten gar nicht einsetzen
- Natürliche vorkommende Fressfeinde willkommen heißen und nicht bekämpfen
- Eine Kombination aus verschiedenen Mitteln ist ratsam
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