meerrettichbaum 51756206 300 fl

Falls Sie irgendwann einmal im Leben unter irgendeiner Unpässlichkeit leiden sollten, sollten Sie einen Moringa oleifera auf dem Fensterbrett haben – mit einem Blatt davon ist jede Unpässlichkeit Geschichte, und alle ernsthaften Krankheiten vom protuberanten Schmalzheimer-Syndrom bis zu quadratischer Beulenpest gleich dazu … Leider nicht wirklich, aber ganz ohne Grund hat der Meerrettichbaum seinen Zweitnamen Wunderbaum auch nicht bekommen: Er hat jede Menge Inhaltsstoffe, die unserer Gesundheit Gutes tun können. Sie sind einfach nur ein begeisterter Zimmergärtner, ziemlich kerngesund? Dann wird der Meerrettichbaum Ihnen sicher auch gefallen, so attraktiv, wuchsfreudig und pflegeleicht, wie er ist:

Beschreibung

Die Moringas gehören zur Ordnung der Kreuzblütlerartigen und bilden innerhalb dieser die einzige Gattung der Familie Bennussgewächse. Diese Gattung ist mit ihren 13 Arten sehr klein, und Moringa oleifera ist der einzige Moringa, der bis zu uns vorgedrungen ist. Die anderen 12 Moringas werden Sie höchstens in Botanischen Gärten, bei Moringa-Sammlern (von denen es allerdings eine ganze Menge gibt) oder irgendwo in ihrer Heimat in Afrika oder Asien betrachten können.

Moringa oleifera, den unangefochtenen Star unter den Moringas, kennen wir dagegen schon sehr lange. Nur nicht als Meerrettichbaum für die Fensterbank, sondern als „Zulieferer“ in der Uhren-Industrie. Die Samen der Moringa oleifera liefern nämlich das sogenannte Behenöl, das bis ins 19. Jahrhundert hinein als feinmechanisches Schmieröl in der Uhrenindustrie Deutschlands und in der Schweiz eingesetzt wurde.

Blätter des BehenbaumsEine noch ziemlich neue Karriere hat der Moringa oleifera gerade als Zimmerpflanze gestartet. Ziemlich sicher ging das aus von Menschen, die Ergänzungen für die Ein-Wirkstoff-Präparate der Pharmaindustrie in allen Teilen der Welt suchten und bei dieser Suche schnell auf Moringa oleifera gestoßen sind – und auf dem Fensterbrett machte sich der Meerrettichbaum so dekorativ, dass der Nachbar schnell einen Steckling erbat, der wuchs dann so gut, dass die Ausbreitung des Moringa oleifera bei den Freunden schöner Pflanzen ungebremst fortschreitet … Hier www.flickr.com/photos/12714842@N03/2687654948 können Sie sich einen selbst angezogenen Moringa im Topf ansehen (und schöne Fotos von Nackt-Falten-Ratte Billy gibt es ein paar Seiten später auch zu bewundern), hier informatiecuba.wordpress.com/tag/moringa-oleifera ist die Blüte zu bewundern.

Anzucht

Die Anzucht des Moringa oleifera gelingt (auch ohne Gesellschaft von Nacktratte Billy) wirklich leicht: Als tropische Pflanze bringt Moringa oleifera Samen hervor, die keinen Kältereiz brauchen, sondern immer anfangen zu keimen, wenn sie durch Feuchtigkeit und ein wenig Licht dazu ermuntert werden.

Sie können Ihren Meerrettichbaum deshalb immer dann anziehen, wenn Sie ihm eine Umgebung mit Temperaturen zwischen 22 °C – 45 °C bieten können.

