Fiederaralie

Es gibt Zimmerpflanzen, die außerordentlich dekorativ sind, dafür aber in Bezug auf die Pflege einige Ansprüche stellen. Es gibt Zimmerpflanzen, die gerade noch so das Auge nicht beleidigen, dafür aber fast keine Pflege brauchen. Wo sind die Zimmerpflanzen, die außerordentlich dekorativ sind UND fast keine Pflege brauchen? Nachfolgend wird Ihnen eine solche Zimmerpflanze vorgestellt, die Fiederaralie, die zu den Pflanzen von auffallendem Dekorationswert gehört und in der Pflege wirklich anspruchslos ist:

Steckbrief der Pflanze

Die Fiederaralie ist eine Pflanze der Gattung Polyscias, die zur Familie der Araliengewächse gehört. Der Name Fiederaralie ist verwirrend, diesen Namen tragen die Pflanzen der Gattung Polyscias, weil einige von ihnen zarte, fein gefiederte Blätter haben, die Fiederaralie „Fabian“ gehört jedoch nicht dazu. Im Gegenteil: Die immergrüne Staude hat runde, leicht nach außen gewölbte, glänzend grüne oder grün-weiß gemusterte Blätter, die eine beträchtliche Größe erreichen können.

Was bedeutet „Fabian“? Der „Fabian“ ist nur eine besondere Zuchtform der Polyscias scutellaria, die auf diesen Namen getauft wurde, so wie eben jeder Züchter bemüht ist, seiner Zuchtpflanze einem möglichst wohlklingenden Namen zu geben, gerne wird hier eine Anspielung auf einen geliebten Menschen untergebracht, wie z. B. bei der Rose „Schöne Dortmunderin“. Ob Fabian von einer nur mäßig phantasiebegabten Dame gezüchtet wurde oder dieser Name vom schwedischen Möbelhaus erdacht wurde, das die Fiederaralie so gerne anbietet, wissen wir nicht, auf jeden Fall gibt es mehrere „Fabiane“, Fabian 2 und 3 sind auch schon am Start.

Die Pflege der Fiederaralie

Fiederaralien kommen aus den Tropen, aus Indonesien oder den südlich davon gelegenen Pazifischen Inseln, auf jeden Fall sind sie Wärme gewohnt. Und Helligkeit auch, die Polyscias scutellaria kommen aus Malaysia, und das liegt fast auf dem Äquator, die Sonne ist also dort ein gutes Stück näher an der Erde als in Deutschland und strahlt damit auch ein gutes Stück stärker.

Die langsam wüchsige Polyscias scutellaria wird in den Tropen einen guten Teil ihrer Lebenszeit von Pflanzen beschattet, die sehr viel schneller wachsen als sie. Vor diesem Hintergrund macht die Anweisung, sie hell, aber nicht in die Sonne zu stellen, auf den ersten Blick Sinn. Aber nur auf den ersten Blick – wenn man die Lichtintensität, die eine über der Aralie wachsende Tropenpflanze durchdringt, mit der vergleicht, die ein deutsches Wohnzimmerfenster im Winter an die Pflanze kommen lässt, wird das Wohnzimmer wohl als „Dunkelkammer“ abschneiden … Wahrscheinlich ist hier gemeint, dass die Fiederaralie keine starke direkte Sonne gewohnt ist, sie kann also an ein Fenster gestellt werden, das morgens und abends und im Winter besonnt wird, volle Mittagssonne im Sommer könnte ihr aber zu viel werden.

Wenn Sie im Internet lesen, dass die Fiederaralie eine Schattenpflanze sei, die „dunkle Ecken“ bevorzugt (und das werden Sie öfter lesen, in den Beiträgen zur Fiederaralie ist offensichtlich eine Menge „copy and paste“ im Spiel), mag das stimmen – im Malaysischen Urwald, aber nicht unbedingt im deutschen Wohnzimmer, wo die Lichtintensität um Potenzen geringer ist. Glauben Sie lieber das Gegenteil (noch öfter zu lesen) und stellen Sie Ihre Fiederaralie ins Helle, sie wird es mit Wachstum ohne verzweifelt ins Licht strebende Geiltriebe danken.

