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Leberwurstbaum, Kigelia africana – Pflege-Tipps

Leberwurstbaum

Bereits der ungewöhnliche Name lässt Hobbygärtner auf Anhieb aufmerken. Der exotische Habitus hält tatsächlich, was die Titulierung verspricht. Die 60 cm langen, mehrere Kilogramm schweren, dunkelbraunen Früchte, die an einem Leberwurstbaum baumeln, erinnern tatsächlich an diese Wurstspezialität. Freilich sind sie für Menschen ungenießbar, während Elefanten die Früchte für ihr Leben gern verspeisen. Einen Ausgleich schaffen die prächtigen, violettfarbenen Glockenblüten, die sich über den zahlreichen Fiederblättchen erheben. Auf diese Weise entsteht ein exotisches Erscheinungsbild, das Hobbygärtner mit dem feinen Sinn für das Ungewöhnliche, gerne kultivieren. Die folgenden Pflege-Tipps möchten einen Beitrag leisten, damit das anspruchsvolle Vorhaben gelingt.

Steckbrief

  • Pflanzenfamilie der Trompetenbaumgewächse (Bignoniaceae)
  • Bezeichnung der Art: Leberwurstbaum (Kigelia africana)
  • Beheimatet auf dem gesamten afrikanischen Kontinent
  • Wuchshöhe in freier Natur bis 15 Meter
  • Wuchshöhe in Kübelkultur bis 2 Meter
  • Nicht winterhart, immergrün oder laubabwerfend
  • Tiefgrünes, gefiedertes Laub, bis 30 cm lang
  • Riesige, wurstförmige Früchte, bis 60 cm lang und 7 Kilo schwer
  • Glockenartige Blüten in bräunlich-violett
  • Blüten öffnen sich nur bei Dunkelheit

Wenngleich das faserige, mit unzähligen Samen durchsetzte Fruchtfleisch für den Verzehr nur wenig geeignet ist, freut sich die Tierwelt sehr über die Blüten und Früchte. Wenn sich im Frühjahr die Blüten öffnen, wird der Leberwurstbaum umlagert von Vögeln, Insekten und Affen. Auf die Früchte haben es Nashörner, Antilopen und Elefanten abgesehen. In der afrikanischen Heilkunst finden die Leberwurst-Früchte hingegen verschiedentlich Anwendung. An wissenschaftlichen Beweisen für die Wirksamkeit fehlt es allerdings.

Standort

Da das Temperaturminimum für einen Leberwurstbaum bei 5 Grad Celsius liegt, verbietet sich eine Auspflanzung im Garten von selbst. Im ausreichend großen Kübel gedeiht der afrikanische Baum in den hiesigen Breiten ganz wunderbar im Wintergarten oder großen Wohnraum. Die warme Jahreszeit verbringt er vorzugsweise auf dem Balkon oder der Terrasse an einer gut sichtbaren Position, denn längst nicht jeder Gärtner kann Leberwürste am Baum präsentieren.

  • Sonnige Lage, warm und möglichst windgeschützt
  • Ein Platz im lichten Halbschatten wird toleriert

In seinem natürlichen Verbreitungsgebiet gedeiht der Kigelia africana unter anderem in den sonnendurchfluteten Savannen Afrikas. Mit der prallen Sonneneinstrahlung hat sich das Ziergehölz bestens arrangiert. So öffnen sich beispielsweise die opulenten Blüten nur bei Dunkelheit, um in den frühen Morgenstunden zu Boden zu fallen. Auf eine Beschattung bei sommerlicher Mittagssonne kann bei Exemplaren ab dem dritten Lebensjahr somit verzichtet werden.

Ein Leberwurstbaum ist selbstverständlich für die ganzjährige Kultur hinter Glas geeignet. In diesem Fall stehen indes die Chancen schlecht auf eine Bestäubung der Blüten durch Insekten oder Vögel; erst recht nicht mittels afrikanischer Fledermäuse. Diese Aufgabe übernimmt der Gärtner selbst. Zur Blütezeit werden die Pollen mithilfe eines feinen Pinsels übertragen. Sollten sich im Wintergarten weitere Trompetenbäume befinden, ist es ratsam, die behandelten Blüten in Gaze zu hüllen, um eine Fremdbestäubung durch verirrte Bienen auszuschließen.

