Wassersalat

Der Wassersalat ist ein hungriger Starkzehrer mit tropischer Heimat, der im Sommer bei der Teichreinigung helfen kann. Dann hilft er überschüssige Nährstoffe aus dem Wasser zu entfernen und reduziert auch das Algenwachstum. Aber Muschelblumen sind bei uns nicht winterhart, sie werden schon im Spätsommer aus dem Teich entfernt, eine Karriere als Wasserunkraut ist deshalb im heimischen Gartenteich nicht zu befürchten. Deshalb können Sie die Vorzüge der exotischen Wasserrose durchaus gezielt nutzen.

Wassersalat: Nicht so trivial, wie der Name anmutet

Der Wassersalat kommt aus der Familie der Aronstabgewächse, die eigentlich eher dafür bekannt ist, dass sie uns mit Zimmerpflanzen beglückt: Alokasie und Anthurie, Dieffenbachie, Efeutute, Kolbenfaden, Philodendron, Monstera, Zamie und Zantedeschie – alles Aronstäbe, und irgendwie passt bei denen der Name auch viel besser als zu einem „Salat“.

Diesen Namen hat der Wassersalat aber auch nicht verdient, weitere Namen wie Muschelblume oder Grüne Wasserrose passen viel eher zu seinen ausdrucksstarken Rosetten, wie sich auf diesem schönen Foto ansehen können: www.botmuc.de/v-2008/08-01-13-bionik.html.

Pistia stratiotes ist einzigartig (dazu siehe unten), hat sich jedoch weit ausgebreitet, Wassersalat gibt es in vlelen Süsswässern in den Tropen und Subtropen der alten und der neuen Welt. In warmen Tropen-Regionen vermehrt er sich üblicherweise in rasender Schnelle, der nützliche Algenfresser wird zum „Wasserunkraut“. Bei uns ist das nicht zu befürchten, denn der Wassersalat übersteht hierzulande den Winter nicht.

MuschelblumeEs sei denn … er stößt in Deutschland überraschend auf „tropische Gewässer“: Wassersalat breitet sich seit ein paar Jahren als Neophyt fleissig in der Erft aus, weil einer unserer so beliebten Energie-Großkonzerne sein Kühlwasser in den Fluss einleitet, mit der Folge, dass die Wassertemperatur dort auch im Winter nicht unter 10 °C sinkt. Der Wassersalat findet auch bei Frost konstante Bedingungen vor, und die Behörden verbieten nicht etwa die Einleitung, sondern richten ein (vom Steuerzahler finanziertes?) Forschungsprojekt dazu ein, wie sich der exotische Neophyt auf die Wasserqualität des Flusses auswirkt (www.rp-online.de/nrw/staedte/grevenbroich/wassersalat-teppiche-treiben-ueber-die-erft-aid-1.4279000).

Im Gartenteich ist Pistia stratiotes sicher besser aufgehoben, da lebt sie gewöhnlich nur während der Saison und kann sich nicht unkontrolliert ausbreiten. Im Gartenteich (oder Aquarium) kann die schöne Muschelblume sogar einen nützlichen Beitrag leisten:

Nützliche Ergänzung für die flache Teichzone

Die Muschelblume gehört zu den Schwimmpflanzen, den Pflanzen mit Schwimmblättern, die teils im Grund wurzeln und teils einfach nur auf der Teichoberfläche schwimmen. Wassersalat schwimmt und wurzelt nur in Ausnahmefällen im Grund, was auch ganz gut so ist, seine feinen Wurzeln sehen ein wenig aus wie Flaschenbürsten und reinigen schwimmend das Wasser sehr effizient.

Wassersalat trägt damit wie einheimische Schwimmpflanzen zur Nährstoffreduktion bei und dämmt übermäßige Algenbildung ein. Er kann bei uns erst dann in den Teich gegeben werden, wenn die Hitzephase bevorsteht, kühles Wasser kennt er aus seiner Heimat nicht und mag er auch nicht.

Also eigentlich nicht unbedingt eine Pflanze für den heimischen Naturteich … aber gerade die Kälteempfindlichkeit des Wassersalats liefert auch Gärtnern mit ökologischem Interesse die Rechtfertigung, neben einheimische, erhaltenswerte Wasserpflanzen diesen hübschen Exoten in den Gartenteich zu setzen: Die Muschelblume darf in der Hitzephase im Hochsommer beim Säubern und Klären des Teichwassers helfen, und bald danach hat sie hat sie ihre Schuldigkeit auch schon getan und wird wieder aus dem Teich gefischt.

Grüne WasserroseGerade passend, um den Gartenteich auf dem Höhepunkt der Gartenteichpartysaison besonders vornehm wirken zu lassen und die anderen Wasserpflanzen bei der Teichwasserreinigung zu unterstützen, während der Hitzephase können die das gut brauchen. Fische im Teich können die Muschelblume in dieser Zeit auch gut gebrauchen, sie wirkt mit ihren großen Blattflächen wie ein Sonnenschirm.