Ob ein halbschattiger Platz noch toleriert wird, kann ausprobiert werden, es kommt auch immer darauf an, wo und unter welchen Bedingungen eine Pflanze aufgezogen wurde. Wenn Sie Ihre Fiederaralie nicht im Fachhandel kaufen, also über die Aufzuchtbedingungen keine Auskunft bekommen können, könnte es sogar sein, dass Sie eine Pflanze erhalten, die in ihrer Jugend einzelne Lichtstrahlen im einen trüben Gewächshaus aufsaugen musste – diese Pflanze würde sofort in strahlende Sonne gestellt wahrscheinlich Sonnenbrand bekommen, und es könnte gut sein, dass genau diese Pflanze wirklich an ziemlich schattigen Standorten gedeiht, sie ist sozusagen Kummer gewohnt.

Unsere Wohnraumwärme ist der asiatischen Schönheit auf jeden Fall sehr angenehm, auch wenn Sie im Sommer schon von amerikanischen Klimaanlagen träumen, und im Winter möchte sie keine Temperaturen unter 15 Grad aushalten müssen (Sie aber sicher auch nicht, also wird es der Fiederaralie im Wohnraum kaum zu kalt werden). Von unten gekocht möchte sie übrigens auch nicht werden, direkt auf die Heizung sollten Sie eine Fiederaralie also besser nicht stellen.

Als Dschungelpflanze ist die Polyscias scutellaria ziemlich hohe Luftfeuchtigkeit gewohnt, die Sie rund um die Pflanze erzeugen können, indem Sie sie mit wassergefüllten Schalen umstellen. Besprühen oder über der Badewanne abduschen gibt ihr auch einen Feuchtigkeitsstoß, und es befreit die Blätter auch gleich von Staub. Die Fiederaralie kommt mit weichem Wasser am besten zurecht.

Blatt der FiederaralieDie Erde darf ganz normale Blumenerde sein, im ersten Jahr nach dem Eintopfen muss die Fiederaralie nicht gedüngt werden, später können Sie ihr handelsüblichen Flüssig- oder Langzeitdünger geben. Wann die Fiederaralie umgetopft werden muss, sehen Sie, es ist soweit, wenn ihre Wurzeln über den Topfrand hinauswachsen.

Die Fiederaralie sollte gleichmäßig feucht, aber nicht nass gehalten werden, das können Sie bewirken, indem Sie die Erde immer leicht antrocknen lassen, bevor Sie wieder bewässern. Im Winter sollte die Fiederaralie etwas weniger gegossen werden, dann legt sie nämlich eine Ruhephase ein, in der sie noch etwas langsamer als sonst wächst.

Wenn der richtige Standort und Bewässerungsrhythmus gefunden sind, wird die Fiederaralie langsam und beständig „vor sich hin wachsen“, ohne dass Sie ihr übermäßige Beachtung schenken, die robuste Zimmerpflanze ist eigentlich wirklich pflegeleicht.

Krankheiten und Schädlinge

Wenn die Fiederaralie unter falschen Haltungsbedingungen leidet, können Spinnmilben oder Schildläuse die Schwäche der Pflanze ausnutzen, um sich auf ihr (übermäßig) anzusiedeln. Wenn das passiert, sollten Sie mit mechanischen Mitteln eingreifen (Abkratzen, Abwischen, mit dem Brausekopf abduschen, mit Seifen-Spiritus-Lösung in die Flucht jagen), weil die Fiederaralie auf chemische Mittel gerne ungehalten reagiert.

Krankheiten sind sonst kaum bekannt, wenn die Polyscias scutellaria spontan ihre Blätter fallen lässt, liegt es eigentlich immer entweder an zu üppiger Bewässerung oder an zu trockener Luft (oder an beidem zusammen). Dann brauchen Sie einfach nur Ihre Pflege verändern oder die Fiederaralie an einen passenderen Standort stellen, sie sollte bald neu austreiben und zufrieden weiter wachsen.

Polyscias scutellaria schneiden und vermehren

Sie werden in der Regel kein Bedürfnis verspüren, Ihre Fiederaralie zu beschneiden, denn sie wächst ja ohnehin eher gemächlich, mehr als 10 cm pro Jahr sind nicht zu erwarten. Manchmal ergibt sich trotzdem die Notwendigkeit, die Fiederaralie zu beschneiden, weil sie eine nicht sehr dekorative Wuchsform angenommen hat.

