Zimmergewächshaus

Jedes Frühjahr auf Neue: Die Gärtner stehen in den Startlöchern, um die ersten Samen in die Erde zu bringen. Die Zimmergärtner brauchen vielleicht noch nicht einmal auf das Frühjahr warten, manche Pflanzen lassen sich in fast jeder Jahreszeit zum Keimen bringen. Was beiden in vielen Fällen brauchen, ist ein Zimmergewächshaus, hier erfahren Sie, in welchen Fällen und wie Sie Ihr Zimmergewächshaus selber bauen können:

Wann brauchen Sie ein Zimmergewächshaus?

Ein Zimmergewächshaus brauchen alle (Zimmer-) Gärtner, die Keimlinge von Pflanzen ziehen möchten, die eigentlich in viel wärmeren Gegenden als bei uns zu Hause sind. Denn die Samen dieser Pflanzen sind es gewohnt, bei Temperaturen zu keimen, die meist unsere Wohnzimmertemperaturen deutlich überschreiten, und sehr häufig herrscht in diesen Heimatgegenden auch eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit.

Alle Samen von Pflanzen, die Ihre Heimat im Regenwald haben, werden bei uns nur zum Keimen gebracht werden, wenn Sie Ihnen annähernd heimische Bedingungen bieten. Da Sie Ihr Wohnzimmer nicht auf bis zu 27 Grad heizen können und unter eine Luftfeuchtigkeit von bis zu 90 Prozent setzen können (dann würden Sie sich nicht mehr so richtig wohlfühlen), brauchen Sie ein Zimmergewächshaus, um den Samen diese Bedingungen zu bieten.

Ein Zimmergewächshaus wird also immer dann gebraucht, wenn Sie Samen in Wohnräumen zum Keimen bringen möchten und dabei hohe Keimtemperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit gefragt sind. Darüber hinaus macht es immer dann Sinn, wenn Sie empfindliches Saatgut aufziehen wollen, dass müssen Sie während der Keimung nicht gießen, wenn es in einem Zimmergewächshaus steht, empfindliche Samen entwickeln sich besser, wenn sie ihre Ruhe haben.

Der normalen, deutschen Temperaturen gewohnte Samen braucht eigentlich kein Zimmergewächshaus, und erst recht keinen besonders warmen Standort, der würde ihn wahrscheinlich eher vom Keimen abhalten. Das Zimmergewächshaus hilft Ihnen bei diesen Samen jedoch auch, die Luftfeuchtigkeit etwas zu erhöhen. Das ist deshalb günstig, weil die Erde um den Samen sehr gleichmäßig feucht gehalten werden muss, was bei höherer Luftfeuchtigkeit leichter zu bewerkstelligen ist. Auf der anderen Seite ist die Abschottung im Zimmergewächshaus für „normale Samen“ aber auch nicht ungefährlich, denn die erhöhte Luftfeuchtigkeit bringt auch erhöhte Schimmelgefahr mit sich, und wenn die Keimling da sind, sollten sie besser sofort der Luft ausgesetzt werden, die sie auch später im Garten umgeben wird. Heimische, nicht sonderlich empfindliche Samen können auch einfach mit Klarsichtfolie abgedeckt werden, die lässt sich gut lüften, vor allem wenn sie in von Mikroorganismen durchsetzter Gartenerde gezogen werden und nicht in toter Anzuchterde.

Wann lohnt es sich, ein Zimmergewächshaus selber zu bauen?

Anzucht von PflanzenWenn Sie Samen mit besonderen Ansprüchen zum Keimen bringen möchten, heißt das meist noch nicht, dass es sinnvoll ist, sich ein Zimmergewächshaus selber zu bauen. Zimmergewächshäuser werden in Gartencentern oder im Internet zu sehr günstigen Preisen angeboten, schon für rund 5,- Euro können Sie Zimmergewächshäuser mit einer Größe von etwa 40 x 20 cm erwerben.

Sie können davon ausgehen, dass jeder Selbstbau teurer werden wird, vor allem, wenn Sie Ihre Arbeitszeit bewerten und einrechnen würden.

Schnell selbst „gebaute“ Zimmergewächshäuser für Standorte, die nicht im Blickfeld liegen

Wenn Sie die Sämlinge im Zimmergewächshaus an Standorte aufziehen, die nur selten in Ihrem Blickfeld liegen, gibt es einige Bastelideen, die längst nicht so anspruchsvoll wie ein „Selbstbau“ sind, aber Ihre Samen trotzdem zum Keimen bringen können.

1. Für ehrgeizige Aussaat-Projekte brauchen Sie ein recht großes Zimmergewächshaus, das Sie ohne große Kosten und ohne großen Aufwand aus Kartons anfertigen können. Sie brauchen einen stabilen Karton, der mit einer Folie ausgekleidet wird, die Sie über den Rand des Kartons stülpen und am besten noch fest tackern. Sie können z. B. in ihrem Supermarkt fragen, ob Sie einen der riesigen transparenten Müllsäcke erwerben können, in denen Kunststoff-Pfandgut transportiert wird. Für kleinere Kartons tut es natürlich auch ein fester Müllsack, der jedoch nicht selten nur in Farben verfügbar ist, die die Attraktivität des ganzen Arrangements noch ein wenig mehr herabsetzen.