So gehen Sie vor:

  • Samen für 1, 2 Tage in handwarmem Wasser einweichen
  • Anzuchttöpchen mit Anzuchterde füllen und diese leicht befeuchten
  • Pro Anzuchttopf einen Samen etwa 1 cm tief in die Erde drücken
  • Anzuchttöpfe an einem warmen, hellen Ort aufstellen
  • Achten Sie darauf, dass die Anzuchttöpfe keine Zugluft und/oder Kälte abbekommen
  • Nach ein bis zwei Wochen sollten mindestens die Hälfte der Samen keimen
  • Pflegen Sie den Rest weiter, oft kommt noch was nach
  • Wenn Sie die Samen schon eine Weile herumliegen haben, kann es länger dauern
  • Während der Keimzeit Anzuchterde immer leicht feucht halten

Wenn sich das erste Blattpaar nach den Keimblättern zeigt, können die Keimlinge umgesetzt werden, in einen größeren Blumentopf, der mit magerer Erde gefüllt wurde. Der kommt auch wieder an einen warmen, hellen Ort.

Vor allem, wenn Sie Ihren Meerrettichbaum in den Herbst- oder Wintermonaten anziehen, ist er dankbar für eine zusätzliche, künstliche Lichtquelle.

Substrat

Blüten von Moringa OleiferaDer Meerrettichbaum ist im nordwestlichen Indien beheimatet, wo er hauptsächlich in Sandböden in heißem, halbtrockenem Klima gedeiht.

Die Erde sollte also vor allem gut wasserdurchlässig sein, nasse Füsse kennt und mag der Moringa oleifera wirklich nicht. Viel Nährstoffe braucht er auch nicht, eine magere Kakteenerde ist ihm gerade recht. Sie können auch normale Gartenerde mit Sand mischen, gerne mit leicht lehmigem Sand, auf Lehmböden soll der Meerrettichbaum gut wachsen.

Standort

Kurz gefasst: Hauptsache hell und warm.

In welche Gebiete der Meerrettichbaum sich auch immer verbreitet hat – und das sind eine Menge – er wächst problemlos vor allem in den Tropen und Subtropen, dann natürlich im Freien. Inzwischen weltweit, in Afrika und Arabien, den karibischen Inseln und Südostasien.

Zu warm kann es dem Meerrettichbaum deshalb bei uns also nicht werden, im Gegenteil, er genießt im Sommer gerne einen Sonnenstandort im Garten oder auf Terrasse/Balkon. Eher zu kalt, aber auch da ist er ziemlich hart im Nehmen. Ein erwachsener Moringa oleifera soll sogar kurzfristig leichte Fröste ertragen, für den können Sie dann also den Freilandaufenthalt sehr großzügig planen, die Lichtintensität im Freien tut ihm auf jeden Fall gut. Jungpflanzen sollten nur bei schönem, warmem Wetter rausgestellt werden und nach und nach an etwas raueres Klima gewöhnt werden. Sehr nach und nach, der durchschnittliche Moringa oleifera lebt bei Temperaturen zwischen 22 und 45 °C.

Jungpflanzen-Pflege

Bei den hiesigen Lichtintensitäten kommt sich ein kleiner Meerrettichbaum wahrscheinlich ein wenig so vor, als wenn er in einer dunklen Höhle aufwachsen müsste. Er leidet sozusagen genetisch bedingt unter Lichtknappheit (Unterbelichtung mal ganz im wörtlichen Sinne) und streckt deshalb seine Triebe gerne verzweifelt jedem Lichtstreifen entgegen, den er erspäht, lang und dünn nach oben gewöhnlich.

Also müssen Sie die kleinen Moringas zwingen, sich zu verzweigen und zu Bäumchen mit einer hübschen Krone heranzuwachsen. Wenn der Stamm die Höhe hat, in der Sie Verzweigung haben möchten, so um 50 cm z. B., schneiden Sie einfach ein Stück ab. Dann wird das Meerrettichbäumchen Seitentriebe entwickeln, die Sie wiederum dort kürzen können, wo weitere Seitentriebe entstehen sollen, natürlich erst, wenn die Jungpflanze den ersten Schnitt sichtbar gut verkraftet hat. Dann sind diese Seitentriebe auch schon gut handlang, das sollten sie vor erneutem Kappen auch mindestens sein.

Das Spielchen können Sie noch so zwei bis drei Mal durchführen, je nachdem, wie das „Baum-Design“ es anbietet. Dann ist die Jungpflanze erwachsen genug, um ganz alleine weiter wachsen zu dürfen.

