Gallmilben erfolgreich bekämpfen

HimbeerenSie sind mikroskopisch klein, bewegen sich auf vier Beinen fort und gehören zur Klasse der Spinnentiere. Die höchstens 0,5 mm großen Gallmilben machen trotzdem dem Hobbygärtner das Leben schwer, wenn sie sich über die Pflanzen im Garten hermachen. Die saugenden Schädlinge verursachen knötchen- und hörnchenförmige Deformationen, die als Gallen bezeichnet werden. Insbesondere im Frühjahr und Sommer sind die Gallmilben aktiv und treiben ihr Unwesen auf Beerensträuchern, Nadelgehölzen und Laubbäumen. Im Spätsommer und Herbst sind die häufig rotfarbenen Gallen mit bloßem Auge zu erkennen. Doch dann ist es für eine Bekämpfung bereits zu spät, denn die Milben befinden sich darin in einer geschützten Umgebung, was es sehr schwierig macht, ihnen dann noch entgegenzuwirken. Es kommt also auf den richtigen Zeitpunkt an, wenn Gallmilben erfolgreich bekämpft werden sollen.

Diese Pflanzen werden von Gallmilben befallen

Da Gallmilben eine trockene und warme Umgebung bevorzugen, sind folgende Wirtspflanzen durch einen Befall gefährdet:
AhornbaumBei den Nadelgehölzen bilden sich als Schadbilder keine Ausstülpungen, wie an den Blättern der Beerensträucher und Laubbäume. Vielmehr verfärben sich die Nadeln braun, weil sie von den Gallmilben ausgehöhlt werden, und fallen letztendlich ab. Bei den Beerensträuchern machen sich die Schädlinge vor allem in den Fruchtständen breit und verhindern in der Regel, dass sich reife oder unappetitlich deformierte Früchte bilden.

Gallmilben biologisch bekämpfen

Haben die Gallmilben den Winter unentdeckt in den Blattachseln, zwischen den Knospenschuppen oder in Fruchtmumien ihrer Wirtspflanzen verbracht, marschieren sie im Frühjahr mit Beginn des Austriebs los und überrennen die jungen Blätter oder Nadeln. Umweltbewusste Gartenfreunde greifen nun nicht unmittelbar zur 'chemischen Keule', sondern wenden biologische Bekämpfungsmittel an, die besonders erfolgreich sind, wenn sie genau auf die Art der Wirtspflanze abgestimmt sind. Dies ist umso wichtiger, als dass sich innerhalb der Gallmilben Spezialisten entwickelt haben:

Brombeer- und Himbeergallmilben loswerden

Da die Schädlinge die unreifen Früchte befallen, verursachen sie schlimmstenfalls einen vollständigen Ernteausfall:
  • Frühe Sorten bevorzugen.
  • Fruchtmumien stets beseitigen.
  • Regelmäßigen Rückschnitt vornehmen.
  • Boden durch Mulchschicht feucht halten.
  • Sträucher nicht mit hoch dosiertem Stickstoffdünger versorgen.
  • In Trockenperioden Sträucher mit Wasser überbrausen.
  • Insektizid auf Rapsöl-Basis ausbringen.
  • Erste Anwendung bei einer Trieblänge von 10 cm.
  • Zweite Anwendung nach 10 Tagen.
  • Dritte Anwendung kurz vor der Vollblüte.
In der biologischen Schädlingsbekämpfung sind verschiedene Insektizide mit Rapsöl für den privaten Einsatz erlaubt.

