Zwergpalme

Fazit: Tropische Pflanzen im deutschen Garten sind grundsätzlich kein Problem! Viele beliebte tropische Pflanzen haben längst bewiesen, dass sie es in Deutschland ganz gut aushalten können, und es kommen immer wieder neue Pflanzen dazu.

Dekorative Wildnis im Garten gewünscht? Mit üppigem, an märchenhafte und ferne Länder erinnernden Bewuchs? Das ist möglich, allerdings nur, wenn Sie bei der Auswahl der tropischen Pflanzen für Ihren Garten fachkundig und sorgsam vorgehen.

Tropische Pflanzen für den deutschen Garten gibt es nicht viele

Deutschland liegt leider sehr weit entfernt von den Tropen, und die meisten tropischen Pflanzen, die wirklich aus den Tropen kommen, können mit dem deutschen Klima nichts, aber auch gar nichts, anfangen. Auch die Pflanzen aus subtropischen Gebieten (Klimazone zwischen Tropen und gemäßigter Zone) werden durch Jahres-Mitteltemperaturen über 20 Grad verwöhnt, die Abgrenzung zu den Tropen liegt darin, dass hier die Mitteltemperaturen des kältesten Monats unter 20 Grad bleiben, womit jedoch nicht minus 20 Grad wie in Deutschland gemeint sind.

Die Tropen und die Subtropen haben jedoch den Vorteil, dass sie eine unheimliche Fülle von Pflanzen hervorbringen. Darunter auch solche, die in ihrer Heimat unter sehr ungünstigen Bedingungen existieren müssen und so zu wirklichen Überlebenskünstlern geworden sind, diese Pflanzen geben auch in Deutschland nicht gleich auf, wenn sie als Ausgleich eine bessere Versorgung genießen … Forscher bemühen sich, auch die letzte unbekannte Pflanze zu entdecken und zu beschreiben, Händler gehen im Rahmen eines erweiterten Welthandels gezielt auf die Suche nach Pflanzen, die in den Tropen wachsen, aber auch unter deutschen Klimabedingungen überleben können … Und so können Sie heute eine Fülle von neu entdeckten Pflanzen erwerben, die als tropische Pflanzen verkauft werden.

„Echte“ tropische Pflanzen für den Garten

Es gibt einige Pflanzen, die sich in unseren Gärten ziemlich unproblematisch wohlfühlen und die von der Herkunft her mit einem guten Gewissen als tropische Pflanzen bezeichnet werden können (oder zumindest als fast tropische Pflanzen, manchmal kommen sie auch nur aus Gebieten, die die Tropen sozusagen gerade einmal „ankratzen“). Das sind zunächst einige Palmen (die nachfolgenden Aufzählungen sind alle nach absteigender Winterhärte geordnet):

  • Zwergpalmettopalme, Sabal minor: Winterhart bis minus 17 °C, kommt von „Rand der Tropen“, aus dem südlichen Nordamerika. Langsam wachsende Palme, die im Winter Schutz braucht.
  • Chinesische Hanfpalme, Trachycarpus fortunei: Winterhart bis minus 15 °C, gute Einsteiger-Palme für feuchte, halbschattige Lagen, braucht in kalten Regionen Winterschutz.
  • Zwergpalme, Chamaerops humilis: Winterhart bis minus 15 °C, in einer milden Region an einer Südwand eine robuste Mittelmeerpalme, braucht aber Winterschutz.

GladiolenAuch einige Pflanzen aus den afrikanischen, australischen und den südamerikanischen Tropen halten es bei uns aus:

  • Schmetterlings-Gladiole, Gladiolus papilio: Winterhart bis minus 24 °C, sehr dekorativ und ziemlich anspruchslos.
  • Magellan-Fuchsie, Fuchsia magellanica: In der Sorte „Alba“ winterhart bis minus 24 °C, in kälteren Wintern ist Wurzelschutz (Mulchen) zu empfehlen, bei Extremkälte frieren die Stämme zurück, sollen aber wieder austreiben.
  • Schnee-Eucalyptus, Eucalyptus niphophila: Die Sorte „Mt. Bogong“ hält bis minus 23 °C aus, verträgt auch regnerische Standorte.
  • Argentinische Binsenlilie, Sisyrinchium striatum: Winterhart bis minus 21 °C, wächst als Staude, in kalten Regionen wird Abdeckung im Winter empfohlen.
  • Argentinisches Eisenkraut, Verbena bonariensis: Winterhart bis minus 20 °C, kann als Staude an trockenen und warmen Standorten gehalten werden.
  • Roter Zylinderputzer, Callistemon rigidus: Winterhart bis minus 17 °C, wächst in milden Regionen an einem geschützten Standort mehrjährig.

