Gartenpflege Düngen und Bodenpflege

Volldünger: was ist drin? Zusammensetzung und Anwendung

Blaukorn - Stickstoffdünger

„Volldünger im konventionellen Garten“ – Der Begriff steht (noch) für eine bestimmte Form von synthetisch hergestelltem Mineraldünger, um den geht es deshalb in diesem Artikel und um natürliche Alternativen.

Zusammensetzung von Volldünger

Was ein Volldünger enthält, ist im Grunde schnell erklärt:

  • N = Stickstoff
  • P = Phosphor
  • K = Kalium
  • N, P, K werden auch als Kernnährelemente bezeichnet, der Volldünger als „Mehrnährstoffdünger“

Der erste Volldünger war „Nitrophoska“ von der Firma BASF (1927 auf den Markt gebracht), heute werden viele Volldünger in fester und in flüssiger Form angeboten. Wie sich die Kernnährstoffe im Volldünger verteilen, wird in Prozenten angegeben, dabei haben sich handelstypische Schreibweisen für den Packungsaufdruck entwickelt: (13/13/21) oder 13-13-21, auch „NPK 13/13/21“ oder „N 13, P 13, K 21“ und ähnliche Schreibweisen können vorkommen. Die Aussage ist immer die gleiche: Der Dünger enthält 13 % Stickstoff; 13 % Phosphor und 21 % Kalium.

Der Volldünger brachte damals vor allem nach dem Zweiten Weltkriegs große Vorteile: Die Nahrungsmittelproduktion wird in Kriegszeiten häufig fast auf Null zurückgefahren, die gesamte übliche Vorratshaltung wird aufgezehrt, bis zu lange haltbaren Trockenprodukten und Konservendosen. Wenn der Krieg vorbei ist und die normale Wirtschaft wieder anläuft, müssen die Menschen deshalb zunächst direkt und vor allem vom Acker ernährt werden, bis alles andere wieder aufgefüllt ist, dauert es.

Jeder Boden, in dem jede Saison eine Ernte heranwächst, braucht auch jede Saison Nachschub an den Kernnährelementen, die die Nutzpflanze beim Wachstum am meisten verbraucht. Nachhaltige Bodenbearbeitung mit Fruchtwechsel, Zwischenfrucht und Gründüngung, die direkt mit Reststoffen anderer Produktionsprozesse gedüngt werden können, ist nicht mehr möglich, wenn die Betriebe im Umfeld durch den Krieg zerstört wurden. Außerdem braucht es für einen solchen Pflanzenanbau Fachleute, während mit den Kunstdüngern jeder in jedem Boden anbauen konnte – und genau das passierte im Krieg und in der Nachkriegszeit, es hatte also gute Gründe, dass zunächst auf Feldern und in Kleingärten Kunstdünger angewandt wurde. Wie sinnvoll der Einsatz von Volldünger im Hausgarten heute noch ist, ist sehr umstritten.

Volldünger anwenden

Blaukorn - Stickstoffdünger Die verschiedenen Gartenbereiche festlegen, die gedüngt werden sollen:

  • Wenn in einem Garten gedüngt wird, müssen verschiedenste Pflanzen versorgt werden
  • Jede Pflanzen hat spezielle Bedürfnisse
  • Also besteht ein Garten aus unterschiedlich vielen und unterschiedlich großen Flächen mit abweichenden Bedürfnissen
  • Beim schnell und intensiv wirkenden Volldünger muss jede dieser Flächen separat gedüngt werden

Pro Fläche mit spezifischem Dünge-Bedarf die benötigte Düngermenge ermitteln:

  • Volldünger soll den Boden fruchtbar halten, also in einer Zusammensetzung, in der Pflanzen wachsen können
  • Dazu versorgt er den Boden mit den Kernnährelementen, die Pflanzen brauchen
  • Wenn dem Boden so viel entzogen wurde, dass Pflanzen ohne Nachschub nicht mehr wachsen
  • Dieser Zeitpunkt wird unterschiedlich schnell erreicht
  • Sehr schnell, wenn Obst und Gemüse angebaut und in der gleichen Saison geerntet werden
  • Weniger schnell, wenn kurzlebige Zierpflanzen kultiviert und bald wieder ersetzt werden
  • Eher langsam, wenn langlebige einheimische Pflanzen im Garten stehen
  • Fast nie auf Flächen, die von einheimischen Krautpflanzen mit geringsten Nährstoffbedürfnissen bewachsen werden
  • Der Zeitrahmen wird gewöhnlich in einem Plan festgehalten
  • In dem auch der Düngerbedarf der einzelnen Flächen eingetragen wird
  • Für Flächen mit Wechselbepflanzung muss der Plan jede Saison aktualisiert werden

