Wespennest entfernen - der richtige Umgang mit Wespen



Nahaufnahme WespennestEs gibt Zeiten im Jahr, in denen die Wespen im Garten eine ziemliche Präsenz zeigen. Vor allem im Spätsommer fühlen sich die Menschen in ihren Gärten schnell umzingelt von scheinbar angriffslustigen Wespen, die nichts anderes im Sinn haben, als wohlplatzierte Stiche zu verteilen. Aber so ist es nicht: Sie müssten man sich nur einmal klarmachen, wie einfach es ist, so mit den Wespen umzugehen, dass sie niemandem schaden - schon wäre der Blick frei für die vielen nützlichen Aufgaben, die die Wespen in unserer Umwelt wahrnehmen.


Richtiger Umgang mit Wespen - korrekte Einschätzung des Nutzens und der Gefahren

Wespennest entfernen lassenWespen sind geschützt, und dieser Schutz wurde nicht ohne Grund festgelegt: Wespen gehören zu einer Gruppe von geflügelten Wesen, die äußerst wichtig für unser Ökosystem sind. Die Bewohner eines einzigen Wespennests vertilgen jeden Tag ca. ein halbes Kilogramm anderer Insekten, sie sind somit entscheidend daran beteiligt, die Populationen an Insektenschädlingen im Rahmen zu halten. Das hilft dann auch gleich Ihnen, weil Sie im Garten sehr viel weniger Krabbeltiere antreffen werden. Ihrem Garten helfen die Wespen auch, weil sie viele Pflanzen bestäuben. Und sie können Schädlinge an bestimmten Pflanzen so weit reduzieren, dass die Pflanzen auch gelegentlich vorkommende heftige Angriffe ohne schädlichen (und beim Bemerken des Befalls oft bereits nutzlosen) Chemieeinsatz überstehen. Gegen die nach milden Wintern gerne im Übermaß auftretenden Apfel-Gespinstmotten wird z. B. eine bestimmte Wespenart als biologisches Bekämpfungsmittel eingesetzt.

Wespen sind auch längst nicht so gefährlich, wie immer wieder auftauchende Berichte über Wespenplagen und Wespenstiche glauben machen. Denken Sie in diesem Zusammenhang immer daran: Wenn arbeitsame Wespen einfach friedlich ihre (wichtige) Arbeit tun, schreibt niemand darüber. In der Saure-Gurken-Zeit in den Sommerferien sollen dann auf einmal zahlreiche Monsterwespen auf unschuldige Kinder losgegangen sein, was diese in Wirklichkeit aber nie so früh im Jahr tun würden, wenn es sie denn gäbe. Tatsächlich gibt es insgesamt etwa 100.000 Arten von Hautflüglern, der Insektenordnung, zu der die Wespen gehören, davon kommen aber nur die wenigsten unter extremen Umständen auf die Idee, sich mit dem Menschen anzulegen: Das tun überhaupt nur die Staaten bildenden Insekten, und darunter gibt es nur drei Arten, die ihre Staaten mit einer solchen Heftigkeit verteidigen, dass sie unter Umständen mit dem Menschen in Konflikt geraten: Die Honigbiene und zwei der heimischen Wespenarten, die Deutsche Wespe und die Echte Wespe.

Sie müssen jedoch schon ziemlich ungeschickt im Umgang mit Wespen sein, um überhaupt einen Stich abzubekommen. Andersherum: Sie werden mit ziemlicher Sicherheit jedem Wespenstich in Ihrem Leben aus dem Weg gehen können, wenn Sie ein wenig über den richtigen Umgang mit den Wespen lernen. Mehr Wissen soll übrigens auch immer gegen panische Angst helfen, wer mehr weiß, kann Gefahren eben besser einschätzen.

Wespe am ApfelNachdem oben bereits das Ausmaß der Bedrohung relativiert wurde, geht es jetzt um den Anlass, aus dem die aggressiven Arten zustechen: Diese Arten sind nicht “von Natur aus aggressiv”, und kleine Computerspiele, in denen sie Menschen angreifen lernen, sind ihnen auch vollkommen fremd. Sondern sie wehren sich erst, wenn sie das Gefühl haben, dass es ihnen jetzt unmittelbar ans Leder geht. Wenn Sie z. B. eine Wespe zwischen zwei Fingern zerdrücken möchten, haben Sie gute Chancen, gestochen zu werden. Schon geringer, aber auch noch gut sind die Chancen, wenn Sie sich den Anschein geben, ein Wespennest zu bedrohen. Der Ausdruck “den Anschein geben” wurde bewusst gewählt, Wespen haben meist nicht die Geistesgröße zu erkennen, dass ein sich ihrem Nest nähernder Mensch keinen Hausfriedensbruch im Sinn hat. Aus dem Wehrverhalten ergibt sich die einfache, aber in der Wespenbehandlung ungemein nützliche Schlussfolgerung, dass eine Wespe Ihnen nichts tun wird, wenn Sie sich ruhig von ihr weg bewegen (z. B., wenn Sie versehentlich einem Wespennest zu nahe gekommen sind). Sie würden theoretisch sogar eine Wespe in Ihrer Kleidung ohne Stich überstehen, wenn Sie einfach ruhig abwarten, bis sie wieder herausgefunden hat - aber zugegeben, das ist Wespenflirt für Fortgeschrittene.