Meist aus den tropischen Bereichen Südamerikas kommen eine Reihe von tropischen Sukkulenten, die in unsere Gärten gepflanzt werden können:

  • Yucca glauca: Winterhart bis minus 35 °C, bei den Yucca-Sorten sollten Sie immer sehr genau die Sorte (botanischer Name!) und den Aufzuchtort erfragen.
  • Noch eine ganze Reihe anderer Yuccas sind bei uns gut winterhart, die Yucca flaccida, Yucca gloriosa, Yucca filamentosa und Yucca recurvifolia bis minus 25 Grad. Diese Sorten sollen wie die Yucca glauca im Winter ohne Nässeschutz auskommen, der häufig das eigentliche Problem bei der Überwinterung von Yuccas darstellt.
  • Opuntie, Cylindropuntia imbricata: Winterhart bis minus 25 °C, trotzdem nur an trockenen Standorten in warmen Regionen unkritisch auspflanzbar, in rauen Regionen nur mit winterlichem Feuchtigkeitsschutz.
  • Mittagsblume, Delosperma nubigenum: In der Sorte „Thüringen“ winterhart bis minus 23 °C, die immergrüne Blume mit gelber Blüte wächst in Thüringen schon lange im Freiland.
  • Wheelers Rauhschopf, Dasylirion wheeleri: Winterhart bis minus 21°C, toleriert etwas Feuchtigkeit, kann in milderen Gärten bzw. geschützten Stellen ausgepflanzt werden, im Zweifel Winterschutz.
  • Parry-Agave, Agave parryi: In der Sorte „Chihuahua“ winterhart bis minus 20 °C, braucht aber im Winter einen trockenen Standort.

Nicht tropisch, aber mit dem Flair des Südens

GlockenblumeTropisch heißt rein geographisch „in einem Streifen links und rechts des Äquators beheimatet“, im sogenannten Tropengürtel. So eng müssen Sie es beim Pflanzenkauf aber nicht unbedingt sehen, Ihnen geht es ja meist eher darum, schöne, auffällige, ungewöhnliche Pflanzen zu kultivieren, die einen „Hauch Süden“ in den Garten bringen.

„Süden“ mit wärmeren Temperaturen und exotisch anmutenden Gewächsen gibt es aus deutscher Sicht jede Menge, der fängt bereits hinter den Alpen an. Dort beginnt das mediterrane Klima mit freundlichen Temperaturen, und niemand zwingt Sie, die mediterranen Gebiete bei Ihrer Pflanzenauswahl auszusparen. Damit stehen Ihnen nämlich sehr viele (ursprünglich) mediterrane Pflanzen zur Verfügung, die sehr gerne und ohne viel Pflegeaufwand in Ihrem Garten einen zauberhaften „tropischen“ Charme ausstrahlen:

Winterhart bis minus 25 Grad:

  • Lorbeerblättrige Zistrose, Cistus laurifolius, große reinweiße Blüte, mit leichtem Winterschutz sogar in kalten Regionen winterhart.
  • Gepunktete Glockenblume, Campanula punctata, echt tropisch wirkende Glockenblume mit riesigen Blüten, zieht im Winter ein.
  • Korallen-Schwertlilie, Iris foetidissima, immergrüne Iris aus Südwesteuropa, hübsche Blüte und korallenfarbene Früchte, gut winterhart.

Winterhart bis minus 23 Grad:

  • Weiße Forsythie, Abeliophyllum distichum, Laub abwerfender Exot, der noch vor den gelben Forsythien seine weißen Winterblüten zeigt.
  • Balkan Bärenklau, Acanthus hungaricus, tolle robuste Staude mit bis zu 40 cm langen Blättern und einem bis zu einem Meter hohen Blütenstand.
  • Griechischer Bärenklau, Acanthus spinosus, schöne unempfindliche Staude mit dekorativem Blütenstand im Hochsommer.
  • Seidenakazie, Albizia julibrissin, Laub abwerfend, schirmförmige Krone, wirklich tropisch wirkende rote Blütenpuschel.
  • Kamelie, Camellia japonica, immergrüner Strauch mit dekorativer Blüte im Frühling, wächst langsam und braucht einen halbschattigen Standort, gerne mit saurem Boden.
  • Judasbaum, Cercis siliquastrum, sehr winterharter sommergrüner Kleinbaum mit lilafarbenen Blüten im Mai/Juni.
  • Chinesischer Losbaum, Clerodendrum bungei, Laub abwerfender Busch mit ausdauernden rosaroten Blüten über den gesamten Spätsommer, ev. mulchen.
  • Winterjasmin, Jasminum nudiflorum, gelbblühender kältegewohnter Jasmin, geeignet als Bodendecker oder als Kletterpflanze.
  • Rosablühende Nachtkerze, Oenothera speciosa, nicht wirklich tropisch mit seiner nordamerikanischen Herkunft, aber dafür mit tropisch wirkender Blüte und wirklich winterhart.
  • Gelbblühende Nachtkerze, Oenothera tetragona, siehe oben.
  • Schöne Leycesterie, Leycesteria formosa, in der Sorte „Kalamuni“ winterhart bis minus 23 Grad, Laub abwerfender Strauch mit weiß-lila Blüte, violetten Beeren und mit bambusähnlichem Neuaustrieb.
  • Sumpf-Dreiblatt, Dorycnium rectum, dekorativer, Laub abwerfender Strauch, der rund 1,5 Meter hoch wird.
  • Mittelmeerpinie, Pinus pinea, Charakterbaum mit hübschem, schirmförmigem Wuchs, nur in milden Regionen gut winterhart.

