Zimmerpflanzen Tipps zur Pflege von Zimmerpflanzen

Hydrokultur – Anleitung zu Pflege und Umtopfen

Hydrokultur

Oft wird es gelesen, doch nicht jeder vermag mit dem Begriff „Hydrokultur“ etwas anzufangen. Das aus dem Griechischen abgeleitete Wort beschreibt die Kultivierung von Pflanzen jeglicher Art im Wasser. Der Vorteil dieser Haltung liegt klar auf der Hand: Durch das stetig vorhandene Wasser entfällt der sonst übliche Gießvorgang und die Zimmerpflanzen in Hydrokultur dürfen auch kurzfristig einmal in Vergessenheit geraten. Falsch ist es jedoch anzunehmen, dass Hydrokultur keinerlei Pflege benötigt. Eine regelmäßige Düngung der Pflanzen, sowie eine Reinigung des Substrats müssen dennoch erfolgen.

Aus was besteht das Substrat?

Hydrokultur besteht aus einem anorganischen, kalkfreien Substrat. Lediglich die Zusammensetzung und Körnigkeit variiert je nach gewähltem Material:

  • Basalt – Das aus Vulkanaktivität entstandene Ergussgestein wird auch in der Hydrokultur verwendet. Das dichte Gefüge des Basalts verleiht dem Wurzelgeflecht der Pflanzen einen sicheren Halt.
  • Perlit – Ein weiteres Gestein, dessen Herkunft auf vulkanische Aktivität zurückzuführen ist. Der große Vorteil von Perlit besteht darin, größere Mengen an Feuchtigkeit und Nährstoffen binden zu können.
  • Kies – Ebenfalls nicht unüblich in der Hydrokultur ist die Verwendung von Kies. Dieses Substrat ist jedoch relativ schwer und für die Versorgung der Pflanzen mit Wasser wird eine spezielle elektrische Pumpe benötigt. Wie auch bei Sand muss der Kies vor seinem ersten Einsatz ausreichend gereinigt werden.
  • Blähton – Die gebackenen Tonkugeln zählen zu den weitverbreiteten Klassikern unter den Hydrokultur-Substraten. Das leichte Material kann aufgrund seines geringen Gewichts auch für empfindliche Pflanzenwurzeln verwendet werden. Blähton ist leicht zu reinigen und zu sterilisieren.
  • Mineralwolle – Dieses Substrat – auch als Steinwolle bekannt – verteilt Nährstoffe und Wasser gleichmäßig im Kulturgefäß. Das verhältnismäßig leichte Material eignet sich auch für die Anzucht von Jungpflanzen und hält schädliche Krankheitserreger von diesen fern.
  • Styroporflocken – Diese speziellen Styroporflocken sind leicht im Gewicht und relativ preiswert. Dennoch sind sie eher selten in der herkömmlichen Hydrokultur anzutreffen.
  • Sand – Eine Kultivierung mit Sand ist auch in der Hydrokultur möglich. Durch seine geringe Speicherung von Feuchtigkeit und die Bodendichte ist dieses Substrat jedoch eher für Sukkulenten mit geringem Wasserbedarf geeignet. 

BlähtonWeitere im Handel erhältliche Hydrokultur-Substrate sind u.a. Kokosfasern, Ziegelsteinscherben, Diahydro und Vermiculit. Welches Material am ehesten für Sie geeignet ist, hängt von den jeweiligen Bedürfnissen der gewählten Pflanzen und den Verwendungszweck der Hydrokultur ab. Wer sich unsicher im Umgang mit Hydrokultur-Dünger ist, kann auch auf eine Kultivierung in einer speziellen Nährstofflösung zurückgreifen.

Die richtigen Pflanzen und der ideale Standort

Kaum eine Pflanze ist nicht für die Haltung in Hydrokultur geeignet. Die Kultivierung im anorganischen Substrat regt die Pflanzen dazu an, spezielle „Wasserwurzeln“ auszubilden. Diese sind weit weniger verzweigt als die normalen Erdwurzeln und vertragen dadurch wesentlich besser größere Mengen von Feuchtigkeit. Wurzelfäule und andere durch Staunässe verursachte Krankheiten treten in der Hydrokultur relativ selten auf.

Düngen

Universaldünger, Düngestäbchen oder andere herkömmlich verwendeten Düngemittel sind kaum bis nur bedingt für Hydrokultur geeignet. Das anorganische Substrat der Hydrokultur ist jedoch nicht in der Lage, wichtige Mineralstoffe selbst an die kultivierten Pflanzen abzugeben. Ebenso wie der Wasserspeicher muss deswegen im viertel- bis halbjährlichen Turnus speziellen Hydrokultur-Dünger nachgefüllt werden.

  • Flüssigdünger für Hydrokulturen wird – wie bei herkömmlicher Kultivierung in Erde auch – nach Anleitung über das Gießwasser hinzugefügt.
  • Die Tabletten von Langzeitdüngern werden direkt in den Wasserspeicher gelegt und sondern über mehrere Monate hinweg wichtige Mineralstoffe ab. 

