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Ficus microcarpa ginseng – Pflege-Anleitung

ficus microcarpa ginseng

Den Ficus microcarpa ginseng gibt es momentan in fast jedem Geschäft, das mit Pflanzen handelt, und in vielen Geschäft, die eigentlich nicht mit Pflanzen handeln, vom Möbelhaus bis zum Supermarkt. Freuen Sie sich, wenn ein solches Bäumchen mit Knubbel-Wurzel den Weg in Ihren Haushalt findet – auch wenn Sie nicht vorhatten, sich in Bonsaipflege zu üben. Dafür eignet er sich sicher gut, Sie können das wuchswillige Feigen-Bäumchen aber auch zu einer großen Zimmerpflanze ziehen, dann wird die Pflege noch einfacher:

Ficus microcarpa ginseng: Die Pflege als Bonsai

1. Der als „Bonsai“ gekaufte Ficus microcarpa ginseng

Der Ficus microcarpa ginseng wird als Bonsai verkauft, weil es Ficus microcarpa ginsengs auch als Bonsai gibt. Was im hiesigen Pflanzen- usw. Handel für ein paar Euro über den Ladentisch geht, hat aber mit einem echten Bonsai-Ficus so viel zu tun wie möhrengefärbte Pflanzenfett-Pansche mit Vanilleeis (mehr zum echten Bonsai-Ficus unten).

Eine echte Pflanze ist es aber, sogar eine sehr unkomplizierte, die normalerweise freudig wächst.

Die Ficus microcarpa ginseng gehört zur Gattung Feige, Art Chinesische Feige. Es handelt sich um eine neue Zuchtsorte speziell für den Massenmarkt, die die Neigung der Ficus microcarpa ausnutzt, schnell zu wachsen und in tropischem Klima Luftwurzeln zu bilden. In Taiwan soll es riesige Farmen voll mit Ficus-microcarpa-Stecklingen geben, die nach dem Ansetzen einiger Luftwurzeln stückweise in Töpfe gepfropft werden und zu uns verfrachtet werden. Sobald die Schnittstelle austreibt, steht der angebliche Bonsai im Geschäft.

Sie haben also die Luftwurzeln einer Feigenbaum-Zuchtsorte vor sich, die am oberen Ende ein paar Blätter hat. Meist frisch ausgetriebene eigene Blätter, es soll aber auch Ficus microcarpa Ginseng geben, bei denen auf die Luftwurzeln andere Pflanzen gepfropft wurden.

Dieser Ficus microcarpa ‚Ginseng‘ ist eine auf eher langsames und nicht sehr hohes Wachstum gezogene Zuchtsorte, der so wie er ist als Bonsai kultiviert werden kann.

Da er bei einem Treffen echter Bonsai-Freaks nie so richtig als Bonsai überzeugen wird, eher als Anfänger-Bonsai, aber in dieser Rolle macht er sich sehr gut. Bei der Bonsai-Kultur geht es schließlich darum, einen Baum im Topf in eine besondere Wuchsform zu bringen und ihm einen Miniaturwuchs aufzuzwingen, und das können Sie am schon sehr Bonsai-ähnlich wirkenden  Ficus microcarpa ‚Ginseng‘ sehr gut üben.

Der Ficus microcarpa ‚Ginseng‘ bringt grundsätzlich alle Eigenschaften mit, um als Bonsai kultiviert zu werden: Er ist gut wüchsig, wächst zwar langsamer als  seine Artgenossen, aber stetig. Die Blätter sind von der natürlichen Anlage her schon nicht riesig und kommen nach Blattschnitt kleiner nach. Er ist super gut schnittverträglich (wie jede Feige).

ficus microcarpa ginseng PflanzeSie können vieles an ihm üben, was bei der Bonsai-Pflege ständig wiederholt werden muss, um die Pflanze in ihrer Wuchsgestalt oder über den Pflanzen-Stoffwechsel zu beeinflussen. Dass er für eine wirklich kunstvolle Bonsaigestaltung in einem erträglichem Zeitrahmen eigentlich zu schnell wächst, können Sie in Ihrer Lernzeit als  Vorteil verbuchen, weil sich Schnittfehler und Fehler beim Drahten auch wieder schnell verwachsen.