Substrat

Kigelia africanaEs liegt auf der Hand, dass einzig ein gehaltvolles Substrat infrage kommt. Nur bei einer angemessenen Energieversorgung im Wurzelbereich ist der Leberwurstbaum in der Lage, die prächtigen Blüten und gigantischen Früchte hervorzubringen.

  • Hochwertige Kübelpflanzenerde auf Kompostbasis mit Hornmehl
  • Nährstoffreich, humos, gerne frisch bis feucht
  • Zugabe von Perlite, Sand, Blähton oder Kokosfasern zur Verbesserung der Durchlässigkeit
  • Wahlweise ein Mix aus Kompost, Quarzsand, lehmhaltiger Gartenerde und Torf

Wo die Standortbedingungen gegeben sind, spricht nichts dagegen, einen Leberwurstbaum ab Mai mitsamt dem Topf in die Erde zu setzen. Rechtzeitig im Herbst holen Sie den Kübel aus dem Boden, damit der exotische Baum sein Winterquartier bezieht. Abhängig vom Alter des Kigelia africana haben Sie es allerdings mit einem beträchtlichen Gewicht zu tun, sodass dieser Kraftakt ohne eine helfende Hand nicht gelingt.

Gießen

Im Verlauf der Wachstumsperiode von April bis September wird der Leberwurstbaum konstant feucht gehalten. Sobald die Substratoberfläche angetrocknet ist, erhält der Baum eine weitere Dosis Gießwasser. Es sollte sich um kalkarmes, nicht zu kaltes Wasser handeln; vorzugsweise gesammeltes Regen- oder Teichwasser. Sofern Ihnen einzig Leitungswasser zur Verfügung steht, füllen Sie es in eine 10-Liter Gießkanne, hängen einen Baumwollsack mit 1 Liter Torf hinein und lassen das Ganze eine Woche stehen. Wer den Wunsch des Baumes nach kalkarmem Gießwasser ignoriert, den bestraft er mit einem Wachstumsstop.

Düngen

Beginnend mit dem Austrieb Ende März/Anfang April, steigt der Nährstoffbedarf eines Kigelia aficana an. Verwöhnen Sie das Ziergehölz ab diesem Zeitpunkt alle 2 Wochen mit einem Flüssigdünger. Wichtig zu beachten ist, dass mineralische Düngepräparate niemals auf angetrocknetes Substrat appliziert werden. Führen Sie zuerst die Daumenprobe durch und gießen bei Bedarf mit ein wenig Wasser, bevor Sie den Flüssigdünger verabreichen.
Haben Sie sich entschieden, den Leberwurstbaum während des Sommers im Beet zu pflegen, kommt in diesem Fall die Düngung mittels Kompost und Hornspäne infrage. Glücklich die Hobbygärtner, die in der Nähe eines Zoos leben. Fragen Sie dort doch einfach einmal nach Elefantenmist, dem ultimativen natürlichen Dünger für den Kigelia africana.

Schneiden

Der Leberwurstbaum spannt den Gärtner nicht lange auf die Folter, sondern wächst in rasantem Tempo von frühester Jugend an.  Unter freiem Himmel mag das kein Problem sein. Spätestens beim Umzug ins Winterquartier ist ein Rückschnitt unumgänglich, wenn das Gehölz alle Dimensionen sprengt. Da der Kigelia africana seine Blüten an bis zu 2 Meter langen, herabhängenden Stielen entwickelt, können Sie bei einem Formschnitt nicht viel falsch machen. Mit hinein in diese Betrachtungsweise spielt die Tatsache, dass die Blüten in der Regel nur an den unteren Ästen baumeln. Die Baumkrone lässt sich somit wunderbar zurechtschneiden und auslichten. Idealerweise führen Sie den Schnitt im Frühjahr durch, kurz vor dem frischen Austrieb. Wenn die Sachlage es erfordert, ist diese Maßnahme kurz vor dem Einräumen ebenfalls möglich.