Das Umtopfen von und in Hydrokultur

Durch das üppige Wachstum benötigen auch die Pflanzen der Hydrokultur in gewissen Abständen ein größeres Kulturgefäß. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, um umzutopfen.

HydrokulturDer Fachhandel hält viele Spezialgefäße für Hydrokultur parat. In der Regel sind aber alle wasserdichten Gefäße für diese Art der Kultivierung geeignet. Bei herkömmlichen Übertöpfen ist Vorsicht geboten, da diese oft dauerhaft keine Nässe halten können und irgendwann unschöne Wasserränder an den Stellflächen entstehen.

  • Metallgefäße und glasierte Übertöpfe meiden.
  • Bei kleineren Pflanzen sind zwei Gefäße erforderlich – ein Innentopf und ein wasserdichter Übertopf.
  • Der Wasserstandsanzeiger mit dem Schwimmer wird im Innentopf angebracht. Spezielle Hydrokulturgefäße verfügen über einen separaten Schacht dafür.
  • Größere Pflanzen kommen auch ohne Innentöpfe aus. 

Tipp: Verwenden Sie nur spezielle Innentöpfe für Hydrokultur, da diese alle erforderlichen Öffnungen für das Wurzelwerk und Wasser aufweisen.
Das Umtopfen von Hydrokulturpflanzen unterscheidet sich nur geringfügig von Pflanzen in herkömmlicher Erde:
  • Die Pflanze vorsichtig vom anorganischen Substrat befreien.
  • Wenn die Wurzeln das Pflanzgefäß vollständig durchdrungen haben, diese behutsam aus dem Topf lösen.
  • Legen Sie im größeren Innentopf eine Drainage aus einer dickeren Schicht des verwendeten Hydrokultur-Substrats an. Das verhindert, dass die Wurzeln in direktem Kontakt mit dem Wasser stehen.
  • Die Pflanze vorsichtig in das neue Gefäß setzen und mit neuem Substrat auffüllen.
  • Für eine bessere Verteilung des Hydrokultur-Materials sollte regelmäßig der Topf leicht auf einen festen Untergrund aufgesetzt werden.
  • Sobald der Innentopf mit dem Außentopf verbunden ist, wird mit lauwarmem, kalkfreiem Wasser aufgefüllt. – Der Schwimmer des Wasserstandsanzeigers darf bis zur maximalen Markierung steigen.
  • Je nach Substratart ist es möglich, das bisher verwendete Material der Hydrokultur wiederzuverwenden. Blähton beispielsweise lässt sich in Weißweinessig problemlos reinigen und sterilisieren. 

Pflanzen von Erde in Hydrokultur umtopfen: Viele Pflanzenarten sind für eine Kultivierung in Hydrokultur geeignet. Ob eine direkte Anzucht in anorganischem Material erfolgt oder Sie stattdessen auf eine Hydrokultur-Pflanze aus dem Fachhandel zurückgreifen, bleibt Ihnen selbst überlassen. Wesentlich schwieriger ist es jedoch, ältere Pflanzen aus herkömmlicher Erde in Hydrokultur umzusetzen. Denn verbleibt auch nur der geringste Rest des organischen Substrats am Wurzelwerk, kann dies zu Pilzerkrankungen und Wurzelfäule führen.

  • Ob Jung- oder Altpflanze spielt für die Umstellung auf Hydrokultur keine Rolle. Die Pflanze muss das komplette Wurzelwerk für die neue Kultivierung frisch ausbilden.
  • Grob das Erdreich entfernen und den Wurzelstock mit lauwarmem Wasser abduschen. Wiederholen Sie diesen Vorgang solange, bis keine Erde mehr an der Pflanze haftet.
  • Eine Drainage aus Hydrokultur-Substrat wird im Innengefäß standardmäßig vorbereitet.
  • Die Pflanze einsetzen und langsam und behutsam mit dem neuen Substrat auffüllen.
  • Durch Klopfen an das Gefäß und leichtes Andrücken für eine gleichmäßige Verteilung des Hydrokultur-Materials sorgen.
  • Ausgiebig mit lauwarmem Wasser versorgen – jedoch darf der Schwimmer nicht den maximalen Pegel erreichen.
  • Erst wenn die Pflanze ihre neuen Wurzeln ausgebildet hat – ein Wechsel, der mehrere Monate in Anspruch nehmen kann – darf sie wie jede andere Hydrokultur behandelt werden.
  • In den ersten Monaten keinen Standortwechsel vornehmen, damit sich die Pflanze problemlos akklimatisieren kann. 

Nicht immer überstehen die Pflanzen die Umstellung problemlos. Mangelerscheinung und kümmernde Triebe sind in der ersten Zeit keine Seltenheit, denn die Pflanze stellt ihr komplettes Wurzelwerk von Erde auf Wasser um.

Die Anzucht in Hydrokultur

HydrokulturHydrokultur ist nicht nur für Zimmerpflanzen geeignet, sondern durchaus auch für die Anzucht von den selbigen verwendbar.

