Holzwürmer bekämpfen - Tipps zur Holzwurmbekämpfung

Holzpflege gegen HolzwürmerAntiquitäten sind etwas wunderschönes - und die Entdeckung einer alten Kostbarkeit auf einem Flohmarkt ist eine vorstellbare Situation, in der sich auch der moderne Mensch als Schatzsucher fühlen kann. Eine solche Entdeckung gelingt auch heute immer wieder, weil ein Wohnungsentrümpler auf einem Markt die gesammelten Schätze der letzten Wochen verkauft oder auch im Zuge des Erwerbs eines ganzen historischen Hauses. Immer wieder zeigen sich bei näherer Betrachtung der erworbenen Antiquität aber auch deutliche Spuren von Insekten, die hier ihren Appetit gestillt haben. Hier erfahren Sie, wie Sie einen Holzwurm-Befall erkennen und wie Sie die Holzwürmer bekämpfen.





Schon Information beim Einkauf hilft bei der Holzwurm-Erkennung

Wenn Sie bereis beim Einkauf von Gegenständen aus altem Holz kleine Löcher unklarer Herkunft bemerken, sollten Sie sich möglichst genau über die Geschichte des Gegenstandes informieren. Bisheriger Stellplatz, Zwischenlagerung in einem Schuppen, "Opfer" eines Wasserrohrbruchs - all solche Einzelheiten können Ihnen eine Menge Hinweise darauf geben, welcher Schädling sich in der Vergangenheit an Ihrem neuen "Stück Holz" gütlich getan hat oder aktuell noch dabei ist, dem Holz zu schaden.

Haben Sie es wirklich mit lebenden Holzwürmern zu tun?

Ihnen ist ziemlich egal, woher die Löcher im Holz kommen und wer da knabbert, er soll einfach weg? Ganz so einfach ist es nicht, denn was nicht da ist, kann auch nicht vertrieben werden. Anders gesagt: Wenn es sich um ein altes Möbelstück handelt, ist die Chance sehr groß, dass die Löcher, die Sie im Holz sehen, von einem Holzwurm stammen, diese Holzwurmlöcher aber schon fast ebenso als sind wie der Gegenstand selbst.

Wenn ein Holzgegenstand Holzwurmlöcher aufweist, die von einem lange in der Vergangenheit liegenden Holzwurmbefall herrühren, sind keine lebenden Holzwürmer oder Holzwürmerlarven mehr im Holz enthalten. Die Löcher längst vergangener Holzwürmer einer Behandlung zur Bekämpfung von Holzschädlingen zu unterziehen, kann zwar das Konto des Konto des durchführenden Restaurators erheblich zum Anschwellen bringen, ist aber trotzdem nicht sehr sinnvoll.

Gefährlich kann es werden, wenn Restaurator oder neuer Besitzer diese vollkommen überflüssige Bekämpfung auch chemisch bekämpfen - Die meisten Mittel gegen Holzwürmer enthalten Nervengifte wie Permethrin, die aktuell Gegenstand einer Fülle von Rechtsstreitigkeiten in Deutschland sind, weil gesundheitlich Geschädigte sich wehren. Dieses Gift hält sich besonders gut und lange, wenn es in ein totes Holzwurmloch in trockenem Holz eingebracht wird, wo mit Sicherheit kein bisschen von dem den Abbau beschleunigenden UV-Licht hinkommt. Wer über die Gefährlichkeit der chemischen Mittel informiert ist und den angeblich vom Holzwurm befallenen Sekretär deshalb für die Zeit der Holzwurmbekämpfung in den Schuppen stellt, richtet mit ein wenig Glück noch mehr Unheil an, weil es im Schuppen feucht ist und der Schrank dort erst so richtig ruiniert wird - und vor der Giftbelastung ist er auch nicht geschützt, die Pyrethroide haften sehr gut an allen Oberflächen und lassen sich dort auch nicht wegputzen, sondern gehen mit der Zeit in den Staub auf dem Möbelstück bzw. in die Luft über.

