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Das Raue Hornblatt wird gerne als Wunderwaffe im Teich eingesetzt, um das Wasser von überschüssigen Nährstoffen und Algen zu befreien. Es gilt als unentbehrliche Wasserpflanze für die Filterung in Teichen. In Europa sind vor allem zwei Arten von Bedeutung: Ceratophyllum submersum und Ceratophyllum demersum, auch Hornblatt genannt. Der Unterschied zwischen den beiden Pflanzen liegt lediglich in der Anordnung der Blattquirle. Dieses Pflanzenporträt soll zeigen, wozu die Wasserpflanze wirklich in der Lage ist. Und: wo das Hornblatt an seine Grenzen stößt.

Kurzer Steckbrief

  • botanischer Name: Ceratophyllum demersum
  • andere Namen: Raues Hornblatt
  • gehört zur Familie der Hornblattgewächse
  • wächst vollständig unter Wasser
  • Triebe bis 1 m Länge
  • fein verästelte Blätter
  • meist grün oder rötlich gefärbt
  • bildet keine Wurzeln aus
  • lebt freischwimmend oder im Boden verankert

Lebensbedingungen

Das Raue Hornblatt ist in nahezu allen stehenden oder langsam fließenden Gewässern auf der ganzen Welt beheimatet, insofern diese nährstoffreich genug für die filigrane Unterwasserpflanze sind. Humose Schlammböden bieten dem Hornkraut beste Bedingungen, sodass es selbst in Wassertiefen bis zu 10 Meter überleben kann. In der Regel bevorzugen die Pflanzen jedoch Bereiche zwischen 0,5 und 1 m in Seen, Teichen und Altwässern, vor allem in windgeschützten Bereichen. Meist schwimmen sie frei im Wasser oder haben sich an anderen Pflanzen verfangen. Das Raue Hornblatt bildet keine eigentlichen Wurzeln, mit denen es sich im Untergrund festhalten kann. Die Nährstoffe nimmt die fiedrige Unterwasserpflanze durch wurzelähnliche Gebilde auf, die sich aus umgewandelten Sprossen bilden. Ceratophyllum demersum kommt auch mit wenig Licht gut zurecht und wächst sehr schnell.

  • Wassertiefe: meist 0,5 bis 1 Meter
  • Lichtbedarf: wenig bis mittel
  • schlammiger, humoser Untergrund
  • nährstoffreiches Wasser
  • windgeschützte Lage
  • sehr anpassungsfähig an die Wasserhärte (5 bis 18 Grad Wasserhärte)
  • pH-Werte zwischen 6,0 und 8,0

Aussehen

Das Raue Hornblatt lebt vollständig unter Wasser. Die Pflanze schwimmt entweder frei oder ist ohne Wurzeln im Boden oder an anderen Wasserpflanzen verankert. Jedoch bilden die im Boden verankerten Pflanzen spezielle wurzelähnliche Zweige (sogenannte Rhizoide), um sich besser im schlammigen Untergrund halten zu können. Die meist grünen, oft rötlich wirkenden Stängel können bis zu 100 Zentimeter lang werden. Ihre feinen, zerbrechlichen Blättchen sind in geringen Abständen fast ringförmig um den Stängel angeordnet und ein- bis zweimal gabelig geteilt. Das Hornkraut ist eine relativ anspruchslose Pflanze, die nur an einem Ende (der Triebspitze) wächst und am anderen Ende langsam abstirbt.

Nutzen

Das Hornblatt ist nicht einfach irgendeine Pflanze, die wegen ihres guten Aussehens kultiviert wird. Die Unterwasserpflanze ist ein wahrer Alleskönner, der für viele Gewässer eine wahre Bereicherung darstellt:

1. Einfluss auf den Nährstoffgehalt
Unter der Wasseroberfläche lebende Pflanzen – allen voran das Hornkraut – spielen bei der Erhaltung der Wasserqualität bei flachen, nährstoffreichen Gewässern eine entscheidende Rolle. Das Raue Hornblatt besitzt keine Wurzeln, deshalb ist es gezwungen, seinen Nährstoffbedarf direkt über das Wasser in der Umgebung zu decken. Durch den Aufbau eigener Biomasse beim Wachstum reduziert es den Nährstoffgehalt des Gewässers. Zudem ist das Hornblatt in der Lage, auch Schadstoffe herauszufiltern und in seiner Biomasse zu speichern. Damit hat es einen weiteren positiven Effekt auf die Wasserqualität.