  • Die Substrate Perlite, Blähton und Mineralwolle sind ideal für die Samenanzucht.
  • Das Pflanzengefäß muss hell und warm stehen – optimal ist eine Raumtemperatur zwischen 20 – 24°C.
  • Die Samen dürfen nicht im Wasser schwimmen. Besser ist ein Wasserstand von wenigen Millimetern.

Pflege und Reinigung

Eines mag stimmen: Pflanzen in Hydrokultur sind pflegeleichter und benötigen weniger Gießintervalle als Zimmerpflanzen in herkömmlicher Blumenerde. Ganz sich selbst überlassen darf man die Hydrokultur-Gewächse jedoch auch nicht. In gewissen Abständen ist beispielsweise eine Überprüfung und Reinigung des verwendeten Substrats notwendig.

  • Reinigen Sie einmal jährlich das Substrat und die Pflanzen mit lauwarmem Wasser. Düngereste und eingedrungene Fremdstoffe lassen sich mit einem sanften Wasserstrahl herausspülen.
  • Auch die Pflanzen werden auf diese Art und Weise gereinigt.
  • Tpp: Einige Hydrokultur-Substrate – wie Blähton beispielsweise – lassen sich durch ein längeres Bad in Weißweinessig sterilisieren.
  • Entfernen Sie Fremdstoffe, wie etwa Zigarettenkippen und tote Insektenkörper regelmäßig aus der Hydrokultur.
  • Einen hellen Standort für die Pflanze wählen.
  • Der Platz direkt über oder an Heizkörpern ist ungeeignet und nur während der Anzuchtphase empfehlenswert.
  • Den Wasserstand nicht immer bis zum maximalen Pegelstand auffüllen – das trägt positiv zur Lebenserwartung und dem Wachstum der Pflanze bei.
  • Getränkereste jeglicher Art haben nichts in der Hydrokultur verloren.
  • Schneiden Sie regelmäßig braune Triebe und welke Blätter ab, ehe diese organischen Stoffe in das anorganische Substrat gelangen.
  • Dringt ein fauliger Geruch aus dem Topfinneren, könnte eine Wurzelfäule vorliegen. Die Pflanze kontrollieren und bei Bedarf das komplette Substrat wechseln.
  • Herkömmlicher Dünger für Zimmerpflanzen ist nur bedingt für Hydrokultur geeignet. Achten Sie auf den Zusatzhinweis „für Hydrokultur“ oder greifen Sie direkt auf speziellen Dünger zurück.
  • Das Substrat ist anfällig für Bakterien- und Pilzerkrankungen. Häufige Sichtkontrollen und das regelmäßige reinigen des Hydrokultur-Materials, den Töpfen und der Pflanze ist deswegen angeraten. 

Mögliche Pflegefehler

Hydrokultur bedeutet nicht, dass die Pflanzen sich selbst überlassen bleiben können. Das empfindliche System kann durch unsachgemäße Behandlung schnell kippen und auch Krankheiten und Schädlinge machen vor Zimmerpflanzen in Hydrokultur nicht Halt.

Pflanze bekommt braune Blätter:

  • Der Standort ist zu dunkel gewählt oder die Pflanze ist direkter Sonne ausgesetzt.
  • Einige Zimmerpflanzen benötigen auch in Hydrokultur eine hohe Luftfeuchtigkeit. Öfter die Blätter und Triebe mit kalkfreiem Wasser besprühen.
  • Zuviel Wasser schadet einigen Pflanzen – bei diesen regelmäßig Trockenphasen einlegen. 

Gelbe Verfärbungen an Trieben und Blättern:

  • Pflanzen in Hydrokultur benötigen generell einen helleren Standort als in herkömmlicher Erd-Kultivierung.
  • Zu wenig oder zu viel Dünger wurde verwendet. Umgehend nachdüngen oder die Pflanze und das Substrat ausgiebig mit lauwarmem Wasser reinigen.
  • Keinesfalls übergießen – nicht immer muss bis zum maximalen Pegelstand Wasser nachgefüllt werden.
  • Auch eine zu trockene Raumluft oder die unmittelbare Nähe zu Heizkörpern kann zu Verfärbungen führen.
  • Das Wasser ist zu kalkhaltig. Wenn möglich, auf abgestandenes Regenwasser zurückgreifen.

Die Pflanze kümmert sichtbar vor sich hin:

  • Unter Umständen ist der gewählte Innentopf zu klein. In diesem Fall die Pflanze in ein größeres Innengefäß umsetzen.
  • Wurden die Wurzeln der Pflanze während der Reinigung oder beim Umtopfen beschädigt? Den kompletten, verletzten Wurzelstrang entfernen und in den nächsten Wochen nur mäßig gießen. 

Fazit
Gründe für die Anschaffung bzw. den Umstieg auf Hydrokultur gibt es viele. Ob als dekorativer Blickfang im Büro, als nutzbringender Luftbefeuchter im Wohnzimmer oder einfach nur, um den Pflegeaufwand der Zimmerpflanzen gering zu halten – mit der Hydrokultur sind etliche Nutzungsmöglichkeiten umsetzbar.