Blauregen giftig Glyzinie

Diese Kletterpflanze liefert reichlich grünes Blattwerk und blaue Blüten. Ideal, um ganze Wände dekorativ damit zu bedecken. Doch sie produziert auch drei Stoffe, die für Mensch und Tier gleichermaßen giftig sind. Wenn sie in Ihrer Reichweite wächst, sollten Sie alles über die Giftigkeit wissen. Der richtige Umgang mit der lauernden Gefahr ist im wahrsten Sinne des Wortes lebensrettend.

Die drei Gifte im Blauregen

Als wenn ein Giftstoff allein nicht ausreicht, produziert die Blauregenpflanze gleich drei verschiedene davon. Jeder für sich hat ausreichend Kraft, einem Menschen ernsthaft Schaden zuzufügen, bis hin zum tödlichen Ausgang. Besonders kleine Kinder sind den Wirkungen schutzlos ausgeliefert. Die drei Giftstoffe tragen folgende Namen:

  • Alkaloid
  • Lektin
  • Wistarin

Während die Alkaloide in sämtlichen Pflanzenteilen anzutreffen sind, tummeln sich die beiden anderen Stoffe in bestimmten Teilen des Blauregens bzw. Glyzinie, wie ihr wissenschaftlicher Name lautet. Lesen Sie nachfolgend mehr zu den Wirkungen und Vorkommen der einzelnen Gifte.

Alkaloide schlummern in allen Pflanzenteilen

Blauregen giftig GlyzinieAlkaloide sind organische Verbindungen, die in der Natur in mehr als 10.000 unterschiedlichen Varianten vorkommen. Alle sind ausnahmslos giftig, jedoch nicht alle gleich stark. Allen gemeinsam ist jedoch der bittere Geschmack, der zum Glück die ihn beherbergenden Pflanzenteile nicht appetitlich macht. Der Hautkontakt ist allerdings eine weitere Möglichkeit mit diesem Giftstoff in Berührung zu kommen.

Vergiftungssymptome
Das in der Glyzinie enthaltene Alkaloid wird als eher harmlos eingestuft, bleibt aber dennoch giftig. Hautkontakt mit diesem Gift kann bei empfindlichen Menschen diverse Vergiftungserscheinungen hervorrufen.

  • schmerzende Irritationen an der Haut
  • z. B. Dermatitis

Hülsen und Samen enthalten Lektin

Im rohen Zustand enthalten die meisten Hülsenfrüchte Lektin. Eine höhere Konzentration davon löst bei Menschen gesundheitliche Beschwerden aus. Deswegen werden Hülsenfrüchte stets gekocht verzehrt. Als Ricin wird die Form des Lektins bezeichnet, die im Blauregen vorkommt. Das zeitige Wegschneiden von verwelkten Blüten verringert das Risiko, diesen Giftstoff aufzunehmen.

  • kommt in hoher Dosierung vor
  • schon wenige Gramm sind tödlich
  • bei Erwachsenen lösen bereits drei Samen Vergiftungserscheinungen
  • bei Kindern genügen schon zwei Samen

Tipp: Die reifen Hülsenfrüchte des Wunderbaums, wie Blauregen auch genannt wird, platzen mit einem lauten Knall auf und schleudern dabei ihre Samen heraus. Dieses Schauspiel fasziniert Kinder sehr und lockt sie in die Nähe dieser giftigen kleinen Körner.
Vergiftungssymptome
Wenn große Mengen an Samen und Hülsen verzehrt werden, kann das zu Kreislaufkollaps und anschließendem Herzstillstand kommen. Deswegen ist es wichtig, Vergiftungen rechtzeitig anhand der Symptome zu erkennen und entsprechend schnell und richtig zu handeln.
  • geweitete Augenpupillen
  • blasse Gesichtshaut
  • starke Kopfschmerzen
  • Magenkrämpfe und Durchfall
  • Übelkeit gefolgt von Erbrechen

Wistarin kommt in Rinde und Wurzeln vor

Blauregen giftig GlyzinieDer Stoff Wistarin ist ebenfalls giftig und kommt ausschließlich im Blauregen vor. Er verbirgt sich in der Rinde und den Wurzeln der Glyzinie und wird durch Verzehr und Hautkontakt aufgenommen. Obwohl sich die Wissenschaftler über das Ausmaß seiner Giftigkeit nicht ganz einig sind, sind die Folgen seiner Aufnahme keinesfalls harmlos.

Vergiftungssymptome
Welche Giftmenge zu Vergiftungserscheinungen führt, ist noch nicht klar. Wird jedoch die noch unbekannte Grenze überschritten, kommt es zu diesen Folgen:

  • Schädigung des zentralen Nervensystems
  • Erbrechen
  • akute Atemlähmung

Wistarin hat eine bittere Geschmacksnote, weswegen die Verzehrversuchung als gering einzuschätzen ist. Dagegen ist Körperkontakt mehr als wahrscheinlich, wenn der Besitzer am Blauregen Schnittmaßnahmen ausführt. Handschuhe schützen hier nicht nur vor Schnittverletzungen, sie können vielmehr lebensrettend sein.