2. Sauerstofflieferant
Wie alle Pflanzen produziert auch das Raue Hornblatt Sauerstoff, den es jedoch als Wasserpflanze ins Wasser abgibt und nicht in die Luft. Sauerstoff ist nicht nur lebensnotwendig für alle Tiere im Teich oder Aquarium, sondern auch für die vielen Bakterien im Wasser, die organische Abfallstoffe und Schlamm abbauen. Besonders im Sommer ist die Wasserpflanze daher sehr wichtig für alle Lebewesen unter Wasser, da es zu dieser Zeit häufig zu einer Sauerstoffarmut im Gewässer kommt. In vielen Fällen führt ein Sauerstoffmangel zu Fischsterben.

3. Reduzierung von Algen
Durch den Kampf um die Nährstoffe und das Licht konkurriert das Raue Hornblatt mit anderen Wasserpflanzen und Algen. Zudem produziert die Wasserpflanze eigene chemische Verbindungen, die das Wachstum anderer Pflanzen reduzieren können. Das kann sich positiv auf eine mögliche Algenblüte auswirken, die sonst in Gewässern im jährlichen Rhythmus auftritt. Deshalb sind Gewässer, in denen man das Hornblatt antrifft, in der Regel relativ klar. Diese pflanzeneigenen Substanzen wirken jedoch nicht bei allen Algen.

Tipp: Die Fadenalge ist weitgehend unempfänglich gegenüber diesen Wirkstoffen und breitet sich nicht nur weiter aus, sondern hemmt als Aufsitzerpflanze des Hornkrautes auch dessen Vitalität. Im ungünstigsten Fall verklumpen die fein verästelten Blättchen des Hornblattes und sterben ab.

4. Schaffung von Lebensräumen
Das Hornblatt hat noch weitere Vorteile. Es trägt zur Strukturvielfalt eines Gartenteiches oder Aquariums bei und lässt so vielfältige Lebensräume entstehen. Je mehr Lebensräume entstehen, umso größer ist die Artenvielfalt, die das komplexe Biotop als kleines Ökosystem intakt hält.

  • Nahrungsgrundlage: Auf den Blättchen bildet sich ein feiner Biofilm, der als Nahrung für viele Kleinstlebewesen dient
  • Sicherheit: Dichte Populationen schützen kleine Lebewesen vor Fressfeinden (Versteck für Laich, kleine Fische oder auch Zuckmückenlarven)

Tipp: Sollten sich Fische nicht vermehren, kann das an fehlenden Laichplätzen liegen. Das Hornkraut bietet hierfür ideale Bedingungen.

5. Enthärtung des Wassers
In sehr hartem (kalkhaltigem) Wasser, das zudem noch einen hohen pH-Wert hat (alkalisch), bildet sich auf den Blättchen des Hornblattes ein feiner, weißer Belag aus Kalk. Dieser wird gebildet, wenn die Pflanze Kohlenstoff aus dem kalkhaltigen Wasser assimiliert. So leistet die Pflanze einen wichtigen Beitrag zur Entkalkung von Wasser (biogene Entkalkung).

Vermehrung

Jedes Raue Hornblatt bildet sowohl männliche als auch weibliche Blüten aus, die allerdings sehr unscheinbar am Stängel wachsen. Daraus entstehen bei einer Befruchtung, die übrigens über das Wasser geschieht, sehr kleine Samen, die für die Verbreitung  des Hornkrauts sorgen. Sehr viel häufiger vermehrt sich die Wasserpflanze jedoch über Sprossstücke, denn die dünnen Sprosse brechen sehr leicht ab und entwickeln sich dann zügig zu einer neuen Pflanze. Im Herbst bilden sich stärkereiche Winterknospen, die auf den Grund des Teiches sinken. Im nächsten Frühjahr treiben diese Knospen dann wieder aus, sobald die Temperaturen steigen. Alle restlichen Pflanzenteile sterben bei kalter Witterung und Minusgraden ab.

Probleme bei der Kultivierung des Hornblattes

Auch bei der Haltung des Rauen Hornblattes gilt: Weniger ist mehr! Selbst für den ungeübten Gartenteich- oder Aquariumbesitzer ist einfach zu erkennen, dass ohne menschliches Dazutun das Gewässer schnell wieder an Qualität verliert, wenn der Pflanze einfach freie Hand beim Wachstum gelassen wird. Deshalb sollte jeder Gärtner, der das Hornblatt gezielt im Teich einsetzt, das Wachstum der Wasserpflanze sehr genau beobachten.