Düngermenge abmessen, Dünger auf Ausbringung vorbereiten
Die Anwendung künstlicher Volldünger bringt nur unter bestimmten Voraussetzungen das gewünschte Ergebnis:

  • Kaliumdünger In der Natur bedient sich die Pflanze aus verschiedensten Naturstoffen in teils geringen Mengen
  • Volldünger ist hoch konzentriert und muss genau dosiert werden, wenn er Pflanze und Umwelt nicht schaden soll
  • Deshalb wird Volldünger auch immer für eine bestimmte, in qm bekannte Fläche angemischt
  • Auf der Packung findet sich gewöhnlich eine Anleitung, wie die gewünschte Düngermenge am besten bemessen wird
  • Und wie der hochkonzentrierte Dünger so verteilt wird, dass die geplanten Mengen bei den Pflanzen ankommen

Wenn der Plan steht, was wo in welcher Menge ausgebracht werden soll, geht es ans Bereitstellen des Düngers:

  • Dünger in gewünschter Verdünnung in den Behälter abfüllen, aus dem er ausgebracht werden soll
  • Manche Gärtner düngen die Flächen mit unterschiedlichen Bedürfnissen lieber nacheinander
  • Manche Gärtner stellen sich mehrere Dünge-Behälter nebeneinander auf und gehen methodisch vor

Volldünger ausbringen
Noch nicht einmal das geht beim hochkonzentrierten Volldünger „einfach so“, sondern sollte (auch zur Schonung der Pflanzen) unter folgenden günstigen Bedingungen geschehen:

  • Nie in der prallen Mittagssonne ausbringen, sondern möglichst früh am Morgen oder am späten Nachmittag/Abend
  • Nie auf trockenen Boden düngen, sondern auf leicht feuchtem bzw. vorher leicht angegossenem Boden

Wenn alles passt, kann es losgehen, nun braucht es nur noch jede Menge Konzentration:

  • Beim hoch konzentrierten Dünger ist gleichmäßige Verteilung nötig und kann ungleichmäßige Verteilung schädlich sein
  • Möglichst keinen Dünger direkt auf die Blätter ausbringen (wenn Blattdüngung nicht das Ziel ist)

Mit Volldünger düngen macht nur nach Bodenanalyse Sinn

Phosphatdünger Wenn Volldünger genau dosiert werden soll, wirft das die Frage auf, wie die „genau richtige“ Dosis bestimmt werden kann/soll. Dazu gibt die Packung leider nur scheinbar eine Anleitung. Auf den Dünger-Packungen, die für den Hobbybereich abgepackt wurden, werden bestimmte für durchschnittlichen Bedarf ermittelte Ausbringungsmengen angegeben, die für Ihren Garten und ihre Pflanzen passen können oder auch nicht.

Die Hobbygärtner, die ohne Umweg über Konzerne direkt bei Fachfirmen einkaufen (was nicht wenige Hobbygärtner tun, weil sie keine Lust haben, für das Umpacken in kleine bunte Kunststoffpackungen einen vielfach höheren Kilopreis zu zahlen) kennen das: Auf den Düngersäcken, die auch an Profis verkauft werden, steht zur ausbringenden Menge nicht mehr als: „Aufwandmengen richten sich nach dem Kulturenbedarf und berücksichtigen die Nährstoffgehalte im Boden. Nicht überhöht dosieren.“.

Der Profi kennt den Kulturenbedarf (wobei er wie der erfolgreiche Hobbygärtner auf eine Mischung von Wissen und Erfahrung zurückgreift) und berücksichtigt die Nährstoffgehalte im Boden, indem er in regelmäßigen Abständen eine Bodenanalyse anfertigen lässt. Das müsste der Hobbygärtner genauso tun, weil sich der schnell wirkende Volldünger ohne Bodenanalyse kaum sinnvoll ausbringen lässt – tut es aber in den wenigsten Fällen, weshalb bei Bodenuntersuchungen im Haus- und Kleingartenbereich auch regelmäßig Überdüngung festgestellt wird und sich viele Rasenflächen nach dem Düngen, in bunte, Überdüngung mit Stickstoff anzeigende Löwenzahnwiesen verwandeln.

Deshalb fährt auch der Hobbygärtner, der Volldünger nutzen möchte, gut damit, wenn er alle paar Jahre eine Bodenanalyse anfertigen lässt. Die Standard-Bodenuntersuchung ermittelt die Versorgung des Bodens mit den Hauptnährstoffen und meist noch den wichtigsten Spurenelementen, Humusgehalt/Stickstoffversorgung. Sehr genau lässt sich der Stickstoffgehalt aber so nicht untersuchen, weshalb sich v. a. vor Aussaat „hungriger Pflanzen“ auch gelegentlich der Einsatz eines Nitratschnelltest empfiehlt, der den Mineralstickstoffgehalt ermittelt (gibt es samt Anleitung zur Anwendung der Nitrat-Teststäbchen zu kaufen).

