Duftschneeball

Die Gattung Viburnum umfasst rund 100 bis 200 Arten (nicht Genaues weiß man, jeder Viburnum-begeisterte Botaniker gibt andere Zahlen an), die im Zuge von Gensequenz-Analysen im Jahr 2011 gerade von der Familie der Geißblattgewächse in die Familie der Moschuskrautgewächse umgezogen sind.

Diese Pflanzenfamilie des Moschuskrautgewächse ist für heimische Gärtner insgesamt interessant, enthält sie doch vier Gattungen mit ungefähr 220 Arten von Pflanzen, die hauptsächlich auf der Nordhalbkugel zu Hause sind, von gemäßigten bis in subtropische Breiten. So gibt es verschiedene Schneebälle, die mit unserem Klima zurechtkommen, weil sie sich unter ähnlichen klimatischen Bedingungen entwickelt haben.

Hinweise

Der Bodnant-Schneeball gehört zu den Schneebällen, die mit unserem Klima zurechtkommen (gerade so, mehr dazu bei Überwinterung). Die Hybride aus dem Duft-Schneeball „Viburnum farreri“ und dem Großblütigen Schneeball „Viburnum grandiflorum“ zeigte für ihren ersten Züchter (Charles Lamont vom Botanischen Gartens in Edinburgh) 1933 so wenig Unterschiede zu den Elternpflanzen, dass er von weiterer Vermehrung absah. Im (heute) öffentlichen „Bodnant Garden“ in Wales war man auch am Schneeball kreuzen, hier entstand 1934/1935 genau diese Kreuzung und erhielt den botanischem Namen Viburnum ×bodnantense.

Der Bodnant-Schneeball wird auch Winterschneeball genannt, wegen des eigentlichen Zuchterfolges, der seine Besonderheit ausmacht: Er ist zwar seinen (auch sehr attraktiven) Eltern sehr ähnlich, hat aber die Blütezeit des „Viburnum farreri“ vom späten Herbst bis zum frühen Frühling und des „Viburnum grandiflorum“ von Januar bis März zu einer Blütezeit zwischen November und April „gemixt“ – die dunkelrosa-weißen Blüten mit vanilleähnlichem Duft sind eine echte Bereicherung für unsere Gärten, die in dieser Zeit sonst nicht gerade vor Blütenreichtum überquellen.

Den Rest der Saison ist der Bodnant-Schneeball aber auch sehr attraktiv: Gegen Ende der Blüte folgen die lanzettförmigen und leicht gezähnten Blätter in frischem Grün, sie schmücken den Winterschneeballs den Sommer über, bis das Herbstlaub rot bis purpur wird.

Die Ansprüche an Standort und Boden

DuftschneeballDer Bodnant-Schneeball wächst als Strauch mit einer Wuchshöhe von 2,5 m bis 3 m, er erreicht eine Wuchsbreite zwischen 1,5 m und gut 2 m. Dabei bleibt er anfangs eher schmal und geht erst als älterer Strauch in die Breite. Sie können bei der Standort-Wahl darauf achten, dass ihm das möglich ist, er kann aber auch durch Beschnitt schmal gehalten werden.

Der Standort darf sonnig sein, der Duftschneeball ist gut hitzeverträglich, er verträgt aber auch einen absonnigen Stellplatz. Der Standort sollte am besten leicht geschützt liegen, zumindest so, dass die winterliche Blüte nicht voll vom kalten Ostwind umweht wird.

An den Boden hat er wenige Ansprüche, in Bezug auf den Boden-pH-Wert sind Schneebälle ziemlich tolerant, und sie wachsen mit etwas Dünger auch in mageren Böden. Nur gut durchlässig sollte der Boden sein, überschüssiges Wasser muss auf jeden Fall ablaufen/versickern können, Staunässe verträgt der Bodnant-Schneeball nicht.

