Gartenbrunnen bauen

In Zeiten steigender Preise ist jeder froh, wenn sich im alltäglichen Leben Einsparpotentiale bieten. Das Leben, explizit das Wohnen, wird immer teurer und der Blick auf die Nebenkostenabrechnung lässt so manchen Bewohner schier verzweifeln. Vor allem das kostbare Wasser wird in allen Haushalten rund um die Uhr benötigt. Schließen sich im Sommer auch noch Garten- und Poolbewässerung dem Kostenkreislauf an, dann kann einem das Wasser sprichwörtlich fast bis zum Hals stehen.

Sammeln in guten Zeiten

In Regenzeiten kann das lebenswichtige Nass zwar in Zisternen oder Regentonnen aufgefangen und gesammelt werden, doch auf den Wettergott hat leider noch niemand Einfluss. Während langanhaltender Hitzeperioden ist das gesammelte Regenwasser auch ganz schnell wieder verbraucht oder verdunstet durch die erhöhte Sonneneinstrahlung. Wer dann auf Leitungswasser zurückgreifen muss, der kann sich anhand der rasant drehenden Wasseruhr schon einmal ausmalen, welche Kosten demnächst auf ihn zukommen werden. Viele Haus- und Gartenbesitzer sehen in selbstgefördertem Wasser eine Möglichkeit, der Kostenspirale zu entkommen und setzen deshalb auf einen Gartenbrunnen im heimischen Ambiente.

Vielfältige Möglichkeiten der Brunnennutzung

Bevor mit dem Bau eines Brunnens begonnen wird, sollte sich jeder im Klaren darüber sein, dass das selbstgeförderte Wasser nur in Ausnahmefällen zum Trinken geeignet ist. Darüber hinaus bieten sich aber unzählige andere Möglichkeiten der Nutzung. So können in heißen Sommerperioden die Gartenpflanzen sowie der Rasen von dem kühlen Nass profitieren. Wird zusätzlich eine Förderpumpe installiert, dann können auch eine Dusche oder selbständig agierende Rasensprenganlagen angeschlossen werden. Wer einen Pool sein eigen nennt, der weiß genau, wie teuer eine Wasserfüllung sein kann. Brunnenwasser hingegen kostet absolut nichts und steht immer zur Verfügung. Es gilt allerdings zu beachten, dass in manchen Regionen das Brunnenwasser vermehrt Eisenbestandteile aufweist, die dem Poolwasser in Verbindung mit dem notwendigen Chlor eine braune Farbe verleihen. Wenn die technischen Gegebenheiten vorhanden sind, ist es auch durchaus möglich, das geförderte Wasser mittels eines Hauswasserwerkes in den Haushalt einzubinden, um es für die Toilettenspülung oder die Waschmaschine zu nutzen.

Auf dem Weg zum neuen Projekt

WasserhahnBevor es mit dem Bau des Gartenbrunnens so richtig losgehen kann, sollten einige wichtige Details Berücksichtigung finden. Zum einen macht wenig Sinn, an irgendeiner Stelle im Garten wie wild darauf los zu bohren, zum anderen ist dies ohne eine spezielle Genehmigung auch verboten. Die wichtigsten Schritte sind deshalb folgende:

  • Wasserrechtliche Genehmigung bei der zuständigen Behörde einholen,
  • beim örtlichen Wasserversorger nach der nötigen Bohrtiefe fragen,
  • alternativ: Erkundigung in der Nachbarschaft nach bereits bestehenden Brunnen,
  • Sicherstellen, dass sich keine Gas- oder Elektroleitungen im bevorzugten Bohrbereich befinden,
  • Grundstück muss frei von Altablagerungen oder Schadstoffen sein,
  • benötigtes Zubehör und Spezialwerkzeuge im Fachmarkt kaufen oder mieten,
  • bei größeren Bohrungen eine Fachfirma zurate ziehen.

Rammbrunnen – ohne Schweiß kein Erfolg

Brunnen ist nicht gleich Brunnen. Es gibt ganz unterschiedliche Arten der Brunnenherstellung, die sich nach der Bodenbeschaffenheit, dem Kosten-Nutzen-Aufwand sowie nach den vorliegenden Genehmigungen ausrichten. Als kostengünstigste Variante gilt das Anlegen eines sogenannten Rammbrunnes. Wie der Name schon sagt, wird dabei mit der Rammkraft gearbeitet und ein angespitztes Rohr mittels einer elektrischen oder auch hydraulischen Ramme tief in den Boden hinein getrieben. An der Spitze des Rohres befinden sich kleine Löcher, die das geförderte Wasser ins Innere des Rohres gelangen lassen. Das für diese Arbeiten benötigte Zubehör und Werkzeug kann relativ günstig erworben werden, so dass sich auch Nichtprofis am Brunnenbau versuchen können.