Wenn einmal Ausgangswerte ermittelt wurden und anhand derer gedüngt wird, besteht normalerweise nicht die Gefahr, dass sich die Werte schnell und dramatisch verändern, weshalb dann nur alle paar Jahre eine Überprüfung ansteht. Die örtlichen Umweltämter haben in der Regel Adressen parat, wo Bodenanalysen in der Nähe und günstig angeboten werden.

Vorteile und Nachteile von Volldünger

Stickstoffdünger - Hornspäne Die Vorteile des Volldüngers sind hohe Konzentration von Nährstoffen auf kleinstem Raum und gute Lagerfähigkeit, das Dünger-Paket wiegt im Verhältnis nicht viel und ist auch gut zu transportieren. Der Vorteil der hohen Konzentration wirkt sich im Hausgarten in der Praxis oft eher negativ aus: Regelmäßig bundesweit durchgeführte Bodenuntersuchungen ergeben ebenso regelmäßig, dass Haus- und Kleingärten nicht optimal mit Nährstoffen versorgt sind. Momentan ist noch eher eine Überdüngung die Regel; da diese Tatsache in letzter Zeit immer häufiger in den Medien thematisiert wird, kann man wohl darauf warten, wann im konventionell gedüngten bundesdeutschen Garten „die Fastenwelle ausbricht“.

Aus den Ausführungen ergeben sich auch schon die ersten Nachteile des Düngens mit dem üblichen Volldünger, v. a. im Hausgarten. Ein typisches Volldünger-Sortiment eines Anbieters sieht z. B. so aus:

  • NPK-Dünger 12+7+17 (+2+8)
  • NPK-Dünger 12+12+17 (+2+8) + 0,05 % Fe, 0,02 % B, 0,01 % Zn
  • NPK-Dünger 13+7+16 (+2+6)
  • NPK-Dünger 13+9+16 (+4+7)
  • Entec perfekt 14+7+17 (+2+11)
  • Nitroperfekt 15+5+20 (+2+8)
  • NPK-Dünger 15+6+13 (+3+5)
  • NPK-Dünger 15+15+15 (+2)
  • NPK-Dünger 16+12+8 (+2+5)
  • NPK-Dünger 16+16+8 (+4)
  • (+2+8) steht für 2 % Magnesium + 8 % Schwefel, + 0,05 % Fe, 0,02 % B, 0,01 % Zn für Kleinstanteile an Eisen, Bor, Zink

Es werden also auffällig viele verschiedene Volldünger angeboten, die sich in den Prozentzahlen unterscheiden. Solch eine aufwendige Mischerei machen die Hersteller nur, wenn es Sinn bringt – die nur wenig variierenden Prozentanteile sind also ein guter Hinweis darauf, wie fein ausgewählt werden muss, um eine bestimmte Pflanze in einem bestimmten Boden zufriedenzustellen. Und wenn Sie das richtige Verhältnis der Nährstoffe zueinander ausgewählt haben, fängt die Rechnerei erst richtig an, wenn Sie nicht „nach Gefühl“ düngen wollen (die häufig praktizierte, aber für Pflanzen, Garten und Umwelt oft nicht wirklich förderliche Variante).

Ist mit synthetischem Volldünger umfassende Pflanzenversorgung möglich?

Sagen wir mal, Jein, oder es kommt darauf an, was der Gärtner bezweckt: Wem ein schöner grüner Garten reicht, in dem die Pflanzen prächtig wachsen, aber auch gelegentlich unter zu viel oder zu wenig Dünger frühzeitig aufgeben und ersetzt werden müssen, kann unter Einsatz von Volldünger befriedigende Ergebnisse erzielen. Leidenschaftliche Mathematiker, die mit Freude jedes Jahr verschiedenste Düngermengen für verschiedenste Gartenareale berechnen, können mit Volldünger eine sogar eine perfekte Garten-Grundversorgung hinbekommen.

Blaukorn - Stickstoffdünger Der Volldünger liefert den Pflanzen allerdings nicht das komplette Ernährungsprogramm – ähnlich wie der Mensch nicht nur von Eiweiß, Fett, Kohlenhydraten leben kann, sondern dem Körper rund 40 weitere Stoffe teils täglich, teils in regelmäßigen Abständen zuführen muss und insgesamt von einer möglichst bunten und abwechslungsreichen Ernährung am besten profitiert, kommen Pflanzen zumindest auf Dauer nicht nur mit den Kernnährelementen im Volldünger aus.

