winterharte Palmen

Sie haben die Nase voll vom deutschen Trüb-Wetter? Sie möchten ausbrechen, in südliche Gefilde, mit exotischer Vegetation? Aber Ihr Arbeitgeber ist unbedingt der Meinung, Sie sollten die Firmenkunden weiter vom deutschen Firmensitz aus betreuen und nicht vom Strand in Nizza aus? Dann müssen Sie wohl ein wenig Fantasie entwickeln, zum Beispiel mit ein paar Palmen in Ihrem Garten. Wie das funktioniert und welche Palmen geeignet sind, erfahren Sie nachfolgend:

Wann ist eine Palme eine Palme?

Gewächse, die wie Palmen wirken, gibt es sehr viele. Aber nicht sehr viele, bei denen es sich wirklich um Palmen handelt und die Sie in Deutschland Ihren Garten pflanzen können. Denn Palmen sind natürlich nun einmal eher in in tropischen oder subtropischen Regionen beheimatet, überall wo sie vorkommen auf der Welt.

Echte Palmen oder Palmengewächse heißen botanisch Arecaceae oder Palmae und bilden die einzige Familie in der Ordnung der Arecales, der Palmenartigen. Es handelt sich um eine Familie mit weit zurückreichender Geschichte, den Palmen biologisch sehr ähnliche Gewächse gab es schon vor rund 70 Millionen Jahren auf unserer Erde, Forscher konnten palmenartige Gewächse in der Kreidezeit nachweisen. Inzwischen haben Sie sich weiterentwickelt, zu einer sehr artenreichen Familie, die heute über 180 Gattungen mit etwa 2.600 aktuell auf unserer Erde wachsenden Arten enthält.

Winterharte Palmen

So vielfältig die Pflanzenwelt der Palmen auch ist – echte Palmen, die deutschen Wintertemperaturen gewachsen sind, sind rar. Hier eine Übersicht der Palmen, mit denen sich ein Versuch lohnen könnte:

Die Blaue Hesperiden-Palme (Brahea armata) kommt aus Mexiko und soll bis zu minus 15 Grad Kälte vertragen. Sie ist eine stämmige Palme mit einem dicken Stamm und dekorativen blaugrauen Fächerwedeln, die recht weit herunterhängen und beim richtigen Lichteinfall silbern schimmern. Sie braucht einen vollsonnigen Standort, eine gute Drainage und nur recht selten Wasser.

PalmeDie Geleepalme (Butia capitata) ist eine hübsche Fiederpalme, die mehrere Stämme ausbilden kann und bis zu 6 Meter hoch werden kann. Sie kommt aus Brasilien, hält also nicht sehr viel Frost aus, kurze Zeit minus 12 Grad sollen jedoch überstanden werden. Ansonsten ist sie an einem sonnigen Standort anspruchslos und widerstandsfähig, wächst bei uns jedoch nur mittelschnell bis langsam. Auch die wollige Geleepalme (Butia eriospatha) soll gartengeeignet sein, sogar noch etwas frostbeständiger und geduldiger mit für kaltem nassen Klima.

Die Zwergpalme (Chamaerops humilis) ist eine europäische Palmenart, die bei uns auch immer mehr im Stadtbereich zu finden ist. Sie bildet mehrere Stämme und wirkt insgesamt sehr buschig, wächst ziemlich langsam und wird selten über 3 Meter hoch. Zwergpalmen sind einfach zu halten, können auch mal bei der Bewässerung vergessen werden und halten ausgepflanzt bis zu minus 12 Grad aus. Nur zuviel Regen im Winter mögen sie besonders in den ersten Jahren nicht, ansonsten eine richtige Anfänger-Palme.

Was man von der Caranday-Palme (Copernicia alba) nicht behaupten kann, sie ist auch nur bis höchstens minus 8 Grad Frostverträglich, braucht also in den meisten Gegenden Deutschlands im Winter einen ausgefeilten Schutz. Dafür handelt es sich um eine höchst interessante Palme, die weit gepreizte anmutige Wedel und mit der Zeit einen sehr stabilen Stamm entwickelt.

Die Chilenische Honigpalme (Jubaea chilensis) ist aus Chile ein fast mediterranes Klima gewohnt, was sie durchaus für die Anpflanzung in Europa qualifiziert, am Mittelmeer stehen viele Honigpalmen. Die Frosttoleranz bei den ausgepflanzten Exemplaren geht bis zu minus 15 Grad, mit etwas Glück und im Zweifel Winterschutz kann sie also in vielen deutschen Gärten heimisch werden.

Die Mazari-Palme (Nannorhops ritchiana) braucht schon ab etwa minus 7 Grad guten Winterschutz, aber im Botanischen Garten von Rom z. B. gibt es prächtige Exemplare, die im Freien wachsen. Keine Einsteiger-Palme, aber für Palmen-Fans mit Ihren ungewöhnlichen, vom Boden aus gebildeten Wedeln sicher eine interessante Herausforderung.