Pflaumenbaum von Gallmilben kurieren

PflaumenbaumTreten zahlreiche kleine Gallen auf den Blättern auf, die Warzen ähneln, ist dies ein Hinweis auf den Befall mit Gallmilben. Sie überwintern zumeist in der Rinde oder in den Knospen, bevor sie im Frühjahr aktiv werden.
  • Boden unter dem Baum regelmäßig auflockern.
  • In Trockenzeiten reichlich wässern.
  • Befallene Blätter abschneiden.
  • Im Hausmüll entsorgen.
  • Austriebspritzung im zeitigen Frühjahr vornehmen.
  • Rapsöl-Präparate mehrfach spritzen im Abstand von mehreren Tagen.
  • Junge Blätter nicht einsprühen.
  • Mittel nicht unter praller Sonne anwenden.
  • Bei Befall mehrere Jahre hintereinander einsetzen.
Bei Kern- und Steinobst ist derzeit nur ein einziges Spritzmittel für Hobbygärtner zugelassen, das Rapsöl enthält, und zwar 'Schädlingsfrei Naturen' von Celaflor. Da sich in dieser Hinsicht nahezu täglich Änderungen ereignen, informiert sich der versierte Gartenfreund tagesaktuell bei der Pflanzenschutzdatenbank über dieses Thema. Obwohl Bekämpfungsmittel mit Rapsöl gesundheitlich völlig unbedenklich sind, raten Experten dazu, an gespritzten Bäumen frühestens nach drei Tagen wieder zu ernten.

An Laub- und Nadelbäumen sind die Schäden durch Gallmilben zwar nicht schön anzusehen, richten jedoch keinen ernsthaften Schaden an. Wer die Plagegeister trotzdem beseitigen möchte, schenkt den folgenden Tipps und Hinweisen seine Aufmerksamkeit.

Wirksame Bekämpfungsmethoden an allen befallenen Pflanzen

Neben den biologischen Insektiziden mit Rapsöl haben sich verschiedene Aufgüsse und Jauchen bewährt, die selbst hergestellt werden können:

Rainfarn-Sud
Rainfarn ist eine leicht giftige Pflanze aus der Familie der Korbblütler, die häufig am Wegesrand mit ihren gelben, knopfartigen Blüten zu entdecken ist. Für den Sud werden 150 g frische Blätter grob gehackt und mit 5 l kochendem Wasser übergossen. 10 Minuten ziehen lassen und dann filtern. Die gefährdeten Pflanzen werden 3 Mal im Abstand von 10 Tagen tropfnass eingesprüht.

Wermut
Im Kräutergarten ist Wermut ein Einzelgänger, weil seine Wurzelausscheidungen benachbarten Kräuterpflanzen schaden können. Als biologisches Bekämpfungsmittel gegen Gallmilben kann Wermut dagegen etwas Nützliches bewirken und den Schädlingen den Garaus bereiten. 150 g frischer, kleingehackter Wermut wird mit 5 l siedendem Wasser übergossen. Nach 30 Minuten kann die Brühe gefiltert werden. Insbesondere die Himbeergallmilben können eine dreimalige Spritzung im Abstand von 10 Tagen überhaupt nicht vertragen.

Knoblauch
Rechtzeitig ausgebracht, wirkt ein Sud aus 100 g Knoblauch, die für die Dauer von 25 Stunden in 20 ml Öl eingeweicht werden. Nach dieser Zeit kommen noch 1 l Wasser und 10 ml reine Kernseife hinzu. Diese Mischung wird vor der Anwendung im Verhältnis 1 : 20 verdünnt.

Brennnessel
BrennesselFindige Forscher haben herausgefunden, dass Fungizide, die gegen Echten Mehltau zum Einsatz kommen, auch die Gallmilben nicht verschonen. Daher wird die Brennnessel-Jauche ebenfalls herangezogen, um sich die Plagegeister vom Hals zu schaffen. Aufgrund des entstehenden, intensiven Geruchs, sollte eine abgelegene Stelle im Garten für die Herstellung gewählt werden. 1 kg Brennnesseln werden grob zerkleinert und in 9 l Wasser für 3 Tage eingeweicht. Während dieser Zeit bleibt der Behälter abgedeckt und die Jauche wird ab und zu umgerührt. Abschließend filtert der Gartenfreund die Jauche, um sie dann im zeitigen Frühjahr im Abstand von 3 bis 4 Tagen mehrmals zu versprühen.