Auch wenn (ähnlich wie beim Menschen) noch längst nicht vollständig erforscht ist, was Pflanzen außer NPK noch brauchen, sicher ist: Für Pflanzen nicht ausreichend verfügbar sind zuerst Stickstoff, Phosphor und Kalium, deshalb sind die im Volldünger. Weiter brauchen Pflanzen Schwefel, Calcium und Magnesium als Kernelemente; Eisen, Mangan, Zink, Kupfer, Chlor, Bor, Molybdän als essentielle Spurenelemente, darüber hinaus forscht man noch. Es ist zu vermuten, dass Pflanzen in der Natur noch sehr viele weitere Elemente verwerten, von denen wir nicht wissen, ob sie notwendig oder nur nützlich sind. Das alles brauchen die Pflanzen in mehr oder weniger großen Mengen, die (zumindest theoretisch) durch käufliche Ergänzungen des Volldüngers zur Verfügung gestellt werden können.

Praktisch ist eine genaue Mengenberechnung all dieser „Nahrungsergänzungsmittel für Pflanzen“ für den Hausgärtner kaum mehr denkbar – sondern bei so vielen verschiedenen Elementen, deren Wirkungen auch noch aufeinander abgestimmt werden müssen, eher eine Aufgabe für das Rechenzentrum einer Universität. Wer richtig gärtnern will (nicht mit den Pflanzen die alle haben oder die gerade im Trend liegen, sondern mit den Pflanzen, die er selbst für bestimmte Zwecke ausgesucht hat, Teile dieser Pflanzen selbst essen will und bei anderen Teilen Wert darauf legt, dass die Pflanzen möglichst alt werden), wächst deshalb auch meist mit der Zeit über den Volldünger hinaus. Besser gesagt, er wächst über künstlichen Mineraldünger hinaus, weil dessen einigermaßen passender Einsatz schon in Bezug auf den Arbeitsaufwand immer unverhältnismäßiger erscheint, je mehr ein Gärtner über natürliches Düngen lernt:

Angesagte Alternative: Natürlich düngen

Alternativer Dünger Kaffeesatz Düngen soll der Pflanze die erforderlichen Nährstoffe zuführen. In der freien Natur wird nicht gedüngt, dort verrottet organischer Abfall, und die in diesen Resten enthaltenen Nährstoffe werden der Pflanze über teilweise recht komplizierte Mechanismen wieder zugeführt. Die Natur regelt das mit dem Düngen also ganz gut selbst, und viele Hausgärtner begreifen gerade, dass es zu ihrem eigenen Vorteil ist, den Garten soweit der Natur zu überlassen, dass er die Sache mit dem Düngen wieder selbst erledigt.

Denn wenn Millionen biologische Helfer düngen, klappt das Düngen viel besser; ohne komplizierte Berechnungen, ohne Pflanzenschutzmittel für zu schnell gewachsene, schwache Pflanzen, ohne Gefahren für das Grundwasser, ohne „Düngergeschmack“ im Salat. Und auch vollkommen ohne komplizierte Umstellung auf Naturgarten: Der restliche Volldünger wird verbraucht und dabei nach und nach durch organischen Dünger ersetzt.

Anfangs vielleicht durch organischen Volldünger aus der Packung, z. B. Cuxin Orgasan organischer Volldünger, der aber nach und nach immer länger reicht, weil inzwischen schon längst wieder ein Kompost heranreift und experimentierfreudige Gärtner im Laufe der Zeit außerdem mit viel Spaß entdecken, was noch alles so im Garten als Dünger entsorgt werden kann: Brennnesseln und viele andere (Un)kräuter und Pflanzenreste geben dem Gartenboden beim Verrotten Struktur- und Nährstoffe, das verbrauchte Wasser aus dem Süßwasser-Aquarium enthält jede Menge Kalium und Stickstoff, aus dem Haushalt können vertrocknete Hefe, Bananenschalen, Reste von Bier und Cola (für Pflanzen gesünder als für uns), Eierschalen, Eier- und Gemüsekochwasser, Haare, Holzasche, Kaffeesatz, Milch, Mineralwasser, Teeblätter und alle welken Blumen und Gemüse Nährstoffe beisteuern.

Fazit
Volldünger versorgt die Pflanzen nicht unbedingt optimal und ist im Hausgarten auch aus ökologischen Erwägungen nicht mehr unbedingt „angesagt“. Ob berufstätige Hausgärtner das Experiment wagen können, nach und nach mehr organische oder „ganz natürliche“ (im Sinne von Haushaltabfall, eben „düngende Moleküle im natürlichen Verbund“) Dünger in ihre Pflanzen- und Bodenversorgung einzubauen, hängt letztendlich von nichts anderem als dem persönlichen Interesse an der Sache ab. Wenn ein wenig Zeit und Kopf dafür frei ist, bringt die Umstellung erfahrungsgemäß persönlichen Gewinn und Arbeitserleichterung für den Gärtner.