ChrysanthemenWinterhart bis minus 22 Grad:

  • Winterharte Chrysantheme, Chrysanthemum arcticum x koreanum, in verschiedenen Sorten erhältlich, blüht im Herbst und zieht im Winter ein.
  • Rote Spornblume, Centranthus ruber, die großen roten Trugdolden erscheinen im Frühsommer und blühen sehr lange, gut winterhart.
  • Japanischer Losbaum, Clerodendrum trichotomum, Laub abwerfender Baum mit rötlich-weißer Blüte, wird 3 bis 4 Meter hoch.
  • Byzanz-Ziest, Stachys byzantina, wolliger Ziest, der in in milden Regionen gut winterhart ist. 

Tropische Pflanzen sollten zum Klima in Ihrem Garten passen

Wenn Sie Ihre tropischen Pflanzen einkaufen, sollten Sie wissen, in welcher Klimazone Ihr Garten liegt. Es gibt im Internet spezielle Klimakarten für Deutschland, in denen Sie Ihre Klimazone finden.

Weiter kommt es auf das Kleinklima (Mikroklima) in Ihrem Garten an, in der Stadt sind die Temperaturen durchschnittlich etwas höher als auf dem Land. Und es kommt auch darauf an, ob Ihr Haus in einer dicht bebauten Innenstadt-Lage liegt oder am Stadtrand innerhalb einer großzügig auseinander gezogenen Ansammlung von Eigenheimen angesiedelt ist, in der die einzelnen Bauten keine Wärmestrahlung vom Nachbarn empfangen.

Innerhalb des Gartens kann dann der genaue Standort einer tropischen Pflanze ihr Gedeihen unterstützen. An einem Standort vor einer schützenden und wärmeabstrahlenden Mauer, in einem ganztags besonnten Innenhof oder Vorgarten, dessen dunkler Pflasterbelag in der Nacht die gespeicherte Sonnenwärme abgibt, kann auch eine recht kälteempfindliche Pflanze es recht lange aushalten.

Weitere Faktoren, die die Frostverträglichkeit beeinflussen, sind die Herkunft der Pflanzen (in diesem Fall ist die einzelne Pflanze gemeint, wo sie aufgezogen wurde) und das Alter der Pflanzen. Jungpflanzen sind immer ein gutes Stück empfindlicher gegen Kälte als kräftige ausgewachsene Pflanzen, und jede tropische Pflanze sollte vom Frühjahr bis zum Herbst die Chance bekommen, sich in ihrem Garten gut zu verwurzeln, bevor der Winter kommt.

Tropische Pflanzen selber aufziehen

Viele tropische Pflanzen sind bei uns eher durch ihre köstlichen Früchte bekannt, obwohl auch die Pflanzen, die uns diese Früchte liefern, teilweise schon als Zierpflanzen kultiviert und verkauft werden. Häufig können Sie hier jedoch nur von weither importierte Pflanzen erwerben, die bei uns bald schwächeln. Wenn Sie eher der obigen Empfehlung folgen möchten, Ihre tropischen Pflanzen möglichst aus einer klimatisch dem deutschen Klima ähnelnden Aufzucht zu beziehen, gibt der globale Handel mit Tropenfrüchten Ihnen eine interessante Möglichkeit, zu den eigenen tropischen Pflanzen zu kommen:

Vor allem die tropischen Pflanzen, die uns ihre essbaren Früchte liefern, können Sie sich nämlich vielfach selbst Zuhause aus Samen ziehen. Diese eigene Aufzucht bringt Sie dem „zufriedenen Exoten“ im eigenen Heim noch einmal ein gutes Stück näher. Denn jede Pflanze wird auch durch die Bedingungen geprägt, unter denen sie aufgezogen wurde, und jede Pflanze hat ein gewisses Potenzial, sich ihrer Umgebung anzupassen. Nicht nur langfristig, das wäre dann Evolution, sondern auch im kleinen auf die einzelne Pflanze bezogen, ohne ein solches Anpassungspotenzial der einzelnen Pflanze würde keine evolutionäre Veränderung ihren Anfang nehmen können.

Wenn Sie Ihre tropischen Pflanzen selbst aus den Samen Ihrer Früchte aufziehen, werden sie von Anfang mit dem Umfeld konfrontiert, in dem sie sich auch später entwickeln werden. Wenn die Aufzucht gelingt, stehen deshalb die Chancen gut, dass Sie an genau dieser Pflanze länger Ihre Freude haben werden … Wenn Sie zu neuen tropischen Pflanzen kommen wollen, empfiehlt sich also ein ausgedehnter Einkauf in der Obstabteilung des nächsten großen Supermarkts und die Bestückung vieler Anzuchttöpfchen, wenn Sie Ihren Obst-Einkauf verspeist haben. So können Sie viele Erfahrungen mit der Kultur tropischer Pflanzen machen, ohne für die Beschaffung der Samen viel Geld aufgewendet zu haben, dafür gab es ja den Fruchtgenuss.