Bei Aralien werden z. B. meist irgendwann die unteren Blätter abgeworfen, dann könnte die Fiederaralie einen langen kahlen Stamm ausbilden, auf dem nur oben noch Blattwerk zu sehen ist, nicht für jeden Standort schmückend. Dann können Sie die Fiederaralie durchaus in Form bringen, notfalls auch einfach in der Mitte köpfen und neu einpflanzen, sie sollte einwurzeln und weiter wachsen. Sie müssen das aber nicht unbedingt tun, meist entwickeln sich unten im Topf Triebe, die den kahlen Stamm in einiger Zeit verdecken werden.

Wenn Sie von der Fiederaralie begeistert sind und gerne mehr von den schönen Gewächsen haben möchten, können Sie Ihre Polyscias scutellaria vermehren. Sie schneiden Stecklinge aus verholzten Teilen, geben diese in Anzuchterde, stellen die neuen Fiederaralien an einen hellen Standort mit Temperaturen von mindestens 20 °C und halten die Erde gleichmäßig feucht, dann sollten sich die Stecklinge bald bewurzeln. Sie können auch aus einem Stammstück einer Fiederaralie eine neue Pflanze machen, indem Sie dieses Stammstück an einem warmen Platz bewurzeln, in diesem Fall darf die Fiederaralie dann einmal direkt auf der Heizung stehen.

Wenn Sie eine kleine Aralie von Grund auf großziehen, sollten Sie sie jedes Frühjahr beschneiden, so erhalten Sie eine Pflanze mit einer viel üppigeren Verzweigung als die für den Verkauf gezogenen Importe.

Wo gibt es einen „Fabian“ zu kaufen?

Zum Beispiel in einem beliebten skandinavischen Möbelhaus, rund einen halben Meter hoch, für knapp 10,- Euro. Allerdings stehen die Pflanzen in vielen Filialen dieses Möbelhauses in fensterlosen Räumen zum Verkauf, und auch wenn sie dort von einem Pflanzlich besonnt werden, müssten Sie sich darauf gefasst machen, dass die Fiederaralie mit dem normalen Licht bei Ihnen zu Hause erst einmal Schwierigkeiten hat…

Wenn Sie einen größeren „Fabian“ (im Fachhandel) kaufen möchten, finden Sie den z. B. bei Gärtner Gregg aus 59394 Nordkirchen, wwww.gaertner-gregg.de. Er hat drei verschiedene Fabiane, mehrere andere Polyscias, und wenn Sie noch anderen attraktiven Grünschmuck für Ihre Wohnung suchen, finden Sie dort eine riesige Auswahl an weiteren schönen großen Zimmerpflanzen, oft in sehr vielen verschiedenen Sorten, oft seltene Arten wie Schamblumen (Aeschynanthus marmoratus), Goldfruchtpalmen (Areca lutescens), Zierspargel (Asparagus falcatus), Balsamapfel (Clusea rosea), Keulenfrucht (Corynocarpus leavigata), Orgelpfeifenkaktus (Marshallocereus), Drahtsträucher (Muehlenbeckia) und die ebenfalls unglaublich schöne und pflegeleichte Zamie (Zamioculcas zamiifolia).

Die Polyscias und die anderen Araliengewächse haben mehr zu bieten

Die Polyscias scutellaria oder Fiederaralie gehört zur Gattung Polyscias in der Familie der Araliengewächse, zu der nach herkömmlicher Auffassung (die botanische Ordnung ändert sich gerade, das kann Zimmergärtnern jedoch egal sein) neben der Polyscias scutellaria noch etwa weitere 100 Arten gehören. Die Mehrzahl der Polyscias ist nur in einem eng begrenzten Gebiet beheimatet, viele Polyscias-Arten sind z. B. auf Mauritius endemisch. Neben unserer Polyscias scutellaria (die auch als Polyscias balfouriana bekannt ist), haben etwa sich etwa ein halbes Dutzend in die europäischen Wohnzimmer aufgemacht, hier eine kleine Übersicht der bei uns erhältlichen Polyscias:

  • Die hier im Artikel beschriebene Polyscias scutellaria oder Polyscias balfouriana ist die bekannteste und häufigste Polyscias, öfter in panaschierten Sorten als einfarbig grün zu erhalten.
  • Die Geranium-Aralie Polyscias guilfoylei ist auch eine Schönheit, aber mit einer völlig anderen Wirkung: Ihre Blätter können hellgrün und weißrandig oder dunkelgrün sein, sind aber immer gekräuselt, wie bei Geranien.
  • Polyscias filicifolia wird auch unter dem deutschen Namen Fiederaralie verkauft, sieht aber ganz anders aus als „Fabian“: Zarte hellgrüne Blätter, die an Farn erinnern, leicht rötliche Blattstiele.
  • Polyscias paniculata gibt es mit grünen palmenartigen Finger-Blättern und mit grünen oder grün-weiß panaschierten ganzflächigen Blättern.

