kirschlorbeer

Der Portugiesische Kirschlorbeer hat unbedingt das Potenzial, zur neuen Trendpflanze in deutschen Hausgärten zu werden, er macht gerade erste Ansätze in diese Richtung. Das hat er durchaus verdient, allerdings mit der Einschränkung, dass er mit einheimischen Gehölzen kombiniert werden sollte, dann fügt sich die Lorbeerkirsche auch ökologisch ein. In Bezug auf den dekorativen Wert tut sie das ohnehin bereitwillig – und die Lorbeerkirsche ist mit fast jedem Standort zufrieden sowie in der Pflege wirklich anspruchslos.

Eine Schönheit mit erstaunlichem Potenzial

Der Portugiesische Kirschlorbeer hat einige Besonderheiten zu bieten:

  • Äste mit weinroter Rinde, zu den sattgrünen Blättern ein schöner Kontrast
  • Weiße Blütenrispen, die im Gegensatz zu den aufrechten Zweigen waagerecht stehen
  • Die Blütenrispen richten sich in der Größe nach Gestalt (Beschnitt) des Kirschlorbeer
  • Wenn er zu einem ordentlichen Kegel beschnitten wird, entwickeln sich kleine Rispen innerhalb dieser Form
  • Wenn er frei wachsen darf, werden die Blütenrispen richtig groß und wachsen in alle Richtungen

Die Auswahl des Standorts hängt maßgeblich von der geplanten Wuchsgestalt ab: Der Portugiesische Kirschlorbeer wächst buschig aufrecht und wird bei uns meist so beschnitten, dass er nicht höher als 2, 3 Meter wächst. Er kann mehr, in Kultur bis zu 9 m. Je nachdem, ob Sie Ihren Prunus lusitanica frei wachsen lassen oder regelmäßig stutzen möchten, muss also mehr oder weniger Raum nach oben zur Verfügung stehen.

Mit dem Raum zu den Seiten hin sieht es ähnlich aus, Sie müssen in der Horizontale mindestens die Wuchshöhe zur Verfügung stellen. Mit Blick auf die Wirkung noch etwas mehr, am frei wachsenden Kirschlorbeer werden die Rispenblüten größer und überragen die Blattlinie, dieses Schauspiel sollte durch etwas freien Raum Drumherum angemessen bewundert werden können.

Apropos bewundert – der Portugiesische Kirschlorbeer ist immergrün und bringt gerade im Winter mit seinem Rot-Grün-Kontrast Leben in den Garten, er sollte also auch vom Fenster aus im Blickfeld liegen.

Ansonsten können Portugiesische Portugiesische Lorbeerkirschen als Hecke gesetzt werden und an allen möglichen Standorten im Garten in allen möglichen Größen kultiviert werden. Der sagenhaft schnittverträgliche Kirschlorbeer kann auch als Mini-Tuff den Vorgarten schmücken oder in Kübeln die Terrasse einrahmen.

Standort und Boden

Portugiesischer KirschlorbeerBewunderung scheint ihm das Wichtigste zu sein, an den Boden stellt der Portugiesische Kirschlorbeer nämlich so wenige Ansprüche, dass Sie ihn wohl fast überall im Garten pflanzen könnten. Wenn sie wählen darf, bevorzugt die Portugiesische Lorbeerkirsche eher trockenen bis frischen Boden, der zwar gut Wasser halten kann, aber auch wieder abgibt, wenn es zu viel wird.

Der pH-Wert ist egal, normale Werte um 6,5, 7 sind natürlich am besten, weil sie den Pflanzen die meisten Nährstoffe verfügbar machen. Aber die Lorbeerkirsche kommt auch mit einem schwach sauren Boden zurecht, und in Richtung basisch verträgt der ursprüngliche Mittelmeer-Insel-Kalkboden-Bewohner eine ganze Menge. Der Portugiesische Kirschlorbeer wird in jedem normal nahrhaften Boden wachsen.

Ebenso ist genügsam ist er mit dem Licht, bei uns gerne ein wenig mehr – Mittelmeer-Helligkeit herrscht hier ja nicht, aber neben sonnigen werden auch halbschattige Standorte unproblematisch akzeptiert, weil er in seiner Heimat eher an beschatteten Orten gedeiht.