Gießen

Moringa OleiferaDer Meerrettichbaum gedeiht in heißen und meist eher trockenen Gebieten. Wenn er in Gegenden wächst, in denen es viel regnet, wächst er auch, aber langsamer.

Das bedeutet, Sie können sich aussuchen, ob Sie Ihren Moringa durch „knappe Haltung“ zu großen Anstrengungen animieren oder ob Sie ihn immer gut mit Wasser versorgen und ihm damit eine eher gemächliche Entwicklung gönnen. Die Wuchsform müsste dann eigentlich etwas mehr in die Breite gehen.

Nur damit wir uns nicht missverstehen: Gut mit Wasser vorsorgen heißt nicht im Nassen stehen lassen – außer Seerosen und Co. mag das keine Pflanze, und der tendenziell wüstenerprobte Meerrettichbaum schon gar nicht, auch nicht ganz kurz.

Schneiden

Alle Moringas sollen im Grunde recht schnellwüchsig sein, Moringa oleifera wächst in seiner Heimat bereits im ersten Lebensjahr gewöhnlich in eine Höhe von stattlichen 5 Metern oder mehr. Wenn er in diesem Rekordtempo wächst, wächst er die erste Zeit einfach gerade nach oben und setzt dann in luftiger Höhe irgendwann seine Krone an, der Stamm darunter bleibt kahl und entwickelt eine immer mehr rübenartig verdickte Wurzel. Wie das aussieht, können Sie auf www.guteszumleben-shop.de/moringa-oleifera-64344556 betrachten, so etwas möchten Sie wahrscheinlich eher nicht im Haushalt haben.

Den Start in diese Wuchsform haben Sie bereits im Zuge der oben empfohlenen Jungpflanzen-Pflege verhindert. Damit der Meerrettichbaum zu einem Baum heranwächst, dessen Wuchsform sich ähnlich wie auf diesen Fotos: luirig.altervista.org/schedenam/fnam.php?taxon=Moringa+oleifera entwickelt, müssen Sie dranbleiben:

  • Moringa oleifera bildet vor allem Blätter an den Spitzen der Zweige, also oben und außen
  • Deshalb sollte Ihr Meerrettichbaum immer nah am Stamm möglichst viele kürzere Äste aufweisen
  • Wenn Sie ihn jahrelang unbeschnitten wachsen lassen, verkahlen mehrstämmige Moringas
  • Meerrettichbäume auf einem Stamm legen dann gerne einmal ein Stockwerk kahlen Stamm zu, ehe die nächste Verzweigung beginnt
  • Alles nicht wirklich dekorativ, deshalb sollten Sie den Moringa oleifera regelmäßig beschneiden
  • So wird er immer wieder daran erinnert, dass er bei Ihnen nicht nur in die Höhe, sondern auch in die Breite wachsen soll

Beim Schnitt brauchen Sie nicht viel beachten, der Meerrettichbaum ist gut schnittverträglich. Sie können ihn einfach ähnlich wie einen Obstbaum so beschneiden, dass die Krone schön luftig bleibt und Wachstum und Verzweigung angeregt werden. Am besten umkreisen Sie Ihren Moringa oleifera einmal im Jahr mit der Schere, wenn er gerade in sein Hauptwachstum startet.

Umtopfen

Wird irgendwann notwendig, wenn sich der Moringa oleifera bei Ihnen wohlfühlt und eine Wurzelknolle gebildet hat, die gerade den Pflanztopf verlassen will … Umtopfen ist im Grunde kein großes Problem, einfach in einen größeren Topf mit frischer Erde setzen.

Sie dürfen dabei nur die Wurzeln nicht verletzen, die heilen sehr langsam; bei alten Meerrettichbäumen brauchen Sie also Hilfe beim Umsetzen.

Pflege des Moringa oleifera

Die normale Pflege während des gesunden Wachstums erschöpft sich eigentlich im „Schnitt-Design“, Moringa oleifera brauchen weder Dünger noch irgendwelche der sonstigen Zusätze, die im Handel mit der Verheißung angeboten werden, Pflanzen besser wachsen zu lassen oder glücklicher zu machen.