Efeu
Die giftige Kletterpflanze wird von Gartenfreunden ebenfalls als natürliche Waffe gegen Gallmilben eingesetzt. Hierzu werden 100 g Efeublätter in 1 l Wasser solange aufbewahrt, bis die Gärung einsetzt. Je nach Temperatur, dauert der Vorgang 3 bis 5 Tage. Dann wird die Mischung gefiltert und auf 5 % verdünnt, bevor sie wiederholt angewendet wird.

Gallmilben-resistente Beerensträucher

Eine ausgesprochen effiziente Methode der Vorbeugung gegen Gallmilben, ist die vorzugsweise Pflanzung resistenter Sorten. Das ist insbesondere dann sinnvoll, wenn Obst angebaut wird, das die Familie später verzehren wird.

Rote Johannisbeeren
  • Rovada
  • Jonkher v. Tets
Schwarze Johannisbeeren
  • Ben Sarek
  • Titania
Himbeere
  • Blissy
  • Autumn Bliss
  • Rubaca
  • Willamette
Brombeere
  • Choctaw
  • Theodor Reimers
  • Lubera Navaho
  • Tayberry
Zwetschgen
  • Katinka
  • Tegera
  • Felsina
  • Hanita
Grundsätzlich sind früh reifende Obstsorten weniger vom Befall durch Gallmilben gefährdet, als die spät reifenden. Hierbei ist allerdings zu bedenken, dass frühe Obstsorten der Schädigung durch Spätfröste ausgesetzt sind.
Mit den natürlichen Feinden gegen Gallmilben vorgehen

Raubmilben

Zu den wichtigsten natürlichen Feinden der Gallmilben zählen die Raubmilben der Arten Amblyseius degenerans und Amblyseius californicus. Diese Nützlinge sind im Fachhandel und im Internet erhältlich. Sie werden in der Regel auf einem Trägergranulat geliefert und direkt auf die befallenen Pflanzen verstreut. Für den Fall, dass sie von den Blättern herabrieseln sollten, werden die Raubmilben auf ein feuchtes Küchenpapier verteilt, das unter der Pflanze ausgelegt wird. Sie werden ihren Weg hinauf zu den Gallmilben finden. Dort machen sich die Raubmilben gleich über die Gallmilben her und vertilgen die erwachsenen Schädlinge genauso, wie die Eier und Larven. Sind keine Gallmilben mehr vorhanden, wandern sie ab, ohne der Pflanze irgendwelchen Schaden zuzufügen.

Florfliegenlarven

FlorfliegeWeitere Schützenhilfe im Kampf gegen Gallmilben erhält der Gartenfreund von den Florfliegen, deren Larven ebenfalls zu den natürlichen Feinden dieser Schädlinge gehören. Diese Nützlinge sind im Gartencentern oder in Online Shops erhältlich. Geliefert werden sie in einer wabenähnlichen Verpackung im 1. oder 2. Larvenstadium. Im Rahmen der Anwendung sollte die Dosierungsanleitung exakt beachtet werden, denn bei einer Überdosierung fressen sich die Florfliegenlarven nur gegenseitig und verschonen die Gallmilben. Da sie bis zur Verpuppung höchstens 10 bis 14 Tage aktiv sind, ist zumeist eine wiederholte Anwendung erforderlich. Von einem parallelen Einsatz zusätzlicher Bekämpfungsmittel wird während dieser Zeit abgesehen. Insbesondere chemische Insektizide werden mindestens 6 Wochen vorher und 6 Wochen nachher nicht benutzt.

Der erfahrene Gartenfreund ist sich bewusst, dass der Einsatz biologischer Bekämpfungsmittel im Hausgarten nur selten ein unmittelbar erkennbares Ergebnis zeigt. Wer in dieser Hinsicht handelt nach dem Motto 'Steter Tropfen höhlt den Stein', wird auf Dauer die Gallmilben los mit einem reinen Gewissen gegenüber der Umwelt.