Die allgemeine Pflege ist eher simpel für einen Bonsai:

  • Grundpflege wie beim „großen“ Ficus microcarpa
  • Standort sonnig bis halbschattig
  • Temperatur zwischen 17 und 25 Grad
  • Im Sommer gerne im Freien
  • Und in der Sonne, sorgt für kleine Blätter
  • Bonsai-Substrat bremst die Wuchskraft mehr als Blumenerde
  • Mit Rücksicht auf die Wuchskraft sollten Sie neue Triebe immer erstmal wachsen lassen
  • Und erst nach einer Weile kräftig zurückschneiden

Setzen Sie den Bonsai in eine schöne Bonsaischale mit einer guten Bonsaierde um (beides fertig aus dem Handel) und legen Sie los, Folgendes ist möglich:

  • Äste drahten üben
  • Schnitttechniken ausprobieren
  • Wenn Blätter kleiner nachwachsen sollen, braucht ein Ficus ständigen Beschnitt
  • Techniken der Wurzelgestaltung ausprobieren
  • Bonsai richtig umtopfen üben
  • Dabei den Wurzelschnitt vorschriftsmäßig ansetzen

Bei der Wurzelgestaltung geht es vor allem um die Stammverdickung, die Sie weiter bearbeiten können:

  • Neue Luftwurzeln wachsen, wenn die Pflanze unter (sub-)tropischen Bedingungen kultiviert wird
  • Warm und feucht, z. B. in einem ausrangierten Aquarium oder auf der Heizung mit Haube
  • Austrieb im unteren Bereich wachsen lassen, bis er dick genug ist
  • Als Ast mit Blättern, durch deren Photosynthese nimmt der Ast schneller an Stärke zu
  • Düngen unterstützt diese Entwicklung
  • Ausreichend starke Wurzelableger werden geformt, z. B. durch Drahten
  • Wurzeln werden auch durch Aushöhlen oder mit der Fräse gestaltet

Sie können um die nicht sehr dekorative Schnittwunde an den Luftwurzeln eine neue Krone gestalten:

  • Ein paar günstig gelegene Äste nur Blatt- und keinem Triebschnitt unterziehen
  • Bis Sie die Schnittwunde überwachsen und so kaschieren
  • Wenn sich Verzweigungen bilden, dürfen einige von ihnen wachsen
  • Bis sich eine schöne kleine neue Krone aufgebaut hat
  • Ficus ist so gut schnittverträglich, dass Wuchs in die falsche Richtung radikal weggeschnitten werden kann

Was beim Rückschnitt anfällt, können Sie als Steckling für die nächsten Bonsais verwenden; die Stecklinge einer bereits als Bonsai gezogenen Mutterpflanze sollen sich leichter von Grund auf zum Bonsai aufbauen lassen. Das alles geht mit diesem preiswerten Bäumchen, der Sie auch nicht im Stich lassen wird, wenn Sie grobe Fehler machen. Bonsaiexperten prophezeien jedoch, dass Sie sich bald lohnenswerteren Pflanzen zuwenden werden, wenn Sie das Hobby der Bonsaigestaltung wirklich gepackt hat.

2. Ficus microcarpa ‚Ginseng‘ zum Bonsai ziehen
 
Wenn Sie ganz bewusst einen Bonsai gekauft haben, um ernsthaft in die Bonsai-Kultur einzusteigen und nun feststellen mussten, dass Sie keinen ganz so richtigen Bonsai gekauft haben – können Sie aus dieser „Idee eines Bonsais“ einen richtigen Bonsai ziehen.

Ganz leicht wird das nicht, und es dauert auch eine ziemlich lange Zeit. Aber das ist ja eigentlich das Wesen der Bonsai-Kultur, eine Pflanze langsam und geduldig zu einer Gestalt und Wuchsform zu erziehen, die von der natürlichen Wuchsform teils erheblich abweicht. Das dauert, soll dauern, auch wenn Sie von vornherein besser geeignete Jungpflanze zum Bonsai formen – die ständige „kontemplative“ Pflanzenpflege ist wichtiger Teil der Bonsai-Kultur.

Sie müssten sich dann zuerst eine der vielen Bonsai-Formen als Vorbild heraussuchen, damit Sie wissen, wo die Reise hingehen soll. Das kann eine Form des Wurzel-Bonsais sein, das ist allerdings Bonsai-Zucht für Fortgeschrittene mit viel Gefummel und Drahten der Wurzel usw. Sie können die „Wurzel mit ein paar Blättern darüber“ aber auch zu einer der normaleren Kleinbaum-Formen ziehen, mit prägnantem Stamm, aber mit einer großen grünen Baumkrone darüber. Dazu wird die Wurzel nach und nach schmaler geformt, während der obere Bereich eine Zeitlang recht kräftig wachsen darf, bis Sie ihm seine neue Form anerziehen. Hier können Sie sich schon einmal ansehen, wie das funktionieren könnte: www.youtube.com/watch?v=ho7tNSArEj4.