"Saubere" Löcher sind meist Historie

Dass ältere Möbel Löchlein aufweisen, die von einem Holzwurm-Befall kommen, ist nicht selten, früher wurden sogar wertvolle Möbelstücke häufig unter sehr schlechten Bedingungen gelagert. An solchen kühlen und feuchten Standorten fanden sich dann gerne Holzwürmer ein, die aber längst weggestorben sind, spätestens als der Schrank einmal längere Zeit an einem gut geheizten Ort stand. Solche "historischen" Löcher weisen keinerlei der gleich unten genannten Anzeichen für einen Befall auf, sondern haben die gleiche Farbe wie das restliche Holz und meist einen fast runden, abgeschliffenen Rand.

Diese Holzwurmlöcher bieten keinen Anlass zur Holzwurmbekämpfung, können und sollten aber verschlossen werden. Dazu werden im Restauratorenbedarf handliche kleine Spezialgeräte angeboten, mit denen Sie die Holzwurmlöcher mit farblich passendem flüssigem Heißwachs verschließen können. Das Wachs bewirkt auch gleich noch eine Festigung des Holzes, also eine höchst sinnvolle Methode.

Anzeichen für einen aktuellen Holzwurmbefall

Bevor Sie tief in die Giftkiste greifen, steht also ein wenig Beobachtung an, ob überhaupt ein Holzwurm unterwegs ist. Folgende Anzeichen deuten auf einen aktuellen Befall hin:
  • Irgendwo in der Nähe der Löcher oder auf dem Boden oder auf einer darunter liegenden Zierleiste sind kleine Häufchen Holzmehl zu finden.
  • Die treten bei einem aktiven Befall eigentlich immer auf, sie werden verursacht durch die räuberischen Insekten, die den Holzzerstörern nachstellen.
  • Wenn Sie keinen Holzstaub finden, aber trotzdem den Verdacht "geschäftigen Lebens" im Schrank haben, hilft ein Trick:Nehmen Sie einen neuen Staubsaugerbeutel und saugen Sie alle Löcher aus, vielleicht findet sich anschließend Holzstaub im Beutel.
  • Das wäre z. B. denkbar, wenn ein Möbelstück zwischendurch feucht stand und ein Holzwurm in einen alten Gang eingezogen ist.
  • Ansonsten sollten Sie auch auf räuberische Feinde der Holzzerstörer achten, diese Insekten sind häufig recht dreist und fallen deshalb auf.
Wenn Sie aus all diesen Anzeichen schließen können, dass in Ihren Holz tatsächlich jemand "unterwegs" ist, steht der nächste Schritt an:

Welcher Wurm sitzt im Holz?

Es gibt Holzwürmer (die nicht so heißen), aber auch noch viele andere Holz zerstörende Insekten, die zunächst nach ihrem Lebensraum grob in zwei Gruppen unterschieden werden können: Einige "Holzfresser" leben an frischem Holz, andere tun sich in oder an bereits geschlagenem, gelagerten oder verbauten Holz gütlich. Interessant für "Holzwurmbekämpfer" sind die letzteren, die sich auch noch in eine ganze Reihe von Arten aufteilen, mit durchaus unterschiedlicher Aggressivität und Notwendigkeit einer Bekämpfung:

1. Wenn es um trockenes, meist verbautes Holz mit einer Feuchtigkeit unter ca. 15 Prozent geht, könnten folgende ernst zu nehmende Schädlinge am Werk sein:
  • Wenn Sie ovale Löcher im Splintholz von Nadelholz finden, die zwischen 5 und 10 mm groß sind, und walzenförmigen Kot sichten, wird hier wahrscheinlich ein Hausbock sein Unwesen treiben.
  • Finden Sie kreisrunde Löcher zwischen 0,8 und 2 mm, könnte ein Splintholzkäfer bei Ihnen zu Gast sein. Er ist ursprünglich mit importiertem Laubholz eingewandert, hat aber längst seinen Geschmack an heimischem Laubholz entdeckt, seine Fraßspuren sind fein wie Puder und verstopfen die Löcher recht fest.
2. Einen Holzwurm werden Sie nur dann beherbergen, wenn es um Holz geht, das eine Feuchte von über 15 (14) Prozent aufweist. Dieser Holzwurm heißt eigentlich "Gemeiner Nagekäfer", frisst Laubholz und Nadelholz, produziert Löcher von 1 bis 2 mm mit sehr feinem und pappendem Holzstaub (am liebsten im Splintholz) und reisförmigen Kot.