Was aber wohl für jeden Menschen mit etwas Übung zu schaffen ist, ist ein langsames und ruhiges Wegschieben einer einzelnen Wespe mit Hand oder Zeitung oder der ruhige Rückzug, wenn mehrere Wespen um Sie herumfliegen. Das häufig zu beobachtende Gegenbeispiel, hektisches Fuchteln mit den Armen, ist dagegen eine Aufforderung zum Stich.

Wespen fernhalten und bekämpfen

Wespennest unter dem DachIm Zweifel zurückweichen klappt gut, heißt aber auch, dass Sie Ihren Lieblingsplatz für Wespen räumen. Wer dazu keine Lust hat, plant bereits im Vorfeld andere Strategien, um die Wespen von seinem liebsten Platz im Garten fernzuhalten:

Er lockt die Wespen nicht noch extra heran, weder mit stundenlang unabgedeckt herumstehenden Kuchen oder anderen Speisen noch mit Mengen von Deo oder Parfüm (und auch nicht mit menschlichem Schweiß, nach Sport oder Gartenarbeit wird erst geduscht).

Trinkgläser sollten abgedeckt werden, abgegessene Teller sofort abgeräumt, kleinen Kindern wird nach jeder Leckerei sorgfältig der Mund abgewischt.

Mülleimer für Lebensmittelreste werden in einiger Entfernung vom Sitzplatz aufgestellt.
Im Spätsommer ist die meiste Vorsicht angesagt, jetzt haben die Nester ihre größte Bevölkerungsdichte: Eine Menge Brut will gefüttert werden, Königinnen und Drohnen möchten ernährt werden, die Arbeiter-Wespen haben also endlos viele “Mäuler zu stopfen”. Mit dem Mut der Verzweiflung wagen sie manches, dass ihre Vorsicht normalerweise nie erlaubt hätte.

Der kluge Gartenbesitzer nutzt genau das aus und stellt Ablenkungsfutter in einiger Entfernung bereit, so werden auch die Wespen vom Sitzplatz weggelockt, die die Köstlichkeiten hinten im Garten noch nicht gefunden haben.

WespeWespen mögen nicht nur Kuchen, solange noch Larven ernährt werden müssen, sind sie auch scharf auf jedes “insektenähnliche” Eiweiß, das ihnen z. B. als gekochter Schinken auf einem Brot begegnet. Ansonsten sollen sie reife Weintrauben köstlich finden.

In der wespenreichsten Zeit können Sie sogar die Gartenkleidung “wespengerecht” anpassen: Weiße T-Shirts finden Wespen ebenso unattraktiv wie die weißen Schutzanzüge der Imker, deshalb sind die nämlich weiß.

Der Garten wird so gestaltet, dass die Pflanzen in der Nähe der Sitzgruppe eher für Wespen unangenehme Gerüche verströmen (Tomaten, Basilikum). In einem weit entfernten Gartenbereich wird dafür alles versammelt, was Wespen (und Bienen) so richtig lecker finden (“Bienenweide”).

Am Sitzplatz selbst können Sie dann noch ein eigenes Geruchsfeuerwerk entfalten, um die Wespen zu vertreiben. Nelken, Zitrone, Lavendel, Weihrauch und einige weitere ätherische Öle sollen sie nicht mögen. Eine Garantie dafür gibt es sich nur im Zusammenspiel mit anderen Abwehrmaßnahmen, pflichtbewusste Wespen werden sich alleine von einem unerfreulichen Geruch wahrscheinlich nicht schrecken lassen.

Deshalb sollten Sie generell überlegen, ob Ihr Garten so naturnah gestaltet ist, dass sich auch Tiere ansiedlen, die die Wespenpopulationen bei Ihnen in Grenzen halten. Die (für uns Menschen weitgehend ungefährliche) Gartenkreuzspinne ist für diese Arbeit zuständig, ebenso kümmern sich Libellen und eine Menge Vögel um ein Übermaß an Wespen. Sie brauchen jedoch eine ihnen genehme, weitgehend natürlich gestaltete Umgebung mit Nistmöglichkeiten und Ecken mit Laub oder Totholz, um sich im Garten anzusiedeln.

