Bitterorange exotische Pflanze

Wer einmal einen deutschen Winter erlebt hat, weiß genau, warum exotische Pflanzen und Zimmerpflanzen in Deutschland so beliebt sind. Hier erfahren Sie, welche exotischen Pflanzen und Zimmerpflanzen das trübe Wetter in Deutschland ein wenig aufheitern.

Exotische Pflanzen für den Garten

Die exotischen Pflanzen, die das Klima in unseren Gärten vertragen, stammen eher aus dem „exotischen Italien“ als aus dem „exotischen Sumatra“. Das ist auch gut so. Was aus den Tropen oder aus dem Regenwald kommt, möchte auch in unserem Garten eine Luftfeuchtigkeit von über 90 % um sich herum genießen. In deutschen Gärten eher eine Seltenheit.

Dafür ist die Frostverträglichkeit der nur leicht südlich von uns gedeihenden Gewächse um einiges größer, als uns üblicherweise bekannt bzw. bewusst ist. So wachsen im Tessin Feigen und Palmen, Kamelien und Pinien, Zypressen und Lorbeerbäume, obwohl das Tessin sich vom Klima her schon deutlich auf dem Weg vom mediterranen zum winterkalten Klima (wie in Deutschland) befindet. Und wenn sich eine dieser Pflanzen bis in die dort nicht gerade seltenen Höhen vorgewagt hat, hat sie mit Sicherheit schon einiges an Kälte kennengelernt. Dort gezogene Pflanzen haben deshalb auch in Deutschland gute Chancen.

Allerdings dürfen Sie keine Wunder erwarten, das betrifft zunächst einmal die Frosttoleranz junger Pflanzen. Alle Temperaturen, die Sie in Bezug auf die Winterhärte einer Pflanze erkunden, gelten nur für kräftige, ausgewachsene Pflanzen. Jungpflanzen sind viel empfindlicher und halten viel weniger Kälte aus. Ihre exotischen Pflanzen sollten deshalb im Kübel groß und kräftig werden, bevor sie in den Garten umziehen dürfen.

Mehliger Salbei exotische PflanzenDann dürfen die exotischen Gehölze immer nur im Frühjahr ausgepflanzt werden, damit sie sich bis zum Winter gut verwurzeln und allmählich akklimatisieren können. Diese Pflanzen sollten alle sonnige und windgeschützte Standorte bekommen, viele profitieren von einer schützenden Unterpflanzung, z. B. mit Mittelmeer-Strohblume (Helichrysum) und Mäusedorn (Ruscus), Salbei, Lavendel oder Thymian.

Wenn ernsthafte Kälte droht, sollten Sie einer exotischen Pflanze im Zweifel lieber einen Winterschutz angedeihen lassen, der in verschiedenen Stärken aufgebracht werden kann und so verschiedene Abweichungen der Ist- zur Soll-Temperatur ausgleichen kann.

Hier eine Auswahl exotischer Pflanzen, die ein wunderbares und außergewöhnliches Flair in den Garten bringen und es in Deutschland normalerweise auch im Winter ganz gut aushalten:

  • Bitterorange, Poncirus trifoliata: Zählt zu den sehr robusten Gewächsen mit exotischer Ausstrahlung. Die Laub abwerfende, bis minus 25 Grad frostverträgliche Zitruspflanze soll auch bei uns im Freiland Früchte ansetzen. Die jedoch höchstens zur Aromatisierung von Tee benutzt werden können. Selbst Marmelade soll aus dieser nicht mit der Pomeranze zu verwechselnden Bitterorange zu bitter werden.
  • Chilenische Araukarie, Araucaria araucana: Kann ebenfalls kurze Zeit Temperaturen bis zu minus 20 Grad ab. Mit den ganz besonderen Nadeln ein Exot für die Nahbetrachtung, von weit weg sieht sie einfach wie ein Tannenbaum aus.
  • FeigenbaumEchter Feigenbaum, Ficus carica: Ein Exot, der sich weit verbreitet hat, auch in wintermilde Gebiete wie die dänischen Ostseeinseln und Südengland. Der Frost, den die Feigen aushalten, kann jedoch nicht gerade sibirisch genannt werden. Nördlich der Alpen werden Sie an Feigenbäumen nur in Regionen mit Weinbauklima länger Freude haben. Und auch das setzt voraus, dass die Feige an einer gut geschützten Stelle steht. Es gibt spezielle Zuchtsorten für kältere Gegenden, die bis zu minus 15 Grad frosthart sein sollen.
  • Hanfpalme, Trachycarpus fortunei: Einige Exemplare dieser Palmen stehen in der Kölner Bucht das ganze Jahr über. Bis zu minus 17 Grad halten sie mühelos aus, wenn es kälter wird, brauchen sie Winterschutz.
  • Japanische Aukube, Aucuba japonica: Robust und bis zu etwa minus 20 Grad kurzzeitig frostverträglich. Man kann allerdings geteilter Meinung darüber sein, ob Aukuben wirklich ernsthaft exotisch aussehen.
  • Japanische Kamelie, Camellia japonica: Wachsen in wintermilden Regionen im Freiland. Wenn sie einen geschützten Standort und im Winter eine Mulchschicht und eine Vliesabdeckung bekommen, halten sie bis etwa minus 15 Grad aus.
  • Japanische Faser-Banane, Musa basjoo: Eine echte Banane, die jedoch aus Ostasien Temperatur-Kummer gewöhnt ist. An bevorzugten Standorten auf den Britischen Inseln und im Süden Schwedens kann die ganze Pflanze im Freien überwintern. Wo es kälter ist, kann sie ausgepflanzt werden, muss jedoch mit dem ersten Frost gekappt werden. Der Wurzelstock wird dann dick abgedeckt, im nächsten Frühjahr treibt die Faser-Banane neu aus.
  • Japanische Wollmispel, Eriobotrya japonica: Erträgt Fröste bis minus 15 Grad. An warmen und regengeschützten Plätzen kann sie zu einem dekorativen Strauch mit dem exotischen Charme eines Orangenbäumchens heranwachsen.
  • Magnolie, Magnolia grandiflora: Wirkt mit ihren großen porzellanweißen Blüten auf jeden Fall exotisch. Verträgt dennoch kurzfristig Kälte bis zu minus 20 Grad.
  • Mittelmeer-Zypresse, Cupressus sempervirens: Winterhart bis zu minus 15 Grad, der Klassiker, wenn Sie die Toskana bereits als exotische Umgebung definieren.
  • Olivenbaum Olea europaeaOliven, Olea europaea: Auspflanzen bei uns ist immer ein Experiment. Das sollte nur in milden Regionen und an einem geschützten Standort im Garten versucht werden, an dem die Olive ein mildes Kleinklima genießt.
  • Seidenakazie, Albizia: Absolut exotische Ausstrahlung mit fein gefiederten Blättern und rosa Blütenpinseln. Trotzdem ausnehmend robust und kurzzeitig Temperaturen bis zu minus 20 Grad gewachsen.

Wenn Sie all diese Pflanzen in Ihrem Garten ansiedeln können, ähnelt der schon sehr einem tropischen Paradies. Sie müssten allerdings wissen, in welcher Klimazone Sie wohnen, damit die gerade aufgelisteten Temperaturangaben einen Sinn machen. Sie müssten sich mit dem Kleinklima am geplanten Standort der exotischen Pflanze beschäftigen. In der Innenstadt, vor einer schützenden Mauer, dicht an der geheizten Hauswand, in einem auch im Winter besonnten Innenhof kann mancher Exot überleben. Vielleicht kann er nachts sogar noch von der Wärme profitieren, die ein dunkler Pflasterbelag abgibt.

Die letzten entscheidenden Merkmale sind die Herkunft und die Aufzucht. Wenn eine Jungpflanze in Norditalien oder den Pyrenäen gezogen wurde, wo sie schon einmal „ein bisschen Kälte schnuppern konnte“, und dann bei Ihnen langsam an noch mehr Kälte gewöhnt wird, kann es klappen mit der Überwinterung im deutschen Garten. Insofern sind Urlaubsmitbringsel aus Gärtnereien in diesen Gebieten durchaus zu empfehlen, da wissen Sie wenigstens genau, wo Ihr Exot herkommt.

Wenn die exotische Pflanze in einem niederländischen Gewächshaus gezogen wurde oder in einem Container aus einer südasiatischen Plantage kommt, werden Sie mit dieser Pflanze wohl nie Glück haben. Apropos Urlaubsmitbringsel: Verschonen Sie die deutsche Gartenwelt bitte mit Importen aus wirklich exotischen Ländern. Oft handelt es sich um geschützte Pflanzenarten. Auch bei anderen Pflanzen ist der Export/Import häufig mit Strafe bedroht. Es ist zudem nicht unwahrscheinlich, dass Sie exotische Bakterien, Viren oder Insekten einschleppen, die im Extremfall viel Schaden anrichten.