Die Bekämpfungsmöglichkeiten der wichtigsten Holzschädlinge

1. Der Hausbock (Hylotrupes bajulus)

gehört zu unseren weit verbreitetsten und gefährlichsten Holzschädlingen. Er liebt Nadelholz mit einer Feuchtigkeit zwischen 18 und 30 % und stellt erst bei einer Trockenheit von unter 10 Prozent seine Entwicklung ein, er gehört damit zu unseren prominentesten Zerstörern von Bauholz wie Dachstühlen. Löcher in Bauholz stammen meist eher vom Holzwurm als vom Holzwurm, der sich in diesem Holz nicht so wohl fühlt, aber auch hier handelt es sich sehr häufig um "historische" Löcher.

Wenn ein Hausbockbefall festgestellt wird, muss man jedoch in der Regel von einem großflächigen Befall anzunehmen, zunächst sollte also die gesamte Holzkonstruktion untersucht werden. Dann sollte alles befallene Holz bis auf den gesunden Querschnitt heruntergeschlagen werden, die Oberfläche wird mit einer Drahtbürste von sämtlichen losen Teilen befreit. Anschließend wird gegen den Hausbock mit einer chemischen Bekämpfung (Tränkung) vorgegangen, am besten durch ein Fachunternehmen, je nach Holzschutzmittel muss das Holz eventuell gleichzeitig gewässert werden.

2. Der Splintholzkäfer (Lyctus spp.)
ist eigentlich das einzige Insekt, vor dem Sie sich in Ihrem Wohnzimmer wirklich in Acht nehmen sollten. Er wird laufend mit Holz aus tropischen Regionen zu uns eingeführt, kann sogar auf einheimische Laubbäume übergehen, kann sich fern der Heimat mitunter erstaunlich schnell vermehren und er hört auch erst bei einer Holzfeuchte von 7 Prozent auf, an Ihrem Laubholz zu fressen - jeder normale Wohnraum hat mindestens 12 Prozent Feuchte, und das Holz in ihm auch. Er kann durch Erwärmung oder durch geeignete Kontaktinsektizide bzw. durch eine Begasung abgetötet werden, dazu siehe gleich unten.

3. Der bei uns so bekannte Holzwurm oder Gemeiner Nagekäfer bevorzugt ein kühles und feuchtes Klima und stellt erst bei sehr trockenem Holz von 10 bis 12 Prozent Feuchtigkeit die Larvenentwicklung ein. Bei seiner Bekämpfung steht Chemie heute an letzter Stelle:

Gemeinen Nagekäfer oder Holzwurm bekämpfen

Trotz seines Namens ist der Gemeine Nagekäfer eigentlich gar nicht so gemein, sondern mit Wärme und etwas Zeit recht simpel auch ohne Chemie zu vertreiben:
  • Die erste Möglichkeit kommt nicht nur ohne Chemie, sondern auch mit erfreulich wenig Aufwand aus: Stellen Sie das befallene Möbelstück einfach in Ihren beheizten Wohnraum und warten Sie ein Weilchen. Wenn Sie es jetzt eine Weile vermeiden, dem Holzwurm durch häufiges Wischen des Möbels oder des Fußbodens immer wieder lebenserhaltende Feuchtigkeit zuzuführen, können Sie eigentlich sicher davon ausgehen, dass die Larven wegen zunehmender Trockenheit das Holzes trockener wird und die Würmer und Larven daraufhin ganz von alleine absterben.
  • Wenn es sich um ein so wertvolles Stück handelt, dass Sie das lieber nicht abwarten möchten, ist die nächste Möglichkeit, den Tierchen durch Wärme den Garaus zu machen. Ein größeres Stück müsste dazu zu einem Fachmann transportiert werden, der die Behandlung in einer luftfeuchtegeregelten Klimakammer anbietet (gibt es auch als mobile Kammern für eine Behandlung vor Ort). Dort wird der Holzgegenstand mindestens 1 Stunde auf eine Innentemperatur von mindestens 55 Grad gebracht, dann sind die Würmer Geschichte. Kleinere (und nicht unermesslich wertvolle) Gegenstände könnten Sie auch einfach zu Hause in Ihren Backofen oder in die Sauna stecken und durchheizen (bei der Sauna ist Vorsicht in Bezug auf die Luftfeuchtigkeit geboten).
  • Erst als Letztes sollten Sie an eine chemische Behandlung denken, und das ist dann in keinem Fall eine einfache Angelegenheit: Mit dem Nervengift in den Holzwurmmitteln sollten Menschen wirklich nicht in Kontakt kommen, wenn Sie selbst ein Mittel erwerben möchten, sollten Sie den Schadorganismus und die Befallsstärke genau benennen können, und wenn es sich um Bauteile handelt, dürfen häufig ohnehin nur qualifizierte Fachleute oder Sachverständige die Behandlung durchführen. Manchmal müssen Sie auch noch die Bundesartenschutzverordnung oder Fledermausschutzvorschriften beachten, manchmal ist ein beratender Ingenieur bzw. Statiker gefragt, und nicht selten müssen mehrere Bekämpfungsmöglichkeiten gegeneinander abgewägt werden. Dann müssten Sie noch wissen, dass bekämpfende Holzschutzmittel schnelle oder langsame oder manchmal verzögerte Wirksamkeit zeigen und sich deshalb gegenseitig ungünstig beeinflussen können - chemische Bekämpfung ist in Eigenregie eigentlich fast nicht durchzuführen. 
Fazit

Wenn es sich wirklich nur um einen Holzwurm handelt, können Sie eigentlich froh sein, dass "dieser Wurm drin ist", der kann nämlich durch eine Wärmebehandlung recht gut gestoppt werden. Wenn Sie nicht wissen, "wer da nagt", sollten Sie sich auf jeden Fall besser an einen Fachmann wenden als Selbstversuche mit gefährlicher Chemie zu starten.


Tipps für Schnellleser
Tipps zur Holzwurmbekämpfung in Kürze

- Wenn Sie einen möglicherweise befallenen Holzgegenstand erwerben, erkundigen Sie sich, wo er bisher gestanden hat
- Denn aus den Umständen können Sie auf das Tier schließen, bzw. darauf, dass es sich nicht um einen akuten Befall handelt
- Die meisten Holzwurmlöcher sind nämlich ebenso antik wie das Möbel, dann ist eine Holzwurmbekämpfung ziemlich sinnlos
- Das liegt daran, dass die Holzwürmer und Kollegen feuchtes Holz lieben, während Heizungsluft sehr trocken ist
- Dass ein Möbel ungünstig stand, war jedoch in historischen Zeiten bzw. Kriegszeiten viel wahrscheinlicher als heutzutage
- Mehrere Anzeichen deuten auf gegenwärtigen Befall hin, wie frisches Holzmehl und Auftreten räuberischer Insekten 
- Wenn der Befall feststeht, muss der Holzzerstörer identifiziert werden, Holzwürmer, Hausbock und Splintholzkäfer sind ernst zu nehmen
- Der Holzwurm oder Gemeiner Nagekäfer kann gut durch Erwärmung bekämpft werden, die nicht ungefährliche chemische Bekämpfung sollte besser einem Fachmann überlassen werde
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