  • Verzinktes Stahlrohr wird per Vorschlaghammer oder geeigneter Ramme bis zum Grundwasserspiegel ins Erdreich getrieben,
  • Die 1 Meter langen Rohre werden mit Koppelmuttern verlängert,
  • Mittels Löcher und Filter in der Rammspitze gelangt Wasser ins Rohrinnere,
  • Filterung erfolgt,
  • Wasser wird über eine Tauchpumpe nach oben gefördert,
  • eine Zapfstelle kann an dem Austritt des Rammfilters installiert werden.

Allerdings ist der Rammbrunnen wenig leistungsfähig und weist eine ganze Menge von Einschränkungen auf. So wird zum Erstellen eines Rammbrunnens lockerer Boden benötigt und maximal nur eine Tiefe von 7 Metern erreicht. Auch kommt es häufig vor, dass sich der integrierte Filter auf Grund von diversen Verschmutzungen sowie Kalk oder Eisen im Wasser zusetzt und der Rammbrunnen bereits nach 5 bis 7 Jahren seine Arbeit einstellen muss. Dann geht das Bohren und Rammen an anderer Stelle im Garten wieder von vorn los.

Schachtbrunnen – die teure Alternative

Brunnen setzenDie aufwendigste und zugleich teuerste Art des Brunnenbaus ist ein Schachtbrunnen. Schon alleine das für den Bau benötigte schwere Gerät verschlingt Unsummen an Geldern. Schwere Betonringe mit einem Meter Durchmesser werden Stück für Stück aufeinandergesetzt und in die Erde gegraben. Auf diese Weise sinkt der Schacht ganz langsam nach unten, bis auf ungefähr 10 Meter Tiefe. Sinnvoll ist diese Art des Brunnenbaus nur dort, wo Wasser dicht unter der Bodenoberfläche zu finden ist. Der Vorteil dieses Brunnens ist die jahrelange Wasserlieferzeit, der Nachteil ist in den immens hohen Kosten zu sehen.

Bohrbrunnen – die gängigste Lösung für Laien und Profis

Ein Bohrbrunnen ist heutzutage im Privatbrunnenbau die gebräuchlichste Lösung. Seine positiven Eigenschaften spiegeln sich in einer hohen Ergiebigkeit, Regenerierung sowie in einer langen Haltbarkeitsdauer wider. Dabei kann die Bohrung von einer Fachfirma ausgeführt oder selbst übernommen werden. Die dazu benötigten motorisierten Bohrgeräte können im Fachhandel erworben oder angemietet werden. Wer im Schweiße seines Angesichtes arbeiten möchte, der kann auch einen sogenannten Handerdbohrer mit Verlängerung verwenden, der eine Art Schneckenspirale besitzt und mit großem Kraftaufwand in den Erdboden gedreht wird.

Die wichtigsten Utensilien und Werkzeuge für einen Bohrbrunnen sind:

  • ein Brunnen- oder Erdbohrer mit mindestens 5 Spiralen,
  • Schubkarre,
  • Dreibock mit einer Umlenkrolle sowie einer bestenfalls elektrischen Winde,
  • Kiespumpe,
  • Filterrohr sowie Vollwandrohr,
  • Kantrohr und Gestänge,
  • Saugschlauch und Schlauchgschelle,
  • stabiles Kunstfaserseil,
  • Auflager und Gewichte zum Beschweren,
  • Schwengelpumpe oder Motorpumpe.

Vorgehensweise bei einer Brunnenbohrung – erster Schritt

An ausgewählter Stelle wird damit begonnen, dass Bohrwerkzeug ganz langsam in die Erde zu drehen. Um die Erde herauszuheben, wird das Schneckengewinde des Erdbohrers zwischen den Bohrungen immer wieder herausgezogen. Die Bohrungen erfolgen solange, bis die Grundwasserschicht erreicht ist. Zu diesem Zweck lässt sich der Erdbohrer mittels einer Verlängerungsstange meterweise verlängern, in dem das T-Stück entfernt, die Verlängerungsstange befestigt und das T-Stück wieder fixiert wird. Für den Privatgebrauch sind Brunnenbohrungen bis einer Tiefe von 20 Metern möglich, allerdings lassen sich bei einem Bohrbrunnen Tiefen bis zu 100 Metern erreichen. Wird keine weitere Tiefe mehr erreicht, dann wird das Bohrrohr herausgezogen und das Filterrohr in das vorhandene Bohrloch gestellt. Bei dieser Vorgehensweise werden Vollwandrohr und Filterrohr zusammengeschraubt, bis ungefähr noch 1 Meter Rohr aus dem Boden herausragt. Wichtig ist darauf zu achten, dass das Filterrohr aus PVC besteht und frei von sogenannten Weichmachern ist, da diese Schadstoffe sonst in das geförderte Grundwasser übergehen. Als nächsten Schritt wird der Dreibock aufgestellt sowie das Rohr durch Gewichte und Auflager etwas beschwert. Um später ein sauberes Arbeiten der Kiespumpe zu ermöglichen, sollte das Rohr mit Wasser gefüllt werden.

