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Foliengewächshaus – Vorteile, Nachteile und Tipps zum Aufbau

Foliengewächshaus

Wenn Sie Blumen, Gemüse und Früchte zum Gedeihen bringen möchten, die in unserem Klima im Freien nicht gut zurechtkommen, brauchen Sie zumindest zur Anzucht ein Gewächshaus, in dem südliches Klima simuliert wird. Wenn Sie gerne viele unterschiedliche Blumen und Früchte ansähen und kultivieren möchten, brauchen Sie ein großes Gewächshaus, und das kostet in einer stabilen Ausführung, die dauerhaft im Garten stehen soll, schnell einmal vierstellige Summen. Preiswerter und leichter aufzustellen ist ein Foliengewächshaus, nachfolgend geht es um dessen Vorteile und Nachteile und um Tipps zum Aufbau.

Die Vorteile des Foliengewächshauses

Zunächst: Ein „richtiges“ Gewächshaus bleibt dauerhaft im Garten stehen, während ein Foliengewächshaus nur dann aufgebaut werden kann, wenn Sie es gerade brauchen. Hier die weiteren Vorteile eines Foliengewächshauses:

  • Foliengewächshäuser werden mit Folie in einen umbauten Raum verwandelt, und Folie ist ein sehr preiswertes Material.
  • Foliengewächshäuser sind günstig:
    • Foliengewächshaus mit einer Fläche von 4,5 x 3 Metern und einer Höhe von 2 Metern bekommen Sie schon für etwas mehr als 100,- €
  • Foliengewächshaus erfordert keine größeren Handwerker-Kenntnisse
  • der Rahmen besteht aus Metallrohren, die einfach zusammengesteckt werden
  • FoliengewächshausÜber dieses Rahmengerüst wird dann eine Folie gezogen
  • Diese Folie ist meist aus Polyethylen, wasserfest, beständig gegen viele Säuren, Salzlösungen und Laugen und bedingt beständig gegen viele andere Substanzen
  • Die üblicherweise verwendeten Folien altern allerdings mit den Jahren und müssen dann ersetzt werden
  • In dieser Folie sind beim fertig gekauften Foliengewächshaus meist gleich Fenster integriert, die für leichten Luftzug sorgen und einen Wärmestau verhindern.
  • Belüftung kann Pilzbefall wegen zu hoher Luftfeuchtigkeit verhindern
  • Foliengewächshäuser haben den Vorteil, dass sie Hagelschlag im Gegensatz zu Glas-Gewächshäusern meist ohne Schaden überstehen.
  • Höhe erlaubt auch den Anbau größerer Südgewächse wie Kiwis oder rankenden Wein

Damit haben wir viele Vorteile eines Foliengewächshauses genannt, bloß den eigentlich entscheidenden Vorteil nicht: Sie werden schlichtweg nicht mehrere Jahre überlegen, bis Sie ein Gewächshaus in den Garten bauen, um wärmeliebende Arten von Gemüse und Früchten vorzuziehen. Das bedeutet also, dass Sie auch nicht mehrere Jahre warten müssen, bis Sie köstliche Tomaten, Paprika und Auberginen aus eigener Ernte genießen können. Wenn Sie solche Gemüse bisher nur halbreif geerntet und über lange Strecken importiert aus dem Supermarkt kennen, können diese Geschmackserlebnisse durchaus den Weg in ein gesünderes Leben eröffnen. Deshalb sollte das noch einmal betont werden, bevor wir zu den Nachteilen kommen.

Nachteile

Die so erfreulich einfache Bauweise des Foliengewächshauses bringt auf der anderen Seite auch Nachteile mit sich:

Wenn ein Foliengewächshaus in einem Garten aufgestellt werden soll, in dem kräftiger Wind aufkommt, sollte das Konstrukt gut verankert werden. Das ist meist möglich, aber etwas arbeitsam. Die Gewächshausfolie wird bei den gängigen Modellen so üppig bemessen, dass sie unter dem Foliengewächshaus fixiert werden kann. Voraussetzung dafür ist, dass Sie beim Aufbau rund um das Gewächshaus einen bis zu 50 cm tiefen Graben ausheben müssen, um die Gewächshausfolie einzuschlagen. Dieses Buddeln macht den Aufbau eines größeren Foliengewächshauses doch recht aufwendig.