Die Kretische Dattelpalme (Phoenix theophrastii) ist neben der Chamaerops humilis die einzige europäische Palmenart, die bis zu minus 12 Grad Kälte ziemlich locker weggesteckt. In ihrer Jugend sollten Sie ihr bei uns jedoch etwas Winterschutz gönnen, wenn Sie sie frei auspflanzen.

Die Nadelpalme (Rhapidophyllum hystrix) ist eine der wenigen Palmen, die in Deutschland ohne Winterschutz ausgepflanzt werden kann. Sie ist ausgewachsen bis zu minus 23 Grad frosthart! Leider wächst Sie schneckenlangsam und ist deshalb beim Kauf nicht gerade billig, und wenn Sie eine preiswerte Jungpflanze erwerben, braucht diese wieder Winterschutz. Aber später ist sie wirklich eine echte Garten-Palme!

Der Zwergpalmetto (Sabal minor) ist eine nordamerikanische Fächerpalme, die viel Sonne genießen möchte und im Winter am besten mit einem sehr trockenen Substrat zurechtkommt. Dafür soll sie dann aber auch bis zu minus 20 Grad Kälte aushalten können, was allerdings von erfahrenen Haltern nicht unbedingt bestätigt wird, minus 10 Grad (für ältere Pflanzen, mit Schutz) sollen realistischer sein.

Bei der Mexikanischen Sabalpalme (Sabal texana) ist das ganz ähnlich, sie wird aber auch von vornherein nur mit einer Winterhärte von etwa minus 11 Grad angegeben.

Eine Sägepalme (Serenoa repens) zählt zu den robustesten Palmen, sie soll im Winter bis zu minus 18 Grad überstehen. Wie lange, ist jedoch nicht zu erfahren, und den sonnigsten und wärmsten Platz im Garten und eine Mulchdecke im Winter soll man ihr auch geben. Aber immmerhin: Sie wächst natürlich im Süden der USA, und da kann es auch schon mal recht kalt werden.

Die Königinpalme (Syagrus romanzoffiana) macht ihrem Namen mit ihrer majestätischen Erscheinung alle Ehre, deshalb steht sie häufig vor edlen Hotels. Sie wächst recht schnell, braucht daher ziemlich viel Dünger und Wasser, verträgt aber Frost von bis zu minus ?8 Grad auch über längere Zeit.

Winterharte Hanfpalmen (Trachycarpus fortunei) oder Tessiner Palmen wachsen eben dort und auf den Britischen Inseln, sie sind also gut winterhart, bis zu minus 17 Grad, erst wenn es darüber hinaus geht, brauchen sie Winterschutz. Ebenfalls sehr gut zum Auspflanzen geeignet ist die Verwandte Trachycarpus wagnerianus, ebenso frosthart, aber durch härtere Wedel sogar noch windverträglicher.

Die Blaue Nadelpalme (Thritrinax campestris) gilt als sehr robust und bis etwa minus 15 Grad frosthart, wächst ziemlich langsam und wird mit ihren festen Blättern und ihrem bizarren Wuchs irgendwann zu einer sehr beeindruckenden Erscheinung. Ihre Stämme bilden wirklich Nadeln aus, lange Dornen, die die Einwohner in ihrer südamerikanischen Heimat tatsächlich als ?Nähnadel nutzten.

Unter den Washingtonpalmen ist die Washingtonia filibusta die Palme Ihrer Wahl, eine Kreuzung, die die Kälteresistenz einer Washingtonia filifera mit der Eleganz von Washingtonia robusta vereint. Frosthart bis etwa minus 11 Grad.

In welcher Winterhärtezone bekommt die Garten-Palme Ihre Heimat?

Ob sich bei einer der gerade genannten Palmen-Sorten den Versuch lohnt, sie genau an Ihrem Heimatort in Ihren Garten zu pflanzen, ist damit aber noch nicht gesagt. Sie müssten sich zunächst mit der in Ihrer Heimatregion vorliegenden Winterhärtezone beschäftigen, die ist nämlich auch innerhalb Deutschlands durchaus unterschiedlich. International wird die Winterhärte von Pflanzen in sogenannnten USDA-Klimazonen angegeben, im Herkunftsland USA als „USDA Plant Hardiness Zones“ (USDA Pflanzen-Winterhärte-Zonen) benannt. USDA steht für das amerikanische Landwirtschaftsministerium, das US Department of Agriculture, die haben nämlich diese Klimaklassifikation der Welt nach durchschnittlicher kältester Jahrestemperatur herausgegeben. Es gibt 20 Zonen zwischen 1 (sehr kalt, um minus 45,6 Grad Celsius und weniger) bis 11 (plus 4,5 Grad Celsius und mehr), bis auf die erste und die letzte Zone eingeteilt in Zone (Zahl) a und (Zahl) b. Im Original umfasst jede Zone einen Bereich von 10 Grad Fahrenheit, deshalb enthält die USDA-Tabelle mit Celsius-Angaben ziemlich krumme Zahlen.