Hier sehen Sie den oben deutlich fülliger und am Stamm deutlich schlanker gewordenen Bonsai-Ficus (und seinen nur ganz leicht, aber rundum fülliger gewordenen „Bonsai-Artisten“) 2 Jahre später wieder: www.youtube.com/watch?v=wfNg6mtWPv8.

Pflege-Anleitung für Ficus microcarpa als Zimmerpflanze

1. Als Zimmerpflanze gekauft
Chinesische FeigeWie gesagt, der Ficus microcarpa ‚Ginseng‘ ist eine Zuchtsorte, die auf eher beschränktes Wachstum gezogen wurde. Diese Zuchtsorte bzw. der Ficus microcarpa überhaupt wird nicht ausschließlich als Bonsai verkauft, sondern gelegentlich auch als ganz normale Pflanze angeboten. Wenn Sie einen solchen Ficus microcarpa erwischt haben, gilt für ihn die nachfolgende Pflegeanleitung, die Sie nicht überfordern wird:

  • Eintopfen in normale nährstoffreiche Gartenerde oder Blumenerde
  • Bei frisch gekauften Pflanzen bedeutet das Umtopfen
  • Für bessere Drainagewirkung Erde mit etwas Sand mischen
  • Standort: Hell, keine zu starke (Mittags-) Sonne
  • Luftig, aber keine spürbare, dauerhafte Zugluft
  • Ficus ginseng mag jede Zimmertemperatur
  • Aber viel Licht, in seiner Heimat bekommt Ficus ginseng durchfehend 12 Std. Tageslicht
  • Im Sommer gerne Standort auf Balkon oder Terrasse
  • Sonnenstandort möglich, aber erst nach Gewöhnung
  • Ab einer Dauertemperatur 15 °C (nachts) kann Ficus Ginseng auf den Balkon
  • Mäßig, aber regelmäßig gießen
  • Wenn die oberste Schicht Topferde angetrocknet ist
  • Bei hartem Wasser Regenwasser sammeln oder Leitungswasser abstehen lassen
  • Zwischendurch öfter einmal mit Wasser besprühen
  • Düngen nur in der Wachstumsperiode
  • Mit Flüssigdünger (etwa alle zwei Wochen) oder Langzeitdünger nach Packungsanleitung
  • Schneiden ist möglich, aber keine Pflicht
  • Auslichten und Kürzen ist kein Problem, Feigen vertragen Rückschnitt ins alte Holz
  • Freiwachsende Zuchtsorten des Ficus microcarpa werden gewöhnlich um 2 m hoch
  • Wenn Wurzelballen den Topf ausfüllt, umtopfen (bei gut wachsenden Exemplaren 1 x im Jahr)
  • Im Frühjahr bilden sich am schnellsten neue Wurzeln

2. Vom Bonsai zur Zimmerpflanze
Wenn Sie einen Ficus microcarpa ‚Ginseng‘ als Bonsai gekauft haben, aber dieser Bonsai ganz unbonsaimäßige Wachstumstendenzen zeigt, sobald Sie die Schere aus der Hand legen, können Sie ihn auch einfach  wachsen lassen, wie er will. Er wird längere Triebe mit größeren Blättern bilden, die Sie jeweils zurechtschneiden können, bis das Ganze wie eine normale Pflanze aussieht.

Auch die Luftwurzeln können zum normalen Stamm werden, wenn Sie sie zusammenbinden, bei den meisten Ficus-Arten wachsen Luftwurzeln zusammen, wenn sie sich in der Natur (beim Umwachsen einer Wirtspflanze) nahe genug kommen. Diese Situation simulieren Sie, wenn Sie die Luftwurzeln mit etwas Druck aufeinander binden, das Zusammenwachsen dauert allerdings etwas, Monate bis Jahre.

Während der „Umbau-Zeit“ sollte der Ficus microcarpa in normale Erde gesetzt werden und wird ansonsten so gepflegt, wie es gerade bei der Pflege eines Ficus microcarpa als Zimmerpflanze beschrieben wurde.