  • Zu lange Triebe um bis zu zwei Drittel einkürzen
  • Jeden Schnitt 1-2 mm über einem schlafenden Auge ansetzen
  • Vertrocknete und dünne Zweige an der Basis kappen
  • Überkreuz oder nach innen wachsende Äste entfernen

Wählen Sie für den Rückschnitt einen trockenen, bedeckten Tag. Unter praller Sonneneinstrahlung können die Schnittwunden nicht richtig ausheilen. Verwenden Sie ausschließlich frisch geschärftes Werkzeug, das kurz zuvor mit Alkohol desinfiziert wurde. Schneiden Sie den Leberwurstbaum keinesfalls, wenn er die schweren Früchte trägt. In Afrika soll es dabei schon zu tödlichen Unfällen gekommen sein, weil die ‚Würste‘ Menschen erschlagen haben.

Überwintern

Von Oktober bis Februar/März fällt der Kigelia africana in eine Wachstumspause. Jetzt möchte er sich regenerieren und neue Energiereserven aufbauen für eine weitere, kräftezehrende Saison. Darauf stellen umsichtige Gärtner die Pflege nun ab:

  • Bei konstanten Außentemperaturen unter 10 Grad Celsius ins Winterquartier tragen
  • Hell und nicht zu warm überwintern lassen, bei durchschnittlich 15 Grad Celsius
  • Je dunkler der Standort, desto kühler sollte es sein
  • Nur so viel gießen, dass der Wurzelballen nicht austrocknet

Bis zu einem Alter von drei Jahren ist eine Überwinterung nicht unter 15 Grad Celsius empfehlenswert. Ältere Exemplare kommen auch bei 5 Grad durch die kalte Jahreszeit. In diesem Fall werfen sie ihr gesamtes Laub ab, um im nächsten Frühjahr erneut auszutreiben.

Dünger erhält der Leberwurstbaum während der kalten Jahreszeit nicht. Sollte am Standort durchgängig das Thermometer nicht unter 15 Grad Celsius fallen, verabreichen Sie dem Gehölz alle 4 Wochen eine Dosis Flüssigdünger.  Ab Mitte März steigern Sie schrittweise die Gießmenge, bis diese parallel zum Austrieb ein normales Niveau erreicht. Ab diesem Zeitpunkt verkürzt sich der zeitliche Abstand zwischen den Düngegaben von 4 auf 2 Wochen.

Umtopfen

Im Anschluss an die erfolgreiche Überwinterung, steht alljährlich das Umtopfen auf dem Pflegeplan. Nachdem Sie den Leberwurstbaum zurückgeschnitten haben, ist er für einen größeren Kübel und frisches Substrat dankbar. Angesichts des zügigen Wachstums, sind längere Zeitintervalle von zwei oder mehr Jahren wohl kaum möglich.

  • Der neue Kübel darf um 15 cm bis 20 cm im Durchmesser größer sein
  • Über der Öffnung im Boden wird eine Drainage aus Tonscherben oder Kies angelegt
  • Darüber kommt eine erste Schicht des frischen Substrats
  • Der ausgetopfte Leberwurstbaum wird neu eingetopft, wobei die Erde gut anzudrücken ist

Hilfreich ist ein Gießrand von 2-3 cm, was dem Überlaufen von Wasser vorbeugt.  Liegt der Wurzelballen offen vor Ihnen, sollten Sie die Gelegenheit nutzen, um ihn genau zu untersuchen. Offensichtlich vertrocknete oder faule Wurzelstränge können jetzt entfernt werden. Entstehen dabei größere Schnittwunden, dient reine Holzkohleasche als natürliches Mittel für die Versiegelung.