MeerrettichbaumPflege braucht der Moringa oleifera erst wieder, wenn es ihm nicht gut geht:

  • Er schwächelt (hängt schief in der Gegend): Zuerst Bodenzusammensetzung und ausreichende Lichtmenge prüfen
  • Wenn es das nicht wahr, haben Sie wahrscheinlich zu viel gegossen
  • Gelbe Blätter sind meist auch durch übermäßige Wasserversorgung/Staunässe verursacht
  • Lassen Sie den Meerrettichbaum dann einmal austrocknen, bis die Blätter herunterhängen
  • Ab dann weniger gießen und darauf achten, dass die Erde vor der nächsten Wassergabe schon etwas trocken ist
  • Hört auf zu Wachsen: Blick in den Topf, meist klopft die Wurzel irgendwo an den Topfrand
  • Also Umpflanzen in einen größeren Topf
  • Baum sieht wie abgestorben aus: Häufig nach sehr lichtarmer Überwinterung
  • Pflanzenlicht kaufen oder Frühling abwarten, dann treibt der Überlebenskünstler sicher wieder aus
  • Wenn Sie ihn wirklich fast zum Absterben gebracht haben (fast unmöglich), kann das Monate dauern

Vermehrung

Aus einem Wunderbaum werden ganz einfach viele Wunderbäumchen, wenn Sie den jährlichen Beschnitt im Anzuchttopf zu kleinen  Meerrettichbäumchen heranziehen.

Überwinterung

Überwintern sollte der Moringa oleifera in einem hellen Wohnzimmer oder im warmem Wintergarten, er wird durchkultiviert.

Je weniger Licht er im Winter bekommt, um so mehr wird er sich in eine Wachstumsruhe zurückziehen, er braucht dann weniger Wasser. Im Frühjahr nach und nach wieder besser versorgen und belichten, bis der Meerrettichbaum ins Freie kann.

Verwendung

Moringa oleifera ist nicht nur bis zu uns gekommen, sondern man könnte fast sagen, dass sich der Moringa oleifera aufgemacht hat, die Welt zu erobern. Er hat nämlich jede Menge interessanter Inhaltsstoffe in Blättern, Früchten und Wurzeln (wenn Sie kosten möchten, auf jeden Fall Rinde entfernen, die enthält Alkaloide): Vitamin A, B, C, die Mineralien Magnesium, Kalzium, Kalium, Natrium, Phosphor und Eisen, eine Hand voll Moringa-Blätter können von einigen dieser Stoffe schon fast den Tagesbedarf decken.

Der deutsche Name Meerrettichbaum kommt vom meerrettichähnlichen Geschmack der Wurzeln, der wiederum kommt von den enthaltenen Senfölglykosiden, aus denen sich nach der Ernte scharfes (und gesundes) Benzylsenföl entwickelt. Beernten können Sie auch den Moringa oleifera auf dem Fensterbrett, sogar in Mengen, die Ihre Ernährung gut ergänzen können, aber das ist ein eigenes Thema. Auch zu den vielfältigen Möglichkeiten, Moringa oleifera zu genießen, können hier nur erste Andeutungen gegeben werden,  er wird gekocht und roh zubereitet, in speziell gewürzten Suppen verkocht, in Gewürzmischungen verarbeitet und zu Saft gepresst, viele Länder der Erde haben Ihre eigenen Moringa-Rezepte zu bieten.

Fazit

Wer attraktive, mit schönem grünem Laub bewachsene kleine Bäumchen schätzt, braucht einen Meerrettichbaum. Wer Pflanzen mag, die problemlos wachsen und mit ihren Blättern eine ganze Batterie von Nahrungsergänzungsmitteln ersetzen können, braucht auch einen Meerrettichbaum. Wer gerne Zimmerpflanzen-Anzuchten verschenkt, aber nicht endlos Geduld hat, wird den Moringa oleifera lieben, und wer einfach nur eine wirklich pflegeleichte Pflanze sucht, ist mit einem Meerrettichbaum auch gut beraten.