Die deutschen Temperaturen werden auch akzeptiert, vielleicht mit geheimem Frösteln, denn Hitze scheint die Lorbeerkirsche zu genießen, sie gilt als ausgesprochen hitzeverträglich.

Der bessere Kirschlorbeer für Deutschland …

Es ist kaum verständlich, warum die Portugiesische Lorbeerkirsche bisher kaum in unseren Gärten anzutreffen ist, während die Gewöhnliche Lorbeerkirsche (Prunus laurocerasus) in manchen Gegenden in jedem zweiten Garten steht.

Die Portugiesische Lorbeerkirsche ist nämlich mindestens genauso anspruchslos und schnittverträglich wie Prunus laurocerasus – und soll besser aussehen, mit kleineren, enger gezahnten und weicheren Blättern. Außerdem kommt der Gewöhnliche Kirschlorbeer aus Vorderasien, da ist es noch ein wenig wärmer, Prunus lusitanica gilt als wesentlich winterhärter.

Die kleinen Blätter von Prunus lusitanica ähneln Lorbeerblättern (Laurus nobilis) sehr viel mehr als die Blätter des P. laurocerasus dies tun. Auch den Lorbeer kann er in deutschen Gärten also ersetzen, wenn auch leider als Schmuck und nicht im Kochtopf.

… wenn er Gesellschaft durch einheimische Gewächse bekommt

Der Portugiesische Kirschlorbeer hat auch seine Schattenseiten, wie übrigens jedes Gehölz mit fremder Heimat, wenn es als vorherrschendes Gehölz in einen deutschen Garten gepflanzt wird.

Als Beispiel für diese Schattenseiten kann die gerade erwähnte Prunus laurocerasus dienen, die der Geschäftsführer des Naturschutzbund Deutschland (NABU, Sönke Hofmann) jüngst als „hochgiftige, ökologische Pest“ für die Natur eingestuft hat. Der eingeschleppte Neubürger werde übermäßig angepflanzt, sei bereits in Wälder ausgewildert und breite sich dort auf Kosten der heimischen Natur aus (http://nabu-bremen.de/index.php?option=com_content&view=article&id=1314:nabu-warnt-vor-kirschlorbeer). Harte Worte, angesichts der „Inflation dieser Sträucher“ in deutsche Gärten, die zusammen mit der „verbotenen Unsitte, Strauchschnitt in Wäldern abzuladen“, zur Verbreitung in Wälder führt, aber offensichtlich berechtigt:

Einer der bekanntesten Invasionsforscher Deutschlands, Prof. Dr. Dietmar Brandes von der TU Braunschweig, äußert sich im Aufsatz „Invasive Pflanzen – Naturkatastrophen oder Spiegel unserer Kulturgeschichte?“ zur Bewertung der Neophyten. Brandes sieht die „fremden Gäste“ durchaus als Chance zu einer Erhöhung der Artenzahl unserer Flora, stellt aber auch fest, dass jede übermäßige Verbreitung nur durch Einzelfalluntersuchung festzustellen sei und dass bereits eine schleichende Laurophyllisation (Zunahme laurophyller Arten) bis in mitteleuropäische Städte hinein zu beobachten sei (Download unter digisrv-1.biblio.etc.tu-bs.de:8080/docportal/servlets/MCRFileNodeServlet/DocPortal_derivate_00028181/Brandes_Invasive_Pflanzen.pdf).

Einzelfalluntersuchungen zu Prunus laurocerasus gibt es bereits, und sie lassen den Kirschlorbeer so schlecht aussehen, wie der NABU-Chef ihn beschrieben hat. In der Schweiz steht Prunus laurocerasus bereits als unerwünschter invasiver Neophyt auf der Schwarzen Liste, der wenn überhaupt nur mit einer Deklaration verkauft werden darf, wie die unkontrollierte Verbreitung außerhalb des Gartens zu sichern ist.

Auch in dieser Hinsicht steht die Portugiesische Lorbeerkirsche als Ersatz bereit: Prunus lusitanica wird z. B. von den zuständigen Schweizer Wissenschaftlern nicht als problematisch invasiv angesehen und sogar als Ersatz-Pflanzenart vorgeschlagen (mit der Auflage, mindestens alle drei Jahre zu überprüfen, ob die Ersatz-Art nicht auch invasiv geworden ist).