Wuchs und Ansprüche

Der Wassersalat ist eine krautig wachsende, tropische Schwimmpflanze, die einen Durchmesser bis zu 30 cm erreichen kann. Die feinen Wurzeln hängen im Wasser, er ist mehrjährig, aber nicht winterhart.

Die Muschelblume bildet im August kleine weiße Blüten, die in den Blattachseln sitzen, was zwar recht apart aussieht (siehe dennerle.eu/de/images/stories/teich/pflanzenpflege/357.sch70.pistia%20statiotes1.jpg), aber Sie müssen schon sehr nahe rangehen.

Die Ansprüche des Wassersalats:

  • Pistia stratiotes braucht ein sonnig bis halbschattig gelegenes stehendes Süßwasser-Areal
  • Und eine außergewöhnlich hohe Wassertemperatur zwischen 22 und 30 °C
  • Damit können Sie den Wassersalat bei uns frühestens Anfang Juli in den Teich geben
  • Die Muschelblume bevorzugt eine moderate Wasserhärte zwischen 5 und 20 KH (Karbonathärte)
  • Das Wasser darf gerne leicht sauer sein, mit pH-Werten um 6,5
  • Wassersalat soll aber pH-Werte bis ca 5,5 in den sauren Bereich und bis 8,0 in die basische Richtung vertragen

Wassersalat kommt auch in einem Wasserbecken im Garten zurecht, wenn dieses genug Nährstoffe bietet, und im Aquarium, egal welcher Größe, der Wassersalat kann seine Wuchskraft und -größe an die Umgebung anpassen.

Pistia stratiotesWenn Sie einen besonderen dekorativen Blickfang schaffen wollen, können Sie die Muschelblume auch einmal in einen Mini-Teich, in eine Glasschalen oder eine geräumige Vase setzen, aber nicht zu lange, sie verhungert sonst.

Pflanzen und Pflege

Der Wassersalat wird nicht „gepflanzt“, wenn Sie ihn einfach auf die Wasseroberfläche setzen, ist alles erledigt.

Aber bitte nicht sofort nach der Neuanlage eines Teichs. Im ersten Jahr müssen sich erst einmal die wurzelnden Pflanzen einwachsen, sie zeigen noch wenig Wachstum und entwickeln erst im zweiten Jahr volle Größe und die erste Blüte. Deshalb kommen alle Schwimmpflanzen frühestens im zweiten Jahr an die Reihe, sonst würden sie den in der Sandschicht wurzelnden Wasserpflanzen einfach die Nährstoffe wegfressen – oder diese können sich behaupten, dann gehen aber Wassersalat und Co. ein.

Die Pflege:

  • Wassersalat benötigt als Starkzehrer recht viele Nährstoffe
  • Genau deswegen kann er seine Arbeit als „natürliche Teichfilteranlage“ so gut erledigen
  • Seine „Flaschenbürsten-Wurzeln“ fischen Kleinteile aus dem Wasser
  • Noch kleinere überschussige Nährstoffe werden ebenfalls beseitigt und einverleibt
  • Dabei kommt auf der einen Seite Wasser von guter Qualität und auf der anderen Seite prächtiges Wachstum heraus.
  • Die Pflege besteht also zum einen darin, der Muschelblume genügend Nährstoffe zur Verfügung zu stellen
  • Das kann beim Wassersalat im Mini-Teich oder im Glasbehälter durch Wasserpflanzen-Dünger geschehen
  • Im Aquarium muss Wassersalat in den gesamten, künstlich hergestellten Nährstoff- und Verarbeitungskreislauf eingebunden werden
  • Im Gartenteich funktioniert der Kreislauf, der zu einer dauerhaft guten Wasserqualität führt, um so besser, je weniger der Mensch eingreifen muss
  • Auch der Weg dahin soll deshalb meist nicht durch irgendeine Art von Nährstoffzugabe speziell für eine Pflanze gestört werden
  • Das Gleichgewicht soll sich vielmehr nach Bepflanzung selbst einpendeln
  • In einem nicht gerade ganz neu angelegten Teich findet die Muschelblume meist genug Nährstoffe
  • Wenn sich Fische darin befinden, aber auch einmal zu viele
  • Dann sollten Sie ein Auge darauf haben, dass er nicht zu stark zulegt
  • Die Hälfte der Wasseroberfläche sollte immer ohne Bewuchs bleiben
  • Wenn sich Wassersalat zu stark vermehrt, könnte er den Teich nährstoffarm fressen
  • Im Zweifel müssen Sie dann also ein paar Muschelblume abfischen.

Pistia stratiotes im TeichDa der Wassersalat gewöhnlich freischwimmend auf dem Wasser treibt und sich seine langen Wurzelfäden nur in Ausnahmefällen im Boden verankern, läuft er Gefahr, von Wasserströmungen mitgenommen zu werden. Deshalb müssten Sie bei Gartenteichen mit Strömungsfilter darauf achten, dass nicht zu viel Wassersalat im Filterbecken landet, manchmal empfiehlt sich Einbringung einer schwimmenden Barriere, um den Wassersalat an Ort und Stelle zu halten. Auch Fontainen im Becken erzeugen Bewegung im Wasser, die Wassersalat irritieren oder mitreissen kann, sie sollten deshalb abgeschaltet werden, wenn sie nicht gebraucht werden.