Am besten macht sich ein als Solitär wachsender Bodnant-Schneeball an einem vom Haus einsehbaren Standplatz, damit Sie die Blüte genießen können. Wenn er in einer Hecke wachsen soll, sollte er in einen Abstand von ungefähr halber Wuchsbreite zum nächsten Strauch gesetzt werden, nur so kann er ausreichend Wurzelmasse entwickeln. Diesen Abstand wird der Winterschneeball irgendwann füllen, aber erst einmal lässt er Lücken. Wenn solche Lücken Sie stören, können Sie auf einen alten Trick der Gartenarchitekten zurückgreifen: Diese setzen zu den jungen Gehölzen, die in ein paar Jahren die Grundstruktur des Gartens bestimmen sollen, sogenannte Füllgehölze. Das sind preiswerte, raschwüchsige Sträucher, die den Garten nach kurzer Zeit üppig bewachsen aussehen lassen, aber ohne größere Trauer entfernt werden können, wenn die wertvollen Decksträucher wirkungsvolle Größen erreicht haben. Als Füllsträucher werden z. B. Apfelbeeren (Aronia melanocarpa), Braut-Spiersträucher ( (Spiraea x arguta), Fingerstrauch (Potentilla fruticosa), Johanniskraut Hidcote (Hypericum Hidcote) und Liguster (Ligustrum vulgare) eingesetzt.

Die Bewässerung des Bodnant-Schneeballs

Der Winterschneeball ist vorbildlich pflegeleicht, braucht aber zur Versorgung seiner feinen Wurzeln immer einen leicht feuchten Boden unter sich, im Zweifel also zusätzliche Bewässerung:

  • Auch im trockenen (frostfreien) Winter und Frühling sollte der Duftschneeball gegossen werden, weil er zu dieser Zeit Blüten entwickelt
  • Steht er in voller Sonne, muss er auch im Sommer zusätzlich gegossen werden
  • Im Halbschatten kann die „Natur-Bewässerung“ von oben ausreichen, aber nur, wenn es regelmäßig regnet
  • Der Boden sollte nie austrocknen, gerade die jüngsten, feinsten Wurzeln könnten sonst absterben
  • Gilt für jede Pflanze und jeden Gartenboden: Einmal reichlich durchnässen und dann erst nach ein paar Tagen wieder gießen

Dünger

Der Winterschneeball braucht nicht sehr viele Nährstoffe, so wird er zufriedengestellt:

  • Ein Bodnant-Schneeball in magerem Boden bekommt zu Beginn der Saison organischen Volldünger
  • Kein stickstoffbetonter Dünger, der würde den Schneeball blühfaul werden lassen
  • Oder eine gute Decke an reifem Kompost
  • Ein normal nährstoffhaltiger Boden kann rund um den Schneebällen gemulcht werden
  • Dann braucht der Duftschneeball in der Regel keine andere Nährstoffzufuhr mehr

Schneiden

Bodnant-SchneeballBei einem Bodnant-Schneeball wird pro Jahr mit einem Zuwachs zwischen 15 und 30 cm gerechnet. Also nicht sehr viel, Sie müssen Ihren Schneeball deshalb fast überhaupt nicht schneiden – wenn er als Solitär mit genügend Raum zu den Seiten hin steht, darf er einfach frei wachsen. Nur gesund muss er bleiben, wenn Sie gebrochene, kranke, ins restliche Gehölz hinein wachsende Äste bemerken, werden diese natürlich entfernt, das kann in der Saison jederzeit geschehen.

Sie können den Bodnant-Schneeball aber durch Schnitt in Form bringen. Ein Solitär sollte durch Schnittpflege insgesamt zu einer etwa pyramidalen Form geschnitten werden, das entspricht am besten der natürlichen Entwicklung. Sie können ihm erst einmal eine Weile (drei, vier Jahre) Zeit für ungestörte Entwicklung lassen, Sie können aber auch gleich im Frühjahr nach dem Pflanzen mit dem Beschnitt beginnen. In beiden Fällen gehen Sie vom Grundmuster her so vor:

  • Schneiden Sie im späten Frühjahr, nach der Blüte und vor dem Blatt- und Triebaustrieb
  • Schneiden Sie immer jeweils die ältesten Triebe weg, die ohnehin nicht mehr blühen
  • Das sollte möglichst nah am Boden geschehen
  • Wie beim frei wachsenden Schneeball werden außer dem formgebenden Schnitt zu lange Triebe gekürzt und unschönes bzw. krankes Wachstum entfernt
  • Achten Sie darauf, die neuen Triebe am Strauch zu lassen, an denen sich die nächste Blüte entwickelt
  • Insgesamt sollte ein Bodnant-Schneeball ca. acht kräftige Haupttriebe aufweisen
  • Verzweigen diese sich im oberen Bereich wenig und setzen kaum Blüten an, werden sie im nächsten Frühling kräftig gestutzt
  • Der zentrale Haupttrieb bis auf einen Meter, die Triebe Drumherum noch kürzer, bis eine Pyramiden- oder Kegelform entsteht
  • Verzweigen sich die Haupttriebe von unten an gut, brauchen Sie den Duftschneeball einfach nur rundum sanft kürzen, mit Blick auf eine harmonische Gesamtgestalt
  • Sie können aber auch mehr schneiden, ein Winterschneeball kann durch jährliches Zurückschneiden in Zwergmaßen um 1 m gehalten werden
  • Sollte ein Duftschneeball völlig außer Form geraten, kann er radikal zurückgeschnitten werden
  • Diesen Kraftakt verträgt er aber höchstens alle zwei bis drei Jahre, soll ein großer Winterschneeball zum Zwerg werden, sollte das in Etappen geschehen
  • Bei Radikalschnitten müssen Sie in der nächsten Saison mit einer sehr spärlichen Blüte rechnen

Überwinterung

Dass der Winterschneeball Winterkälte in den Genen hat, zeigt sich weniger am Namen als an seiner Gepflogenheit, sich im Winter seiner Blätter zu entledigen. Fast alle Bäume in Regionen mit kalten Jahreszeiten machen das, wenn keine Blätter zu versorgen sind, lässt sich gefrorener Boden besser überstehen.

Die „Eltern“ des Bodnant-Schneeballs kommen aus dem Nordwesten Chinas (Viburnum farreri) und einem Streifen etwas weiter südlich (Viburnum grandiflorum, von Pakistan über den südlichen Himalaya bis nach Süd-Tibet).

Winterschneeball ZweigSie kennen damit zwar Winterkälte, ihre Heimat liegt aber etwas bzw. ein gutes Stück südlicher als Deutschland. Auch der Entstehungsort des Viburnum ×bodnantense, Bodnant in Nordwales, kennt kalte Winter, aber nur milde kalte Winter. Dem Bodnant-Schneeball wird je nach Autor eine USDA-Winterhärte-Zone zwischen 6 und 7 zugetraut, wenn 6 stimmt, kommt er in Deutschland überall gut durch den Winter.

Wenn er nur USDA-Klimazone 7 aushält, wird es ungefähr ab Göttingen in Richtung Süden/Südosten zunehmend eng … Wenn Sie in der südlichen Hälfte Deutschlands wohnen, ist für Sie ein Bodnant-Schneeball deshalb nicht automatisch winterhart, auch wenn ein Verkäufer das noch so überzeugend beteuert. Dann sollte vielmehr folgendes erkundet werden:

  • USDA-Winterhärte-Zone oder -klimazone des eigenen Wohnorts
  • Diese „USDA Plant Hardiness Zones“ hat das US Department of Agriculture = USDA = Landwirtschaftsministerium USA festgelegt
  • Sie sind der internationale Standard, nach dem die Winterhärte von Pflanzen angegeben wird
  • In welche USDA-Winterhärte-Zone stuft der Verkäufer seinen Bodnant-Schneeball ein?
  • Ist er in einem Gewächshaus aufgewachsen oder im Freien?
  • Wo ist er gezogen worden? Bei Ihnen in der Nähe oder in einer Großgärtnerei in Nordholland, USDA-Winterhärte-Zone 8b?