LorbeerkirschePrunus lusitanica soll auch bei uns von einigen Insekten angeflogen werden, soll sog. extraflorale Nektarien (= Nektardrüsen außerhalb der Blüten) in den Blattachseln haben, die auch Bienen erfreuen, und einige heimische Vögel sollen seine Beeren fressen.
 
Trotzdem gilt wohl immer Folgendes: Gehölze mit fremder Heimat sollten mit einheimischen Gehölze kombiniert werden, die ökologisch einfach deshalb wertvoller sind, weil sich alle einheimischen Tierarten an sie angepasst haben. Und nicht nur einige besonders wandlungsfähige (und damit ohnehin „starke“), die dadurch noch ein wenig mehr bevorzugt werden. Klar, nur die Starken überleben, aber eine Gemeinschaft hervor, die die Schwachen stärkt, ist letztlich produktiver, im Garten wie im Leben (stellen Sie sich nur vor, die „starken“ Finanzmanager übernähmen irgendwann völlig unsere Gesellschaft).

(Halb-) Scherz beiseite, gute einheimische Ergänzungen für die Portugiesische Lorbeerkirsche (immergrün, gleiche Wuchsform, gleiche Standortansprüche) sind Ilex aquifolium, Stechpalme, und Taxus baccata, Eibe. Wenn es nicht auf gleiche Gestalt/Ansprüche ankommt, gibt es viele einheimische Gehölzen, die neben den Kirschlorbeer passen. Sie können ohne weiteres eine wunderbare, super ökologische Vogelschutzhecke zusammenstellen, die am Tor von zwei Lorbeerkirschen gerahmt wird, schon haben Sie Umweltschutz und ordentlichen (vornehm wirkenden) Hauseingang vereint.

Pflanzen und Pflege

Gepflanzt werden die Portugiesischen Lorbeerkirschen wie alle Gehölze, also als Ballenware im Frühjahr oder Herbst (Einheimische besser im Herbst, wärmeliebende Exoten wie P. lusitanica nutzen/brauchen den Sommer zum Einwachsen), gut durchwurzelte Containerpflanzen können auch im späten Frühling und Sommer gepflanzt werden.

Zur Pflege der Lorbeerkirsche gibt es sonst nicht viel zu sagen, sie möchte genug Wasser, aber auf keinen Fall dauerhaft nasse Füße. Besonders im Winter darf eine Prunus lusitanica nie zu nass stehen.

Blüten und Früchte

Blüten und Früchte der Portugiesischen Lorbeerkirsche sind ausgesprochen attraktiv – wenn sie die Chance bekommen, sich richtig zu entwickeln.  Das wichtigste Argument, einen Prunus lusitanica frei wachsen zu lassen, ist die prächtige Blüte, die er dann hervorbringt: Aufrechte und/oder seitwärts abstehende, weiße bis cremeweisse Blüten blühen ab Juni, an bis zu 15 cm langen Rispen, und verströmen ihren angenehmen Duft.

Den Blüten folgen rotviolette Steinfrüchte, die gewöhnlich undifferenziert als (schwach) giftig beschrieben werden. Das sind sie auch, zumindest die Kerne (Samen), wie Blätter, Spross und Wurzeln. Sie alle enthalten cyanogene Glykoside (organische Zuckerverbindung mit Blausäure, erkennbar am bitteren Geschmack) – aber die sind auch in den Kernen von Aprikose, Mandel, Pflaume, Sauerkirsche und Süßkirsche enthalten, alles Prunus. Und sogar in mehreren unserer ganz normalen Lebensmittel wie Erdbeeren, Bohnen, Erbsen, Tapioka und Limabohnen; allerdings entweder in ungefährlichen Mengen oder die Lebensmittel werden traditionell vor dem Verzehr gekocht (zerstört die Blausäureverbindungen). Wie auch die Früchte der Prunus laurocerasus in der Türkei, wo diese Lorbeerkirsche angebaut wird, um Marmelade zu kochen.