Ein Foliengewächshaus wird mit Folie eingedeckt, als größeres sichtbares Element im Garten nicht jedermanns Geschmack. Sie sollten sich genau erkundigen, welche Folie verwendet wird. Es werden immer noch Foliengewächshäuser angeboten, bei denen die Folie aus sehr umweltbedenklichem PVC besteht. Die meisten Foliengewächshäuser werden heute mit PE-Folie abgedeckt. Die gehören zwar nicht zu den umweltschädigensten Kunststoffen, aber sind eben immer noch eine Kunststoffverbindung. PE = Polyethylen wird aus Erdöl hergestellt, verbraucht also endliche Ressourcen. Es kann zwar mechanisch recht gut recycelt werden, aber braucht etwa ein Jahrtausend, um zu verrotten. Die Beständigkeit von PE und überhaupt Folie hat ihre Grenzen. Folie sollte z. B. nie ohne Polster direkt auf dem Metall aufliegen, weil sie sonst bei Hitze schnell spröde wird.

Foliengewächshaus mit Blick auf die Nutzung auswählen

Die Abdeckung mit Folie hat durchaus spezifische Auswirkungen auf Temperatur und Klima im Gewächshaus. Das ist nicht unbedingt ein Vorteil oder ein Nachteil. Es ist jedoch nicht unwichtig, dass Sie die geplante Hauptnutzung einbeziehen, bevor Sie sich für die simple Variante des Foliengewächshauses entscheiden, denn:

  • FoliengewächshausFolie isoliert nicht sehr gut,
  • Sonnenwärme im Frühjahr kann sehr schnell spürbare Wirkungen entfalten
  • bringt das Wetter im Frühjahr hohe Temperaturschwankungen kommt es auch im Foliengewächshaus zu Temperaturschwankungen
    • für viele Jungpflanzen einfach Abhärtung, für manche aber auch zu viel
  • bis Anzuchten groß genug für Freiland sind, ist das Klima im Foliengewächshaus recht gut geeignet
  • das Foliengewächshaus zur Frühjahrsanzucht hat sich bewährt
  • schlechte Isolierung macht sich im Ganzjahresbetrieb bemerkbar
    • Im Sommer reicht bei Hitze mitunter die Lüftung über die Fenster nicht aus
    • so dass Sie zusätzlich Lüftungsmöglichkeiten erdenken müssen
    • Im Winter reicht die Dämmwirkung für durchgängige Pflanzenkultivierung i.d.R. nicht aus
  • Foliengewächshaus als Winterquartier für Pflanzen nutzen

Wenn Sie jedoch eigentlich davon träumen, ganzjährig seltene Orchideen zu kultivieren, oder auch im Winter frischen Feldsalat und Petersilie ernten möchten, wird eines der gängigen Foliengewächshäuser Ihre Ansprüche nicht vollends erfüllen können.

Tipps zum Aufbau

Grundsätzlich dürfte der Aufbau eines Foliengewächshauses Sie nicht überfordern. Einige Überlegungen rund um den Aufbau sind jedoch empfehlenswert:

  • Bevor Sie loslegen, sollten Sie natürlich kurz überlegen, wo das Foliengewächshaus den besten Platz im Garten hat.
  • Dabei geht es um die Optik, Sie möchten wahrscheinlich von der Gartensitzgruppe nicht direkt auf das Gewächshaus blicken, aber auch um optimale Besonnung und Windschutz.
  • kleines GewächshausWenn Sie im Foliengewächshaus den Gartenboden bepflanzen möchten, sollte dieser dann zunächst geprüft und auf eine Bepflanzung vorbereitet werden, falls die Stelle noch nie bepflanzt wurde.
  • Der Rahmen wird eigentlich nur zusammengesteckt, was Sie doch überfordern wird, wenn die Anleitung in Mandarin oder nicht vorhanden ist, also vorher prüfen.
  • Wie schon erwähnt, sollte die Folie in windigen Gegenden untergeschlagen werden, das Ausheben des Grabens sollte zuerst erledigt werden.
  • Denn hier könnten noch Schwierigkeiten auftreten, die Sie zwingen den Standort zu verlegen, starke Wurzeln in Boden zum Beispiel.
  • Halten Sie auch eine Abdeckung bereit, wenn sich Ihr Graben beim nächsten Regenguss mit Schlamm füllt, wäre das mehr als ärgerlich.
  • Wenn Sie die Folie aufbringen, sollten Sie einige Helfer haben, sonst wird das ein ziemlich anstrengendes Unterfangen.