Wenn Sie doch einen Stich abbekommen, werden Sie das in aller Regel nach zeitweiser Kühlung der Einstichstelle bald vergessen haben. Nur etwa vier Prozent der Deutschen sind allergiegefährdet, bei ungewöhnlich heftigen und lang anhaltenden Reaktionen an der Einstichstelle sollten Sie einen Arzt aufsuchen und ggf. eine Hyposensibilisierung beginnen.

Das Wespennest im Garten: Wer kann entscheiden, ob es weg muss, und wer entfernt es dann?

Wie nützlich Wespen für Ihren Garten sind und dass sie andere unangenehme Tierchen fernhalten, wurde oben bereits erwähnt. Weil Wespen so nützlich sind, stehen sie bei uns auch unter gesetzlichem Schutz. Jede normale Wespe genießt zunächst, wie überhaupt jedes wild lebende Tier, den allgemeinen Schutz nach dem Bundesnaturschutzgesetz. Nach § 39 BNatSchG ist jede mutwillige Beunruhigung wild lebender Tiere verboten, noch weniger dürfen Wespen natürlich ohne vernünftigen Grund gefangen, verletzt oder getötet werden. Auch die Lebensstätten dieser Tiere dürfen nicht ohne vernünftigen Grund beeinträchtigt oder zerstört werden.

Wespennest am DachNoch besser geschützt sind ziemlich viele Wespenarten, neben den Hornissen auch viele kleinere Wespen. Für sie gilt zusätzlich § 44 Abs. 1 BNatSchG in Verbindung mit dem Artenschutzgesetz, nach denen jede Störung, die ein bewohntes Nest betrifft, vorher von der Naturschutzbehörde genehmigt werden muss.

Das hat weitreichende Folgen für die Entscheidung, ob ein Wespennest entfernt werden kann und auch darauf, wer gegen dieses Wespennest vorgehen kann. Denn bei einem Nest, in dem gerade ein Wespenvolk lebt, sind eine ganze Menge Dinge schon einmal grundsätzlich nicht erlaubt. Das betrifft alle Mittel, mit denen Sie so gegen die Wespen vorgehen, dass diese Ihr Vorgehen mit dem Verlust von Leben und Heimat bezahlen. Die Wespen dürfen weder mit Hausmitteln vernichtet, noch ausgeräuchert werden, auch das Umsetzen ist nicht ohne Weiteres erlaubt. Eine Beeinträchtigung in jedweder Form ist erst denkbar, wenn ein vernünftiger Grund gegeben ist, und ob das der Fall ist, dürfen Sie nicht selbst nach Ihrem persönlichen Empfindungen entscheiden, sondern dieser vernünftige Grund muss objektiv vorliegen. Wann das der Fall ist, war bereits Gegenstand vieler höchstrichterlicher Entscheidungen. Auf jeden Fall liegt demnach kein vernünftiger Grund vor, wenn gegen ein Wespennest vorgegangen werden soll, wenn es im Weg ist, die Kunden stört, Zeit für Umwege kostet oder Ähnliches. Als vernünftiger Grund für ein Vorgehen gegen ein Wespennest wird z. B. eine durch Kliniktests nachgewiesene Allergie angesehen. Sollte er gegeben sein, ist natürlich jeweils das für das Wildtier schonendste Mittel zu wählen, demnach rangiert Umsiedlung vor jeder stärkeren Beeinträchtigung.

Wenn Sie sicher sind, dass ein vernünftiger Grund vorliegt und sicher sind, eine artgerechte Umsetzung selbst vornehmen zu können (vernünftige Gründe für stärkere Beeinträchtigungen gibt es nicht viele, hier drohen also immer heftige Bußgelder, wenn ein naturfreundlicher Nachbar Sie beobachtet und die zuständigen Behörden benachrichtigt), sind noch nicht alle Hürden für ein selbsttätiges Vorgehen genommen: Denn Sie müssten auch sicher sein, dass es sich bei diesem Wespennest um ein Nest der Deutschen oder der Echten Wespe handelt, der Wespenarten also, die nur unter “einfachem” Naturschutz stehen. Wenn Sie jedoch kein Wespenkenner sind und eine Deutsche Wespe nicht von einer besonders geschützten Kreiselwespe unterscheiden können (von der es nicht mehr all zu viele Exemplare gibt), könnte Ihr Vorhaben auch noch unter Genehmigungsvorbehalt stehen. Wenn die Naturschutzbehörde eine Ausnahmegenehmigung nach § 44 Abs. 1 Bundesnaturschutzgesetz erteilen soll, geht sie dabei üblicherweise sehr zurückhaltend vor. Vorgehen ohne Genehmigung und jeder andere Verstoß gegen diese besonderen Schutzvorschriften wird mit ziemlich empfindlichen Geldbußen bestraft.