Deutschland kann auf jeden Fall höchstens mit den Zone 8 b (durchschnittlich nicht kälter als minus 6,7 bis minus 9,4 Grad) oder 8 a (durchschnittlich nicht kälter als minus 9,5 bis minus 12,2 Grad) aufwarten, und das auch nur an wenigen vereinzelten besonders begünstigten Fleckchen im Westen und Südwesten. Der Rest von Deutschland muss im Westen mit einem 7b-Klima vorlieb nehmen (durchschnittlich nicht kälter als minus 12,3 bis minus 14,9 Grad), im Osten eher mit 7 a (durchschnittlich nicht kälter als minus 15 bis minus 17,7 Grad), mit einzeln „Kältelöchern“ im Südosten, bei denen die Durchschnitts-Temperaturen nur noch 6 b (-17,8 bis -20,4 Grad) oder (-20,5 bis -23,3 Grad), spätestens da wird es auch für die winterhärteste Palme schon echt eng.

Bei den künftigen Garten-Palmen sollten Sie deshalb die Winterhärtezone wirklich genau erfragen, und die Angabe in USDA-Winterhärte ist der Wert, den Ihr Händler zumindest durch Nachfragen unschwer erfahren können müsste – wenn er Ihnen noch nicht einmal das über Ihre Palme sagen kann, ist wohl erstes Misstrauen am Platz.

Wo wurde Ihre Garten-Palme aufgezogen?

Denn gerade bei Palmen, für die verschiedene Winterhärte-Angaben umgehen und die von den Werten eigentlich nicht so ganz perfekt in einen Garten in Ihrer Region passen, müssen Sie vom Händler eigentlich noch mehr erfahren. Nämlich, wo genau diese Palme denn gezogen wurde – wenn eine Palme, die bei Ihnen unter Umständen einiges aushalten muss (die oben genannten Winterhärtezonen rechnen mit Durchschnittswerten, es kommt auch öfter Mal ganz anders), bei einem fachkundigen Gärtner in einem ähnlichen Klima aufwachsen durfte, ist sie gut vorbereitet.

Ganz anders als ein Billigimport aus Irgendwo, wo die Palmen in Massen und bei Durchschnittstemperaturen von 20 Grad gezogen werden, eine solche Palme kriegt wahrscheinlich schon im Schiffs-Container den ersten Kälteschock, und wenn die pessimistischste Angabe über die Winterhärte dieser Palme richtig war oder sie im ersten Jahr gleich einen richtigen Temperatursturz durchleben muss, war’s das dann schon … Auf die Größe und das Alter Ihrer neuen Palme kommt es natürlich auch an, ein zartes Jung-Pälmchen sollte wahrscheinlich einige Jahre im Haus überwintern, bevor sie in den Garten gesetzt wird.

Die Winterhärtezone alleine sagt nicht alles

Die Winterhärte-Zone Ihrer Region ist die eine Sache, das Mikroklima in Ihrem Garten und genau am geplanten Standort der Palme eine andere – wenn Sie in der Stadt leben, sind die Durchschnittstemperaturen etwa eine halbe Klimazone höher, und das Mikroklima an einigen Stellen in Ihrem Garten könnte noch palmenfreundlicher sein, in einer von Mauern umgebenen, von der Sonne beschienenen und windgeschützten Ecke zum Beispiel.

Im Zweifel rettet der Winterschutz die Garten-Palme

Wenn Sie einen in Bezug auf die Winterhärte unsicheren Kandidaten in den Garten setzen, können Sie diesem das Überleben erleichtern, indem Sie ihn im Winter so gut wie möglich schützen. Sie können die unteren Blätter und den Stamm mit Folie umwickeln, über die oberen Wedel eine Folie werfen und die Palme im Bereich des Bodens dick mulchen. Wenn die Kälte ganz unerwartet schlimm zuschlägt, wäre sogar denkbar, im Bodenbereich eine Heizung aufzustellen, die die Temperaturen bei einigermaßen erträglichen Minusgraden hält und die gesamte Palme einzuhausen bzw. in ein dickes Vlies einzuwickeln. Sicher Energiekosten, je nachdem, wie oft das Thermostat anspringt und die Erde versucht, bei etwa minus 7 Grad zu halten, einige Euro pro Tag, und sicher keine Lösung für eine Palme, die eigentlich 20 Grad plus haben möchte, aber so kann z. B. eine Jubaea chilensis (Honigpalme) ohne Probleme am deutschen Rheinufer überleben. Allerdings wurde sie nicht als Mini-Palme in den Garten gesetzt, sondern war schon ziemlich als, hatte einen kräftigen und dicken Stamm und bereits beim Pflanzen ein paar Meter Höhe. Aber immerhin – wenn die Pflanze kräftig genug ist, funktioniert es!

Fazit

Die Palme im Garten muss kein Traum bleiben, Sie müssen sich nur ein wenig genauer über das Klima in Ihrer Heimat informieren und über den richtigen Winterschutz für Palmen, schon kann es losgehen mit dem exotischen Garten-Traum!