Pflanzenschutzmittel, die Gallmilben erfolgreich bekämpfen

Der letzte Pfeil im Köcher des umweltbewussten Hobbygärtners sind Pflanzenschutzmittel, die für den Einsatz im privaten Bereich erlaubt sind. Neben den Insektiziden, die auf der Basis von Rapsöl hergestellt werden, gibt es zwei weitere Mittel, die derzeit für den nicht-beruflichen Anwender zugelassen sind:

Netz-Schwefelit WG von Neudorff
Dieses Mittel wurde ursprünglich für die Bekämpfung des Echten Mehltaus entwickelt und enthält im Wesentlichen Schwefel. Als Nebenwirkung wurde die Bekämpfung von Gallmilben entdeckt.

Kiron Milben Ex von Dr. Stähler
Mithilfe des Wirkstoffs Fenpyroximat, erzielt dieses Insektizid eine schnelle Anfangswirkung gegen die Gallmilben und hält zudem in der Wirksamkeit noch einige Zeit an. Aktuell wird es auf der Liste der erlaubten Pflanzenschutzmittel für den Kleingarten mit einer Zulassungsdauer bis 2017 geführt.

Folgende Ratschläge für den Einsatz im Hausgarten sollten berücksichtigt werden:
  • Gebrauchsanleitung studieren und genau befolgen.
  • Schutzkleidung, Handschuhe und feste Schuhe tragen.
  • Keinesfalls gleichzeitig essen, trinken oder rauchen.
  • Die Dosierung exakt einhalten.
  • Nicht bei Regen, Wind und prallem Sonnenschein anwenden.
  • Nachher Geräte sorgfältig reinigen und Hände waschen.
  • Vorschriften für die Entsorgung von Resten und Verpackung beachten.
  • Nicht in der Reichweite von Kindern oder Tieren aufbewahren.
Die wichtigste Voraussetzung für die Wirksamkeit dieser Mittel ist die rechtzeitige Anwendung, bevor sich die Gallen bilden. Befinden sich die Milben erst einmal darin, kann kein Insektizid ihnen mehr etwas anhaben.

Gallmilben mit Erfolg vom eigenen Garten fernhalten

Sie sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Wenn sich die von ihnen verursachten Deformierungen an Sträuchern und Bäumen zeigen, ist es für eine erfolgreiche Bekämpfung meist zu spät. Gallmilben gehören zwar nicht zu den destruktivsten Schädlingen des Gartens; die Mehrzahl der Hobbygärtner will sie trotzdem nicht beherbergen. Wie gut, dass es eine ganze Reihe biologischer Mittel gibt, um die Plagegeister loszuwerden. Dabei spielt der Zeitpunkt eine entscheidende Rolle hinsichtlich der Wirksamkeit. Zum chemischen Insektizid wird der umweltbewusste Gartenfreund erst in letzter Instanz greifen. Doch auch diese richten nichts mehr aus, wenn sich die Milben erst einmal in den Gallen befinden.


Tipps für Schnellleser
Hilfe bei Gallmilben

- Gallmilben überwintern in Blattachseln und Knospen.
- Sie sind mikroskopisch klein.
- Deformierungen (Gallen) zeigen Befall an.
- Betroffene Pflanzenteile sogleich abschneiden.
- Nicht auf dem Kompost entsorgen.
- In Gallen sind Milben geschützt.
- Beerensträucher und Laubbäume häufig infiziert.
- Fruchtmumien stets entfernen.
- Austriebspritzung ab Februar und März.
- Rapsöl-haltige Mittel sind zugelassen.
- Im Abstand von 10 Tagen wiederholen.
- Pflanzerde permanent feucht halten.
- Regelmäßig mulchen.
- Rückschnitt an Sträuchern jährlich durchführen.
- Rainfarn, Wermut, Brennnessel und Efeu wirken.
- Biologische Spritzungen mehrfach wiederholen.
- Resistente Sorten bevorzugen.
- Natürliche Feinde sind Raubmilben und Florfliegenlarven.
- Chemische Mittel als letzte Möglichkeit.
- Präparate gegen Mehltau wirken auch gegen Gallmilben.
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