Die Sache mit der Winterhärte-Zone gilt natürlich für jede Pflanze, die Sie kaufen, um sie in den Garten auszusetzen. Gerade Pflanzen, die in Ihrem Wohnort nur fast winterhart sind, sollten Sie möglichst in einer nahegelegenen Gärtnerei kaufen, in der sie auch im Freien gezogen wurden. Bei importierten Pflanzen lohnt sich ein Blick auf das Verkaufsetikett (den Anhänger an der Pflanze), Werte zur Winterhärte-Zone können sich hinter Ausdrücken wie „hardy to zone (7)“ oder „USDA hardiness zone : 6-9“ verbergen. Wenn der Verkäufer einer kritischen Pflanze keine Angaben zur USDA-Winterhärte-Zone machen kann, ist auf jeden Fall Skepsis angesagt …

Falls zu befürchten ist, dass der Winterschneeball bei Ihnen friert, sollten Sie ihm vor allem in seiner Jugend einen Winterschutz angedeihen lassen. Wenn Sie in einem der gefürchteten Kältelöcher Deutschlands wohnen, in den bayerischen Alpen oder so, braucht der Winterschneeball immer einen Winterschutz, oder Sie kultivieren ihn im Kübel und holen ihn im Winter ins Haus (möglichst kühl stellen, z. B. in einen kühlen Wintergarten).

Außerdem sollten Sie sich über die verschiedenen Zuchtsorten des Bodnant-Schneeballs informieren, dabei gibt es gute und weniger gute frostharte Sorten.

Bodnant-Schneeball im Kübel

Ein Bodnant-Schneeball kann in einen Kübel gepflanzt werden, möchte dann aber einige Bedingungen erfüllt bekommen:

  • Im Kübel machen sich Versorgungsmängel schnell bemerkbar, gleichmäßige Pflege (Bewässerung, Düngen etc.) ist erforderlich
  • Der Duftschneeball darf nie zu nass stehen, das führt fast immer zu Pilzinfektionen, die ihn zum Eingehen bringen können
  • Vorbeugen können Sie mit einer Drainageschicht auf dem Kübelgrund, grober Kies mit etwas Vlies darauf
  • Für die Kübelkultur sollten Sie mit einem kleinen Bodnant-Schneeball beginnen und die Kübelgröße nach und nach anpassen
  • So kann die Pflanze ihre Wurzelballengröße gut anpassen und sich im Kübel bestmöglich versorgen
  • Mehr Aufwand ist das nicht, das Substrat muss ohnehin alle paar Jahre erneuert werden, da die Struktur sich verschlechtert
  • Dann können Sie den Duftschneeball gleich in den nächst größeren Kübel setzen
  • Als Substrat eignet sich eine Mischung aus Gartenerde mit einem Viertel Kies, Tonkugeln u. ä. zum Lockern
  • Gedüngt wird mit Vollnährstoffdünger nach Packungsanleitung, auch Hornspäne, Kompost, Steinmehl können Sie zugeben
  • Im Kübel sollte der Winterschneeball jährlich geschnitten werden, er wird dadurch buschiger und stabiler
  • Überschüssiges Wasser muss hier unbedingt ablaufen können, Staunässe ist im Kübel noch gefährlicher
  • Kübel trocknen wegen der kleineren Erdmasse auch schneller aus, bei Hitze also gut auf die Feuchte achten

Fazit

Wenn Sie sich schon im frühesten Vorfrühling (in milden Wintern ab November) von zarten Blüten mit lieblichem Duft verwöhnen lassen möchten, sollten Sie einen Bodnant-Schneeball am Weg vom Gartentor zum Haus ansiedeln. Falls Sie in einer der kälteren Regionen Deutschlands zu Hause sind, ist das nicht so empfehlenswert, dann braucht der Bodnant-Schneeball Super-Winterschutz oder einen Platz in Wintergarten, unproblematisch im Garten überwintert hier nur ein einheimischer „Gewöhnlicher Schneeball“ Viburnum opulus.