Zweiter Schritt – Absenken der Pumpe

Sind alle Bohrarbeiten soweit erledigt, wird die Pumpe ganz langsam in das vorhandene, mit Wasser gefüllte Rohr abgesenkt und ganz vorsichtig auf Grund gelassen. Ruckartiges Ziehen sorgt dafür, dass sich Wasser, Sand und Kies in der Pumpe sammeln können. Erst nach mehrmaligem Ziehen wird die Pumpe dann wieder nach oben geholt und sorgfältig entleert. Diese Vorgehensweise lässt das Rohr Stück für Stück nach unten rutschen. Dabei gilt der Grundsatz: je höher das Gewicht beim Beschweren ist, umso schneller kann das Rohr auch in die Tiefe gleiten. Dieser Arbeitsschritt wird solange wiederholt, bis der integrierte Filter ca. 3 Meter im Grundwasser steht. Erst wenn die endgültige Tiefe erreicht ist, wird mit dem Verfüllen begonnen. Dazu wird der entstandene Raum um das Rohr mit Filterkies verfüllt, der das durchströmende Wasser filtert.

Dritter Schritt – Klarpumpen und Inbetriebnahme

Brunnen aus MetallDer Gartenbrunnen ist jetzt fast fertig und mit dem Klarpumpen beginnt der Finalschritt. Das Klarpumpen ist ein Prozess der stufenweise erfolgt. Dabei wird der Brunnen mit einer Tiefbrunnenpumpe zuerst über einen Zeitraum von 3 Stunden nur mit der Hälfte der später eingesetzten Leistung betrieben. Auf diese sanfte Weise werden vorhandene feinere Sandanteile erfasst und abgepumpt. Erst wenn das Wasser völlig klar erscheint, ist der Gartenbrunnen einsatz- und betriebsbereit.

Attraktiver Blickfang von außen

Damit der erschaffene Gartenbrunnen auch als solcher erkannt wird, sollte er natürlich auch ein attraktives Äußeres erhalten. Durch den Einsatz einer Schwengelpumpe kann der nutzbringende Effekt zwar unterstrichen werden, allerdings kann eine dekorative Gestaltung der Brunnenanlage zur Schönheit des Gartens maßgeblich beitragen und das Auge des Betrachters erfreuen. Der Kreativität und Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt und so ist es zum Beispiel möglich, kleinere Auffangbecken in das Gesamtensemble zu integrieren, die aus einem Natursteintrog oder sogar aus einem ausgehöhltem Baumstamm bestehen können. Wer handwerklich begabt ist, der kann aus Holz oder Zement ein Kunstwerk schaffen, welches den Brunnen optisch in Szene setzt. Als Elemente der Brunneneinfassung können Mauerbruchstücke oder Klinkersteine herhalten, die mittels einer Mörtelmischung verbunden werden. Auch Holz, als beliebtes Naturprodukt, wertet einen Gartenbrunnen optisch auf. Waagerecht angebrachte Latten ergeben eine Holzverkleidung, an die sich wiederum dekorative Elemente befestigen lassen. Um sich das mühevolle Zurechtsägen zu ersparen, kann bei dieser Variante auch auf die im Handel angebotenen kompletten Bausätze zurückgegriffen werden.

Fazit

Ein Gartenbrunnen im eigenen Zuhause ist weitaus mehr als nur ein dekorativer Blickfang, er hat zusätzlich auch einen großen effektiven Nutzen zu bieten. Für das Gießen der Pflanzen oder das Rasensprengen muss kein teures Leitungswasser verwendet werden. Ein Umstand, der sich vor allem positiv auf die Wasserrechnung niederschlägt und auch der Umwelt zugutekommt. Allerdings sollte bei aller Euphorie berücksichtig werden, dass so ein Brunnenbau ein relativ aufwendiges Projekt darstellt, welches einer genauen Planung und Projektierung bedarf. Bevor es überhaupt losgehen kann, müssen verschiedenste Genehmigungen eingeholt werden, für die je nach Bundesland ganz unterschiedliche Behörden oder Kommunen zuständig sind. Auch ist ein Brunnenbau im Vorfeld mit hohen Anschaffungskosten verbunden, die sich zwar durch Einsparungen beim Leitungswasser mit der Zeit wieder amortisieren, aber dennoch erst einmal eingeplant und bereitgestellt werden müssen. Bei Unsicherheiten während der Ausführung sollte man sich nicht scheuen, einen Fachmann zurate zu ziehen, da ein fehlerhafter Brunnenbau weitere Kosten nach sich ziehen kann. Wer allerdings alle notwendigen Schritte gut durchdacht und sich weiterhin ausreichend informiert hat, der wird viele Jahre Freude an seiner sprudelnden Lebensquelle haben.