  • zunächst ist immer ein üppiges Wachstum zu erkennen
  • zur Kontrolle einmal wöchentlich ein paar Pflanzen mit den Rechen herausholen
  • sind sie noch frisch und saftig, ist alles in bester Ordnung
  • beginnt das Hornblatt, sich zu zersetzen, muss eingegriffen werden
  • jetzt reicht der Nährstoffgehalt nicht mehr für alle Pflanzen aus
  • einige Exemplare sollten aus dem Teich geholt werden
  • immer nur so viele Pflanzen im Wasser belassen, dass sie gut wachsen

Am Anfang ist es etwas schwierig, das perfekte Gleichgewicht einzustellen. Deshalb sollte in der ersten Zeit wöchentlich kontrolliert werden. Findet man absterbende Pflanzen, so wird mindestens ein Drittel der Pflanzen entfernt. Zeigt sich nach einer Woche immer noch starke Zersetzung an den herausgeholten Hornblättern, müssen noch weitere Pflanzen den Teich verlassen, allerdings weniger als beim ersten Mal. Der Vorgang wird so lange wiederholt, bis die Pflanzen, die zur Begutachtung herausgeholt werden, wieder frisch und wuchsfreudig aussehen. Auf diesem Level sollte nun die Pflanzenpopulation im Teich gehalten werden.

Wo ist das Hornblatt fehl am Platze?

In zwei Fällen ist der Einsatz des Hornblattes nutzlos oder völlig kontraproduktiv. Deshalb sollte die Wasserqualität im Vorfeld gut überprüft werden, bevor das Raue Hornblatt zum Einsatz kommt. Als Schmuckpflanze ist die Wasserpflanze ungeeignet, da mit ihrer Kultivierung immer sehr viel Kontrolle verbunden ist.

  1. In allen Teichen, in denen die Wasserqualität bereits sehr gut ist. Hier würde das Hornkraut keine guten Lebensbedingungen vorfinden, absterben und auf dem Grund verrotten.
  2. In Teichen, in denen sich große Mengen Fadenalgen befinden. Die Fadenalgen verfangen sich in den Blattquirlen des Hornblattes, sodass diese zusammenklumpen und ersticken. In Gewässern mit Fadenalgen müssen diese zuerst abgefischt werden, bevor das Raue Hornblatt zum Einsatz kommt.

Kultivierung im Aquarium

Gleichbleibend hohe Temperaturen und viel Licht bieten dem Hornkraut in einem Aquarium optimale Lebensbedingungen. Sind Fische im Becken, ist eine CO2-Zufuhr eigentlich nicht notwendig, unterstützt jedoch das Wachstum. Ceratophyllum ist dafür bekannt, die Nährstoffe schnell aufzunehmen. Das macht die Pflanze zu einer idealen „Waffe“ im Kampf gegen die Algen, zumal das Raue Hornblatt zusätzlich auch ein natürliches Algen-Gegenmittel produziert.

Wegen ihres schnellen Wachstums muss die Pflanze häufig eingekürzt werden. Während im Gartenteich im Winter die meisten Teile der Pflanze absterben, wächst das Raue Hornblatt im Aquarium ganzjährig. Zur Verjüngung wird einfach der untere, ältere Teil abgetrennt und das obere Stück wieder im Grund verankert.

Ceratophyllum demersum sollte vorrangig im Hintergrund des Aquariums eingesetzt werden, dort bildet es als Gruppe eingesetzt schöne dichte Bereiche. Im Aquarium wachsen am Hornkraut meist keine Befestigungswürzelchen (Rhizoide) in den kiesigen Boden, weshalb die Pflanzen immer wieder neu in den Untergrund gedrückt werden müssen.

Tipp: Schon beim Kauf auf Beschwerungsringe an der Pflanze achten und diese beim Einsetzten ins Aquarium unbedingt am Hornblatt belassen.

Überwinterung im Gartenteich

Ceratophyllum demersum ist unglaublich gut an das Leben unter Wasser angepasst. Einheimische Arten des Hornkrautes sind winterhart und stellen somit die ideale Wasserpflanze für den Gartenteich dar. Für die richtige Überwinterung muss der Gärtner nicht einmal etwas tun, denn im Herbst bildet die Pflanze kurze Sprosse, die auf den Grund sinken. Ist der Gartenteich tief genug und somit in den Grundbereichen eisfrei, überwintern die Sprosse dort und treiben bei steigenden Temperaturen im Frühjahr wieder aus.

Tipp: Wer das Hornkraut in einem Kübel auf dem Balkon kultiviert, kann die Pflanzen über den Winter ins Haus holen und sie in einem alten Aquarium oder einem kleineren Kübel mit etwas Teichwasser überwintern. Halbschattig aufstellen.

Fazit

Mit etwas Aufmerksamkeit, Kontrolle und gutem Gespür wird das Raue Hornblatt zu einem wertvollen Helfer für gute Wasserqualität im Gartenteich oder Aquarium. Wer die Pflanze zur Dezimierung von Algen oder zum Entzug überschüssiger Nährstoffe einsetzt, darf die Pflanze aber auf keinen Fall sich selbst überlassen, denn damit erreicht man in der Regel nach anfänglichen Erfolgen das genaue Gegenteil.