Wenn ein Ficus microcarpa trotz bester Pflege einmal ein paar Blätter verliert, haben die vielleicht einfach ihre Lebenszeit hinter sich (auch immergrüne Blätter leben nicht ewig). Die alten Blätter werden abgeworfen, wenn die Versorgung ohnehin nicht so toll ist, meistens im/nach dem Winter. Wenn es dazu zu viele Blätter sind, liegt es wahrscheinlich an Lichtmangel, die nächst wahrscheinlichen Ursachen sind zu viel oder zu wenig Wasser oder Dünger.

Wie ein Feigenbaum zum Bonsai wurde

Der Ficus microcarpa ginseng wird heute fast ausschließlich in einer Wuchsgestalt verkauft, die sehr an einen Bonsai erinnert. Wenn Sie sich über die Pflanze informieren wollen, finden Sie viele Artikel über den „Ficus Bonsai“ und (spätestens in den Kommentaren) ebenso viele Meldungen, dass es sich beim Ficus Ginseng nicht um einen „richtigen Bonsai“ handele – Feigen seien die letzten Bäume, die sich zur Bonsai-Kultur eigneten, weil sie dafür viel zu schnell wachsen würden und mit 50 – 90 Jahren auch nicht alt genug würden.

Wie so oft im Leben, haben die Vertreter beider Meinungen ein wenig Recht:

Chinesische Feige Blatt1. Der Ficus microcarpa ginseng ist eine Feige. Ficus heißt Feige, und so heißt eine ganze Gattung der Familie der Maulbeergewächse mit all ihren zahlreichen Unterarten. Neben der „Echte Feige“ (Ficus carica, die mit den Feigen-Früchten) gibt es noch 750 bis 1000 Feigen-Arten, Bäume, Sträucher und Kletterpflanzen.

Die Verwandtschaftsverhältnisse der Pflanzen sind geordnet wie bei allen Lebewesen, z. B.:
Familie: Hunde (Canidae), Gattung: Wolfs- und Schakalartige (Canis), Art: Wolf (Canis lupus), Unterart: Haushund, Zuchtsorte: Dackel, Mops, Labrador, Xoloitzcuintle (ja, den gibt es, und noch 804 andere Zuchtsorten).
Familie: Maulbeergewächse (Moraceae), Gattung: Feigen (Ficus), Art: Echte Feige (Ficus carica, die mit den Feigen-Früchten), Unterart: Ficus carica var. carica, Zuchtsorte: ‚Dottato‘, ‚Trojano‘ aus Italien; ‚Adriatic‘, ‚Mission‘ aus Kalifornien; ‚Fraga‘ aus Spanien

2. Feigenbäume sind Bäume, Sträucher und Kletterpflanzen und eher für das Gegenteil eines zögerlichen, zur Bonsai-Kultur geeigneten Wuchses bekannt. Insofern stimmt es, dass Feigen nicht die Pflanzen sind, an die ein Bonsai-Meister zuerst denkt. Zumal Feigenbäume höchstens ein Jahrhundert alt werden und Bonsais in Asien traditionell meist aus Pflanzen gezogen werden, die so alt werden, dass sie über Generationen vererbt werden können.

Ein Ficus als Bonsai ist also schon eine ungewöhnliche Wahl, für die es einen besonderen Grund geben muss, dem wir hier gerade nachspüren.

3. Der Ficus microcarpa ist eine der 750 bis 1000 Feigen-Arten. Es handelt sich um die Chinesische Feige, auch Lorbeer-Feige oder Indischer Lorbeer genannt; neben F. microcarpa (Linné) wurde sie von anderen Botanikern auch F. retusa, F. nitida, F. retusiformis und F. thonningii getauft. Für Botaniker gibt es nichts Schöneres als Pflanzen taufen, mal abgesehen vom Wissenschaftsstreit darum, wer welche Pflanze zuerst getauft hat …

Ficus microcarpa wächst als Baum, mit Wuchshöhen um 15, 25 Meter und einem Stammdurchmesser bis zu 50 cm. So sieht das aus, nicht wirklich ein Bonsai: de.wikipedia.org/wiki/Datei:Netrider-Ficus_microcarpa_1.jpg.

Diese Chinesische Feige wuchs ursprünglich in Süd- und Südostasien und den angrenzenden Gebieten, wurde im 20. Jahrhundert vom Menschen in jedes Tropengebiet der Welt verbreitet und wird in vielen Ländern als invasive Pflanzenart eingestuft, weil sie wie Unkraut wächst.