Wespennest an der DeckeDeshalb kann zum selbstbestimmten Vorgehen gegen ein Wespennest eigentlich nur Folgendes gesagt werden: Wenn Sie wissen, dass Sie gegen die betreffende Wespenart vorgehen dürfen und in der Lage sind, eine fachgerechte Umsetzung vorzunehmen, werden Sie diesen Artikel nur angelesen haben, weil Sie den Rat nicht brauchen.

Eine Ausnahme gibt es allerdings: Sie haben im Spätsommer einfach ein wenig Geduld, zum Winter hin stirbt das Wespenvolk ohnehin ab. Sie dürfen ein verlassenes Wespennest dann ohne Weiteres im Winter entfernen, die Wespen werden es nie wieder besiedeln, sondern ein neues Nest bauen.

Wespennestbekämpfung durch den Profi - Kosten und Ansprechpartner

Der durchschnittliche Normalbürger ist nach oben Gesagtem also auf die Hilfe von Profis angewiesen, wenn es um ein Vorgehen gegen ein noch bewohntes Wespennest geht. Das muss nicht unbedingt so kostenintensiv werden, wie Sie jetzt vielleicht denken, es gibt nämlich zahlreiche ehrenamtliche Wespenberater, die Sie gerne beim Umgang mit dem Nest beraten. Einen Ansprechpartner in Ihrer Region finden Sie meist über Ihre örtliche Naturschutzbehörde oder Ihr Umweltschutzamt.

Die Feuerwehr ist dagegen nur für Wespennester zuständig, wenn diese überraschend eine Bedrohung für die öffentliche Sicherheit und Ordnung darstellen. Da Ihnen nur selten der Nachweis gelingen wird, dass nicht zumindest ein zeitweises Ausweichen möglich war, besteht immer die Gefahr, dass Sie den Einsatz selbst bezahlen dürfen, wenn Sie wegen eines Wespennests die Feuerwehr rufen.

Sie können natürlich auch einen professionellen Schädlingsbekämpfer beauftragen, der sich zumindest mit den Arten, die sofort beseitigt werden dürfen, auskennt. Oder auskennen sollte, legen Sie im Zweifel ruhig etwas Misstrauen an den Tag und setzen Sie sich über die Behauptung eines Nachbarn, der die Wespen als schutzbedürftig identifiziert hat, nicht einfach hinweg: Das Bußgeld werden im Zweifel Sie zahlen. Auch bei der Beurteilung, ob ein vernünftiger Grund vorliegt, sollten Sie mitdenken: Wenn der Schädlingsbekämpfer eine völlig falsche Einschätzung abgibt, um den Auftrag zu erhalten, haften ebenfalls Sie als Beauftrager.

Fazit

Die Entfernung eines Wespennestes steht bei nüchterner Abwägung weitaus seltener zur Debatte, als gemeinhin angenommen wird. Wer weiß, dass er die nützlichen Tiere nur eine ziemlich kurze Zeit mit allen möglichen Tricks von sich fernhalten muss, bis sie ihr Leben endgültig aushauchen, kann meist recht gut mit einem Wespennest in seiner Nähe leben. Wenn Sie die Ruhe bewahren, ist die Gefahr eines Stichs verschwindend gering. Am Anfang gehört ein wenig Überwindung dazu, in Gegenwart umherschwirrender Wespen wirklich ruhig zu bleiben, es gibt aber nicht nur einen Trick, um die Wespen vom liebsten Sitzplatz im Garten abzulenken.

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Tipps für Schnellleser
Umgang mit Wespennestern - eine Kurzanleitung

- Wespen sind nützlich, auch für Sie und Ihren Garten!

- Nur drei Wespenarten verteidigen ihre Staaten auch gegen Menschen, allerdings erst nach deutlichen Angriffen, wer ruhig bleibt bzw. ruhig weggeht, hat kaum einen Stich zu befürchten.

- Wenn Sie das Wespennest erst recht spät im Jahr entdecken, ist das Wespenvolk bereits kurz vor dem Absterben, das leere Nest wird nicht wieder besiedelt werden.

- Es kann dann entsorgt werden, unter ökologischen Gesichtspunkten sollten Sie es jedoch am besten einfach hängen lassen, da es anderen Insekten als Winterquartier dient.

- Wenn eine Entfernung bzw. Umsetzung eines lebenden Volkes unter Ausnahmebedingung infrage steht, müssten Sie sich als Nicht-Wespenkenner an einen ehrenamtlichen Berater oder an einen Profi wenden, bei Beeinträchtigung ohne objektiv vorliegenden “vernünftigen Grund” oder Schädigung besonders geschützter Arten drohen erhebliche Bußgelder.
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