Alternativen zum herkömmlichen Foliengewächshaus

Alles oben Angeführte gilt für die „ganz normalen“ Foliengewächshäuser, die Sie im Gartencenter oder Baumarkt erwerben können. Auch beim Stichwort Foliengewächshaus stehen Ihnen jedoch noch viele weitere Möglichkeiten außer dem Erwerb der vorgefertigten Produkte offen:

1. Sie könnten den Rahmen für Ihr Foliengewächshaus selbst bauen, in ganz genau den Maßen, die am besten in Ihren Garten zu integrieren sind. Oder in ganz genau dem Design, das am besten zu Ihrem Haus passt. Es gibt heute Steckelemente zu kaufen, mit denen Sie Ihr Foliengewächshaus auch als außergewöhnliches Designobjekt gestalten können.

Diese Steckelemente nennen sich „Vario quick“. Sie werden von der GeKaHo GbR in 77960 Seelbach verkauft. Infos auf www.gekaho.de. Die Steckelemente kosten wenige Euro pro Teil. Mit ihnen lassen sich handelsübliche Holzleisten 24×48 mm schnell und einfach verbinden, und das nicht nur in rechten Winkeln.

kleines Gewächshaus2. Dieses selbst designte Grundgerüst braucht natürlich eine Folie, die es bei vielen Händlern zu kaufen gibt. Die Folie eines fertig gekauften Foliengewächshauses muss auch alle paar Jahre erneuert werden. Polyethylen-Folie wird z. B. unter www.pe-folie.de als Gewächshausfolie angeboten. Auch PVC-Folie ist mitunter noch zu finden. Seren Kauf kann jedoch aus ökologischen Gründen nicht empfohlen werden.

Heute gibt es jedoch auch ganz neue und viel spannendere Folien, mit denen Sie Ihren Gewächshausrahmen verkleiden könnten. Zum Beispiel eine Folie aus Ethylen-Tetrafluorethylen (ETFE), die schon seit einigen Jahren Furore macht. Mit ETFE sind die kuppelartigen Gewächshäuser des „Eden Projects“ gedeckt, dem einzigartigen botanischen Garten im britischen Cornwall. Die geodätischen Kuppeln dienten im Film „James Bond – Stirb an einem anderen Tag“ als Kulissen. Das Gondwanaland, die Riesentropenhalle im Zoo Leipzig, der tropische Freizeitpark Tropical Islands bei Berlin, das Olympiastadion Kiew und Dach und Fassade der Allianz Arena sind ebenfalls mit ETFE bzw. ETFE-Folienkissen bedeckt.

Gewächshaus-Folie aus ETFE wird unter dem Markennamen F-Clean von der Firma AGC Chemicals Europe mit Sitz in 1077 XV Amsterdam vertrieben. Informationen unter www.f-clean.nl. F-Clean sichert frühe Ernte und maximale Fruchtqualität, weil es 94 % des UV-Lichts durchlässt. Es reinigt sich selbst, hält garantiert 10 Jahre und macht Gewächshäuser ganzjährig nutzbar. Sie ist nicht ganz preiswert, aber eine lohnende Investition (die auch ungleich attraktiver aussieht als die anderen Folien).

Fazit
Foliengewächshäuser ermöglichen in vielen kleineren und größeren Versionen eine erhebliche Ausweitung des Speiseplans und der exotischen Pflanzen im Garten. Haben Sie schon einmal daran gedacht, Artischocken anzubauen, die sind gleich beides? Oben wurde die Variationsbreite nur angedeutet. Es gibt auch noch Folientunnel und Frühbeete, Mini-Treibhäuser und Tomatenhauben, Hochbeete mit Gewächshaushülle und Bambus Anzuchtglocken, viktorianische Anzuchtglocken und im Nu aufgebaute Grower Systeme mit Reißverschluss, alle fertig zu kaufen und die meisten auch zum selber machen.