4. Und doch gibt es echte Ficus Bonsai bzw. echte Ficus microcarpa ginseng. Ältere Äste des Ficus microcarpa entwickeln häufig rostfarbene Luftwurzeln, eigentlich auch nicht gerade winzige: upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/3/3a/Starr_080601-5191_Ficus_microcarpa.jpg/220px-Starr_080601-5191_Ficus_microcarpa.jpg

Wer in Asien wohnt und von der Bonsai-Leidenschaft gepackt ist, lässt sich von besonderer Wuchskraft einer Pflanze aber nicht abschrecken, jede Pflanze ist ein Kandidat für die „Anpflanzung in der Schale“ (das japanische „bonsai“ wörtlich übersetzt) und wird in dieser Schale zum Miniatur-Wuchs gezwungen. Wenn eine Pflanze eigentlich hoch hinaus will, ist die Herausforderung um so größer … so werden in China und Malaysia Ficus microcarpa schon seit Jahrhunderten als Bonsai kultiviert, unter Einbeziehung der Luftwurzeln in der besonderen Form des Wurzel-Bonsai. Daher kommt auch der Name „Ginseng“, nichts anderes als das chinesische Wort für „Wurzel“.

Es dauert nur 70 Jahre täglichen Beschnitts und weiterer ständiger Pflege-Maßnahmen, bis so ein echter Ficus microcarpa ginseng herangewachsen ist: thumbs4.ebaystatic.com/d/l225/m/m0hL2g_9raCgJQeAB66QYmg.jpg …

5. Der unter 4. erwähnte Baum kostet 3.600,- Euro; die gerade unseren Handel überschwemmenden Ficus microcarpa ginseng um 3.590,- Euro weniger. Diesen Preisunterschied bekommt man mit den ausbeuterischsten Produktionsbedingungen der Welt nicht hin, also muss es sich also um zwei unterschiedliche Ficus microcarpa ginseng handeln. So ist es auch; die Lösung des Geheimnisses steckt im geschickten Gebrauch des Wortes „Ginseng“, das doppeldeutig eingesetzt werden kann:

Ein echter Ficus microcarpa ginseng trägt den Beinamen „ginseng“ als Kennzeichen dafür, dass hier ein Bonsai in einer besonderen Form mit Wurzelbehandlung gezogen wurde; mit dem eigentlichen botanischen Namen der Pflanze hat der Begriff „ginseng“ hier nichts zu tun.

Der „schnelle“ Ficus microcarpa ginseng ist eine Zuchtsorte des Ficus microcarpa, die vom Handel geschickt den (nicht geschützten) Namen „ginseng“ verpasst bekam. Nach den Vorschriften der botanischen Nomenklatur müsste diese Pflanze als Ficus microcarpa ‚Ginseng‘ verkauft werden – wie der Apfelbaum mit den bekannten gelbgrünen Äpfeln eben von fachkundigen Händlern als Malus domestica ‘Golden Delicious’ verkauft wird und die Hortensie mit den großen weißen Blütenbällen als Hydrangea arborescens ‚Annabelle‘. Der Sinn ist, dass der fachkundige Kunde genau  die Pflanze bekommt, die er haben wollte, weil der botanische Name die Pflanze eindeutig bezeichnet.

Im Schnell-und-Billig-Handel interessieren korrekte Namen die Händler nicht, und viele Kunden auch nicht, weil sie nie von einem echten Gärtner bedient wurden, der ihnen die Pflanzennamen erklärt hat.

6. Hier findet sich der Grund dafür, warum wir gerade von völlig untypischen „Feigenbaum-Bonsais“ überschwemmt werden:

Ein ganzes Feld von Ficus-microcarpa-Luftwurzeln zu ziehen, geht im passenden Klima rasend schnell, jede Luftwurzel wird unter dem Hackebeilchen zu mehreren Ficus microcarpa ‚Ginseng‘, viele „Bonsais“, die von der Pflanzenindustrie erfunden wurden … die ersten Bonsai-Ficus tauchten auf Handelsshows der Grünpflanzenindustrie in den USA auf, dann wurde der Ficus Ginseng bei uns eingeführt (Juli 2015 ‚Zimmerpflanze des Monats‘); er wird seitdem von immer neuen Pflanzenhändlern entdeckt, die große Gewinnspannen äußerst erfreulich finden.

Fazit: Den Ficus microcarpa ‚Ginseng‘ können Sie je nach Einstellung und Laune als Kunden-Veräppelunng, als lebendes Übungsobjekt für die Bonsai-Kultur oder als gefesselten Feigenbaum empfinden (dem Sie zu einem Leben in Freiheit verhelfen können). Immerhin: Eine Pflanze, viele Möglichkeiten.