Als schön ist dieser Selbstbau ohnehin nicht gerade zu bezeichnen, aber immerhin, Sie können Erde einfüllen und Samen aufziehen – sogar ziemlich viele Samen. Als Abdeckung dieses improvisierten Zimmergewächshauses könnten Sie eine Plexiglasscheibe (Baumarkt) oder eine dicke transparente Folie einsetzen. Dieses Großflächen-Zimmergewächshaus ist nicht für alle Sämlinge geeignet – wenn die Keimlinge sehr feine Wurzeln bilden, die sich weit ausbreiten, verschränken sich bei dieser Art Aufzucht die Wurzeln derart ineinander, dass Sie später beim Trennen zum Auspflanzen oder um die Pflanzen in eigene Töpfe zu setzen, die Wurzel gründlich schädigen würden.

Wenn Sie jedoch Sämlinge von Pflanzen ziehen, die (zumindest als Jungpflanzen) eher schön gerade Pfahlwurzeln ausbilden, ist die Gemeinschafts-Aussaat möglich. Zu diesen Pflanzen gehörten z. B. Mangos, Walnüsse, Ginkgos, die meisten Palmen, Chilis, Pfirsiche und Aprikosen, Frangipani und noch viele andere. Außerdem gibt es derart kräftig wachsende Pflanzen, dass sie ein wenig Wurzelverlust beim Umpflanzen eher als Ansporn begreifen, sich noch stärker ins Zeug zu legen, die können Sie auch in einer Kiste ziehen.

2. Winzige, aber dafür komplett fertige Zimmergewächshäuser sind die dreieckigen Verpackungen aus durchsichtigem Kunststoff, in denen in vielen Supermärkten Cocktailtomaten verkauft werden. Sogar ziemlich perfekte kleine Zimmergewächshäuser: Die Schale ist im unteren Bereich ein paar Zentimeter hoch und hat einen leicht gewölbten Deckel, unten sind Ablauflöcher für zu viel Gießwasser und oben sind Lüftungslöcher – eine Umgebung, in der sich ausgereifte Tomaten wohlfühlen, aber eben auch Samen.

Diese Mini-Zimmergewächshäuser können so gruppiert werden, dass immer zwei ein Quadrat ergeben, nun brauchen Sie noch einen größeren Behälter, in den die kleinen Gewächshäuser gestellt werden. Optimal wäre ein flacher, wasserdichter Behälter, im dem Sie unten eine Drainageschicht einbringen können, die überschüssiges Gießwasser auffängt, diese Schicht können Sie so hoch anlegen, dass die transparenten Schalen gut dem Licht ausgesetzt sind. In die Schalen kommt nun Erde, in die Erde die Samen, anfeuchten, Deckel zu, fertig.

3. Die unelegante Variante dieser Selbstbau-Lösung wird aus günstigen Balkonkästen und leeren, unten gelochten Joghurtbechern zusammengestellt. Auch hier kommt eine Drainageschicht unten in den Balkonkasten, der den Joghurtbechern zugleich näher ans Licht rückt.

4. Die Balkonkasten-Joghurtbecher-Variante hat dafür einen anderen Vorteil: Sie könnten sich davon ganze Rabatten aufstellen, wenn Sie in ein Fenster ein Regal bauen und diese schmalen Kästen in mehreren Etagen dort aufstellen. Ein Regal im Fenster ist nicht sehr schwierig zu bauen: Links und rechts Leisten als Träger in die Wand schrauben, passende Bretter zuschneiden und einlegen.

Der Grundbauplan ermöglicht noch viele Varianten von selbst gebauten Zimmergewächshäusern

BlumenerdeDie gerade beschriebenen Lösungen haben folgendes gemeinsam: Untergestell, wasserdicht (gemacht) und mit Wasserauffangschicht darin, innen Erde oder Erde in einzelnen Behältern, lichtdurchlässige Abdeckung. Damit gibt es natürlich noch sehr viele andere Möglichkeiten, sich aus Alltags-Gebrauchsgegenständen ein Zimmergewächshaus zusammenzubauen. Sie können z. B. Unterteile von Kleintierkäfigen verwenden, in diesen Plastikwannen finden viele Aufzuchttöpfe Platz, die Abdeckung kann mit Folie aufgebracht werden. Oder Sie verwenden Fleischerkisten, die mit ihrem kräftigen Rot zwar nicht wirklich dekorativ sind, aber dafür Lüftungsöffnungen (Griffmulden) mitbringen.