Das waren nur die momentan häufig bei uns im Handel zu sichtenden Polyscias-Arten, im internationalen Pflanzenhandel werden noch mindestens ein halbes Dutzend anderer Polyscias kultiviert, die sicher irgendwann auch in den heimischen Handel gelangen werden.

Weil die botanische Einordnung verschiedener Gattungen der Araliengewächse gerade unter Bezug auf neueste Forschungen ziemlich bunt durcheinander gewürfelt wird, ändern sich auch die botanischen Namen verschiedener Polyscias und mit ihnen verwandter Arten. Eine Polyscias scutellaria (oder eine der anderen Polyscias-Arten) kann Ihnen deshalb je nach Sprachraum, aus dem der Import stammt, als Fiederaralie, Schild-Aralie, Pflaumen-Aralie oder Balfour-Aralie unterkommen, und bei den botanischen Namen scheint es bei den Synonymen wenig Grenzen zu geben: P. balfouriana, Bonnierella, Botryopanax, Dipanax, Eremopanax, Eupteron, Gelibia, Grotefendia, Indokingia, Irvingia, Kissodendron, Maralia, Montagueia, Nesodoxa, Nothopanax, Oligoscias, Palmervandenbroekia, Peekeliopanax, Pterotropia, Sciadopanax, Shirleyopanax, Tieghemopanax, Triplasandra – hinter all diesen Namen könnte sich eine Fiederaralie verbergen. Die Namen müssen Sie sich natürlich nicht merken, aber zumindest wundern Sie sich nun nicht mehr, wenn Ihnen ein vertrautes Gewächs unter fremden Namen begegnet.

Bei den Araliengewächsen gibt es über die Polyscias, Ginseng (Panax ginseng), Efeu (Hedera) und Zimmeraralie (Fatsia japonica) hinaus überhaupt noch jede Menge zu entdecken, kein Wunder bei rund 50 Gattungen mit etwa 1500 Arten, und es handelt sich häufig um ungewöhnlich attraktive Gewächse:

  • Die Kalifornische Aralie (Aralia californica) ist zur Zeit der Blüte ein einziges cremefarbenes Blütenwunder, leider bei uns nur als Zimmerpflanze zu halten.
  • Die Herkuleskeule (Aralia spinosa, nicht zu verwechseln mit der Herkulesstaude, dem gefährlichen Riesen-Bärenklau) ist ein auffällig schöner Zierstrauch mit heilenden Wirkungen.
  • Die Japanische Aralie (Aralia elata) ist nicht nur ein dekorativer Zierstrauch, sondern liefert mit ihren jungen Blattknospen eine Delikatesse.
  • Eine Borstige Taigawurzel (Eleutherococcus senticosus) im Garten könnte den Teenie in der Familie begeistern, sie ist im Energy-Drink „Rockstar“ enthalten (und soll ziemlich gesund sein).
  • Die Baumaralie (Kalopanax septemlobus) ist nicht nur ein echter Hingucker, sondern soll sich auch gleich als natürliches Fungizid und Insektizid im Garten nützlich machen.
  • Der Igelkraftwurz (Oplopanax horridus) ist vielleicht noch dekorativer und soll von Erkältung bis Rheuma fast alles heilen.
  • Der Reispapierbaum (Tetrapanax papyrifer) ist auch auffallend schick und eine traditionelle Heilpflanze der chinesischen Medizin.

Fazit

Die Neuentdeckung (2013 die Zimmerpflanze des Monats Oktober) ist ein Glücksfall für Zimmergärtner: Eine echte Schönheit, mitunter auch eine echte Schattenpflanze, die durch ihr langsames Wachstum lange in einer wohnraumgeeigneten Größe bleibt und dann auch noch wirklich pflegeleicht ist. Beim Rest der Aralien gibt es auch noch viele schöne Pflanzen zu entdecken.