Die Pflanze reinigt sich übrigens selbst, ihre Blätter arbeiten mit dem berühmten Lotuseffekt, die Oberfläche lässt Wasser abperlen, wobei dieses jeden abgelagerten Fremdstoff mitnimmt.

Überwintern

Zustände wie in der Erft herrschen in Ihrem Gartenteich hoffentlich nicht, der Wassersalat kann deshalb nicht im Teich überwintern. Er sollte vielmehr gleich zum Sommerende entnommen werden, wenn Wassersalat anfängt zu verrotten, führt er genau die Nährstoffe, die er aus dem Wasser entfernt hat, wieder im Übermaß zu.

Diese Nährstoffe gehen nicht verloren, wenn Sie den Wassersalat auf den Kompost geben.

Sie könnten den Wassersalat auch in einem Gefäß mit Wasser + etwas Lehmerde oder mit einer dicken nassen Lehmschicht überwintern, er muss dann hell und bei Temperaturen von 15 bis 20 °C aufgestellt werden.

Wenn Sie nicht den Bodensee mit Pflanzenrosetten schmücken wollen, sondern nur ein paar Muschelblumen rund um die Hauptsaison der Gartenparties in den Teich schmeissen möchten, können Sie sich das aber auch gut sparen, Wassersalat gibt es für wenige Euro im nächsten Gartencenter und für wenige Cents im nächsten Kleinanzeigenportal.

Arten und Sorten

Wassersalat gehört zur Ordnung der Froschlöffelartigen und in dieser zur Familie der Aronstabgewächse, von der uns eher dekorative Zimmerpflanzen wie Dieffenbachie und Flamingoblume präsent sind.

WassersalatDie Gattung nennt sich Pistia, eine sehr alte und inzwischen genetisch vollkommen isolierte Entwicklungslinie, in der der Wassersalat „Pistia stratiotes“ der einzige Überlebende ist.

Die auch Wasserrose genannte Pflanze kann so unterschiedliche Rosettenstrukturen ausbilden, dass sie wirken wie unterschiedliche Zuchtsorten. Unterschiedliche Zuchtsorten mag es geben, Muschelblumen werden aber noch nicht unter Zucht-Namen wie Pistia stratiotes ‚Fransige Rosette‘ oder P. stratiotes ‚Große Grüne Welle‘ angeboten (Idee für kreative Wassergärtner?).

Die unterschiedlichen Rosetten der Muschelblumen kommen aber in der Hauptsache nicht von einer Zucht (Verkaufspflanzen werden meist vegetativ vermehrt, also „geklont“), sondern durch die Anpassung der Muschelblume an ihre Umgebung. So kann sie schon im Becken des Verkäufers ganz unterschiedlich wachsen, junger Wassersalat hat erst einmal kleine runde Blätter, in bedrängter Umgebung wachsender Wassersalat bekommt leicht wellige Blätter, wenn er sehr gut versorgt wird, entwickelt er dicke Blätter mit deutlicher Prägung usw. usw., bis hin zu gelb-grüner Färbung in Wasser mit den Nährstoffen X und fast blau-grüner Färbung in Wasser mit den Nährstoffen Y – und bei Ihnen im Teich kann er sich wieder anders entwickeln.

Vermehren

Der Wassersalat vermehrt sich in der Regel selbst, indem er Ableger bildet. Wenn er sich wohlfühlt, bildet er ganze Teppiche auf dem Wasser, die Sie dann ohnehin abfischen müssen.

Da sind dann jede Menge kleine Ableger dran, die aber immer erst von der Mutterpflanze getrennt werden können, wenn sie eine ausreichende Menge an eigenen Wurzeln gebildet haben, eine „kleine Flaschenbürste“ sollte schon zu erkennen sein.

WassersalatWenn die Muschelblume noch nicht dabei ist, Ihren Teich zu übernehmen, können Sie die Vermehrung während der Saison gezielt nutzen: Immer die Ableger entnehmen, die bereits genug Wurzeln für eine eigenständige Existenz gebildet haben, und diese in Glasbehälter setzen, wo sie den Rest der Saison mit etwas Wasserpflanzendünger (Grundrezept auf 10 l: 10 g Calciumnitrat, 2,5 g Magnesiumsulfat, 2,5 g Kaliumdihydrogenphosphat, 2,5 g Kaliumnitrat + etwas Eisensulfat, gibt es alles in der Apotheke) weiterleben und schmückende Aufgaben erfüllen.

Fazit

Wassersalat ist nützlich, Muschelblumen sind apart, Grüne Wasserrosen wirklich hübsch, und bei allen handelt es sich um ein und dieselbe Wasserpflanze. Eigentlich hat Pistia stratiotes bei uns nichts zu suchen, sie ist in ihrer Heimat als „Unkraut im Wasser“ verschrien. Da sie aber hier ohnehin den Winter nicht überlebt, können wir sie in der heißen Saison ruhig als „Zusatzfilter“ in den Teich setzen und ihre dekorative Wirkung genießen.