Erste Hilfe Maßnahmen

Die Vergiftung durch diese Kletterpflanze ist nicht harmlos, es besteht sofortiger Handlungsbedarf! Rufen Sie den Notruf an, sobald Sie Vergiftungserscheinungen bemerken. Bis der Notarzt eintrifft, können Sie für folgende Erste Hilfe Maßnahmen selbst sorgen:

  • dem Betroffenen Tee oder Wasser reichen
  • muss in kleinen Schlucken getrunken werden
  • bei Hautkontakt mit Gift, diese unter fließendem Wasser säubern
  • bei Bewusstlosigkeit: Atmung kontrollieren
  • ggf. Wiederbelebungsmaßnahmen einleiten
  • bei selbstständiger Atmung Person in die stabile Seitenlage bringen

Bitte Folgendes unbedingt beachten:

  • keine Milch geben
  • nicht Erbrechen auslösen
  • medizinische Kohle nur auf Arztanweisung geben

Auch angesichts der Gefährlichkeit der Vergiftung, versuchen Sie trotzdem so gut es geht ruhig zu bleiben. Panisches Verhalten verschlimmert nur die Symptome. Halten Sie die Person mit einer Decke warm und bleiben Sie in ihrer Nähe, bis der Arzt da ist. Wichtig ist auch, im Augenkontakt mit der betroffenen Person zu bleiben.

Blauregen – eine Gefahr für Hunde und Katzen?

Blauregen giftig GlyzinieJa, auch für Katzen und Hunde sind die drei zuvor beschriebenen Stoffe giftig. Aufgrund ihrer geringeren Körpergröße genügen schon kleinste Mengen, um lebensbedrohliche Vergiftungs-erscheinungen hervorzurufen.
Mehrschweinchen, Kaninchen, Vögeln und viele andere Haustiere sind ebenfalls betroffen. Sogar für große Pferde ist dieses Gewächs in größeren Mengen giftig. Blauregen taugt deswegen niemals als Grünfutter für Tiere.

Vergiftungssymptome bei Tieren
Bei unseren tierischen Freunden machen sich die Gifte der Glyzinie mit folgenden Symptomen bemerkbar:

  • Erbrechen und Durchfall
  • Kreislaufkollaps
  • Herzstillstand

Handeln Sie sofort, damit das Tier eine Überlebenschance hat. Es kann sich allein nicht helfen, noch gehen die Symptome mit der Zeit einfach weg.

Erste Hilfe Maßnahmen bei Tieren

Das Tier muss unverzüglich zum Tierarzt. Sollten die Vergiftungserscheinungen außerhalb der Praxiszeiten auftreten, kann Ihnen die Giftnotrufzentrale erste Unterstützung geben bzw. weiteres Vorgehen empfehlen. Bevor Sie mit Ihrem Haustier zum Tierarzt losfahren, sollten Sie zuvor einige Maßnahmen selbst durchführen:

  • Pflanzenreste aus dem Maul entfernen
  • Reste in eine Tüte einpacken und zum Arzt mitnehmen
  • Zunge beiseiteschieben und so Atemwege frei machen

Versuchen Sie nicht Erbrechen herbeizuführen, auch mit der Verabreichung von Flüssigkeiten ist ohne ausdrücklichen fachmännischen Rat Vorsicht geboten.

Kletternde Alternativen für Blauregen

Da so viele Gefahren vom Blauregen ausgehen, kann man leichten Herzens auf seine Schönheit verzichten. Der Verzicht ist gar nicht mal so groß, denn es gibt genügend alternative und vor allem ungiftige Kletterpflanzen, die ihren eigenen Reiz haben.

Kletterrosen
Die Königin der Pflanzen gibt es auch in der kletternden Variante, und das in unzähligen Farben und Blütenformen. Nicht zu vergessen: der mitgelieferte Duft. Eine Kletterrose wächst zwar langsam, erreicht aber je nach Sorte Höhen bis 15 m. Da eine Hausfassade für die lange Dauer angelegt ist, passt beides gut zusammen.

Weinrebe - Blauregen giftig GlyzinieWeinreben
Sie können es mit ihrem Klettereifer gut mit dem Blauregen aufnehmen. Satte drei Meter schaffen Weinreben pro Jahr. Sie sind dabei vollkommen ungiftig. Im Herbst belohnen uns viele Sorten sogar mit ihren süßen Früchten. Ideal für ein Familienhaus mit kleinen Naschkatzen.

Kletterhortensien
Sie sind noch einfacher im Anbau als der Blauregen. Mit ihren eigenen Haftorganen klettern sie jede Wand empor. In der Sommerzeit schmücken sie diese mit zauberhaften Blüten. Eine durch und durch ungiftige Alternative für die gefährliche Glyzinie.

Bitte nicht diese Kletterkünstler!

Nicht jede Kletterpflanze ist eine Alternative zu Blauregen. Waldrebe, Wilder Wein, Geißblatt und viele weitere Kletterer bringen ihre eigenen, nicht minder gefährlichen Giftstoffe mit. Wenn Sie bei der Planung Ihrer Fassadenbegrünung irgendeine Kletterpflanze beeindruckt, sollte Sie diese unbedingt auf Giftigkeit checken. Die Devise kann nur lauten: Besser rechtzeitig vorbeugen, als zu spät handeln!

Fazit
Der Blauregen bildet drei starke Gifte und ist damit vor allem für neugierige Kinder und kleinere Haustiere eine echte Lebensgefahr. Nur das Wissen um die Giftigkeit ermöglicht einen verantwortungsvollen Umgang damit. Angefangen bei einem bewussten Verzicht auf diese Kletterpflanze bis hin zur Aufklärung über Verhaltensregeln, Vergiftungssymptome und Erste Hilfe Maßnahmen.