Wenn Sie mit Folie oder einer Abdeckhaube aus transparenten Kunststoff arbeiten, können Sie letztendlich unter den Anzuchttöpfchen alles einsetzen, was flach und von genehmer Größe ist, auch Holzkisten beispielsweise (vom nächsten Obsthändler). Die werden Sie zwar nicht so richtig wasserfest bekommen, wenn Sie Ihre Pflanzen nicht überfluten wollen, reicht es hier vollkommen aus, wenn Sie unten eine dicke Lage alten, saugfähigen Stoff (Zeitungen, Vlies) einlegen, der das überflüssige Wasser im Zweifelsfall auffängt.

Was die Abdeckung angeht, können Sie einfach Folie nehmen, solange die Sämlinge nicht den Topfrand überwachsen, und dann die Folie abnehmen, viele Keimlinge wollen ab diesem Stadium ohnehin an die Luft. Für Pflanzen, die länger in höherer Luftfeuchtigkeit wachsen sollen, bräuchten Sie eine Abdeckhaube, die etwas höher ist. Ein guter Tipp ist, sich im Gastronomiezubehör-Bereich umzusehen. Für sogenannte GN-Behälter (Gastronom-Behälter) gibt es transparente Abdeckhauben, lebensmittelecht und somit auch für Pflanzen unschädlich, die Abdeckhaube für GN 1/2 ist z. B. 32,5 x 27 cm in der Fläche und 9 cm hoch, das könnte ziemlich gut passen. Diese Abdeckhauben werden Sie günstig bekommen, wenn Sie einen Gastronomen finden, der die Hauben einsetzt, die zerkratzen recht schnell und können dann für Partyservice nicht mehr eingesetzt werden.

Welche Abdeckhaube Sie auch immer verwenden, Sie sollten sich Gedanken über die Lichtdurchlässigkeit machen – nur wenn die hoch genug ist, werden sich Keimlinge zeigen. Diese Lichtdurchlässigkeit ist bei Acrylglas sehr hoch, bei den meisten Folien auch, Gastro-Abdeckhauben gibt es in unterschiedlichen Ausführungen, halbtransparente Abdeckhauben werden wohl eher zu wenig Licht durchlassen.

Die meisten dieser Lösungen lassen sich mit ein wenig Fantasie auch schnell mit Griffen ausstatten, z. B. zwei Löchern mit einem Seil, damit Ihre Keimlinge bei schönem Frühjahrswetter schon einmal ein wenig Gartenluft schnuppern können … Vielleicht verwenden Sie ohnehin ein tieferes Serviertablett als Untergestell.

Zimmergewächshaus mit ansprechendem Design selber bauen

Sowohl die „Bastellösungen“ als auch die günstigen fertig zu kaufenden Zimmergewächshäuser haben jedoch eines gemeinsam: Sie sind nicht gerade Ausbunde an Schönheit, meist genau das Gegenteil, wenn das Zimmergewächshaus in häufig genutzten Wohnräumen liegt, keine gute Lösung.

Geübte und begeisterte Heimwerker würden ohnehin nie auf die Idee kommen, Plastikschalen in ihre Wohnräume einziehen zu lassen, sie bauen sich ihr Zimmergewächshaus selbstverständlich selbst, in genau den gewünschten Abmessungen. So könnten Sie vorgehen:

  • Sie kaufen sich eine Holzplatte in den gewünschten Maßen, das wird der Boden.
  • Diese Holzplatte ist im Idealfall unbehandelt und sollte deshalb gewachst werden, um die Widerstandsfähigkeit gegen Wasser zu erhöhen.
  • Eine in der Größe passende Abdeckhaube aus lichtdurchlässigem Material wird der Deckel.
  • Nun bauen Sie einen Rahmen, der so groß ist, dass die Abdeckhaube genau darauf passt.
  • Der kann z. B. aus einer einige Zentimeter breiten Holzlatte bestehen, die auch gewachst wird.
  • Der Rahmen wird mit kleinen Winkeln und Schrauben auf der Holzplatte festgeschraubt.
  • Die Abdeckhaube wird durchbohrt und mit Scharnieren am Rahmen befestigt. 

Die Heizung für Ihr Zimmergewächshaus

Manche Zimmergewächshäuser passen sehr gut auf das Fensterbrett über der Heizung, manche nicht. Wenn Sie die Regal-im-Fenster-Variante wählen, ist die Heizung zumindest für die oberen Kästen keine Wärmequelle mehr.

Bei Zimmergewächshaus geht es aber nun einmal meisten darum, Sämlinge warm keimen zu lassen, je nach Samen bei Temperaturen bis zu 27 Grad. Die Lösung ist hier die Anschaffung einer Heizmatte, die in eigentlich jeder Größe angeboten wird, auch in länglicher Form für Fensterbretter.

Fazit

Es gibt viele Möglichkeiten, ein Zimmergewächshaus selber zu bauen, einfach nur praktische und ziemlich dekorative. Ein Zimmergewächshaus mit verzinktem Stahlrahmen und Glas könnten Sie sogar doppelt nutzen: Nach dem Aufgang der Saat bepflanzen Sie es mit einer hübschen Rankpflanze, die im unteren Bereich viel Luftfeuchtigkeit liebt und aus dem geöffneten Deckel heraus attraktiv nach oben rankt.