Die unkritische Einstufung (gekochter) Früchte der Prunus lusitanica als giftig darf deshalb zumindest bezweifelt werden. Daran ändert auch die Wahl des Prunus laurocerasus zur Giftpflanze des Jahres 2013 nicht. Die erfolgte durch den Botanischen Sondergarten Wandsbek, eine Medienaktion, bei der Bürger wählen. Die haben auch schon Krokus, Kaffee, Mohn, Weihnachtssterne, Tulpe, Tomate und Kartoffel zu Giftpflanzen des Jahres gewählt. Alle mit toxischen Teilen, alle vermutlich auch schon in tierische oder menschliche Gift-Unfälle verwickelt, aber entweder doch sehr selten verzehrt oder sehr selten in schädlichen Mengen. Bei Tomaten und Kartoffeln wird das auch schon ziemlich schwer, kiloweise rohe grüne Tomaten schmecken einfach nicht, 96 Kilogramm Kartoffeln mit Schale dürften beim gewöhnlichen Esser Kapazitätsprobleme verursachen.

Überwintern

Die Portugiesische Lorbeerkirsche kam zu ihrem Namen, weil die erste Prunus lusitanica 1648 von Madeira (Portugal) nach England eingeführt wurde. Tatsächlich findet sich diese Art Prunus im gesamten südwestlichen Teil von Europa, Linné war also etwas genauer, als er diese Lorbeerkirsche gut ein Jahrhundert später „Prunus lusitanica“ taufte. Er bezog sich auf „Lusitania“, der lateinischen Bezeichnung für den südwestlichen Teil der Pyrenäenhalbinsel, auf der Portugal neben Spanien nur einen recht kleinen Teil einnimmt.

Prunus lusitanica AngustifoliaAuf der Iberischen Halbinsel ist es wärmer als bei uns, aber im Norden gibt es auch sehr kalte Winter mit regelmäßigen Schneefällen, die nördlichen Vorkommen des Portugiesischen Kirschlorbeer sind wahrscheinlich der Grund dafür, dass diese Lorbeerkirsche bei uns als gut winterhart gilt.

Dennoch empfehlen vorsichtige Baumzüchter nur in milden Lagen, die Jungpflanzen sofort in den Garten zu setzen. Je kritischer das Klima, desto eher empfiehlt sich der Kauf bei einer Baumschule in der Nähe, die Lorbeerkirschen im Freiland aufzieht (für Norddeutsche: www.baumschule-martens.de/prunus/prunus-botanic). Besonders die Jungpflanzen brauchen auf jeden Fall im ersten Jahr Winterschutz. Sie sollen auch auf kalten Wind empfindlich reagieren, bei entsprechendem Standort wäre also auch Windschutz empfehlenswert.

Der immergrüne Portugiesische Kirschlorbeer wächst im Winter weiter und verdunstet weiter Feuchtigkeit über seine Blätter, er muss an frostfreien Tagen gegossen werden. Vorsicht ist bei starker Wintersonne angesagt, wenn die Temperaturen gleichzeitig unter null sind. Die taut dann oben die Blattadern auf, die Pflanze verdunstet Wasser, kann aus dem gefrorenen Wurzelbereich aber keinen Nachschub ziehen. Das kann bei Kirschlorbeer (und anderen Sträuchern) zum Vertrocknen und damit zu braunen Blättern führen, um das (bei empfindlichen Jungpflanzen z. B.) zu vermeiden, muss die Pflanze in solchen Wetterlagen beschattet werden.

Schneiden

Die Portugiesische Lorbeerkirsche ist sehr schnittverträglich und soll auch nach einem starken Rückschnitt zuverlässig wieder austreiben.

Sie können die Lorbeerkirsche in eigentlich jede gewünschte Form schneiden, wenn es keine Kunstfiguren werden sollen, reicht ein Rückschnitt im Jahr. Diesen sollten Sie im Frühjahr ansetzen, beim Schnitt in der zweiten Hälfte des Sommers würden Sie die Blütenanlagen für die nächste Saison wegschneiden.

Fazit: Der Portugiesische Kirschlorbeer ist ein Gewinn für den Hausgarten, aber: Wenn die Lorbeerkirsche als Formschnitthecke kultiviert wird, wird ihr durch den Beschnitt der entscheidende Charme genommen, den üppiger Wuchs, frei in alle Richtungen stehende Blütenrispen und bunte Früchte entfalten. Lorbeerkirschen als Hecke/Formgehölz brauchen viel Schnittpflege; frei wachsende Kirschlorbeer werden für Hausgärten meist zu groß. Lorbeerkirschen als dominierende Gehölzmischung tun Garten und Umwelt ökologisch nicht wirklich etwas Gutes, in Kombination mit einheimischen Gehölzen ist die Portugiesische Lorbeerkirsche empfehlenswert.