Vermehren

Haben Sie dank Ihrer fachgerechten Pflege dem Leberwurstbaum die extravaganten Früchte entlockt, verfügen Sie über eine große Menge an Samen für die Vermehrung. Da es sich bei einem Kigelia africana um eine reine Art handelt, spricht nichts gegen eine Aussaat, um auf eigene Faust weitere Exemplare zu züchten. Da Mutter Natur alle Samen, die innerhalb von Früchten entstehen, mit einer Keimhemmung ausstattet, ist im ersten Schritt eine einfache Vorbehandlung erforderlich:

Die Keimhemmung brechen

  • Eine Frucht aufschneiden, die Samen herausholen und unter fließendem Wasser reinigen
  • Jeden Samen mit einer Feile oder Schmirgelpapier anrauen
  • Für 24 bis 48 Stunden in lauwarmem Wasser quellen lassen
  • In einer Thermoskanne mit Regenwasser bleibt die gewünschte Temperatur erhalten

Da die Samen groß genug sind, um sie mit den Fingern zu fassen, wählt die Mehrheit der Hobbygärtner dieses Verfahren der Vorbehandlung. Wem das zu umständlich ist, kauft in der Apotheke 0,2-prozentiges Kaliumnitrat und weicht das Saatgut für maximal 24 Stunden darin ein. Dieses Prozedere hebt ebenfalls die Keimlaune der Samen ungemein. Ohne weitere Verzögerung geht es dann an die eigentliche Aussaat.

Aussaat

  • Kleine Töpfe mit Kokosfasern, Torf-Sand oder handelsüblicher Saaterde füllen
  • Jeweils einen Samen ca. 1-2 cm tief in das Substrat stecken und anfeuchten
  • Aufstellen in einem beheizbaren Zimmergewächshaus am halbschattigen Platz
  • Bei konstant 25-28 Grad Celsius setzt die Keimung innerhalb von 3-6 Wochen ein
  • Während dieser Zeit nicht austrocknen lassen

Nachdem ein kleiner Leberwurstbaum sein Anzuchtgefäß durchwurzelt hat, topfen Sie ihn um in einen Kübel, um ihn anschließend wie eine erwachsene Pflanze zu pflegen.

Die Vermehrung durch Aussaat erfordert ein wenig gärtnerische Erfahrung. Anfänger entscheiden sich folglich gerne für die folgende, einfachere Vorgehensweise:

Stecklinge

  • Im Frühsommer halb verholzte Kopfstecklinge abschneiden
  • Eine Länge von 15 cm bis 20 cm ist ideal
  • Jeden Steckling entlauben bis auf das obere Blattpaar
  • Anzuchttöpfe mit Perlite, Kokosfasern oder Torf-Sand füllen
  • Je einen Ableger darin einsetzen bis zum verbliebenen Blattpaar
  • Anfeuchten und eine Plastiktüte überstülpen

Stellen Sie die Töpfe nun auf die warme, halbschattige Fensterbank oder auf den Balkon. In der Folgezeit entwickelt sich im Substrat ein neues Wurzelsystem. Wichtig zu beachten ist, dass Steckling und Erde zu keiner Zeit austrocknen. Zeigt sich an der Triebspitze ein neues Blatt, verläuft alles nach Plan. Die Plastikhaube kann nun wegfallen, damit sich kein Schimmel bildet. Ist der kleine Topf vollständig durchwurzelt, pflanzen Sie den Nachwuchs um in einen größeren Kübel, gefüllt mit normalem Substrat für Leberwurstbäume.

Fazit

Mit einem Leberwurstbaum im Kübel ist jedem Hobbygärtner die Aufmerksamkeit seiner Mitmenschen sicher. Es sind nicht nur die riesigen Früchte, die wie große Leberwürste von den Ästen baumeln; hinzukommen imposante Glockenblüten in leuchtendem Violett bis Dunkelrot. Einen malerischen Rahmen bieten die vielzähligen, sattgrünen Fiederblättchen. Die Kultivierung ist zwar kein Kinderspiel; vor unüberwindliche Hürden stellt sie den interessierten Freizeitgärtner ebenso wenig. Ein ausgewogener Wasser- und Nährstoffhaushalt, abgestimmt auf die unterschiedlichen Anforderungen während des Wachstums und der winterlichen Ruhe, stellt den zentralen Pflegeaspekt dar. Alle anderen Faktoren der Kultivierung ranken sich darum.