Beliebte exotische Zimmerpflanzen

Bogenhanf ZimmerpflanzenExotische Zimmerpflanzen werden bei uns in rauen Mengen angeboten. Jede exotische Pflanze, die in Deutschland im Garten ganz sicher nicht überleben kann, könnte zumindest als exotische Zimmerpflanze verkauft werden. Wenn die dann nicht lange überlebt, ist halt der Zimmergärtner schuld. Genau so wird es von einem Teil des Handels auch gehandhabt.

Hier ist es rein faktisch jedoch ganz ähnlich wie bei den exotischen Gartenpflanzen: Pflanzen, die intensives Äquatorlicht und mehr als 90 % Luftfeuchtigkeit gewohnt sind, tun sich in jedem für Mensch und Bausubstanz gesund temperierten deutschen Wohnzimmer schwer. Wenn Sie Bedingungen herstellen, die den Pflanzen gefallen, werden Ihnen die Tapeten von den Wänden schimmeln. Sie selbst leiden zwar nicht unbedingt unter der hohen Luftfeuchtigkeit, könnten aber durch die in einem solchen Klima vermehrt auftretenden Schimmelpilze krank werden.

Dementsprechend haben nicht sehr viele exotische Pflanzen in Deutschland Aussicht auf ein langes Leben … Diese exotischen Zimmerpflanzen sind dafür bekannt, dass sie mit deutschen Bedingungen versöhnt werden können:

  • Avocado, Persea americana oder P. gratissima: Durchlässige Erde, mittlerer Wasserbedarf, Sämlinge hell ohne pralle Sonne, ältere Avocados vollsonnig stellen, verträgt ganzjährig Zimmertemperaturen.
  • Bogenhanf, Sansevieria trifasciata: Toleriert jeden Pflegefehler bis auf Staunässe, kann ganz einfach durch Blattstecklinge vermehrt werden.
  • Echte Aloe, Aloe vera: Braucht im Sommer viel Wasser, will im Winter aber eher trocken gehalten werden.
  • Frauenhaarfarn, Adiantum: Heller Standort ohne direkte Sonne, mäßig gießen und düngen.
  • Langblättrige Feige, Ficus longifolia: Wie der Name sagt außergewöhnlich lange Blätter, erinnert fast an Gras oder Bambus, in beheizten Räumen ohne Aufwand gut zu pflegen.
  • Geweihfarn, Platycerum bifurcatum: Wächst in der Natur auf Bäumen, im Zimmer auch in Erde an halbschattigen/schattigen Plätzen, Blätter mit Wachsschicht vertragen trockene Heizungsluft, aber kein Wasser.
  • Granatapfel, Punica granatum: Sonniger und warmer Platz, im Sommer recht viel Wasser, im Winter kühler Platz für die Ruhe, verliert dann die Blätter, einfach zu pflegen.
  • GrünlilieGrünlilie, Chlorophytum comosum: Filtert Schadstoffe aus der Zimmerluft, kann gut in einer Ampel gehalten werden, wuchswillig und genügsam.
  • Kannenpflanze, Nepenthes: Fleischfressende Pflanze, nur pflegeleicht bei hoher Luftfeuchtigkeit und viel Licht, dann aber sehr dekorativ.
  • Leuchterblume, Ceropegia: Eines der pflegeleichtesten Ampelgewächse ohne besondere Wünsche an Standort oder Pflege.
  • Mandarine, Citrus reticulata: Heller Standort ohne Mittagssonne, gerne hohe Luftfeuchtigkeit, mäßig gießen, winterliche Ruheperiode in einem kühlen, hellen Raum.
  • Mango, Mangifera indica: Toleriert auf Dauer kein kalkhaltiges Wasser, je nach Wuchskraft mäßiger bis mittlerer Wasserbedarf, mag nach Gewöhnung viel Sonne, sonst einfach zu pflegen.
  • Maracuja, Passiflora edulis: Rankpflanze mit ziemlich hohem Wasser- und Lichtbedarf, im Winter Ruhepause mit eingeschränkter Bewässerung, mag auf Dauer kein kalkhaltiges Wasser.
  • Orange, Citrus × sinensis: Sonniger, windgeschützter Platz, mäßig gießen, winterliche Ruheperiode in einem kühlen, hellen Raum.
  • Purgiernuss, Jatropha curcas: Robust, anspruchslos und kaum krankheitsanfällig, Pflanzensaft ist giftig.
  • Zamie, Zamioculcas zamiifolia: Pflegeleichtes Aronstabgewächs, ist eigentlich mit jedem Standort zufrieden, wächst an hellen Plätzen jedoch schneller.
  • Zimmertanne, Araucaria heterophylla: Hell und kühl stellen, Gießen ohne Staunässe, ansonsten recht problemlos.